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Anna Sahlene

Photograph

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Photograph
Photograph, B Factory Music, 2005
Produziert von: Darryl Swann Länge: 47 Min 05 Sek Medium: CD
1. Creeps8. Mama Put Your Gun Down
2. Do Ya9. Love Don't Kill
3. Feel Like A Woman10. Business As Usual
4. Piece Of Your Love11. Chick On The Side
5. Photograph12. Damn Good Try
6. Missionary Man13. You Can Shine
7. No No

Erhöhte Blondinengefahr! Auch noch eine schwedische Blondine, die vor paar Jahren beim unsäglichen Schlager-Grand-Prix dabei war. Also ab ins Home of Beauty-Pop?
Aber nein, die bezaubernde Anna Sahlene war schließlich schon in unserer Lieblingskindersendung (nach Pippi Langstrumpf) "Die Kinder von Bullerbü" dabei und damit ist sie definitiv ein Fall fürs Home of Rock.
Höre ich Zweifel? In Bullerbü wurde nicht gerockt? Unsinn! Das war Infantil-Anarchismus und aus der kleinen Inga aus der Serie ist jetzt eine ausgewachsene Sängerin geworden. Na gut, anarchisch ist die CD "Photograph" nicht gerade, aber richtig guter Pop-Rock angenehmster Bauart schallt aus den nicht vorhandenen Rillen.

Zugegeben, für Freunde alternativer Schräglagenmusik ist "Photograph" mit Sicherheit ein Hassobjekt. Aber jetzt stellt euch mal einen verzweifelten Rocker im Auto vor, der alle drei Kilometer entsetzt am Radioknopf dreht und nach wenigstens halbwegs erträglicher Musik sucht. Das Angebot ist vielfältig und bringt unseren Fernfahrer in jedem Fall zum Kotzen. Zwischen "Das Beste aus den letzten 30 Jahren Scheißhausmusik" und "Wir spielen die Hits aus jedem Kaufhaus das Sie jemals betreten haben" (bei der Gelegenheit sei erwähnt, dass Karstadt Sweet Home Alabama im Angebot hat!) brechreizen ihm noch die jeweils aktuellen Missetaten von Britney, Xavier und TOKYO HOTEL entgegen und irgendwann lenkt der arme Kerl seinen Boliden an die nächste Tankstelle und kauft sich eine Hörspielkassette von Pumuckel, damit er wenigstens auf den letzten 200 Meilen lachen kann.
Anna Sahlene ist das Alternativprogramm!

Haken wir zuerst die möglichen Anhaltspunkte ab. Natürlich drängt sich der Vergleich mit Anastacia auf. Anna grunzt aber nicht und nervt auch nicht mit unmotivierten Heulausbrüchen. Tina Turner kommt einem auch in den Sinn. Nur haben Grandma Tinas Songwriter seit etwa 1986 keinen guten Song mehr auf die Reihe bekommen und sie lebt jetzt eh glücklich im Seniorenheim. Bliebe noch Britney. Ja, ne, die fällt weg, weil sie nicht singen kann und ihre Musik nach Plastik stinkt. Joss Stone? Ja, schon eher. Allerdings hat Joss definitiv den größeren Stimmumfang, hat mehr Soul in Röhre und Musik und hat sich leider bereits mit ihrer zweiten CD zu sehr in Richtung Kunstprodukt verbiegen lassen. Macy Gray, NO ANGELS, Lena, äh, Lenny Kravitz... hm, ja, die passen auch ins Schema. Schon grade, weil Frau Sahlene sich u.a. der Songwriter von Anastacia und Lenny bedient hat und der Produzent von Mrs. Gray im Studio Regie führte.
Wir reden also von guter Popmusik. Gut komponiert, gut produziert, hervorragend gesungen, abwechslungsreich gestaltet.

Man darf nicht verschweigen, dass auf "Photograph" ein, zwei Nummern zu diesem ekelhaften Waschmaschinen-Möchtegern-R&B weichgeklopft wurden, der so seelenlos wie kompatibel für den ZDF-Fernsehgarten ist. Aber die restlichen zwei Hände Songs sind richtig lecker. Mal rockt es (Creeps, Do Ya, Business As Usual), mal soult es (u.a. in Missionary Man - das ist ja auch von den wunderbaren EURYTHMICS), dann gefühlsduselt die schöne Ballade Photograph herrlich ballaststofffrei (sprich: ohne Geigen und Synthetik) und im nächsten Moment groovt der Reggae Mama Put Your Gun Down oder ein Tanzfeger wie No No lässt den hartgesottenen Sitzrocker mit den Hinterbacken wackeln.
Auf "Photograph" sind richtige Gitarren zu hören, fast durchgehend ein richtiges Schlagzeug und vor allem eine richtige Sängerin, die ihre Stimme einzusetzen weiß und nicht nur ihren Body. Obwohl der natürlich über jeden Zweifel erhaben ist.

Kommen wir zu unserem Roadrunner von oben zurück. Der hat kurz nach dem Autobahndreieck Bullerbü den Sender mit Anna Sahlene gefunden und saust nun mit nervenschonenden 130 direkt durch bis nach Taka-Tuka Land und findet dort eine neue Radiostation, die die erste CD von Nea spielt. Gute Reise!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 08.10.2005

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