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Monotheist

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Monotheist
Monotheist, Century Media, 2006
Thomas G. Warrior Vocals, Guitar
Martin Eric Ain Bass
Erol Unala Guitar
Franco Sesa Drums
Produziert von: Celtic Frost & Peter Tägtgren Länge: 69 Min 00 Sek Medium: CD
1. Progeny7. Domain Of Decay
2. Ground8. Ain Elohim
3. A Dying God Coming Into Human Flesh9. Triptych - Totengott
4. Drown In Ashes10. Triptych - Synagoga Satanae
5. Os Abysmi Vel Daath11. Triptych - Winter (Requiem, Chapter Three: Finale)
6. Obscured

Ganz bewusst die alten CDs nicht gehört, um mich "unbefangen" auf das nach 14 (!) Jahren Pause erschienene Comeback der Mannen um Tom G. Warrior, alias Thomas Gabriel Fischer, konzentrieren zu können. Unbefangen ist natürlich relativ, denn in meiner privaten Top 100 sind die Schweizer Prachtbuben auf den Plätzen 3 (The Inevitable Factor) und 15 (I Won't Dance); im 'Gesamtklassement' somit unter den Top 10 vertreten.

Über die Sinnfälligkeit des kühnen Projekts, nach so langer Pause von 0 auf 100 (der erste offizielle Auftritt war tatsächlich am 29.Mai in Wil) gleich als Co-Headliner des Rock Hard Festivals vor einigen Tagen aufzutreten zu wollen, mögen andere urteilen. Eine Nierenkolik des C.F.-Leaders verhinderte dies leider kurzfristig - gute Besserung! Der Silberling "der wichtigsten Schweizer Rockband" (Tagesanzeiger v. 26.05.2006) scheint mir in der Summe jedenfalls durchwachsen, schlussendlich aber gut!
Allerdings ist die Musik um den nun auch schon 42-jährigen Sänger und Gitarristen Warrior und - altbekannt - Martin Eric Ain am Bass, Neu-Drummer Franco Sesa und - im Gegensatz zur Tour-Besetzung - Erol Unala als zweiten Gittaristen, noch weniger als früher für den schnellen Hördurchlauf geeignet. Sie ist komplex, manchmal sogar anstrengend, und erfordert mehrmaliges Hören - wenn man dazu bereit ist, lohnt es sich aber.

Einiges an der neuen Scheibe erinnert mich an die alten CELTIC FROST: Da wären die unbarmherzig zähen, wuchtigen Doom-Riffs, die mit ihrer gnadenlosen Massivität die Band schon seit den Achtzigern begleiteten. Ebenso die zarten Schlenker in Richtung Gothic, mit welchen die Schweizer schon auf "Into The Pandemonium" experimentierten. Dazu Tom Warriors unverwechselbarer Gesang, der auch noch das eine oder andere vertraute "Uhh!" bereit hält. All das sind Referenzen an die Vergangenheit, aber eben nur kleine Referenzen, die den Bezug zum eigenen Erbe herstellen. Das Schöne an "Monotheist" ist, dass sich das Album eben nicht wie so viele andere Comebacks auf diese 'Retro-Effekte' reduzieren lässt. Das Album scheint trotz allem sehr innovativ, fortschrittlich, experimentell und frei von den Schatten der Vergangenheit zu sein - immerhin haben die Jungs auch knapp vier Jahre daran gewerkelt.
So schafft es die Legende weitgehend, ihrem Ruf gerecht zu werden. Sie macht es uns möglich ihr zu folgen - aber sie macht es uns nicht leicht. Wie bei allen Vorgängeralben werden manche auf der Strecke bleiben, und sagen: Nicht mit mir! Andere (darunter auch ich) werden sich in ihrer Verehrung für Thomas G. Warrior und CELTIC FROST eher noch mehr bestätigt sehen als zuvor.

