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Verschiedene Interpreten

1000 Nadelstiche

Amerikaner und Briten singen deutsch

Folge 11, Beat & Pop & Folge 12, Folk & Pop

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Bear Family Records
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1000 Nadelstiche - Folge 11
1000 Nadelstiche - Folge 11
1000 Nadelstiche - Amerikaner und Briten singen deutsch - Folge 11 & 12, Bear Family Records, 2007
Länge: 69 Min 12 Sek & 73 Min 03 Sek Medium: CD
"1000 Nadelstiche - Folge 11, Beat & Pop":
1. Rock'n'Roll Music - Dickie Rock And The Miami Show Band15. Goodbye - Barry Ryan
2. Du wirst niemals einsam sein - Freddie Starr16. (Aquarius) Der Wassermann - Spencer Davis group
3. Tokio - The 5 Liverpools17. Stampfkartoffeln Tä-Tä-Rä - John O'Hara And His Playboys
4. Hush A Bye - Denny Seyton's Show-Group18. I Love A Girl From Heidelberg - Kent Aston & The Sorcerers
5. Bread And Butter - Isabella Bond19. Downtown - Isabella Bond
6. Das war gestern - John O'Hara And His Playboys20. Shy Boy - Keith West & Mark Wirtz
7. Baby laß uns tanzen gehen - Kent Aston & The Sorcerers21. Wunder - Peter & Gordon
8. Crazy Beatle Boots - Colin Anthony & His Beat Combo22. Mir geht es wieder besser - Denny Seyton's Show-Group
9. Engel fallen nicht vom Himmel - Keith West & Mark Wirtz23. Meine Liebe wird niemals enden - Paul Rodgers
10. Liebe, Glück und Treue - Peter & Gordon24. Warum macht Liebe so blind - Bobby Goldsboro
11. Es ist zu spät - Bobby GoldsboroBonus Tracks:
12. Tennessee Walz - Isabella Bond25. Sheila - Tommy Kent und die Liverpooler Blue Beats
13. Du bist meine wahre Liebe - Denny Seyton's Show-Group26. Hey Sunny - Tommy Kent und die Liverpooler Blue Beats
14. 1-2-3 (ist dein kleiner Schmerz vorbei) - John O'Hara And His Playboys
"1000 Nadelstiche - Folge 12, Folk & Pop":
1. Die Moorsoldaten - Don Paulin14. Fährmann, hol über - Castlegate Trio
2. Das ist die Freiheit, die ich meine - Peter Yarrow15. Der Wind, der leis ein Lied singt - Don Hill
3. Sag mir, wo die Blumen sind - Springfields (feat. Dusty Springfield)16. Puff - Peter, Paul & Mary
4. Die Antwort weiß ganz allein der Wind - Peter, Paul & Mary17. Nur ein Leben zu Leben - Peter Yarrow
5. Georgia Boy - Caravelles18. Das kostet keinen Pfennig - Springfields (feat. Dusty Springfield)
6. Du bist mein Glück und Sonnenschein - Don Hill19. Liebe kommt und geht - Caravelles
7. Matilda - Shawn Elliott20. Denk daran - Shawn Elliott
8. Sie hieß Lisa - Julie Felix21. Ich geh ohne Ruh durch die Straßen und Gassen - Springfields (feat. Dusty Springfield)
9. Alles Gold und alles Silber - Springfields (feat. Dusty Springfield)22. Keine Rose blüht fürs Leben - Caravelles
10. Alice's Restaurant, Part 1 - Don Paulin23. Weit war der Weg nach Montana - Blue Hill Boys
11. Alice's Restaurant, Part 2 - Don Paulin24. Pretty Mary - Peter, Paul & Mary
12. Darauf fall ich nicht rein - Caravelles25. Dort in Berlin - Toni Fisher
13. Grün, grün ist Tennessee - New Christy Minstrels26. Auf ein besseres Leben - Peter Yarrow

Kaum ein Artikel im Home of Rock hat so viele Lesermails verursacht wie vor zwei Jahren die "Elvis Hits in Deutsch". Das ist im Grunde kein gutes Zeugnis für uns und unsere "normale" Musik, denn es handelte sich um alles andere als den bei uns sonst üblichen Mix aus sämtlichen Rock-Genres, eben um eine absonderliche Kompilation prähistorischer Musik. Andererseits spricht es für die Kompetenz unserer Leser, die ganz eindeutig nicht nur über den Rand ihres Plattenspielers hinausschauen, sondern auch forschen und entdecken wollen. Manche entdecken vielleicht altbekannte Dinge wieder, der Großteil möchte sich einfach mit Musik und ihren Wurzeln, Gründen und Abgründen beschäftigen. Für die gibt es neues Futter!

