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| 35th Anniversary - Live At Rockpalast, Mr. D. Music, 2005 |
| Bernd Noske |
Vocals, Drums |
| Peter Engelhardt |
Guitar, Backing Vocals |
| Sascha Kühn |
Keyboards |
| Hannes Vesper |
Bass, Backing Vocals |
| Gast: |
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| Peter Föller |
Vocals (Back From Hell & She's Got Nothing On You) |
| Produziert von: Erik Nacken |
Länge: 64 Min 21 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Rock The Road (4:04) | 7. Back From Hell (5:30) |
| 2. What's Your Name (5:10) | 8. The Work Is Done (5:30) |
| 3. Trial Trip (9:37) | 9. Drum Solo (2:01) |
| 4. Hope (5:36) | 10. Gamma Ray (19:14) |
| 5. Just Before The Sun Will Rise (7:50) | 11. She's Got Nothing On You (5:03) |
| 6. Like Nothing Ever Changed (9:44) | |
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Manche schreibende Musikfans neigen zu Übertreibungen. Insofern hat Uli Twelker in seiner Beschreibung des Kampfes von BIRTH CONTROL um einen Auftritt im Rockpalast sicher etwas dick aufgetragen. Liest man seinen Covertext, wird man nämlich unwillkürlich an einen gewissen Polit-Unsympathen erinnert, der angeblich "Ich will hier rein" gebrüllt hat. Der Unterschied zwischen BIRTH CONTROL und Schröder ist, dass beide jetzt zwar drin waren, aber die Rocker ihren Auftritt nicht vergeigt haben.
Fatal ist nur, dass die deutsche Rocklegende erst jetzt zu ihrem Gastspiel beim ehemals ruhmreichen Rockpalast kam. Jetzt, wo die Bedeutung der früheren Bildungssendung des Westdeutschen Rundfunks gegen Null gegangen ist und der alte Chef in aller Pensionärsruhe seine Springsteen-Bootlegs sortieren kann, derweil die heutigen Macher ins Quoten-Aus gerutscht sind und der Rockpalast zum mickrigen Minderheitenprogramm degeneriert ist. So wie Rockmusik insgesamt.
Man muss sich nur erinnern, dass beispielsweise ZZ TOP erst durch ihren Auftritt in der Gruga Halle zur großen Nummer in Europa wurden und Rory Gallagher seinen Status beinahe wann immer er wollte mit einem Konzert im Palast manifestieren konnte. Sogar die Betroffenheitsnuschler BAP durften ran, nur den allermeisten deutschen Pionieren war die öffentlich-rechtliche Veranstaltung immer verwehrt.
Egal, nun hatten KARTHAGO, GURU GURU, JANE, EPITAPH, AMON DÜÜL und eben BIRTH CONTROL im Rahmen eines dreitägigen Krautrock-Nostalgie-Festivals in der Bonner Harmonie ihre späte Rehabilitation und von B.C. liegt uns die amtliche Aufnahme vor. Und was für eine. Eigentlich eine Frechheit, in diesem Zusammenhang von Krautrock und Nostalgie zu sprechen.
Wer den Mikrofonmitschnitt "Live in Fulda" vom letzten Jahr kennt weiß, dass BIRTH CONTROL auch nach dreieinhalb Jahrzehnten immer noch eine wunderbare Liveband sind. Oder besser: Vermutlich sind sie heute besser als jemals vorher - jedenfalls was Technik und musikalische Gelassenheit betrifft. Dass auch songwriterisch die Luft noch lange nicht raus ist, bewiesen Noske und seine heutigen Kollegen bereits mit der sehr guten CD "Alsatian" vor zwei Jahren. Völlig zurecht finden sich zwei Songs dieser Scheibe im aktuellen Live-Repertoire, der mächtige Hardrocker Rock The Road, als Opener von DEEP PURPLE-Kaliber, und das neunminütige Opus Like Nothing Ever Changed - möglicherweise eine der schönsten Nummern einer deutschen Band überhaupt und außerdem ein Zuckerl für einen Gitaristen von Format, wie es Peter Engelhardt zweifellos ist.
Unter allen anderen Stücken (außer natürlich beim genialischen Trial Trip, dessen Erzeuger Zeus B. Held eigentlich eine eigene Story zustehen würde) steht der Name Bruno Frenzel, also der des verstorbenen früheren Gitarrenhelden. Selbstverständlich müssen sich Noske & Co. für alle Zeiten aus diesem Fundus bedienen, denn kaum eine andere einheimische Band hat so viele - und gleichzeitig so unterbewertete - Eventualklassiker im Katalog. Für ein gelungenes BIRTH CONTROL Konzert braucht es beileibe kein Gamma Ray, hier übrigens 19 Minuten lang und wie üblich Droge pur und wieder in einem mir bisher unbekannten Arrangement, denn bereits mit Riesen wie What's Your Name, Hope oder den Rhythmus-Wundern The Work Is Done und Just Before The Sun Will Rise geht einem durchschnittlichen und mittelalten Rockpublikum garantiert der Gaul restlos durch. Das Zusammenspiel Gitarre-Orgel ist so raumfüllend und gleichzeitig purer Classic Rock, dass sämtliche Wünsche bereits vor dem Finale erfüllt sind.
Speziell wenn Engelhardt zu seinen gewaltigen Soli ansetzt, die dankenswerterweise immer von bestens geerdeten Riff-Orgien begleitet werden und nie in unappetitliche Frickeleien ausarten, sollte das Thema Krautrock mitsamt seinem ihm anhängenden Mief und Muff keines mehr sein. Man hört nur selten so fetzigen und frischen Rock & Roll, der sich nicht an standardisierte Drei-Minuten-Formeln hält und dennoch (oder deswegen? tja, eine geradezu philosophische Frage) nie langweilig wird. Hier ein Schlenker, da ein Boogie, dort die Hammond und zwischendrin Noske als brachial schlagzeugender Percussionist mit Hang zum Megagroove.
Keinesfalls darf man den federleichten Beton-Bass von Hannes Vesper vergessen. Das stoische Fundament bei beispielsweise What's Your Name bietet erst die Möglichkeit zum Abflug der anderen Kontrolleure.
Uli Twelker hat in seinen Linernotes natürlich insgesamt nicht übertrieben. In einem hat er überdies den Nagel direkt auf den Kopf getroffen: "Hier knallt alles, groovt alles...".
Eine ganz ganz große Live-CD!
P.S.: Liveplatten sind out, Rockpalast ist out, Rockmusik dieser Klasse ist out. Ich spielte neulich Fabio von W.I.N.D. (auch out) die legendäre "Hoodoo Man" (megaout) vor. Er kannte B.C. nicht und sein Kommentar war: "They are great! Really great." Wir haben Wein getrunken und waren danach out.
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