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Red Dirt Road

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Red Dirt Road
Red Dirt Road, Arista BMG, 2003
Kix Brooks, Ronnie Dunn Vocals
Brent Mason, Pat Buchanan, J.T. Corenflos, Charlie Crowe, Kenny Greenberg, John Jorgensen, Con Toomey Electric Guitar
Michael Rhodes, Glenn Worf Bass
Shannon Forrest Drums
Mark Casstevens, Dan Dugmore, Kenny Greenberg, B. James Lowry, Bryan Sutton Acoustic Guitar
Steve Nathan Keyboards, Piano, B-3 Organ
Eric Darken Percussion
Clayton Ivey Piano
Reese Wynans B-3 Organ
Aubrey Haynie Fiddle
Paul Franklin, Danny Dugmore Steel Guitar
Bryan Sutton Slide Banjo, Mandoline
Jim Hoke Accordion, Harmonica
Jerry Douglas, Dan Dugmore Dobro
Ronnie Dunn, Mark Wright Tambourine
Jeff Coffin, Jim Horn, Samuel Levine, Steve Patrick Horns
Robert Bailey, John Wesley Ryles, Bekka Bramlett, Perry Coleman, Vicki Hampton, Wes Hightower, Harry Stinson, Crystal Taliefero, Russell Terrell, Dan Tyminski, Christopher Willis, Dennis Wilson, Mark Wright Background Vocals
Produziert von: Kix Brooks, Ronnie Dunn & Mark Wright Länge: 56 Min 55 Sek Medium: CD
1. You Can't Take The Honky Tonk Out Of The Girl (3:41)9. Memory Town (4:04)
2. Caroline (3:49)10. She Was Born To Run (3:41)
3. When We Were Kings (4:12)11. Till My Dyin' Day (3:03)
4. That's What She Get For Loving Me (2:56)12. My Baby's Everthing I Love (3:39)
5. Red Dirt Road (4:20)13. Good Day To Be Me (2:55)
6. Feels Good Don't It (2:44)14. Good Cowboy (4:23)
7. I Used To Know This Song By Heart (4:27)15. HiddenTrack (5:09)
8. Believer (3:46)

Konkurrenz belebt das Geschäft, sagt man. Dieses Statement scheint auch auf das New-Country-Business in diesem Jahr bestens übertragbar zu sein. Ich kann kaum noch nachvollziehen, wie viele tolle neue CDs ich seit Januar in meinem Player liegen hatte. Habe ich vor kurzem noch Wynonnas aktuelle Scheibe zum Highlight des Jahres emporgehoben, da lassen Brooks & Dunn den nächsten Kracher los.

Und ich bin mir relativ sicher, dass die beiden Herren mit "Red Dirt Road" bei den anstehenden Awards ein schwer wiegendes Wort mitzureden haben werden. Denn es ist ihnen ein komplettes, perfektes Album geglückt, wobei viele Songs aus der eigenen Feder stammen. Sie präsentieren sich stärker denn je als Vocal-Duo, denn Kix Brooks wurde diesmal in recht hohem Maße am Gesang beteiligt und auch mit dem Titelsong ist ihnen ein echter 'Earcatcher' mit persönlicher Note gelungen.

Auffällig sind die dezenten Huldigungen vieler Größen der Musikszene. Retrowelle? Eher nicht! Brooks & Dunn lassen dem Zuhörer Spielraum zur Interpretation, erhalten das typische New-Country-Feeling aber jederzeit.
Direkt das Auftaktgitarrenriff und auch der Titel sind eine deutliche Anspielung auf Honky Tonk Woman von den ROLLING STONES; das southernrockigee Caroline mit seinem stampfenden Rhythmus und herrlichen Dobroslideeinlagen, als auch Good Cowboy machen ihren Diener vor ZZ TOP; bei When We Were Kings beenden U2-artige Gitarrenrhythmen den Song, That's What She Gets For Loving Me wirkt wie eine Mischung aus Neil Young, Eric Clapton zu "Ocean Boulevard"-Zeiten und DIAMOND RIO; I Used To Know This Song By Heart ist ein toller Blues mit leichtem Gospeltouch, der von den Gitarrensoli her Parllelen zu Eric Clapton und den ALLMAN BROTHERS beinhaltet; Believer könnte den NEVILLE BROTHERS gewidmet sein; She Was Born To Run, zeigt wie Bruce Springsteen klingen müsste, so dass ich mir mal eine CD von ihm zulegen würde; Good Day To Be enthält Charlie Daniels typischen Sprechgesang und ein Beten für die kämpfenden US-Soldaten (wenn's als Persiflage gedacht war, wär es ja ok...).

Trotzdem, das genretypische Flair bleibt zu jedem Zeitpunkt das überwiegende Moment.
Weitere Highlights: Feels Good Don't It und Till My Dyin' Day sind Gute-Laune-Rocker zum Abdancen; Memory Town ist eine Sonnenuntergangsballade, die jeden Marlboro-Spot im Hintergrund veredeln würde - wunderschöne Hammond- und Mandolinenklänge untermalen dieses Lied mit Lagerfeuer- und Cowboyromantik; My Baby's Everthing I Love ist ein swingendes Country-Jam-Stück, wo jeder ein Solo einwirft, der gerade ein Instrument zur Verfügung hat.
Habe ich noch was vergessen? Ach ja, etwas zu meckern gibt es dann doch: Der Hidden-Track entpuppt sich als Gospel-Kirchenchor-Lied der übelsten Sorte, die klischeehafte Covergestaltung, sowie die rotgerasterte Schrift auf bräunlich gerastertem Hintergrund machen das Anschauen und Lesen zur Qual.

Tja, auch bei diesem Album werde ich mich wohl nicht der einen oder anderen Stichelei aus dem Münchener Raum erwehren können, die zugegebener Maßen zuweilen ganz lustig, aber manchmal eben auch ein wenig daneben sind.
(Da weint er in sein Bier, der Cowboy - die Red.)
Wenn ich aber dieses Werk mit Darbietungen, die aus dieser Gegend in den Himmel gehoben werden, vergleiche - mir fällt das zum Beispiel Eric Sardinas ein, ein Interpret, von dem man eigentlich innovativeres erwarten dürfte, statt übertrieben langweiligem Slidegeschrammel und abgekupferten Textfragmenten in Anlehnung an irgendwelche bereits existierende Standards - dann neigt man sich doch mit einem Funken Mitleid lächelnd in den Sessel zurück und lässt sich von Scheiben auf Höhe der Zeit berauschen.
Aber anderseits macht das uns ja auch richtig stark im HoR. Unser breites Spektrum ist so ziemlich einzigartig. Die einen sind eben für das Grobe zuständig, die anderen sind halt musikalische Feingeister...

"Red Dirt Road" von Brooks & Dunn kann man natürlich bei Bärchen-Records bestellen.

Hör mal, Du Feingeist: Einerseits wirfst Du einem (begnadeten) Bluesrocker mangelnde Inspiration vor und andererseits bedienen sich die Herrschaften aus Nashville so unglaublich innovativer Vorbilder wie "Honky Tonk Woman", ZZ TOP, Claperton und U2, gemischt mit ein wenig traditionellem Reaktionismus. Das ganze wird von 7 (!) verschiedenen Gitarristen eingespielt und ansonsten treibt sich auch die übrige Nashville-Mafia im Studio rum. Sogar für das Tambourine brauchen sie zwei Leute. Noch Fragen? Die Abteilung "München rockt" bleibt da lieber bei einem kernigen Power-Trio.

Daniel Daus, (Impressum, Artikelliste), 12.09.2003

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