Seit dem Jahr 2000 veröffentlicht das niedersächsische Spezialitätenlabel Bear Family Records die Serie "1000 Nadelstiche", mit Themen-CDs wie beispielsweise "Country", "Schlager", "Twist und Hully Gully" (Chubby Checker sang darauf unter anderem das schöne Lied Autobahn-Baby, wenn das mal nicht echter Hully Gully ist.), "Beat", "Teen Stars" oder englischen bzw. amerikanischen Sängerinnen. Der Clou an der Sache: Sämtliche Lieder werden deutsch gesungen, kein Interpret ist jedoch Deutscher. 306 (!) solche Songs, wohl mehrheitlich aus den Sechzigern, haben die Herrschaften von der Bärenfamilie ausgegraben.
Jetzt liegen als Abschluss der Monsterarbeit die Folgen 11 und 12 vor, untertitelt mit "Beat & Pop" und "Folk & Pop". Damen und Herren, Vergnügungssüchtige und Lernwillige, das müsst ihr euch wirklich gönnen, so viel Spaß hat man nicht alle Tage. Versprochen.

Die wenigsten Namen auf diesen CDs werden Menschen unter 55 heute noch etwas sagen, aber es ist verdammt noch mal eine Bildungslücke beispielsweise JOHN O'HARA AND HIS PLAYBOYS nicht zu kennen. Diese Schotten haben Deutschland im Jahr 1964 mit dem Rock'n'Roll-Klassiker Stampfkartoffeln Tä-Tä-Rä und anderen Unglaublichkeiten versorgt. Unbeschreiblich lustig ist das.
In den mustergültig informativen Booklets sind die Texte der Songs abgedruckt, was manchmal tatsächlich nötig ist, denn viele der vertretenen Inselbewohner und Amis hatten wohl selbst nicht die geringste Idee von dem Unfug den sie für den germanischen Markt von sich geben mussten. Bei einem gewissen Kent Aston und seinen SORCERERS lief denn sogar die Archivarbeit des genialischen Aufbereiters Bernd Matheja ins Leere, einige Textzeilen mussten mit Fragezeichen aufgefüllt werden. Schade, die Ergüsse über I Love A Girl From Heidelberg hätte man wirklich zu gern komplett gelesen. Wichtiger ist aber, dass bei diesen SORCERERS 1966 ein gewisser Cozy Powell am Schlagzeug saß. Und dessen Intro zu dem nur knapp zwei Minuten langen Liedchen ist alleine den Kauf der CD wert.
Doch nicht nur die Ausländer hatten Sprachschwierigkeiten, auch die deutschen Plattenfirmen produzierten seinerzeit echte Klopse. Auf ein Plattencover von Keith West und Mark Wirtz wurde Sky Boy anstatt Shy Boy gedruckt.

Wie immer bei Bear Family beeindruckt die Soundqualität der alten Kamellen. Viele Nummern waren bisher nie auf CD zu hören, wie die Macher an die alten Vinyls oder gar Originalbänder kamen und sie so perfekt restaurierten, wird dem Laien ein Geheimnis bleiben. Ganz großartige Arbeit ist es geworden. Mancher iPod-Konsument mag es nicht glauben, aber es gab einmal eine Zeit, da klang Musik noch nach Musik und nicht nach Bits. Dem Wohlklang der CDs ist zu verdanken, dass man den grauenhaften Text zu Aquarius - Der Wassermann (natürlich aus "Hair"), gespielt von der SPENCER DAVIS GROUP, so gut verstehen kann. "Harmonie und Recht und Klarheit . Mystik wird die Einsicht lenken . Und der Mensch lernt wieder denken", eieiei.
Auch Paul Rodgers ist dabei. Allerdings ein anderer, nicht der uns allen bestens bekannte. Paul Rodgers II taucht auf einigen Folgen der Serie unter verschiedenen Namen auf. Außerdem eine Stange anderer vergessener Seelen, aber auch einige echte Stars. Bobby Goldsboro, Barry Ryan, der als Komiker in England bis heute extrem populäre Freddie Starr (Du wirst niemals einsam sein = You'll Never Walk Alone!) und der erwähnte Spencer Davis. Schmankerl am Rande: Mit Tommy Kent (Guntram Kühböck) ist ein waschechter Münchner als Bonus vertreten. Der nannte seine Combo 1964 DIE LIVERPOOLER BLUE BEATS, welche in Wirklichkeit die tatsächlich existierenden Engländer THE 5 LIVERPOOLS waren, und ist heute Architekt und Maler.
Genau dieser Kent überzeugt musikalisch mit authentischem Schlager-Beat, was manchen anderen aufgrund der ihnen vorgesetzten Pampe natürlich nicht gelingen konnte. Echten Rock'n'Rollern haben vor 40 Jahren manche Titel sicher den nackten Hass ins Gesicht getrieben, heute ist das alles entspannt und mit Humor zu sehen, vermutlich lachen sich viele der Interpreten, so sie noch leben, selbst schief über ihre damaligen Versuche.
Nicht lachen sollte man über die Sängerin Isabella Bond. Deren drei hier vorliegende Songs (Bread And Butter, ein Herr Siegel agiert als Texter, Tennessee Waltz und das furiose Downtown) sind gesanglich so stark, dass man gerne mehr von ihr hören möchte. Hier beginnt die Arbeit für uns Sammler.
Das waren 70 Minuten Beat und Pop, viele Jahre Lebensqualität wegen Spaß und guter Laune, Berge Informationen. Wir greifen unverzüglich zu Folge 12, "Folk & Pop".

Die Übergänge zwischen Folk und Pop sind naturgemäß fließend und mancher Text erscheint heute eher peinlich. Zugegeben, mit dieser Art von Musik habe ich seit mindestens Joan Baez ein massives Problem, und wenn eine gewisse Julie Felix aus Kalifornien (hübsche Frau übrigens) Jessie Colters und Waylon Jennings' I'm Not Lisa als Sie hieß Lisa zirpt, könnte einem das Messer in der Tasche aufklappen. Aber mit dem eröffnenden Die Moorsoldaten, Deutsch und Englisch von Don Paulin leicht holprig vermischt, wird ein Zeichen gesetzt. Ihr wisst natürlich, dass es sich um ein Lied der Widerstandsbewegung handelt, 1933 von KZ-Häftlingen geschrieben. Man möchte allen alten und neuen Faschisten, Herr Oettinger, jede Silbe mit dem Spaten ins Gesicht meißeln, denn: "Dann ziehn die Moorsoldaten nicht mehr mit dem Spaten ins Moor".
Das musikalische Highlight der CD ist Don Paulins Interpretation von Arlo Guthries Alice's Restaurant Massacree. Okay, die Übersetzung klingt eigenwillig, aber die zweiteilige Single-Fassung, erstmalig auf CD, ist wundervoll. Arrangiert wurde Alice's Restaurant 1969 von Klaus Doldinger. Dafür sind die Ergüsse der SPRINGFIELDS, also Dusty und Tom Springfield, eher fragwürdig, wenn auch extrem rar und ebenfalls erstmals auf CD zu hören.
Überhaupt nicht Rock-kompatibel sind Peter, Paul & Mary und einige weitere Folk-Pop Kandidaten wie die CARAVELLES (zwei maximal schafig dreinblickende Schottinnen) oder gar die BLUE HILL BOYS. Das muss man nicht mögen, Allergien und Abstoßungsreaktionen sind möglich, der Bear Family ist dennoch ein höchst interessantes Kaleidoskop der Jahre 1963 bis 1975 gelungen. Dass zwischendurch auch James Last als Produzent auftaucht, ist nur eine weitere amüsante Geschichte in diesem Monumentalwerk.

Zur Abrundung der Lehrstunden via CD sei noch das Buch zur Serie empfohlen. "1000 Nadelstiche" (ISBN: 978-3-89916-282-0) liefert auf vielen Seiten und seit diesem Jahr in erweiterter Auflage Grundlagenwissen und Detailinformation in nie gesehener Menge.
Weit abseits vom Mainstream hat Bear Family Records einmal mehr Forschung betrieben, die jeden Hobbyarchäologen begeistern wird. Seid dankbar und verneiget euch.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.05.2007

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