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Spare Parts
Spare Parts, Eigenvertrieb, 2002
Tony Mikus Lead Vocals, Guitar
Hans Oellerich Guitar, Backing Vocals
Banner Thomas Bass, Backing Vocals
Neal Hale Drums, Backing Vocals
Gäste:
Keith Flax, Mathendra Bahadur, Ryan Williams, Jim Curtis Additional Background Vocals
Ryan Williams Guitar (Real Life)
Produziert von: Jeff Tomei, Tony Mikus, Ryan Williams & Big Engine Länge: 48 Min 17 Sek Medium: CD
1. Wasted8. Cut Me
2. Real Life9. No Money
3. Shake My Soul10. Give It To Me
4. Borrowed Time11. She Loves Her Liquor
5. Over You12. Me And You
6. California13. Kill Me Slowly
7. Disappear

Vor zwei Jahren schrieb unser Joachim "BIG ENGINE liefern mit 'Shifting Into Overdrive' ihr Debütalbum ab". Und er lag mit seiner Einschätzung von frischem, modernem Rock ganz richtig. Plötzlich will man uns weismachen, dass diese Band bereits 7 (!!) CDs auf dem Buckel hat (O-Ton Bandhomepage: "... performing thousands of shows in ten different states ... and producing seven CDs), die aber dummerweise allesamt nicht mehr erhältlich sind. Ja hallo, liebe Leute, im Schreiben von schrägen Histories für Boygroups ist der Verfasser dieser Zeilen Spezialist. Da braucht man keine erfundenen Geschichten von gestandenen Rockbands mehr, macht mir also keine Konkurrenz! 4, 5 Proberaum-Demos mögen gut möglich sein. Aber 5 komplette Alben einer solchen Band gehen an der hiesigen Szene ganz bestimmt nicht unerkannt vorbei. Lassen wir diesen Unsinn also stecken und nehmen "Spare Parts" als zweites Album wahr, von mir aus auch mit Neuaufnahmen alter Songs.
Sei's drum. BIG ENGINE hauen uns ihr zweites, jawohl, Album vor die Ohren und auch wenn die Songs allesamt alt und neu eingespielt sein sollten oder aus verschiedenen Sessions stammen: Es knackt!
BIG ENGINE haben eine Bürde: Banner Thomas, ehemals Bassist bei MOLLY HATCHET und ältestes (jahresmäßig) Mitglied bei BIG ENGINE. Liest man im Infotext auf der Big Engine Homepage ein bisschen zwischen den Zeilen, dann könnte man fast auf die Idee kommen, dass Mr. Thomas gar nicht wirklich ständiges Bandmitglied ist und eventuell nur als Vorzeigename fungieren könnte...? Wir wissen es nicht und es ist letztlich egal. BIG ENGINE funktionieren auch so. Und vor allem greift der alte Herr Thomas einen Mörderbass.

Okay, wollen wir eins klarstellen: BIG ENGINE sind nichts weniger als Southern Rock! Klar? Okay, dann können wir ernsthaft über diese Band reden.
B.E. bieten modernen Rock, irgendwo zwischen METALLICA (in der für menschliche Ohren erträglichen Phase, somewhere in the 90ies also), PEARL JAM (gleichwohl die Männer um Tony Mikus ihre Instrumente beherrschen), BEATLES (ach ja, sind die nicht immer und überall, außer die STONES waren glücklicherweise schneller?), AC/DC und hitparadentauglichem Groove (Merke: Spricht der Verfasser von "chartfähig", dann meint er Ohrwurm, bevorzugt Rock'n'Roll-Ohrwurm - Me And You hat die Fähigkeit zum Liebeslied des Jahres).
Der Songaufbau der CD mag für den konventionellen Rockfan etwas unglücklich erscheinen, nach zwei Metal-Brechern folgen zwei Schleicher - wobei das relativ zu sehen ist, dann ein NuRock-Rumpler, um von zwei wunderbaren Popsongs abgelöst zu werden. Doch dann darf der geneigte Rocker ein Song-Highlight sondergleichen erleben: No Money ist das bisherige Überfliegerlied des Jahres 2004. Die Gitarren wirbeln durch die Gegend, dass man teilweise gar an HATCHET erinnert wird, Mikus singt schweinelässig und außerdem ist das Ding ein Mitgröler ohnegleichen.
Im folgenden Give It To Me schielen die guten alten SWEET um die Ecke. Oder doch T. REX? Egal, das ist Glamrock, wie man ihn als alter Sack und als Newcomer hören mag. Sehr cool.
Doch BIG ENGINE haben noch mehr drauf. She Loves Her Liquor ist ein Groovemonster. Hart, treibend, fett und fies. QUIET RIOT in ihren besten Zeiten fallen mir zum Gesang von Tony ein, ansonsten sind BIG ENGINE drei bis vier Qualitätsstufen vor den albernen 80ies-Posern. Die zweitbeste Nummer des Albums.
Bezeichnend für das Anderssein dieser Band ist die Schlussnummer. Kill Me Slowly ist alles andere als ein softer Rausschmeißer. Brettharter Alternative Rock mit grungigen Gitarrenklängen und Beinahe-Thrash-Blast-Attacken, auch David Bowie könnte so klingen, würde er heute noch etwas wagen.

"Spare Parts" ist ein sehr gutes und zudem fein produziertes Rock-Album, jenseits von peinlichen Klischees und noch weiter jenseits der Erfüllung feuchter Träume "zurückgebliebener" MOLLY HATCHET Fans. Zu dieser Kategorie gehört der Rezensent an sich auch, doch nach dem dritten, vierten Hördurchgang hat man mit BIG ENGINE ziemlich großen Spaß. Vorausgesetzt, man ist 1980 nicht gänzlich stehen geblieben.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 24.02.2004

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