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Down In Albion
Down In Albion, Rough Trade Records, 2005
Peter Doherty Vocals, Guitar
Patrick Walden Guitar
Drew McConnell Bass
Adam Ficek Drums
Gäste:
Kate Moss Vocals (La belle et la bête)
The General Vocals (Pentonville)
Barriemore Barlow Gong (Sticks And Stones)
Produziert von: Mick Jones Länge: 63 Min 58 Sek Medium: CD
1. La belle et la bête9. In Love with a feeling
2. Fuck forever10. Pentonville
3. A'rebours11. What Katy did next
4. The 32nd of December12. Albion
5. Pipedown13. Back from the dead
6. Sticks and stones14. Loyality song
7. Killamangiro15. Up the morning
8. 8 dead boys16. Merry go round

Diese CD hat 2 Minuten 51 Sekunden lang beinahe geniale Züge: In Love With A Feeling heißt der spektakuläre Schachzug. Uh, Ray Davies scheint wieder jung zu sein, so larmoyant und gleichzeitig unfassbar britisch, so cool und so positiv triefend vor Gefühl, es kann nur Davies sein.
Es ist nicht Ray Davies. Leider. Der Typ heißt Pete Doherty und ich habe es so satt, diesen Namen in irgendwelchen Videotexten, Klatschzeitungen, Feuilletons und Lifestylemagazinen lesen zu müssen (ja, der Musikkritiker liest auch solchen Dreck) und ihn dort ständig als Synonym für Rock & Roll bezeichnet sehen. Nein, Freunde, Pete Doherty ist nicht Rock & Roll! Er ist nur ein kleiner verwirrter Junge, der mit Hilfe diverser Dealer, einer schlagkräftigen Promotionsindustrie und einer völlig orientierungslosen oder gar ertaubten Musikpresse seit ein paar Jahren, genauer seit der Single What A Waster von den LIBERTINES im Sommer 2002, zum Heilsbringer ausgerufen wurde. Ach ja, außerdem hat der junge Mann mit der klapperdürren Kate Moss herumgefickt, man mag es sich kaum vorstellen, und so noch ein paar Bonuspunkte in der Yellow Press ergattert. Die goutiert natürlich darüber hinaus mehr oder minder wilde Drogenexzesse "ihrer" Promis ganz besonders und widmet Moss und Doherty immer gerne ein Aufmachergeschichtchen.

THE LIBERTINES waren ein ziemliches Missverständnis. Ihr Britpoprock war so dilettantisch wie geklaut, ihr Aushängeschild Doherty ein Un-Sänger und der Rest einfach aufgesetzte Attitüde. Viel Lärm um ein kleines Nichts, aber der letzte und vermutlich finale Rausschmiss Dohertys brachte genügend Sturm im Medienbecken, dass der Nachfolgeband BABYSHAMBLES der Weg großzügig bereitet war und gleich die zweite Single Killamangiro prächtig in die britischen Top 10 einstieg. Doherty hatte die BABYSHAMBLES zwar schon 2003 während seines ersten Zwangsabschieds bei den LIBERTINES gegründet, sah sie aber wohl eher als Drohung für seine ehemaligen und bald wieder Kollegen, musste aber letztlich sein Hauptprojekt daraus machen.
Leider erinnert Doherty tragisch an eine Figur wie Kurt Cobain, der niemals bestätigten Gerüchten zufolge ähnlich talentiert gewesen sein soll.
Falls an dieser Stelle Ironie hörbar sein sollte: Korrekt! Ein paar wirre Texte, ein paar Versatzstücke aus der Musikgeschichte, viele illegale Essenzen, die oben erwähnte Hypemaschine und Millionen Kids auf der Suche nach Identifikationsfiguren machen noch kein Genie.

Seit gut zwei Monaten ist endlich das Debut der BABYSHAMBLES veröffentlicht. Erwartungsgemäß läuft der Verkauf vorzüglich, ebenso erwartungsgemäß piesacken die Strategen hinter Doherty die Öffentlichkeit mit Dauerpräsenz, dto. erwartungsgemäß werden abgesagte Konzerte, abgebrochene Entziehungskuren, beendete Beziehungen, Verhaftungen Dohertys und neue Werbeverträge von Fräulein Moss um ein Vielfaches mehr beachtet als die Qualität des Albums "Down In Albion". Hype as hype can. Tja, leider ist die Platte viel viel schlechter als der Rummel vermitteln will, sorry, liebe Sucher der nächsten Sensation. Knapp 3 tolle von insgesamt fast 64 Minuten ist verdammt wenig.
Natürlich sind nicht alle der 16 (!) Songs lausig, einige haben Charme und sogar etwas wie Esprit, aber der größte Teil dieser CD ist schlichterdings zusammengeschusterter Übungsraummüll. Kate Moss klingt überhaupt nicht lasziv bei ihrem sinnlosen Beitrag in La belle et la bête, Doherty stammelt und lallt Unverständliches und scheußlich Schräges in einem ganzen Haufen Nummern, die Band schraddelt uninspiriertes Kroppzeug aus der Mottenkiste. Da hilft auch nicht die neuerliche Produktionsunterstützung durch Mick Jones, dem alten Berserker von THE CLASH. Vielleicht weil die BABYSHAMBLES und Doherty nicht die Größe für eine Platte wie "London Calling" sondern nur für ein fürchterliches Drogenstatement wie Pipedown haben?

Zugegeben, immer wenn es etwas melancholischer und/oder ruhiger wird, könnte man sich fast an "Down In Albion" erfreuen. Aber genau in diesen Momenten taucht der riesengroße Schatten des Ray Davies auf und man fragt sich berechtigt, warum man nicht gleich eine x-beliebige alte Platte der KINKS auflegt. Die konnten nämlich auch noch spielen, singen und trotz (oder wegen) aller Bösartigkeit Spaß vermitteln. Herr Doherty hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur sehr wenige Momente Spaß am Leben.
Nett, aber fürchterlich hüftlahm klingen die Reggae-Stolpereien, bedrückend in ihrer geistigen und musikalischen Schlichtheit die dylanesken Singer/Songwriter-Versuche und verarmt die paar punkigen Anfälle. Eine Aussage wie Fuck forever ist so schrecklich inhaltslos...
Man möchte Pete Doherty alles Gute und viel Glück wünschen und dass er vielleicht im nächsten Leben einen zu ihm passenden Beruf wählt. Als Musiker und künftige Überdosisleiche taugt er nicht und ein Coverbild beim Musikexpress ist nach einem Monat schon vergessen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 27.01.2006

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