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Beyond Inspiration - A Tribute To Uli Jon Roth

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Beyond Inspiration - A Tribute To Uli Jon Roth
Beyond Inspiration - A Tribute To Uli Jon Roth, Lion Music, 2003
Medium: CD
1. Electric Sun8. Still So Many Lives Away
2. Sails Of Charon9. I'll Be There
3. I'll Be Loving You Always10. Indian Dawn
4. Firewind11. Pictured Life
5. Dark Lady12. Return
6. Yellow Raven13. Polar Nights
7. Burning Wheel Turning14. Paganini Paraphrase

"Speaking of Tribute Albums." (Part 2). Und schon sind wir bei der nächsten Folge dieser beliebten Reihe. Ziel des Anschlags ist diesmal der frühere (ganz frühere) SCORPIONS-Gitarrist Uli Jon Roth. Da mag der Uli jetzt mit klarkommen oder nicht, das haftet ihm halt einfach an.
Natürlich ist er den Leuten, die nicht so in der Mitte des Stromes schwimmen, auch durch seine "Electric Sun" (etc.)-Arbeiten ein Begriff. Und nicht zu vergessen: Gerade ist ein neues Album von ihm im Anmarsch ("Metamorphosis", erscheint am 27.10. bei SPV). Einstimmen kann könnt ihr euch schon mal mit dieser Scheibe hier.
Doch zuvor, ein kleiner Blick zurück...

1978 war es, als ich dann so langsam vom Pop zum Rock übergetreten bin und eine der Scheiben die damals zu meinen/unseren Dauerläufern gehörten war "Taken By Force" von den SCORPIONS. Klar, sind wir zu Steamrock Fever und zu He's A Woman - She's A Man herum geflippt (so nannte man das damals noch, ihr "Headbanger"), aber die Lead-Gitarre des, damals noch gutbürgerlich, Ulrich Roth war auch bei den "Dampfrock"-Nummern die Sahne obendrauf.
Seite 2 jener LP wurde mit zwei Songs aus der Feder von Herrn Roth eröffnet und ich kann sagen, über die Jahre hat man sich an The Sails Of Charon und Your Light eigentlich immer noch nicht satt gehört.
Offensichtlich geht das auch anderen Herren so, z.B. dem Finnen Lars Eric Mattsson. Dessen Initialzündung war halt die Live-Doppel-LP "Tokyo Tapes", aber auch er war von den Gitarren-Figuren des Uli Roth angetan bis beeindruckt. So führte das dann im Jahre 2003 zu einer Tribute-CD, zu der er noch ein paar befreundete bzw. berufene Musiker eingeladen hat.

1978 wäre ich ganz schön erschrocken über das Gerumpel am Anfang meiner LP, aber wir haben 2003 und es ist wohl doch das Schlagzeug-Intro. Von der ersten Solo-Platte ("Earthquake", 1979) wird Electric Sun von Chris Steberl an der Gitarre, leicht funkig und schon reichlich fingerfertig interpretiert. Auch in dieser Version spürt man den Hendrix-Einschlag, was Brad Shumway an den Vocals noch verstärkt. Lediglich Drummer Gerald Kloos ballert mir etwas zu viel herum.
Wie ich überhaupt mit den Schlagzeugern diese Albums etwas auf Kriegsfuß stehe...

Das geniale Intro zu Sails Of Charon hat auch nach 25 Jahren nix von seiner Magie verloren. Da zeigt denn auch Joop Wolters an der Gitarre das er sowohl Uli's Läufe drauf hat, als auch noch ein paar wieselflinke Licks zwischenrein streuen kann. Kommt gut, auch wenn Sänger Lance King im Vergleich zu Klaus Meine (damals) etwas dünn klingt. Spanisch-akustisch klingt dieser Song aus.
Vom 81er Album "Fire Wind" stammt der nächste Song: I'll Be Loving You Always beginnt wie ein Mischung aus Axis (Bold As Love), Soldier Of Fortune und I Don't Wanna Talk About It und hier ist Lars Eric Mattsson selbst am Werke und zwar an Gitarre, Bass und Keyboards. Das macht er auch sehr gefühlvoll und zusammen mit der Sängerin Ella Grussner wird hier eine wunderschöne Ballade zelebriert. Wenn nicht wieder Gerald Kloos übermotiviert zu viele Fills und Breaks reinspielen würde. Selbst damit kriegt er den Song aber nicht kaputt.
Also, da wo ich herkomme, sagt man: "Schlagzeuger und Linksaußen haben alle etwas an der Erbse" und meiner Erfahrung stimmt das auch mehr oder weniger. Linksaußen hat man im Fußball allerdings praktisch schon abgeschafft, also seht euch vor, ihr kleinen Trommler-Jungs...

