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Blues Garage - Absolutely Live III

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Blues Garage - Absolutely Live III
Blues Garage - Absolutely Live III, Wallbreaker Live Recording, 2007
Produziert von: Eckhard Gallus Länge: 76 Min 58 Sek Medium: CD
1. Intro - Henry7. Over The Border - The Brandos
2. Guitar Don't Lie - Chris Farlowe & Norman Beaker Band8. Poverty - Meike Koester & Caroline Aiken
3. Home To You - Mike Brosnan9. Sydney Steel/Ready For A Riot - John Campbelljohn
4. Bourbon And A Fast Car - Tony Spinner Band10. Dark Lady - Uli Jon Roth & Sky Band
5. Naked - Elizabeth Lee & Cozmic Mojo11. Red Scar Eyes - Mitch Ryder & Engerling
6. Is It Right - Henrik Freischlader Band12. Hocus Pocus - All Star Band

Unermüdlich, dieser Wallbreaker. Jetzt hat er schon die dritte Compilation in der Blues Garage zu Hannover aufgenommen und es macht nicht den Anschein, dass er müde wird. Das ist gut für den Henry, der einen prächtigen Marketingpartner für seinen Club gefunden hat, und es ist gut fürs Volk, bei dem sich die Qualität der Wallbreaker'schen Aufnahmen längst herumgesprochen hat. Inzwischen wird man sogar bei uns in Bayern von Fans darauf angesprochen. Die Szene ist nicht groß, aber hartnäckig.
"Absolutely Live III" kommt zum 8. Geburtstag der Blues Garage und bringt einen Programmquerschnitt des gesamten Jahr 2006. Zufall oder nicht, diesmal ist der Output blueslastiger als auf Teil 1 und 2. Vordergründig jedenfalls. Und als Reviewer darf man auch zugeben, dass man sich persönlich nicht alle Konzerte der hier versammelten Künstler angetan hätte. Zu puristisch erscheint mancher Name, doch in der Zusammenstellung auf CD kommt ein höchst spannendes Paket heraus. Und zwar eines, das auf die eine und andere Band Lust macht und den Hörer bei der nächsten Tour sicher in den nächstgelegenen Club treibt.

Die Aufnahmetechnik ist nach wie vor die gleiche: 2 Mikrophone vor der Bühne und dann rein mit dem was von selbiger kommt. Dass sich ausgerechnet die bewunderten BRANDOS dabei nicht unbedingt mit Ruhm bekleckern und einen überraschend dünnen und verwaschenen Sound liefern, spricht für die Vorgehensweise. Genau von denen hätte man einen viel viel satteren Ton erwartet. Schau an, dann haben die leicht enttäuschten Stimmen etlicher Besucher der letzten Tour nicht gelogen. Epi hatte mit seinem Konzert in Aschaffenburg offenbar Glück.
Der unendliche Chris Farlowe gehört zu den Acts, die man sich heute im Grunde nur noch als absoluter Traditionalist oder zur Schließung einer Wissenslücke antut. Traditionalisten gibt es genügend, deswegen ist Farlowe Jahr für Jahr auf Tour (bald auch wieder mit COLOSSEUM), dass er mit der erfreulich frischen NORMAN BEAKER BAND im Rücken überhaupt nicht zahnlos altväterlich klingt, kommt dann doch überraschend. Da mag Guitar Don't Lie zwar nicht unbedingt der heißeste Song dieser langen Karriere sein, aller Respekt ist Farlowe trotzdem sicher.
Der in Deutschland lebende Neuseeländer Mike Brosnan lässt ebenfalls keine spektakulären Töne fliegen. Home To You ist braver Blues/Rock mit Folkanleihen und einer fein rockenden Band. Aber bei ihm spürt man die Ehrlichkeit seines Tuns, die Hingabe und ein paar Jahrzehnte harte Arbeit. Der wird kein (kommerziell) Großer der Zunft mehr, ein authentischer Kandidat ist er allemal. Das gilt in ähnlicher Weise auch für Tony Spinner, den manche vielleicht von TOTO kennen. Mit seiner holländischen Tourband shuffelt er sich zielsicher und glaubwürdig durch einen mit Zitaten gespickten Bluesrocker. Klassische Musik für einen verrauchten Abend im Club deines Vertrauens. Solcherlei Zeug wird in der Bluesgemeinde immer funktionieren.
Elizabeth Lee schlägt mit ihrer italienischen Band eine andere Tonart an. Psychedelischer Blues-Fuzz-Rock aus einer ziemlich abgefahrenen Ecke. Da wäre es spannend zu wissen, ob ein gesamtes Konzert so packend ist, die knappen 4 Minuten hier machen nur neugierig.
Henrik Freischlader hat in den letzten zwei Jahren alle möglichen Ritterschläge der Fachpresse erhalten, auch unseren. Is It Right klingt aber für den jungen Mann viel zu erwachsen und routiniert. Aynsley Lister hat ein ähnliches Problem, nämlich wenn er sich an konventionell blau gefärbten Klängen versucht und seinen eigenen Entdeckergeist zurückstellt. Freischlader kann spannender sein als hier.
Ein bisschen unklar ist, wie die hübsche Meike Koester zum Duett mit der eher robusten Amerikanerin Caroline Aiken kam (irgendwann mal bei den INDIGO GIRLS zugange und bei uns aktenkundig durch ihr Mitwirken bei Mary Gauthier). Caroline pustet denn auch eine veritable Blues-Harp, Meike singt schön, aber ob 90 Minuten so zu füllen sind?
John Campbelljohn gehört zu den ausgebufften Hunden des Genres. Sein Sydney Steel/Ready For A Riot greift entsprechend gekonnt ans Boogieherz des geneigten Fans. Ich kann mich täuschen, aber die Aufnahme klingt, als ob sich an diesem Abend nicht besonders viele Leute in die Blues Garage verlaufen hätten. Und ehrlich, diese Art von Blues-Trio hat man in den letzten 20 Jahren zu oft gesehen, als dass sich die Massen noch mobilisieren lassen könnten.

