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More Relics -
A Tribute To Pink Floyd

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More Relics - A Tribute To Pink Floyd
More Relics - A Tribute To Pink Floyd, Sysyphus Records, 2001
Produziert von: Uwe Göller Länge: 79 Min 45 Sek Medium: CD
1. Rüdiger Gleisberg - Sysyphus (4:27)6. Liquid Visions - Ibiza Bar (4:01)
2. Mr. Quimby's Beard - A Saucerful Of Secrets (11:44)7. Sula Bassana - Baby Blue Shuffle In D Major (9:32)
3. Solar Project - Echoes (23:29)8. Invisible Unit - Pow R. Toc H. (4:10)
4. RPWL - Fat Old Sun (8:14)9. Masterkey - Eclipse (6:08)
5. Fantasyy Factoryy - Embryo (8:02)

Ein weiterer Pink Floyd-Tribute. Wer braucht das? Und auch noch von deutschen Bands eingespielte Versionen. Klingt als wollte man deutschen Fußball mit dem aus Kamerun vergleichen. Wo die einen zaubern, stolpern die anderen.
Dazu kommt, dass auf "More Relics" Songs aus den Jahren 1967 bis '73 vertreten sind. Also die Anfangsjahre, mit denen ich eigentlich nie besonders viel anfangen konnte.
Mit Schaudern erinnere ich mich an manche Partys, bei denen die erste LP "The Piper At The Gates Of Dawn" immer und immer wieder gespielt wurde und kluge Gymnasiasten wurden nicht müde zu betonen, was für ein genialer Songschreiber Syd Barrett doch sei. Nur leider war der zu Beginn der 70er Jahre schon in einer (seiner) Parallelwelt gelandet und seine musikalischen Ergüsse klangen für mich wie musikalischer Dadaismus. Ich hielt mich lieber an handfestes wie Deep Purple oder Black Sabbath.

Gar keine guten Voraussetzungen für dieses Tribute Album also.
Nur, wer sich zuerst das Maul zerreißt, muss hinterher auch büßen.
"More Relics" ist nämlich ein ganz außergewöhnliches Album. Die beteiligten Bands und Musiker aus Deutschland und England (Mr. Quimby's Beard) haben nämlich nicht nur gecovert und alten Staub aus längst vergangenen Zeiten aufgewirbelt, sondern sie beweisen, dass man auch heute noch guten und innovativen Art- und Psychedelic Rock machen kann ohne zu langweilen.

Die Psychedelic Szene ist eine besondere Szene. Mehr oder weniger in sich abgeschlossen und relativ unbeachtet von der breiten Masse, tummeln sich alte und junge Hippies in bunten Farben, wirbelnden Tönen, duftenden Wolken und angenehmen Drogen. Man sollte sich mal die Zeit nehmen und die Homepages der beteiligten Bands besuchen. Wirklich interessant, was für Kunstwerke teilweise zu bestaunen sind.

"More Relics" beginnt mit Sysyphus aus dem Jahr 1969 und auf der LP "Ummagumma" ein vierteiliges Werk. Der studierte Musiker Rüdiger Gleisberg hat eine Interpretation zwischen E(lektronischer)- und E(rnster)-Musik daraus gemacht. Sysyphus strahlt keinen Hippie-Appeal aus, sondern klingt eher wie der Soundtrack eines deutschen Film-Psychograms. Interessanter Einstieg.

Bereits mit A Saucerful Of Secrets (übrigens nicht von der gleichnamigen LP, sondern von "Ummagumma") hätte ich normalerweise Probleme. Das Original ist knapp 13 Minuten lang, die Briten MR. QUIMBY'S BEARD haben es auf "nur" knapp 12 Minuten reduziert. Purer Space Rock (ich höre doch immer wieder HAWKWIND) mit flirrenden, blubbernden Synthesizer-Sounds und von links nach rechts "wandernder" Percussion- und Drum Begleitung. Reichlich wirr, aber nach gut 5 Minuten kriegen sie die Kurve und plötzlich haben wir einen klasse Song.
Die Band gibt es schon seit mehr als 10 Jahren und ich werde mich demnächst intensiver mit ihren bisherigen Alben beschäftigen.