Vom selben Album stammt natürlich Firewind obwohl das auch auf eine Scorpions-LP gepasst hätte. Für diesen Eindruck sorgt nicht zuletzt Torgny Stjärnfelt als Sänger. Der Gitarrist ist hier Tony Hernando und der tendiert manchmal eher Richtung Heavy Metal, was ja prinzipiell nichts Schlechtes ist, zumal er seinen Job echt gut macht. An den Drums: Gerald ..., na ja...

Für Dark Lady, vom Scorpions-Album "In Trance" (1976) hat sich Rolf Munkes im Studio eingefunden. Hier bin ich erstmals nicht ganz überzeugt, aber das liegt wohl auch am etwas dünnen Gesang von Lance King (hatten wir ja schon) und wer Schlagzeug spielt muss ich wohl nicht erwähnen. Die Gitarrenarbeit ist nämlich in Ordnung und der Song ein Klassiker.

Wieder so ein The Wind Cries Mary-Anfang und wir sind eine LP weiter, bei "Virgin Killer". Yellow Raven, zweifellos eine der besten Scorpions-Balladen. Wohltuend wie Sänger Alf Wemmenlind, mit leicht dunkler Stimme, hier eine absolut überzeugende Vorstellung gibt. Petrossi Dushan hält sich mit der Gitarre weitestgehend ans Original, natürlich etwas moderner und "fetter".
Burning Wheel Turning ist der erste Song, der mit vertrackten Rhythmen etwas aus dem Rock-Schema ausbricht und etwas von der Klassik-Verbundenheit des Uli Jon Roth einbringt. Torben Enevoldsen zeichnet hier für die Gitarre verantwortlich und ist nicht nur mit den zweistimmigen Soli hervorragend. Mir persönlich ist der Sound etwas zu "komprimiert", aber um so zu spielen braucht's das wohl.
Wie das vorhergehende, so ist auch das nächste Lied vom "Earthquake"-Album. Still So Many Lives Away wird von der Band BYRD gespielt und somit ist James Byrd an der 6-Saitigen zu hören. Da ist schon 'ne gute Band zugange, die sehr nach frühachtziger Hard- bis Heavy Rock klingt. Da kann man von RAINBOW, bis MAIDEN und MSG alles mögliche raushören. Sehr passend auch Sänger Michael James Flatters.

Sorry, ich kenn das Original leider nicht, aber wenn der damalige Drummer bei I'll Be There genauso agiert hat wie Gerald Kloos (!) hier, ist er inzwischen wahrscheinlich..., na das überlass ich Eurer Fantasie. Ich hab für so was kein Verständnis! Auch wenn mir Gitarrist Cyril Achard wohl etwas zu modern ist, hätte ich ihm gern mal zugehört - keine Chance.

Von "Fire Wind" stammt dann wieder Indian Dawn. Das Intro ein klarer Immigrant Song-Rip-Off. Ansonsten dürfte Thorbjörn Englund wohl einer der "perfektesten" Gitarrenfrickler auf dieser Scheibe sein der sowohl bei den schnellen wie den ruhigen Parts überzeugt.
Es dürfte mit an der hervorragende Lead-Gitarre liegen, das Pictured Life mit zu meinen Lieblings-Scorpions-Songs gehört. Das kriegt auch Neal Grusky recht gut hin, da gibt's nix auszusetzen, außer das die Band mit etwas mehr Dynamik agieren könnte.

Ich bin kein sonderlicher Freund von Instrumentals und so mögen William Stravato und Alex Masi bei Return für Fans von Yngwie Malmsteen u.ä. durchaus interessant klingen und inspirieren - ich steh mehr auf Songs.
Eric Sands bricht bei Polar Nights, wenn er die Chance hat, immer wieder mit seiner Gitarre aus dem Rahmen der Vorlage aus. Da stecken offensichtlich schon einige Jahre Arbeit drin, in soviel Geschwindigkeit und Fingerakrobatik. Überwiegend gut.
Zum Schluss geht's noch mal ab in die Klassische Musik. Bei Paganini Paraphrase dudelt Paul Nelson knapp über zwei Minuten wie ein Eddie Van Halen auf Speed. Woher der zwischenzeitliche Applaus kommt ist mir nicht ganz klar (reingemischt?). Wenn man da live zusieht, fällt einem wahrscheinlich die Kinnlade runter - auf Konserve etwas nervig.

Insgesamt aber ein gutes Album, das Lars Eric Mattsson da initiiert hat. Macht Spaß manche der "alten Sachen" wieder mal zu hören und noch dazu etwas "aufgefrischt" und nicht zuletzt weckt es auch das Interesse wieder an einem der besten deutschen Rock-Gitarristen: Uli Jon Roth.

Epi Schmidt, (Impressum, Artikelliste), 12.09.2003

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