Vielleicht sollte man an dieser Stelle über die grundsätzliche Problematik des heutigen Blues sprechen. Und auch über die daraus resultierenden Schwierigkeiten für eine Location, die sich den alten Herrn Blues ins Logo schreibt. Aber das haben wir im Home of Rock schon oft genug getan, und eines ist allen Beteiligten ohnehin klar: mit Zauselmusik holt man sich nur sehr begrenzt junges Publikum ins Haus. Dass dies gelingen kann, beweisen manchmal junge und ältere Bands mit spannender Musik und überzeugenden Liveperformances, aber "Absolutely Live III" deckt die Malaise der mehrheitlichen Akteure schonungslos auf. Das ist alles hochwertigste Qualitätsmusik, aber nicht ein einziger Act ist dabei, der optisch oder akustisch meine Nichten aufschrecken lassen würde. Und die Decke der Altfans wird von Jahr zu Jahr dünner. Sollte man manches Konzept vielleicht einmal überdenken?

Uli Jon Roth wird seine Konzepte nicht mehr überdenken, dazu ist er viel zu lang in seinem eigenen Universum verfangen. Dass er im letzten Jahr allerdings eine vielbeachtete Tour mit einer prominent besetzten Band durchzog (u.a. Ferdy Doernberg und Francis Buchholz, der bekanntlich auch bei den SCORPIONS war), erscheint beinahe verblüffend. Dass seine Dark Lady zwar unter schauderlichem Gesang leidet und er selbst auch mal anständig daneben greift, macht die Sache nur sympathischer. Der Mann für die Zukunft ist Roth nicht, Magie kann er noch genug verbreiten.
Mitch Ryders Zukunft ist auch vorbei. Aber Boddi Bodag und ENGERLING bringen das Publikum schon vor dem Auftritt des Meisters an den Rand der Tränen. Tausendmal gesagt, tausendmal ist nix passiert: ENGERLING ist eine der gefühlvollsten Bands, die wir in Europa haben. Spätestens bei Ryders Darbietung von Red Scar Eyes weint man dann endgültig. Auch meine Nichten.
Den Schluss bildet eine so genannte ALL STAR BAND. Vorsitz dieser Kapelle hatte im September 2006 Thijs van Leer, den man natürlich von FOCUS kennt. Naturgemäß gibt es denn auch Hocus Pocus mitsamt Bandvorstellung und Jodeleinlage zu hören. Hach ja, schön skurril ist das schon.

Im Ergebnis ist auch diese CD mit ihren 77 Minuten wieder ein Erlebnis. Die Leistung der Blues Garage und vor allem die des Wallbreakers ist nicht hoch genug zu schätzen. Macht bitte weiter, denkt vielleicht auch zwischendurch an meine Nichten und lasst euch bloß nicht blöd dreinreden. Danke.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 01.04.2007

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