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Carmine Appice Project

Ultimate Guitar Zeus

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Ultimate Guitar Zeus
Ultimate Guitar Zeus, Escapi Music, 2006
Carmine Appice Drums, Vocals
Tony Franklin Bass
Kelly Keeling Vocals
Gäste:
Ted Nugent, Brian May, Stevie Salas, John McEnroe, Slash, Steve Morse, Richie Sambora, Yngwie Malmsteen, Ty Tabor, Vivian Campbell, Mick Mars, Zakk Wylde, Neal Schon, Pat Travers, Steven Seagal, Seymour Duncan Guitars
Edgar Winter Vocals
Doug Pinnick Bass
Produziert von: Carmine Appice Länge: 74 Min 30 Sek Medium: CD
1. Days Are Nights (feat. Ted Nugent)8. Killin' Time (Ty Tabor)
2. Nobody Knew (Brian May)9. Doing Fine (Vivian Campbell)
3. Stash /Stevie Salas/John McEnroe)10. Under The Moon & Sun (Mick Mars/Edgar Winter)
4. Where You Belong (Slash)11. Code 19 (Zakk Wylde)
5. 4 Miles High (Steve Morse)12. Out Of Mind (Neal Schon)
6. Gonna Rain (Richie Sambora)13. Do Ya Think I'm Sexy (Pat Travers)
7. This Time Around (Yngwie Malmsteen/Doug Pinnick)14. Gz Blues (Steven Seagal/Seymour Duncan)

So richtig nachvollziehbar ist diese Veröffentlichung eigentlich nicht. Nicht nur, dass der Konsument sowieso von neuen Platten schier begraben wird, "Ultimate Guitar Zeus" ist auch noch eine Zusammenfassung der beiden "Guitar Zeus"-CDs aus den Jahren 1995 (bzw. '96 für den U.S.-Markt) und 1997. Natürlich ist der Bekanntheitsgrad eher mäßig, die CDs gab es in verschiedenen Ausfertigungen, u.a. als sauteuren Japan-Import und mit japanischen Musikern, und nur äußerst beschränkt in hiesigen Läden, aber dennoch handelt es sich um betagtes Zeug. Rechnet man dann noch die aktuellen Tätigkeiten Appices dazu, VANILLA FUDGE, Travers & Appice und ganz aktuell die Reunion von CACTUS (da kommt im Juli eine Hammerscheibe auf uns zu!), scheint der Bedarf am Donnergott eigentlich gedeckt. Andererseits sind die hier vertretenen 14 Nummern natürlich schon eine Wiederveröffentlichung wert - nicht zuletzt wegen dem Aufgebot an bekannten, gehypten, legendären, überschätzten und/oder genialen Gitarristen.

Appice tat sich seinerzeit mit Kelly Keeling (u.a. MSG, BLUE MURDER etc.) und Tony Franklin (Fretless-Bass Virtuose auf zig Produktionen und in den frühen 80ern bei THE FIRM) zusammen, schrieb mit Keeling eine stattliche Anzahl Songs und lud sich sein persönliches Who is Who der Saitenzunft ins Studio ein (John McEnroe, der lustige Tennis-Pöbler, gehört auch dazu). Das Ergebnis ist ohne Frage beeindruckend und unterscheidet sich gehörig von den heute zuhauf zusammengeschusterten "Tribute to..." Plempereien aus der dritten Liga.
Eines hat Appice geschafft: Die Gitarrenhelden dürfen zwar ihr Können zeigen, jedoch drehte er ihnen immer rechtzeitig vor einem Ego-Overkill den Saft ab. Es tut gut, wenn kampferprobte Dauerdudler wie Malmsteen gebremst und in den Song zurückgeholt werden. Selbst Nuge brezelt Days Are Nights nicht führungslos in Grund und Boden. Gut, Stevie Salas scheint sich bei den Aufnahmen exstatisch auf dem Boden gewälzt zu haben, vielleicht hat ihm McEnroe aber auch nur einen Schmetterball verpasst, und Zakk Wylde... na ja, der ist halt so. Wirklich angenehm sind die Performances von Brian May, Steve Morse (wie bei beiden nicht anders zu erwarten) und, überraschend, Slash. Franklin und Keeling tragen ihren Part zur geschmackvollen Umsetzung in sämtlichen Nummern überzeugend bei.

Appice hat auch darauf geachtet, dass beinahe niemals plumpe Effekthascherei im Vordergrund steht, in erster Linie geht es um die perfekte Umsetzung eigens geschriebener Songs, die dann trotz der vielen verschiedenen Gitarreros immer noch ein komplexes Gesamtbild abgeben. Appice-typisch sind die Stücke nicht im banalen Party-Bumms Rhythmus angelegt, mehrheitlich geht es dickflüssig mit Heavy-Blues vonstatten. Da können sich auch ausgewiesene Frickelkönige wie Ty Tabor (KING'S X) nicht über Gebühr vergaloppieren und bleiben bei der Stange.
Einen der überflüssigen Beiträge bringt Richie Sambora und beweist damit, dass er bei BON JOVI zwar der Einäugige ist, aber ihm zum Durchblick doch etwas Substanz fehlt. Auch Neal Schon von JOURNEY hat mit Out Of Mind nicht unbedingt einen Leckerbissen abbekommen. Mick Mars sleazt und slidet sich allerdings zusammen mit Edgar Winter punktgenau durch Under The Moon & Sun.
Neueren Aufnahmedatums dürfte Do Ya Think I'm Sexy mit Pat Travers sein, vermutlich irgendwann in den letzten zwei oder drei Jahren während der über bisher drei Platten reichenden Kollaboration aufgenommen. Kommt gut.
Den Schlusspunkt setzt der Action-Schauspieler Steven Seagal mit dem Gz Blues. Der versucht sich seit Jahren als Musiker und stellt sich nicht ganz dumm an.

"Ultimate Guitar Zeus" ist eine gute Platte. Die Frage "Wer soll's kaufen?" stellt sich dennoch.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.06.2006

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