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Poker Face

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Poker Face
Poker Face, Eigenproduktion/Point Music, 2004
Gaby Schön Lead Vocals
Andy Keller Rhythm Guitar, Background Vocals
Smuti Kollbrunner Lead Guitar, Background Vocals
Corinne Frei Bass, Background Vocals
Marco Meier Drums
Produziert von: Michael Bormann Länge: 47 Min 35 Sek Medium: CD
1. Intro8. Poker Face
2. Working9. Holy Rock'n'Roller
3. Title Fight10. Running Scared
4. Black Limousine11. You Can Get It
5. Great Times12. Coming Home
6. Riding13. Cloud No. 706
7. Journey Of Rock

Ich muss in diesem elitären Home of Rock-Haufen offenbar wirklich der Fachmann für altmodischen Krach sein. Oder warum schickt man ausgerechnet mir eine CD mit einem 150 Kilo Biker mit Tattoos, Glatze und Bart auf dem Cover zu?
Und dann war da noch die Sache mit dem Sänger. Ich schenk grade mein Feierabendbier ein, hör die Scheibe nur am Rande und denk mir, dass da mal wieder einer mit der Eierkneifzange im Studio rumgekreischt hat.

BLACKBURN kennt kein Mensch, oder? Jedenfalls heißt der Sänger Gabi und sieht im nabelfreien Top durchaus besser aus als der Dicke auf dem Cover. Und wo ich da so sitz und trink, fällt mir auf, dass der Gabi saugut singen kann. Jenseits von hysterischem Pesch-Geschrei, mit super angenehmer Rock & Roll Stimme und dazu rockt diese Band aus der Schweiz auch noch geil. Man könnte es Biker-Rock nennen. Oder Hard Rock. Oder KROKUS-gab-es-noch-nie-und-AC/DC-auch-nicht Rock. Dann hätte der gemischte Fünfer (am Bass ist eine weitere Frau) was ganz neues erfunden. Haben sie aber nicht und deswegen ist das Zeug weit entfernt von neumodischen Tönen, dafür aber voll mit Boogie'n'Roll, Bollerbass, knackigen Riffs und dem ganzen Standardzeugs aus den sehr frühen 80ern des letzten Jahrhunderts (für die "Insider" seien noch Namen wie TRANS AM, ANGELS oder frühe ACCEPT genannt). Also einer Zeit, wo Rock noch Balls hatte ('tschuldi Gabi) und der Biker vom Cover noch Haare (falls wir uns irgendwann mal treffen, Biker, dann zahl ich Dir ein Bier - bevor ich was auf die Mütze krieg).

"Poker Face" ist nach 3 Demos/EPs die erste komplette CD, wurde von Michael Bormann (der von JADED HEART aus Duisburg) produziert und knackt so richtig erfrischend und einfach dahin. Irgendwie hat es der Bormann geschafft, den einen oder anderen Bon Jovi-Touch hinzukriegen, ohne dass BLACKBURN nach Schmuseschmalz klingen. Und austauschbarer Melodic-Kram ist es auch nicht. Simply fetter Hard Rock.
Auslassen tun die Herrschaften natürlich kein einziges Klischee - man blicke nur auf die Songtitel. Aber mir ist der Holy Rock'n'Roller allemal lieber als die unheilige Allianz eines Ghetto-Rappers mit einem LED ZEPPELIN-Klassiker.

Die unvermeidliche Ballade ist natürlich auch vertreten (Coming Home), aber die macht nichts mehr kaputt, so öde sie auch dahin scorpiont.
Millionen werden die Rocker aus dem Land wo Frauen erst seit gut 30 Jahren Wahlrecht haben mit dieser Mucke nicht verdienen, da sind ihnen Meine und Co. zu weit voraus oder BLACKBURN der Zeit zu weit hinterher. Aber Spaß macht das.
BLACKBURN sind ein weiterer Beweis, dass aus der kleinen Schweiz verhältnismäßig mehr ordentliche Bands kommen, als aus dem großen Deutschland.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 04.02.2004

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