Der liebevoll verpackte Silberling beginnt mit Progeny. Einem monolithischen, quietschenden FROST-Riff in relativ modernem Soundgewand und leicht verzerrtem Gesang. Das Tempo ist eher gehoben, wird aber durch gnadenlose Doom-Einschübe ausgebremst. Das Schlagzeug hämmert unbarmherzig. Am Ende ufert der Song atmosphärisch aus: Er wird intensiv, eiskalt, mechanisch, steril.
Es folgt Ground: Mächtiges Riff, prägnanter Refrain, wuchtiges Drumming und ein spürbar pumpender Bass von Altmeister Ain. Dennoch scheint das Stück aufgrund seiner Abwechslungsarmut eher einer der Schwachpunkte des Albums zu sein, wenn nicht gar Füllmaterial.
Ein totales Kontrastprogramm bietet dann das eher filigran und entrückt beginnende A Dying God Coming Into Human Flesh, dessen Anfang mit Synthies, Bass, cleanen Gitarren und gehauchtem Gesang eine recht dichte Atmosphäre erzeugt. Bis nach gut zwei Minuten ein mächtiges Doom-Riff loslegt - kompletiert mit eher extremem Gesang. Als Nächstes klingt orientalisch anmutender Frauengesang aus den Boxen, ertönen eher wundersame Synthies und Drumming, dezente Loops und "gotischer" Gesang auch von Herrn Fischer alias Warrior. Drown In Ashes zieht jedenfalls Stilelemente ganz konsequent bis zum Ende durch, die sich auch schon vor langer Zeit auf "Into The Pandemonium" dezent andeuteten. Sicherlich auch gewöhnungsbedürftig, aber schlussendlich gut.
Damit nicht genug: Nach einem erneut sehr spacigen Intro kehren die Schweizer bei Os Abysmi Vel Daath in ihr massives Doom-Geriffe zurück, arbeiten mit abwechslungsreichem Gesang, vielerlei bizarren Effekten und einem sehr starken Refrain, der mit zu den eingängigsten der Bandgeschichte gehören dürfte.
Temple Of Depression führt dann wieder mehr in die klassische Doom-Ecke zurück, gemischt mit Speed-Elementen, hörenswert aber allemal.
Beim erneut zerbrechlichen und entrückten Obscured zeigt sich ein schönes Duett zwischen Chef-Frosty Warrior und der Gastsängerin Simone Vollenweider. Obschon mir die Melodielinie irgendwie bekannt vorkommt - letztendlich eindeutig CELTIC FROST.
Stärker an das frostige Frühwerk angelehnt, präsentiert sich sodann die wuchtige, orchestrale Doom-Walze Domain Of Decay, bei der Warrior etliche gelungene, bizarre Soli vom Stapel lässt. Aber noch besser gestaltet sich das Ganze, wenn zur Abwechslung bei Ain Elohim zunächst wieder etwas mehr aufs Gaspedal getreten wird, nur um dann die Doombremse um so effektiver wirken zu lassen. Düstere Chöre, intensive Gesangsvarianten, mit Tonnen von Feedback geschwängerte Soli und eine perfekte Grundstimmung sind es, die den Song zu etwas ganz besonderem machen. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich dieses Material live umsetzen lässt.
Zuletzt folgt nun noch die Triptych-Trilogie, die mit Totengott loslegt. Einem apokalyptischen, dezent mit Pauken und Hörnersynthies orchestrierten Intro folgt infernalisches "Gekeife", das sich vor einer industriellen, eiskalten Ambient-Klanglandschaft ausbreitet. Und damit ist die passende Gänsehaut und richtige Stimmung für das folgende Viertelstunden-Epos Synagoga Satanae erzeugt: Hier haben wir es mit einem extrem finsteren Grundgerüst aus purem, schwarzem Doom, Endzeit-Atmosphäre verstärkt durch mehrstimmige Chöre, einer langen Passage mit einem auf Deutsch geflüsterten "Gebet" und Passagen in Latein zu tun. Es fällt schon - positiv - auf, dass produktionstechnisch zwei Jahrzehnte ins Land gegangen sind.
Die Scheibe endet sodann würdig und orchestral mit dem langen Instrumental namens Winter. Fast schon etwas sinistre Schönheit.

Was bleibt als Fazit? Nun, ich würde sagen, dass CELTIC FROST mit "Monotheist" nach fast eineinhalb Jahrzehnten Pause genau das geschafft haben, was man vorher erwarten durfte: Eine kontroverse Platte, vor der manche 'huldigende Kniefälle' vollführen werden (zum Beispiel tendenziell ich), die andere aber wohl als Demontage einer Legende beschimpfen werden. Anyway, "Monotheist" ist avantgardistisch, vielseitig, kalt, doomig und unbarmherzig - auf jeden Fall ohne kommerzielles Kalkül. Es ist, eher anders als früher, oft etwas schleppend (Thomas G. Warrior am 26.05.2006 in der Neuen Zürcher Zeitung: "Das hat sicher mit dem Alter zu tun"). Aber es ist trotzdem zu 100% CELTIC FROST - zumindest das, was ich unter CELTIC FROST verstehe. Wirkliche Durchhänger besitzt das Werk nicht. Gründliches, mehrfaches Reinhören ist aber trotzdem Pflicht.
Abschliessend und nicht nur am Rande: Dem Meister, der nun in Zürich im Spital liegt, schnell wieder auf die Beine!

Dr. Thomas Schimpff, (Artikelliste), 07.06.2006

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