HoR Logo kl CD-Review:

Cactus

V

Logo Home-of-Rock

Link Homepage:
Offizielle Cactus Homepage
Link Homepage:
Offizielle Tim Bogert Homepage
Link Homepage:
Offizielle Carmine Appice Homepage
Link Kaufen:
www.amazon.de
Link Plattenfirma:
Escapi Music
Link Promotioncompany:
GerMusica Promotion & Management
Mehr Info:
All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
V
V, Escapi Music, 2006
Carmine Appice Drums, Background Vocals
Tim Bogert Bass, Background Vocals
Jimmy Kunes Lead & Background Vocals
Jim McCarty Guitars
Gast:
Randy Pratt Harmonica
Produziert von: Carmine Appice Länge: 63 Min 25 Sek Medium: CD
1. Doing Time8. Shine
2. Muscle And Soul9. Electric Blue
3. Cactus Music10. Brothers Keeper
4. The Groover11. Blues For Mr. Day
5. Hi In The City12. Blame/Game
6. Nite To Days13. Gone Train Gone
7. Livin' For Today14. Jazzed

Vorsicht, Geschichtsverklärung! CACTUS waren mitnichten die wichtige Band, zu der sie Musikhistoriker heute oftmals machen. CACTUS waren nur die Band, bei der junge Rockfanatiker Anfang der Siebziger (und die noch jüngeren etwas später) ganz scharf die Luft anhalten und sich dem gewaltigen Blues'n'Boogie-Hardrock haareschüttelnd hingeben mussten.
Carmine Appice und Tim Bogert von VANILLA FUDGE, plus Jim McCarty (vorher bei Mitch Ryder und später bei den unerreichten und leider auch gescheiterten ROCKETS) und der begnadete Schreihals Rusty Day (kam von den AMBOY DUKES mit Ted Nugent) machten für nicht mal ganze zwei Jahre und drei Platten Alarm.
Auf der abschließenden Liveplatte von 1972 waren Day und McCarty, ursprünglich ohnehin nur Notnägel für die "verhinderten" Jeff Beck und Rod Stewart, schon nicht mehr dabei (die Scheibe ist nichtsdestotrotz ein Boogie-Ungetüm ohnegleichen).
Rusty Day, ein weiterer unglückseliger Verlierer der Rockgeschichte, starb bereits 1983, McCarty, dessen Gitarrenarbeit bei Mitch Ryders DETROIT WHEELS den klassischen Detroit-Style prägte, hatte mit den erwähnten ROCKETS mittelmäßigen Erfolg (was zu Zeiten der späten Siebziger und frühen Achtziger immer noch für Top 50 Platzierungen und etliche hunderttausend verkaufte Alben und eine veritable Koksnase reichte), die Wege von Tim Bogert und Carmine Appice sind bekannt (und wenn nicht, müsst Ihr euch die Infos im Home of Rock zusammensuchen) und CACTUS waren Geschichte.
Jedenfalls bis zur Reunion von VANILLA FUDGE vor einigen Jahren, nach der die Neuauflage von CACTUS im Grunde nur eine Frage der Zeit war. Der hyperaktive Appice sowieso und der immer gutgelaunte Bogert mussten sozusagen wieder ran. Dass es ein Wiedersehen mit Jim McCarty gibt, ist eher überraschend, aber schön. Blieb nur die Frage nach einem geeigneten Sänger.

Jimmy Kunes heißt der Mann und er war einer der unzähligen Gesangssklaven von Kim Simmonds bei SAVOY BROWN. Außerdem ist er irgendwann mal mit Leuten der Hairsprayer RIOT getourt und er soll mit den kanadischen Speedmetallern EXCITER unterwegs gewesen sein. Als Sänger??? Anyway, Bogert und Appice hatten jedenfalls Glück, dass sie Kunes abgegriffen haben, denn wenn ihn die Herren Moody und Marsden in die Finger bekommen hätten, wäre er heute Sänger bei deren WHITESNAKE-Coverband M3. Überhaupt geht diese CACTUS-Neubelebung verblüffend oft in Richtung der alten WHITESNAKE, man höre Cactus Music und staune.

Glaubt man dem Infoblättchen, haben die Herrschaften seit 2001 an der CD gearbeitet. Spontan ist anders. Trotzdem klingt das Ergebnis erfreulich naturbelassen und frisch - die können es eben. Es wäre natürlich albern, 36 Jahre später nochmals Wunderwerke wie Let Me Swim oder Bro. Bill zu erwarten, aber gewisse Vorstellungen hat man als Gourmet denn doch. Und dann kommt ein Hüpf-Boogie wie Doing Time daher...
Oooh ja, that's the real stuff! So konnten das früher mal AEROSMITH und - großer Vergleich! - FOGHAT. Was für eine Gitarre, was für ein Rhythmus, was für eine messerscharfe Harp, was für ein Jam zum Schluss, inklusive Bass-Masterpiece von Bogert.
Keine Altherrenband dieser Welt könnte diesen Standard über eine gesamte CD-Länge halten, auch CACTUS nicht. Aber zumindest ist der Titel des nächsten Songs für die noch kommenden 13 (!) Nummern Programm: Muscle And Soul. Von beidem gibt's reichlich auf "V". Workout im Alter kann also Spaß machen.
Jim McCarty fräst sich mit seinem charakteristischen Gitarrensound durch die CD (wer's nicht kennt, das ist diese ovale Umlaufbahn um den musikalischen Solarplexus mit vereinzelten kleinen Stichen ins schwarze Rockerseelchen und nachfolgenden Schmerzensschreien, die komischerweise wie "yeah" klingen), wechselt zwischen einfachen aber wirkungsvollen Soli und gnadenlosem Riffing, Bogert und Appice legen ihr bekanntes Betonfundament und vor allem Bogert swingt dabei wie ein Hochhaus beim Erdbeben, Kunes schreit äußerst bemerkenswert und Randy Pratt von THE LIZARDS bläst eine formidable Harmonika dazu. Heavy-Blues-Rock aus der Meisterschule. Zugegeben, die Abschlussprüfung liegt etliche Zeit zurück und "V" ist eher ein Klassentreffen nach Jahrzehnten als die Abifeier. Die Jungspunde möge man mir aber erst bringen, die sich so halsbrecherisch in einen Killer wie Livin' For Today stürzen oder einen Dance-Funk wie Brothers Keeper unfallfrei überstehen.

Allerbeste Unterhaltung!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.06.2006

Nachtrag: Inzwischen sind einige Reviews in anderen Onlinemagazinen erschienen. Man liest sich ja so durch und kommt mal wieder aus dem Staunen nicht heraus. Nicht ein einziger (!!) Rezensent kannte die alten Platten dieser Band. Das unkontrollierte Gestammel der jungen Kollegen erreicht in diesem Fall tatsächlich unerreichte Gipfel. Einer vergleicht CACTUS gar mit den BLUES BROTHERS. Habe die Ehre... und der Zigarettenanzünder ist auch kaputt.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.07.2006

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:


 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum