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| Cosmic Kraut Explosion, Early Birds/Pandora's Box, 2003 |
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Länge: 71 Min 49 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Kyrie - Das Zeichen | 7. Future City - Crimson Moon |
| 2. She Brings The Rain - Artwork | 8. Oasis - Ornah-Mental |
| 3. Hey John - Fantasyy Factoryy | 9. Hopelessly - Final Virus |
| 4. Light Of Day - Seven Boots | 10. Tanz der Götter - Elephants Talk |
| 5. Gamma Ray - Vanille & The Woodpeckers | 11. Ricochet Pt. II - Gleisberg |
| 6. I Don't Live Tomorrow - Stone Cold Fever |
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Es gab mal eine Zeit, lang, lang istīs her, da war in Deutschland musikalisch richtige Aufbruchstimmung. Musik definierte sich noch nicht an Verkaufszahlen, das allseits beliebte Schubladendenken war noch nicht so verbreitet, es herrschte noch eine Neugier nach bisher unbekannten Klängen und eine naive, spielfreudige Experimentierlust, mitunter auch unter
Zuhilfenahme der einen oder anderen mehr oder weniger verbotenen Stimulanz.
Ich spreche hier natürlich vom Zeitalter dessen, was die Kritiker in beispielloser Hilflosigkeit und Ignoranz "Krautrock" benannten, aus dem so viele bahnbrechend neue Innovationen entstanden, auf die sich bis heute zahlreiche Bands oder sogar ganze Musikrichtungen zurückführen
lassen.
So gilt die Gruppe CAN immer noch als beispielhafte Inspirationsquelle des Art Rock und Post Rock, ist die moderne elektronische und Ambient Musik bis hin zum Industrial undenkbar ohne die Einflüsse von TANGERINE DREAM oder KRAFTWERK, CLUSTER oder NEU!.
Dazu gab es noch eher im Jazzrock verhaftete süddeutsche Bands wie POPOL VUH oder GURU GURU und naive Außenseiter wie FAUST. Jedenfalls berufen sich heute noch Musiker wie David Bowie oder David Wyndorf von MONSTER MAGNET und so unterschiedliche Bands wie RADIOHEAD, MASSIVE ATTACK oder MARS VOLTA auf die germanischen Einflüsse aus den frühen
Siebzigern.
Auf dem vorliegenden Sampler nehmen sich junge, vorwiegend deutsche Bands aus den verschiedensten musikalischen Gefilden der betagten Klassiker des Krautrock an, um diese auf ihre Weise neu zu interpretieren.
Den sehr gelungenen Anfang macht dabei das Elektronik-Projekt DAS ZEICHEN um den ex-TON STEINE SCHERBEN-Gitarristen Dirk Schlömer und Sängerin Raphaela Hermes, mit einer wunderbar sphärischen Version des Titels Kyrie von POPOL VUH. DAS ZEICHEN wird gerne mal mit DEAD CAN DANCE verglichen und vereint atmosphärische Sounds mit einem treibenden Groove.
Im Anschluß daran verwandeln ARTWORK die alte CAN-Nummer She Brings The Rain in einen lässigen Mitschnipp-Schleicher für die blaue Stunde in der Cocktailbar.
Sehr stark im Krautrock-Sound kommt die Psychedelia-Band FANTASYY FACTORYY um Alan Tepper mit Hey John von OUT OF FOCUS daher. Lange Improvisationen, darunter die unvermeidliche Querflöte, wecken im kantig-spacigen Gewand Erinnerungen an Kommunen, Teestuben und das Zeitalter des Wassermannes. Leider singt Alan Tepper ziemlich genau wie Uli Roth (ein Vergleich zu dessen Gitarrenspiel wäre vorteilhafter), was andererseits den oftmals etwas unbeholfen-ungehobelten "Krautrocksounds" relativ nahe kommt.
Und wieder schlägt die Flöte zu: auch SEVEN BOOTS halten sich bei dem doch schwächeren Beitrag Light Of The Day an die siebziger Jahre-Vorgaben mitsamt aller Klischees. Na ja, vielleicht liegt es auch daran, dass man die Schweizer von KROKODIL nicht sofort und zwangsläufig im Zusammenhang mit "Krautrock" in den Sinn bekommt, jedenfalls fällt dieses Stück schon ein wenig ab.
Dafür folgt dann der Song, der für mich persönlich einer der Höhepunkte der rockmusikalischen Siebziger und gewissermaßen die Quintessenz nicht nur der Arbeit von BIRTH CONTROL, sondern deutscher Rockmusik der damaligen Zeit darstellt: Gamma Ray. Der damalige Mann meiner Cousine hatte mir das Stück einstmals mindestens zwanzig Mal vorgespielt, bis ich nicht mehr anders konnte und mir die "Live 1974" von BIRTH CONTROL besorgte. Die hier vorliegende Aufnahme von den eher dem Folkrock zugewandten VANILLE & THE WOODPECKERS fängt als entspannter akustischer Jam an, um sich dann doch heftigst rockend in einem ausufernden E-Gitarren-Flug zu entladen. Wirklich klasse.
Die Münchner Band STONE COLD FEVER ist eher dem "klassischen" Hardrock Marke THIN LIZZY, HUMBLE PIE oder BLACK SABBATH zugetan. Entsprechend fällt KARTHAGOs I Don't Live Tomorrow schön straight, schnörkellos und zupackend aus, was sowohl dem Song selbst als auch dem Sampler in punkto Vielseitigkeit gut zu Gesicht steht.
CRIMSON MOON ist ein neues Projekt des schon von FANTASYY FACTORYY bekannten Alan Tepper (ja, er hat auch wieder seine Uli-Roth-Vocals mitgebracht) mit dem Percussionist Carsten Agthe. ELOYs manchmal etwas schwülstiger (manche sagen durchaus kitschiger) Sound, hier von Future City wird in Folk-Psychedelia transponiert.
Sehr spannend, gleichsam einer Wundertüte gleich, waren auch die Scheiben von ASHRA (oder ASHRA TEMPEL). Manchmal kosmisch-versponnen, manchmal früher Spacerock driftete Manuel Göttsching mitunter auch etwas wirr in ethnische Soundgefilde ab. Oasis wird hier von ORNAH-MENTAL, einem weiteren Projekt mit Dirk Schlömer in einen famosen
Space-Dub umgesetzt.
Danach nochmal ein deutlich schwächeres Stück mit Hopelessly von EPITPAPH. Zwar überrascht die Band FINAL VIRUS um den Jazzbassisten Peter Sonntag mit hartem Westcoast-Rocksound, aber ist der Gesangspart doch sehr, nunja, gewöhnungsbedürftig. Man kann sich höchstens damit trösten, dass der Sänger von EPITAPH, Bernd Kolbe, auch nicht unbedingt nachtigallengleich intoniert hat und EPITAPH für mich dieser gewissen Krautrock-Faszination entbehrt, da sie weitaus weniger experimentell, grenzüberschreitend und innovativ waren, sondern vielmehr eine Kopie damaliger US- oder UK-Hardrockbands.
Ein Epizentrum des Krautrocks war bekanntlich Düsseldorf mit Bands wie KRAFTWERK, LA DÜSSELDORF, NEU! oder CLUSTER. Auch aus der nordrheinwestfälischen Landeshauptstadt kommen ELEPHANTS TALK die, der Name lässt es schon vermuten, große Fans von KING CRIMSON sind. Folglich wird der Tanz Der Götter im Original von FLAMING BESS zu einem wirklich überzeugenden groovenden Progrocker.
Erfreulicherweise gibt es dann noch ein Highlight zum Abschluß dieses wirklich gelungenen Samplers: Der Elektronika-Hans-Dampf-In-Vielen-Gassen Rüdiger Gleisberg (u.a. SOLITAIRE, NOSTALGIA) zitiert die Pioniere der elektronischen Musik TANGERINE DREAM mit einer verträumt-magischen Version von Ricochet, Part II.
Das Schöne an diesem Sampler ist, dass nicht nur gecovert wird, sondern ein deutlich spürbares Mass an zeitgemässer Interpretation und eigener Handschrift, ganz in der Intention der musikalischen Vorbilder des Krautrock, die ja auch etwas Neues, Unverwechselbares schaffen wollten (zumindest die kreativen Speerspitzen dieser Zeit). Insofern ist er
empfehlenswert für alle, die sich gerne erinnern wollen, aber auch für diejenigen, die diese aufregendste rockmusikalische Epoche, die mit der Neuen Deutschen Welle ein ernüchterndes Ende fand, nie miterlebt haben.
Zu beziehen ist "Cosmic Kraut Explosion" über Collectorrecords zum Preis von 11 Euro.
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