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Elvis Hits in Deutsch

Folge 1-4
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Elvis Hits in Deutsch, Folge 1
Elvis Hits in Deutsch, Folge 2
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Elvis Hits in Deutsch, Folge 4
Elvis Hits in Deutsch - Folge 1-4, ...And More Bears, 2004
Länge: 53 Min 34 Sek, 48 Min 25 Sek, 49 Min 37 Sek, 58 Min 08 Sek Medium: 4 CDs
Beteiligte Künstler:
Gerhard WendlandCharlie & Co.
Maria MuckePeter Kraus
Paul KuhnBilly Sanders
Robert BennettWill Brandes
Ted HeroldBert Suplie
Gus BackusGerd Böttcher
Bobby Rizz (Aki Haman)Freddy Quinn
Wolfgang RosenHans Blum
Peter BeilMichael Holm
Detlef EngelKnut Kiesewetter
Lys AssiaJo Roland
John Ulrik & The NordwindsDie Missouris
Rex GildoWyn Hoop
Bill RamseyBobby Solo
René KolloRainer Bertram
Teddy PalmerUrsel Jakob
Tommy KentRocking Stars
Rock And Rollers (Orchester Johannes Fehring)Bob Telden
Sylvia DahlHansen Quartett
Wolfgang GrafWerner Overheidt
Roy BlackKurt Stelly
Peter AlexanderJonny (Wolfgang Graf)
Johnny ReimarUdo Jürgens
Harry GlückBernd Spier
Ricky ShayneOliver Hardt

Zugegeben, das Folgende mag dem Home of Rock Leser skurril anmuten. Aber bitte glaubt mir, dem Schreiberling kam die Musik auch skurril vor. Was haben wir gelacht, alleine schon beim Lesen der Namen auf diesen vier CDs. Und dann die Jahreszahlen: 1957 bis '69. Deutsche Künstler singen Elvis! Ein einziger Schenkelklopfer.

Jetzt ist es aber unbestritten so, daß dieser Herr Presley selbst dem allerhärtesten Rocker (zu denen der Rezensent sich selbstverständlich zählt) bis heute immer wieder ein ganz klein wenig Respekt abnötigt. Nicht weil er so irrsinnig gut aussah. Pah. Auch nicht wegen seinem monumentalem Erfolg, den Frauen, der Kohle, den Drogen, den Autos, Graceland, Swimmingpools oder Fast-Futter namens Hamburger vom goldenen Tablett. Ach was. Das Ding ist, Elvis Presley ist einer von denen, die den Weg geebnet haben für uns, die wir auch Jeans haben und wild und verwegen aussehen wollten. Natürlich, für jemanden des Jahrgangs 62 spielte er vordergründig diese Rolle nicht mehr, die hatten längst Leute wie Jim Morrison, Jimi Hendrix (auch bereits retrospektiv) und natürlich Bon Scott oder Robert Plant übernommen.
Simpel gesagt, ich wußte damals in den Siebzigern nicht, daß Elvis - genau wie beispielsweise James Dean - so unsagbar wichtig für uns war. Wir sahen nur den fetten, dekadenten Superstar, der 1977 an sich selbst erstickt ist. Wie erbärmlich, John Lennon wurde wenigstens erschossen und die anderen sind immerhin an richtigen Drogen verreckt...

Man muß nicht Geschichte studiert haben, um sich in die Mitte der Fünfziger Jahre zurückzuversetzen. Ein Griff ins CD-Regal genügt. Entweder man zieht sich eine der unendlich vielen Elvis-Compilations heraus (von denen übrigens jeder Musikfan mindestens eine repräsentative besitzen sollte), oder man besorgt sich die 4 CDs um die es hier eigentlich gehen soll. Das "... And More Bears" Label hat eine Sammlung veröffentlicht, die wirklich einzigartig ist.
"... And More Bears" ist ein Ableger des bekannten "Bear Family" Labels, und wer jemals eine CD dieser Firma besessen hat, wird wissen, daß es sich bei den Machern um Verrückte handelt. Obskurste Ausgrabungen, absurdeste Zusammenstellungen, längst vergessene Musiker und Aufnahmen, und alles in hervorragender Form aufbereitet, (fast) immer mit großartigen Erläuterungen im Booklet, soundtechnisch bestens restauriert, man spürt, daß hier echte Fans am Werk sind. Ich gebe zu, ich besitze einige CDs dieser Firma nur, weil ich die Covertexte als Nachschlagewerke benutze, beziehungsweise sie (die Texte) einfach gut finde.

