HoR Logo kl DVD-Review:

Babyshambles

Up The Shambles

Live In Manchester
Logo Home-of-Rock
Startseite > CD-Reviews > Babyshambles > Up The Shambles - Live In Manchester

Link Homepage:
Offizielle Babyshambles Homepage
Link Homepage:
Babyshambles @ MySpace.com
Link Kaufen:
www.amazon.de
Link Plattenfirma:
Eagle Rock Entertainment
Link Promotioncompany:
Black Mamba Promotion
Mehr Info:
All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
Up The Shambles - Live In Manchester
Up The Shambles - Live In Manchester, Eagle Vision, 2007
Peter Doherty Vocals, Guitar
Gemma Clarke Drums
Patrick Walden Guitar
Drew McConnell Bass
Gast:
Dot Allison Vocals
Produziert von: David Kay, Liam Hirrell, Ryan Gifford Länge: ca. 89 Min Medium: DVD
1. The Man Who Came To Stay10. Time For Heroes
2. Do You Know Me11. Albion
3. In Love With A Feeling12. I Wanna Break Your Heart
4. Babyshambles13. What Katie Did
5. Gang Of Gin14. Killamangiro
6. Fuck Forever15. My Darling Clementine
7. I Mean You No Harm16. Blackboy Lane
8. Sheepskin Tearaway17. Wolfman
9. Don't Look Back Into The SunBonus:
Backstage & More

Zyniker könnten sagen, dass hier bereits die Nachlassverwertung vor dem Dahinscheiden des Protagonisten beginnt. Ohne zynisch zu sein darf man behaupten, dass der Boulevard prächtig von den täglichen Drogengeschichtchen Pete Dohertys lebt. Dazu Amy Winehouse und ihre öffentliche Sucht, Britneys Selbstdemontage und Paris Hiltons Komplettschwachsinn; ganze Urwälder werden für den daraus gedruckten Dreck abgeholzt. Es bietet sich an, solche Menschen exzessiv zu verwerten, keiner weiß wie lang der Hype noch zündet, und keiner weiß, ob der junge Herr Doherty seinen nächsten Geburtstag noch erleben wird.
Folgerichtig kommen wir jetzt in den Genuss eines frühen Auftritts der BABYSHAMBLES aus dem Jahr 2005 (und wohl nicht 2004, wie in den meisten Magazinen verbreitet wird).

Ein mittlerer Club in Manchester, gut voll, leider mit einem schlecht vollen Pete Doherty, dem damals wie heute offensichtlich jede Fähigkeit zur Selbstreflexion fehlt. Anders ist nicht erklärbar, dass ein knapp dreißigjähriger Mensch so affektiert orientierungslos und im Rausch sein Scheitern publiziert. Jedermann weiß, dass er kein guter Sänger ist, doch gepaart mit mittelpeinlichen Posen und einer geradezu aufdringlichen Zurschaustellung seiner Krankheit wird seine Aufführung zur Farce, die in keiner Sekunde den trotz allen Schreckens schlussendlich immer noch "würdevollen" Darbietungen früherer Drogenwracks standhalten kann. Nein, aus Peter Doherty wird kein Lou Reed oder Iggy Pop mehr, vor allem nicht, wenn er nicht ganz schnell die Kurve kriegt. Merke: Jim Morrison starb immerhin mit epochalen Werken im Vermächtnis, unserem Freund fehlt wohl das Genie dazu.
Das Problem an "Up The Shambles" ist aber nicht nur Doherty alleine. Erschreckend ist auch Spiel und Erscheinung von Patrick Walden an der Gitarre. Ab und an einen geraden Ton möchte man als Hörer schon erleben, aber die ausgemergelte Gestalt hier schrammelt sich auf mäßigem Schülerbandniveau durchs Programm. Ganz arg wird es, wenn die gesamte Band den Song I Wanna Break Your Heart so komplett versemmelt, dass einem der eigene, Furcht erregende Musiklehrer von früher einfällt. Da hilft auch die Anwesenheit der Gastsängerin Dot Allison nichts, obwohl die in Ansätzen von Harmonielehre gehört haben dürfte und halbwegs singen kann. Außerdem klöppelt sie ein hübsches Xylophon - very Rock & Roll. Trotzdem sind die paar Songs mit Allison beinahe eine Offenbarung, weil sie von Doherty und der Band zurückhaltend, meist akustisch, begleitet wird. Der Rest ist angepunktes Kroppzeug von den LIBERTINES und den BABYSHAMBLES.
Erwähnenswert ist sicher die Fassung von Albion, die beinahe Intimität erzeugt. Dagegen geht der eigentlich großartige Song In Love With A Feeling mangels Waldens Kompetenz gehörig in die Hose. Beide Nummern sind vom ersten Album "Down In Albion".
Wenn man die Performance der Band betrachtet, bleibt eigentlich nur die inzwischen längste ausgetauschte Schlagzeugerin Gemma Clarke positiv in Erinnerung, da sie wuchtig und weitgehend korrekt trommelt und damit wenigstens von hinten Schub gibt. Auch wenn der spätestens an Dohertys nacktem Rücken abprallt.
Ganz am Schluss des nur knapp über eine Stunde dauernden Konzertes passiert der intensivste Moment. Die B-Seite der 2005er Single Albion hieß Wolfman und erweist sich live als die erhoffte Raserei einer echten (Punk-) Rockband in der Tradition von beispielsweise THE CLASH. Wenn Doherty zur Mitte des Songs die Bühne verlässt, geben die restliche drei, allen voran Gemma Clarke, so erfrischend Gas, als ob ihnen eine Last von den Schultern genommen wäre. Bezeichnend.

Der Rest der DVD besteht aus Backstage-Material und fragmentarischen Liveaufnahmen. Wer so was braucht, ist gut bedient. Die Qualität ist medioker, wie übrigens auch die Bildqualität des eigentlichen Konzerts.
Dass Doherty in seinen guten Momenten wundervolle Songs schreiben kann, beweist die vor zwei Monaten veröffentlichte CD "Shotter's Nation", auf der einige echte Perlen vertreten sind. Ob man der großen EMI allerdings dankbar sein muss, dem allem Anschein nach unbelehrbaren Bub aus der englischen Provinz auf Major-Basis die Möglichkeit zu geben seinen Unfug zu treiben, bleibt dahingestellt. Diese DVD jedenfalls darf getrost zu Präventionszwecken verwendet werden.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 23.12.2007

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

Startseite > CD-Reviews > Babyshambles > Up The Shambles - Live In Manchester

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum