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| Paranoid (Deluxe Edition), Sanctuary Records, 2009 (1970) |
| Ozzy Osbourne |
Vocals |
| Tony Iommi |
Guitar |
| Geezer Butler |
Bass |
| Bill Ward |
Drums |
| Produziert von: Rodger Bain |
Länge: 42 Min 09 Sek, 43 Min 58 Sek & ca. 42 Min (DVD) |
Medium: Do-CD & DVD |
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| 1. War Pigs | 5. Electric Funeral |
| 2. Paranoid | 6. Hand Of Doom |
| 3. Planet Caravan | 7. Rat Salad |
| 4. Iron Man | 8. Fairies Weat Boots |
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Immer wieder muss man bei all den Wiederveröffentlichungen die Sinnfrage stellen. Die Top 200 der Rockgeschichte ist inzwischen so oft neu auf den Markt geworfen worden, dass man den Überblick längst verloren hat. Von BLACK SABBATHs Meilenstein "Paranoid" gibt es wenigstens 10 Neuauflagen seit der Erfindung der CD, zum größten Teil klanglich miserable und kastrierte 1:1-Überspielungen der Originalaufnahmen von 1970, allerdings auch mindestens drei remasterte Versionen. Die letzte erschien im Jahr 2008.
Das längst im großen Universal-Konzern aufgegangene Label Sanctuary Records besitzt die Rechte und weidet sie entsprechend aus. Grundsätzlich ist das nicht verdammenswert, schließlich sollen und dürfen alle Beteiligten profitieren - nicht zuletzt die jungen Fans, die das Jahr 1970 ansonsten bestenfalls aus dem Geschichtsunterricht kennen und denen man BLACK SABBATH als Erfinder des Doom Metal auf diesem Weg nahe bringen kann. Die Kehrseite ist, dass die alten Fans zum zigsten Mal zur Kasse gebeten werden, und da hört das Verständnis auf. Wer sich gerade eben das Remaster von "Paranoid" gekauft hat, wird sich überlegen, ob er nun schon wieder in die Tasche greift, bloß weil eine zweite CD und eine 5.1-DVD beigelegt ist. Eine gleichzeitige VÖ wäre fair gewesen, da hätte jeder nach eigenem Gusto entscheiden können, aber im Abstand von wenigen Monaten wird kaum jemand das gleiche Produkt zweimal kaufen. Davon abgesehen wurde die nun vorliegende Audio-DVD ursprünglich als SACD angekündigt, was vermutlich etliche Audiophilisten verärgert und vom Kauf abhält. Dennoch, "Paranoid" ist ein so enorm epochales Werk, man darf es in dieser "Deluxe Edition" nicht ignorieren.
"Paranoid" kann auch nach beinahe 40 Jahren noch Mütter erschrecken. Das ist zwar nicht das größte Kompliment, aber auf jeden Fall das überzeugendste Argument für alle Menschen unter 20. Über die Nachhaltigkeit von Klassikern wie War Pigs (so sollte das Album nach dem Arbeitstitel "Walpurgis" eigentlich heißen; blöd nur, dass die Plattenfirma das Stichwort "Vietnamkrieg" im Hinterkopf hatte), Iron Man oder dem Titeltrack Paranoid muss man nicht mehr sprechen, die kann jeder Möchtegern-Ozzy bestätigen, eher soll es hier um die neuerliche Aufarbeitung des historischen Themas gehen.
Die Verpackung ist vorbildlich, das 24-seitige Booklet weitgehend von Bill Ward verfasst und in knappen sieben Zeilen von Ozzy himself perfekt auf den Punkt gebracht: "… we were nothing without each other, but together we were BLACK SABBATH, which was unstoppable." Dazu diverse exotische Single- und LP-Coverabbildungen.
Klar, die erste CD gehört dem Originalalbum in der remasterten Version. Das kleine Ding ist im LP-Stil mitsamt Vertigo-Logo bedruckt und die Musik darauf ist selbsterklärend. Soundmäßig kann man mehr vermutlich nicht herausholen, wer das Vinyl noch besitzt weiß, dass "Paranoid" nie ein Wunderwerk der Klangtechnik war, aber nach dem erdrückenden War Pigs steht man spätestens beim Titelsong in der heimischen "Front Row" und schmeißt Haare. Es gibt in den Musikzeitungen immer wieder die so beliebten wie sinnlosen Umfragen, bei denen die Frage nach dem besten Song, der besten Platte und dem besten Gitarristen etc. aller Zeiten geklärt werden soll. Man wird dem Donovan-Fan nicht vermitteln können, dass Atlantis ein feuchter Furz gegen Paranoid ist, umgekehrt genauso wenig. Alberne Vergleiche sind das, aber Paranoid ist und bleibt ein Song für die Ewigkeit und wird Freunde entsprechender Härtegrade für immer begeistern. Mamas Angst steigert sich aber erst richtig mit dem Monster Planet Caravan und dem bösartigen Iron Man. Ums noch mal mit Ozzy zu sagen: "We had a magic, we had vulnerability [etwa: "emotional verwundbar"] and we were hungry." Osbourne, Iommi und Ward waren 1970 22 Jahre alt, Butler 21, in diesem Alter einen solchen Klassiker zu erschaffen ist nicht nur beinahe einzigartig, es erklärt vielleicht auch die vielen Katastrophen, die speziell Ozzy Osbourne noch erleben sollte.
Wie viele Bands haben wohl versucht den Break in der Mitte von Hand Of Doom nachzuspielen? Wie viele Drummer haben sich dabei die Hände gebrochen und wie viele Basssaiten sind dabei wie Gummi zerrissen? Nahezu jede Sekunde auf "Paranoid" war/ist Stil prägend und für die gesamte Musikgeschichte von größter Wichtigkeit. Außerdem ist das Thema journalistisch schon so oft auf- und abgearbeitet worden, dass man sich weitere Zeilen schenken kann. Die Platte muss man haben, am besten in der optimalsten Klangausstattung, das ist das einzige was zählt.
Die zweite CD ist insofern interessant, weil sich darauf die Instrumentalversionen der acht Nummern befinden. Kein Gesang also, nur die Brillanz der Band, offensichtlich kaum geschönt und demzufolge mit der einen oder anderen Unsauberkeit behaftet. Das macht nichts, denn BLACK SABBATH war eine phantastisch gute Band, die niemals Dinge außerhalb ihres Könnens versuchte. Es ist eine Offenbarung, den drei Musikern ohne "störendes" Geplärre zuzuhören. Man hört plötzlich Feinheiten, die im Endmix natürlich verschwunden waren, Iommi, Butler und Ward produzierten in den zwei Tagen der Aufnahmesession so viele magische Momente, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt.
Ok, Paranoid und Planet Caravan sind mit Gesang, dafür mit anderem Text. Spannend, allerdings musikalisch nicht so herausragend wie die fürs Album verwendeten Aufnahmen. Dafür tritt Ward zu Iron Man die im positiven Sinn vermutlich gruseligste Basstrommel aller Zeiten. Nicht alleine oder bei Dunkelheit hören, man kann danach nicht mehr schlafen.
Der dritte Teil des schicken Pakets ist schließlich die lange erwartete Erstveröffentlichung des 1974 erstellten quadrophonischen Mix auf Audio-DVD. Man kann ihn in 2.0 LPCM Stereo und 5.1 STS abrufen - die Meinungen über die Qualität dürften massiv unterschiedlich sein, was am individuellen Geschmack und ganz sicher auch an der Güte der vorhandenen Abspielgeräte und Boxen liegt. Der persönliche Eindruck ist, dass die Stereospur besser klingt, weil transparenter und nicht so verrauscht. Man wird sich natürlich auch 5.1 anhören, vielleicht ein wenig über die Effekte schmunzeln, aber insgesamt ist es doch ein wenig zu muffig. 2.0 zeigt hingegen manchmal die Grenzen der damaligen Technik auf, speziell die Spitzen sind für heutige Verhältnisse teilweise beinahe schmerzhaft. Die ruhige Nummer Planet Caravan leidet besonders darunter, die Percussion von Ward klingt schlicht miserabel. Für Notenzähler sind die Aufnahmen allerdings ein Muss.
Zusammenfassend sei wiederholt, dass man "Paranoid" selbstverständlich in der Sammlung braucht. Ob unbedingt in dieser Version sei dahingestellt. Schick ist sie allemal, vor allem die zweite CD bietet viel bisher Ungehörtes, die Notwendigkeit der Audio-DVD ist zweifelhaft und die zur Musik ablaufende Bildergalerie ist lieblos gemacht.
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