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| Live, Eagle Vision, 2005 |
| Deborah Harry |
Vocals |
| Clem Burke |
Drums |
| Jimmy Destri |
Keyboards |
| Chris Stein |
Guitar |
| Paul Carbonara |
Guitar |
| Leigh Foxx |
Bass |
| Matt O'Connor |
Percussion |
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Länge: ca. 84 Min |
Medium: DVD |
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| 1. Introduction | 10. Boom Boom In The Zoom Zoom Room |
| 2. Dreaming | 11. In The Flesh |
| 3. Hanging On The Telephone | 12. Rapture |
| 4. Screaming Skin | 13. Rip Her To Shreds |
| 5. Forgive And Forget | 14. X Offender |
| 6. Shayla / Union City Blue | 15. Atomic |
| 7. Sunday Girl | 16. One Way Or Another |
| 8. Maria | 17. Heart Of Glass |
| 9. Call Me | |
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Es muss irgendwann im Herbst 1978 gewesen sein, kurz nach der Veröffentlichung von "Parallel Lines", als ich mit Deborah ein Date hatte. Mitten in Schwabing, dem Künstlerviertel, dem Spielplatz der Bohemiens der Nacht - ich und Debbie. Debbie und ich. Ich war ja grad erst knapp über den Stimmbruch hinweg und im Grunde eher unbedarft (aber sensationell gut aussehend und wahnsinnig gefährlich) - dieser Hang zu etwas älteren Ladies ist mir danach einige Jahre erhalten geblieben. Ihr wisst warum, oder? Im Grunde hatte ich diese Neigung schon seit Marilyn Monroe, doch die hat mich leider bereits in pränataler Jugend treulos verlassen.
Irgend ein Narr hat in dieser lauen Herbstnacht nicht die Klappe gehalten und außer mir erschienen etwa 800 andere Verehrer im Festsaal des Schwabinger Bräu und Debbie hatte zu ihrer persönlichen Verstärkung noch fünf recht lässig aussehende Jungs mitgebracht. Ich meine, 800 Möchtegern-Coolies wären kein Problem für mich gewesen, aber die fünf Milchbubis aus New York standen da oben auf der Bühne und haben Debbie UMZINGELT! Hey, ich hatte keine Chance, an die Frau ranzukommen. Versteht Ihr? Und dabei hatte sie dieses unglaubliche Kleid mit den aufgeklebten Spiegeln an. Und Schuhe mit Absätzen bis knapp unter die Hallenbeleuchtung. Und dieser Mund, diese Augen.
Auf jeden Fall war ich leicht belegt nach dieser Nacht und wir sahen uns nie mehr wieder. Der Rock & Roll der fünf Rabauken war natürlich toll und Deborah war wunderbar, aber ich lass mich doch nicht so billig (15 Mark etwa) abspeisen. Sie hat mir zugezwinkert, sie erinnert sich sicher noch, ich stand gleich links unter ihr, aber angerufen hat sie nie (I'm still Hanging On The Telephone) und ich sah ihren Namen in den folgenden Jahren immer nur in den Hitparaden. Es ist okay, Frauen sollen Karriere machen und ich bin schon lange nicht mehr sauer, weil jetzt sind wir ja wieder zusammen. Deborah und ich. Und wisst ihr was? Die Milchbubis von damals sind alt geworden, richtig alt, hähä. Chris Stein, der Gitarrist, hat sogar graue Haare - schaut aber unter seiner Brille immer noch obercool hervor. Das hat er jetzt von seiner Aufpasserei, graue Haare. Debbie hingegen hat sich nicht verändert, höchstens zwei, drei Kilo zugenommen, aber das hab ich auch. Kommt vom ständigen Fitnesstraining.
Warum Deborah erst jetzt, mit sechs Jahren Verspätung, zu mir kommt, weiß ich nicht. Vermutlich hatte sie noch andere Termine. Aber jetzt ist sie ja da und zeigt mir ihren Auftritt vom 10. Februar 1999 (den ich von der bereits damals erschienen CD "Livid" eigentlich eh schon kannte). Und zwar nur mir, ganz exklusiv. Wahrscheinlich tut ihr die Geschichte von '78 ein bisschen leid. Schwamm drüber, die paar Jahre spielen keine Rolle.
Burke, Destri und Stein sind aus der alten Besetzung noch dabei gewesen im Jahr '99. Also die Kerntruppe um Deborah Harry und das Songwritingteam über viele Jahre. Im Jahr dieses VH1-Auftritts gab es bekanntlich das Comeback von BLONDIE mit der CD "No Exit" und einen astreinen Hit mit Maria. Klasse Song, der bis auf die dümmlichen Glocken eigentlich an die Glanzzeiten anschließen konnte. Der Nachfolger "The Curse Of Blondie" von 2003 war durchwachsen (was nicht zuletzt an der Hinzunahme externer Songschreiber lag) und seitdem hat man von der Band eigentlich nichts mehr gehört. Um so schöner, jetzt diesen tollen Fernsehmitschnitt, übrigens fast doppelt so lang wie die ursprüngliche Ausstrahlung, im heimischen Flimmerkasten zu sehen.
BLONDIE standen von Anfang an für geniale Popmusik. Auch wenn man ihnen den New York-Punk Stempel aufdrücken wollte, ab der ersten Platte, bis weit in die Achtziger hinein, hatten BLONDIE die perfekte Formel für Ohrwürmer gefunden. Natürlich war es zuerst Rock, später Pop, Funk, Reggae, was immer man wollte, aber die Symbiose aus Band plus Deborah Harry war, und ist es bis heute, nach den BEATLES und ABBA vermutlich die drittbeste Rock & Roll-Alternative aller Zeiten. Auf die Stufe dieser Helden des Mainstream erhoben sich BLONDIE ausschließlich wegen Mrs. Harry. Ihr Aussehen, ihre Stimme, ihre Art sich zu bewegen, zu tanzen und die Augen aufzuschlagen ist so einzigartig, dass wohl noch in Jahrzehnten pubertierende Jungs träumen und kleine Mädels sie nachzuäffen versuchen werden. Wenn man sich heute diesen Auftritt ansieht (wir verlegen ihn einfach von 1999 in 2005), wird all die Faszination von BLONDIE wieder deutlich.
Natürlich sitzt Clem Burke heute hinter einer albernen Plexiglas-Schallbox - als wäre er ein Schlagzeuger der Kategorie Megawichtig - und nimmt sich so schon rein optisch einen Gutteil seiner Dynamik, und natürlich wirbelt er nicht mehr so unbeschwert wie dazumal über seine Trommeln, weil vermutlich der eine oder andere jugendliche Überschwangsmuskel nicht mehr so will wie Mitte der Siebziger, aber wenn er dann so hinter seinem Kit steht und der Snare Saures gibt, das hat immer noch dieses alte Flair. In meiner persönlichen Drummer-Ahnengalerie rangiert er nach wie vor hinter Bonham und Moon (die sich Platz 1 teilen) auf dem dritten Rang.
Jimmy Destri hat wie 1978 diesen wunderbaren Kinderkeyboard-Quietschesound drauf. Zwar ist das Equipment heute ungleich größer und besser, aber das Naive hat er sich bewahrt. Und aus Chris Stein wird auf seine alten Tage auch kein Jeff Beck mehr, aber die kleinen feinen Riffs und Licks schüttelt er wie früher aus dem Handgelenk.
Nicht ganz eineinhalb Stunden spielen sich BLONDIE hier durch ihre Vergangenheit und Gegenwart (die von vor sechs Jahren) und bezaubern. Nicht mehr und nicht weniger. Wer damals auf die Band stand oder heute als Jungspund etwas lernen will, wird völlig gefangen sein von dieser DVD - auch wenn Call Me mehr nach ZZ TOP als nach "American Gigolo" klingt und die ganz wilden Ausbrüche natürlich nicht mehr stattfinden.
Komm, Debbie, Du verruchtes Sunday Girl-Luder mit den unechten blonden Haaren, lass uns ausgehen, Austern und Schampus schlürfen, Bierbüchsen werfen, Mülltonnen anzünden, ein paar Hearts Of Glass brechen, und bitte, mach noch mal diesen Schmollmund für mich und schau wieder so. so. hmmm. Du weißt ja, die 800 Kerle vom Schwabinger Bräu sind inzwischen alle alte Säcke, nur wir beide sind wie damals.
Der 5.1 Sound ist toll, im Stereomodus ist's fad. Die Bildergalerie ist mit 6 (!!) Abbildungen völlig lächerlich und die Texte zu den Songs braucht auch niemand wirklich. Dafür ist die Bildregie angenehm unhektisch und die Town Hall in New York hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Schwabinger Bräu von 1978. Na ja, ein klein wenig jedenfalls. Aber das interessiert ja niemanden, schließlich ist Deborah nur für mich da.
Format: DVD 5
Bildformat: 4:3
Tonformat: Dolby Surround 5.1; Dolby Digital Stereo
Sprache: Englisch
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