|
|
| Live!, Ruf Records, 2004 |
| Aynsley Lister |
Vocals, Guitars |
| James Townend |
Bass, Backing Vocals |
| Sarah Jones |
Drums |
| Produziert von: Ansley Lister & Thomas Ruf |
Länge: 80 Min 19 Sek |
Medium: CD |
|
 |  |
| 1. Aeroplane Blues | 8. Now You're Gone |
| 2. As The Crow Flies | 9. Take Me To The River |
| 3. Say Goodbye | 10. Runnin' Out On Me |
| 4. Balls Of Steel | 11. Sometimes It Gets 2 Me |
| 5. Snake | 12. Soundman |
| 6. Everything I Need | 13. Fallin' Down |
| 7. Angel 'O' Mine | |
 |
Aynsley Lister ist so was wie mein kleiner Bluesrock-Gitarrenliebling der letzten Jahre. Anders als die meisten jungen Flitzefinger in diesem Genre lässt Aynsley löblicherweise öfter den Gitarrenhelden stecken und rockt stattdessen einfach drauflos. Auf höchstem Niveau selbstverständlich, aber ohne größere Ego-Fudeltrips in aller Regel. Jetzt gibt es erstmals eine reguläre Live-CD, aufgenommen bei einer Aufzeichnung für den WDR Rockpalast im März 2004 und auch bereits in Auszügen gesendet. Rockpalast, Fernsehaufzeichnung, das müsste doch eigentlich allerbesten Sound garantieren. Seltsam, mir erscheint der Sound auf meinem Videomitschnitt der Sendung besser als auf dieser CD. Nicht dass der Klang schlecht wäre, relativ rough und zum Glück unverfälscht, aber etwas leiser als im Fernsehen. Mal schauen wie die kommende DVD wird. Das ist aber generell der einzige kleine Kritikpunkt an dieser Platte.
Den Einstieg machen zwei akustische Songs - darunter As The Crow Flies von Tony Joe White - von Lister alleine mit Bottleneck gespielt, ganz in der Tradition von Rory also. Mit Say Goodbye steigt die Band ein und schon bumst es gewaltig. In der Band hat es eine Veränderung gegeben, am Schlagzeug sitzt jetzt ein Mädel und die ist voll und ganz eine Bereicherung. Nicht nur sieht sie besser aus als ihr Vorgänger, sie trommelt auch besser. Ade Badland hatte mich im November 2002 doch reichlich enttäuscht. Sarah Jones ist zwar erst knapp im führerscheinfähigen Alter, aber sie gibt vor allem den Krachern im Set einen kräftigen Kick.
Die Boogiegranate Balls Of Steel, ebenfalls vom letzten Album "All Or Nothing", wird gefolgt vom ersten neuen Song, Snake. Aynsley soliert zu diesem TASTE/CREAM/TYA-Gedächtnisrocker beeindruckend. Noch ein melodischer Boogie, Everything I Need, rifft sich heftig und mit einem brillanten Solo ins Gehör, bevor Angel 'O' Mine relativ modern bluesend zwei Gänge zurückschaltet.
Aynsley Lister gewinnt viele Bonuspunkte in dem er sich eben nicht den altbekannten Mustern hingibt und sie mit Virtuosität erschlägt, er hat einen Hang zu leichtgängigen - und für Bluesverhältnisse zeitgemäßen - Melodien und verpackt die in moderat traditionelle Trio-Schemata. Logischerweise ist ein Trio stilistisch limitiert, trotzdem bricht die Band immer wieder aus und präsentiert einen extrem rockigen Popsong wie das brandneue Now You're Gone. So stelle ich mir Weiterentwicklung im Bluesrock vor. Oder auch die stark eigeninterpretierte Version von Al Green's Take Me To The River: Straighter Drumbeat, Brachialgitarre und eine immer stärker werdende Stimme des nach wie vor jugendlichen Herrn Lister. Wenn schon covern, dann gerne so.
Ganz selten meint man etwas "Reife" in einigen Songs zu vermissen. Zum Beispiel dem schönen Runnin' Out On Me würden noch ein, zwei oder drei nicht gespielte Töne gut tun. Schwer, wenn man das Können eines Aynsley Lister besitzt und es trotzdem manchmal nicht einsetzen sollte. Aber das wird sich mit den Jahren sicher verwachsen. Genau wie das eine und andere recht auffällige Stevie Ray Vaughan-Zitat.
"Live!" ist eine feine CD und ich freue mich jetzt schon auf die nächste Studio-CD und die weitere Entwicklung von Aynsley Lister. Schaut gut aus für ihn, wahrscheinlich ist er in ein paar Jahren eine ähnlich große Nummer wie seine Vorbilder. Das meine ich allerdings (leider?) nicht im kommerziellen Sinn.
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn: 
|