|
|
| Gospel For J.F.P.III - Tribute To Jaco Pastorius, Moonjune Records, 2005 |
|
Länge: 69 Min 13 Sek |
Medium: CD |
|
 |
Jaco Pastorius, mit bürgerlichem Namen John Francis Pastorius III., am 21.09.1987 im Alter von nur 36 Jahren verstorben, ist bis heute ein geradezu magischer Name für jeden angehenden Bassisten. Mit seiner unglaublichen Virtuosität und seinem ureigenen, immer wieder kopierten und doch nie erreichten Flaggeolet-Stil hat er die Bedeutung des Basses von der reinen Begleitfunktion zu einem gleichwertigen Soloinstrument erhöht. Legendär war er insbesondere als Bestandteil von WEATHER REPORT, darüber hinaus spielte er mit Musikern wie Herbie Hancock, Joni Mitchell, Pat Metheny, John Scofield, Al di Meola oder Paul Bley zusammen. Er revolutionierte vor allem den Gebrauch des bundlosen elektrischen Basses im Jazz, seine Einflüsse reichen aber weit darüber hinweg, zum Rock bis hin zu tagtäglich hörbarer Gebrauchsmusik.
Sein Lernvideo "Modern Electric Bass" von 1985 ist bis heute Standard-Lehrwerk und als Inspiration bezeichnen ihn Bassisten aus dem Jazzbereich wie Marcus Miller oder Victor Bailey, aber auch Rockmusiker über Flea (RED HOT CHILI PEPPERS) oder Mark King (LEVEL 42), bis zu Jack Bruce (CREAM), über alle stilistischen Grenzen hinaus hat er Spuren und Eindrücke hinterlassen.
Mit "Gospel For J.F.P.III - Tribute To Jaco Pastorius" wurde Pastorius ein weiteres kleines aber feines Gedenksteinchen gesetzt.
1) Hiram Bullock, Birelli Lahrene & CONTRAFARSA: Three Views Of A Secret
CONTRAFARSA ist ein vierzehnköpfiger Chor aus Uruguay, der hier die Einleitung intoniert und ins Finale mit einstimmt. Dazwischen gibt es mehr (Lagrene) und etwas weniger (Bullock) spannende Gitarrenkunst in einem stark folkloristisch geprägten Jazzstück.
2) Michael Gerber, Toninho Horta, Kenny Davis, Danny Gottlieb & Armando Marcal: Las Olas
Dieses Stück taucht sonst nur auf einer Scheibe von Airto & Flora Purim auf ("I'm Fine, How Are You?"). Klassischer brasilianischer Folkjazz mit wundervoll luftiger Gitarre von Horta.
3) Othello Molinaux, Bob Mintzer, Abel Pabon, Pete Sebastian, Jonathan Joseph & Robert Thomas Jr.: Havona
Ein Titel vom legendären "Heavy Weather"-Album von WEATHER REPORT, hier in interessanter Variation durch die Steel Drums von Othello Molineaux. Frische Fusion mit Ethno-Touch, bei den Solobeiträgen wissen vor allem Sebastian am Bass und Mintzer am Saxophon zu überzeugen.
4) Michael Gerber, Gil Goldstein, Romero Lubambo, Mike Stern & Armando Marcal: Continuum
Das Debütalbum von Pastorius aus dem Jahre 1976 war eine Bombe - und zwar eine, die noch heute zündet. Auf ihr befand sich auch Continuum, eine ruhige, schwebende, fast sphärische Nummer. In dieser Aufnahme hier wurde bewusst auf einen Bassisten verzichtet, dafür fließen die Töne zweier Gitarren (Lubambo an der akustischen, Stern an der elektrischen) mit ein.
5) Ines Bergara, Hugo Fattoruso & Felix Pastorius: I Can Dig It Baby
Mit reichlich Chor und Percussion etwas überarrangierter funkiger Samba. Das Stück von Willie Hale, Berry Wright & Willie Clarke war das Debüt von Jaco Pastorius als Studiomusiker. Auf der LP von LITTLE BEAVER (der Kampfname von Willie Hale) mit dem Titel "Party Down" wurde Pastorius fälschlich als Nelson "Jocko" Padron gelistet.
6) Michael Gerber, Kenny Davis & Billy Hart: Dania
Klassisches Piano-Jazz-Trio. Gerber überzeugt mit Sensibilität, Energie und Einfühlungsvermögen sowie gleichzeitig dem notwendigen Kick.
7) Gil Goldstein: Punk Jazz
Goldstein war auch schon Pianist bei Billy Cobham, ist aber insbesondere bekannt als Produzent und Arrangeur für Pat Martino, die BRECKER BROTHERS, Jim Hall, Quincy Jones, Miles Davis oder Pat Metheny. Hier interpretiert er ein Stück von Pastorius für WEATHER REPORT mit verschiedenen Akkordeonen, wobei er Gitarreneffektgeräte am Akkordeon sowie ein Bass-Akkordeon verwendete.
8) Kenwood Dennard, Marcus Miller, Hiram Bullock, Delmar Brown & Charles Blenzig: Teen Town
Ein weiteres Stück von "Heavy Weather", hier als rhythmusbetonte, knallige Fusion mit einem der kongenialen Nachfahren von Pastorius, dem Donnerdaumen Marcus Miller.
9) Rich Franks, Alex Darqui & John Patitucci: Microcosm
Vom 21-jährigen Pastorius komponiert, ist dieses Stück nie auf einem seiner regulären Alben aufgetaucht. Gemeinsam musizierten Franks und Darqui mit Pastorius bei LAS OLAS BRASS, wo Franks den damals 16-jährigen Pastorius als Drummer ablöste und ihn zum Bass brachte. Die Musikwelt sollte also auch einmal Rich Franks ihre Dankbarkeit erweisen. Mit dem zartseidigen Bassspiel von Patitucci ein elegantes Jazzstückchen.
10) ZEBRA COAST: Good Morning Anya
ZEBRA COAST ist das Qartett von Gil Goldstein, der hier Piano und Akkordeon spielt, mit Jorge Pardo am Saxophon, Alex Acuna an der Percussion und Charles Benavent am bundlosen Bass. Die ebenfalls unveröffentlichte Komposition (eine unvollständige Version gibt es auf "Holiday For Pans") verzaubert als heiter-gelassene Folklore (heutzutage nennt man das wohl Worldmusic).
11) Hugo Fattoruso, Francisco Fattoruso & Jorge Osvaldo Fattoruso: Gospel For J.F.P.III
Komposition von Hugo Fattoruso und Neil Weiss zu Ehren von Jaco Pastorius. Die Fattoruso-Brüder aus Uruguay (Hugo & Jorge Osvaldo) spielten schon bei der World-Fusion-Gruppe OPA, bei Airto Moreira und Manolo Badrena zusammen. Hier hat Hugos Sohn Francicso den Basspart übernommen. Leider eine ziemlich blasse Komposition, verwässerte Elektronik-Klänge, dazu ein unnötiges Fade-Out, trüben zum Schluss ein wenig den ansonsten sehr positiven Eindruck dieses Samplers.
Fazit: Eine fast durchweg sehr hörenswerte Compilation im Gedenken an einen herausragenden Musiker, die auch Anlass sein sollte, sich wieder einmal mit den Originalen von Pastorius auseinander zusetzen.
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn: 
|