Schon wieder abgeschweift. Also, diese 4 CDs sind voll mit deutschsprachigen Coverversionen von Elvis-Songs. Ich möchte hier nicht über die Home of Rock-kompatible Qualität dieser Musik sprechen, es macht nun wirklich keinen Sinn, die Ergüsse eines Paul Kuhn zum Thema Blue Suede Shoes näher zu erläutern. Die Nummer hieß bezeichnenderweise Die blauen Wildlederschuhe und damit sind wir bei den oben angesprochenen Schenkelklopfern angekommen.
Daß Ted Herold ein durchaus ernstzunehmender Rock'n'Roller war und Peter Kraus von Anfang an ein Schmierlappen gewesen ist... wissen wir doch. Darum geht es bei diesen CDs gar nicht. Wichtig sind ganz andere Aspekte. Zum Beispiel, daß im Nachkriegs-Wirtschaftswunderdeutschland die Produzenten plötzlich vor einem riesigen Problem standen: In Amerika machte ein Haufen Musiker plötzlich infernalischen Krach und es war absehbar, daß auch die Jugend im Volkswagenland sehr bald nach diesem Lärm verlangen würde und noch dazu eine zahlungskräftige Kundschaft werden könnte. Immerhin ging es aufwärts und seit '54 waren wir wieder wer.
Was tun? Die "Neger", wie z.B. Chuck Berry, waren gar nicht vermittelbar, diesen Elvis (der trotz allem Erfolg - dank cleverer Vermarktung - bekanntlich im bigotten Amerika auf massiven Widerstand stieß) konnte man nicht einfach einfliegen lassen - ein Geschenk Gottes, daß er ab 1958 seinen Militärdienst in Deutschland ableisten mußte. Also nahm man seine Lieder und ließ sie von deutschen oder deutschsprachigen Künstlern in übersetzten Fassungen absingen. Prost & Mahlzeit.

Auf zwei CDs gibt es übersetzte Songs aus den Filmen des King, die beiden anderen Compilations setzen sich aus "einfach so" gecoverten Nummern zusammen. Speziell die Aufnahmen aus den Fünfzigern sind zu einem großen Teil unfaßbar albern - zumindest aus heutiger Sicht. Kreuzbrave deutsche Unterhaltungskünstler "mußten" plötzlich diese abartige Hottentottenmusik interpretieren und das Ergebnis dürfte klar sein. Erst knapp 50 Jahre später ist dergleichen wieder ohne Wutausbruch und mit einem herzhaften Lachen konsumierbar. Ganz besonders, wenn man die hervorragenden Linernotes in den Booklets parallel dazu liest. Keine Spur von Schönfärberei, im Gegenteil, die Katastrophen werden auch so bezeichnet und die historischen Hintergründe zu Aufnahmen, Produzenten und Interpreten werden detailliert beschrieben. Beispielsweise erfährt man - und kann es natürlich gleichzeitig auch hören, daß der Vater unseres Lieblingstexters mindestens genauso unerträglich war wie sein Sprößling. Ralph Maria Siegel heißt der Verursacher allen Grand Prix Übels, ich sage nur Caprifischer. Toll!

So, und jetzt zu meinen Favoriten. Ted Herold ist ein ganz großer Shouter gewesen. Der hatte so viel Dreck in der Stimme, daß ihm mancher Ausrutscher verziehen sei. Er ist mit insgesamt 16 Nummern auf den vier CDs vertreten. Die ROCKING STARS, mit dem heftigen Kracher Tina Darling (Shake Rattle And Roll), lassen mich auf eine intensive Suche nach weiteren Aufnahmen gehen. Rex Gildo (sorry Folks, es ist wirklich so!) kommt mit Devil In Disguise, das mit Liebe kälter als Eis übersetzt wurde, überraschend unpeinlich daher. Und als absoluter Knaller Ricky Shayne mit In Chicago (In The Ghetto).

Wer einen Sinn für Kuriositäten hat und sich auch mal rein geschichtlich mit Musik beschäftigen will oder einfach völlig vergessene Namen entdecken möchte, hat mit diesen vier CDs ein wahres Füllhorn vor sich. Alle anderen lassen natürlich die Finger weg. Außer, Mami und Papi haben demnächst ihren fünfundvierzigsten Hochzeitstag und man braucht noch ein Geschenk.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 27.01.2005

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