SOLAR PROJECT kommen anschließend mit einer sehr schönen Version von Echoes (auf "Meddle", 1971). Astreine Gitarrenarbeit und stimmiger Gesang, tolle Keyboards. Und das 23 Minuten lang! Ein toller Trip. Natürlich ist so was heutzutage reichlich versponnen, aber die Band aus Moers weiß was sie tut. Immerhin existiert das SOLAR PROJECT seit 1990 und hat eine ganze Latte CDs auf dem Buckel.
Echoes kommt gewaltig gut.

Fat Old Sun von "Atom Heart Mother" ist dann der endgültige Beweis. Die alten Pink Floyd-Schinken sind problemlos ins Jahr 2002 transportierbar. Das ist moderner Prog Rock ohne sinnlose Schnörkel und mit Betonung auf Rock. Großartig. RPWL muss der Prog Rock Fan unbedingt genauer unter die Lupe nehmen. Klasse Band.

Nach diesem vierten Track der CD hat man bereits 45 Minuten hinter sich. Verblüffend, wie schnell die Zeit mit solcher Musik vergehen kann.

Für den Song Embryo musste ich erst mal gründlich meine alten Platten durchwühlen. Und ich hab ihn prompt nicht gefunden.
Embryo war ein Outtake von "Ummagumma" und wurde erstmals auf der Psychedelic-, Prog-, Folk-Compilation "Picnic" 1970 veröffentlicht. Echte Floyd-Sammler haben sicher auch das Livealbum "Bytes Of The Talisman" von 1971, auf dem die Nummer ebenfalls vertreten ist.
Eine schöne Ausgrabung, die vor allem durch das Spiel zwischen Querflöte und Gitarre lebt. Nur ist der Song an sich nicht die stärkste Komposition von Roger Waters und wohl zurecht nicht auf "Ummagumma" gelandet. FANTASYY FACTORYY haben trotzdem sehr ordentliches geleistet.

Mit Ibiza Bar wird es dann wieder rockig modern. Man glaubt kaum, dass der Song 32 Jahre alt ist und auf dem Soundtrack "More" das Licht der Welt erblickte.
LIQUID VISIONS kommen aus Berlin und sind weit mehr als eine Psychedelic Band. Man hört Stoner Rock, eine Mischung aus Spät-Grunge und klassischem (Hard) Rock und insgesamt eine frische junge Band. Mehr über LIQUID VISIONS demnächst im Home of Rock.

SULA BASSANA ist eigentlich Dave Schmidt und der ist Bassist von LIQUID VISIONS. Sula Bassana ist nichts anderes als ein Vogel namens Baßtölpel (lateinisch Morus bassanus)...
Auch hier klingt es modern. Allerdings weit elektronischer, spaciger, Ambient-TripHop würde mir als neue Stilrichtung dazu einfallen (oder wie immer man das heutzutage nennen würde...). Ich habe keine Ahnung, ob ich solche Musik auf Dauer ertragen könnte, aber wenn man als Vorlage Pink Floyd nimmt, dann kommt ein gutes Ergebnis dabei heraus.
Es handelt sich wieder um ein relativ unbekanntes Stück. Baby Blue Shuffle In D Major ist nämlich unter diesem Namen nie auf einer LP gelandet. Hört man sich den Part 1 von The Narrow Way auf "Ummagumma" an, dann hat man das Original.

Der Name Syd Barrett taucht auf der gesamten CD nur einmal in den Songwriter Credits auf. Bei Pow R. Toc H.. Und das langt dann auch. Wirres Gedudel mit irgendwelchen Free Jazz Anleihen. Ich habe mir erspart, zum Vergleich das Original (auf dem Debüt "The Piper At The Gates Of Dawn" von 1967) noch mal anzuhören.
In meinen Ohren der einzige Ausfall auf dieser CD. Die Band INVISIBLE UNIT hätte musikalisch ganz sicher mehr drauf.

Zum Abschluss gibt es das "jüngste" Stück der CD. Eclipse von "Dark Side Of The Moon" aus dem Jahr 1973. Schön und brav gemacht, aber relativ höhepunktarm. War auch im Original nie mein Favorit.

Um meine Frage von oben selbst zu beantworten: Diese CD braucht natürlich nicht jedermann. Aber wer Pink Floyd mochte oder mag und wer nicht (wie die Originale) inzwischen versteinert ist, sollte sich dieses Tribute Album unbedingt holen.
So macht diese alte Musik wirklich Spaß und gibt Hoffnung, dass man in nächster Zeit mehr von diesen Bands hören wird.
Klasse ist auch das durchgehend hohe Niveau der Musiker und die hervorragende Soundqualität.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 30.06.2002

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