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CD-Review:
ChieftainsDown The Old Plank Road |
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39 Alben in 40 Jahren... das ist eine eindrucksvolle Bilanz und im bisweilen recht schnelllebigen Musikbusiness auf jeden Fall rekordverdächtig. Die Rede ist nicht von den ROLLING STONES oder James Last, sondern von den CHIEFTAINS, der wohl bekanntesten irischen Band. Diese Band genießt bei Kollegen, Publikum und Kritikern gleichermaßen Anerkennung und man kann es nicht anders sagen: Die CHIEFTAINS haben sich um die traditionelle irische Musik verdient gemacht. Dabei haben Paddy Maloney und seine nicht mehr ganz so jungen Jungs sich jedoch nie darauf beschränkt, im eigenen Saft zu garen, sondern waren stets bereit ihre Musik gegenüber anderen Stilen zu öffnen und zu experimentieren. Die letzten Alben der CHIEFTAINS "Tears of stone" und "Long black veil" boten gleichermaßen interessante wie illustere Gastauftritte von Künstlern wie Sting, Mick Jagger, Loreena McKennitt, Natalie MacMaster, Ry Cooder oder Mark Knopfler. Sie katapultierte die Band auch ins Blickfeld des Rockpublikums und bescherte den Iren nebenbei zwei Grammys. Warum also nicht diese Konzeption beibehalten? Doch die CHIEFTAINS wären nicht sie selbst, würden sie nicht 'neue' Wege gehen. Die Idee hinter "Down the old plank road" ist allerdings nicht ganz so neu, denn bereits 1992 veröffentlichte die Band eine Liedersammlung mit dem Titel "Another country", bei der zahlreiche Größen der US-Country-Szene wie Chat Atkins, Emmylou Harris, Willie Nelson oder die NITTY GRITTY DIRT BAND mitwirkten. Das aktuelle Album geht allerdings noch einen Schritt weiter und taucht tief in die Geschichte amerikanischer Musik ein. Country und Bluegrass waren schon immer enge Verwandte der irisch-keltischen Folklore, die sich gegenseitig inspirierten. Oft verschwimmen die Genregrenzen mehr, als es eingefleischte Anhänger der einzelnen Musikstile gerne wahrhaben mögen. Wer diese Tatsache in Frage stellt, den wird "Down the old plank road" schnell eines Besseren belehren. Die Mehrzahl der Songs entstammt zwar der neuen Welt, sind jedoch durchsetzt von irisch-keltischem Flair. Im Gegenzug weisen die eindeutig der grünen Insel zuzuordnenden Jigs und Reels deutliche Bluegrass-Affinitäten auf. Packt einfach ein Banjo dazu und aus 'Green grass' wird 'Bluegrass'. Die finale Jamsession Give the fiddler a dram spielt hervorragend mit dem musikalischen Austausch zwischen den Kontinenten. Befindet sich der Hörer zu lange in Donegal, dann setzt ein Honky-Tonk-Piano ein und zerrt ihn nach Nashville, bevor ihn eine Irish Fiddle zurück in die Wicklow Mountains holt. Das hat einfach Klasse! Doch schon zuvor finden sich auf "Down the old plank road" ein paar echte Perlen. Sehr überzeugend sind die unter die Haut gehenden Balladen Dark as a dungeon mit Vince Gill, Whole heap of little horses mit Patty Griffin und Molly Bán mit Allison Kraus. Hier paaren sich auf exzellente Weise Gefühl mit Tiefgang und Dramatik. Auch Don't let your deal go down mit Lyle Lovett besticht durch dramatischen Gesang, sorgt aber mit der fröhlicher Folkinstrumentierung für einen reizvollen Kontrast. Ricky Skaggs & KENTUCKY THUNDER überzeugen als Gäste bei der trockenen Country-Nummer Cindy genauso wie Jeff White bei Tennessee stud. Rain and snow mit der DEL MCCOURY BAND ist Bluegrass in seiner pursten Form. Das kommt mir definitiv zu amerikanisch und zu wenig irisch daher. Martina McBrides Beitrag I'll be all smiles tonight kostet mich lediglich ein müdes Gesäßrunzeln. Klischeebeladener Country-Kitsch, eben so das typische 'Ich hänge alleine an der Bar und sabbere in mein Bier, weil Lucille nicht um die Ecke kommt'. Das muss ich wirklich nicht haben! Katie dear mit Gillian Welch und David Rawlings wäre ohne die Folkzusätze der CHIEFTAINS ähnlich grausam. Trotzdem, auf "Down the old plank road" überwiegen die positiven Momente. Cowboys und Folkies sollten sich dieses hörenswerte Album gleichermaßen auf ihrem Einkaufszettel notieren.
Martin Schneider , (Impressum, Artikelliste), 26.12.2002
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