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American Blues Box

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American Blues Box
American Blues Box, Apocalypse Records, 2006
Derek Davis Vocals, Slide & Lead Guitar, Bass, Piano
Kyle Bates Lead Guitar
Eric Pacheco Bass
James Pacheco Drums
Gäste:
Charlie Knight Harmonica, Piano
Robb (Foghat Robb) Lansing Bass (Half The Man, Some Kind Of Wonderful & I Can't Hold Out)
Produziert von: Derek Davis Länge: 44 Min 35 Sek Medium: CD
1. Mississippi Mud7. Red Hot Lover
2. Unconditional Love8. Rattle My Bones
3. Some Kind Of Wonderful9. Biscuit Bakin Mama
4. Whiskey & Water10. Halt The Man
5. Killing Time11. Shake Your Tree
6. When You Were Young12. I Can't Hold Out (Live)

Schon interessant, dass sie alle wieder daherkommen. Diesmal ist es die Rumpfbesetzung der L.A.-Poser BABYLON A.D., die Ende der 80er und zu Beginn der 90er ein paar Schlagzeilen hatten.
Es war die übliche Geschichte: Ganz große Plattenfirma schnappt sich alles was nach Trend aussieht, mächtiger Wirbel um die erste CD, mittelmäßiger Charterfolg, nach der zweiten Scheibe wird leider der Trend vom nächsten Trend überholt, Tschüss Band. Kohle weg, Band futsch, alles was bleibt sind ein paar gefickte Musiker, die entweder aufgeben und einen bürgerlichen Job machen (oder vor die Hunde gehen) oder heute eine absurde Prozedur des Musikbusiness durchlaufen: Den vermeintlichen Gipfel haben die jungen Kerle ohne größere Anstrengung schon gesehen, die Tiefen lernten sie danach zwangsweise kennen, nur einen kontinuierlichen Karriereplan, also von unten nach oben, hatten diese Jungs nie.
15 Jahre oder mehr nach ihrer "ganz großen" Zeit sind diese Enddreißiger entweder überhaupt nicht mehr zu genießen und musikalischer Ausschuss, oder sie greifen zurück auf das was bereits lang vor ihnen gewesen ist und auch noch nach ihrem Verschwinden Bestand haben wird: Rock & Roll.
2006, wo keine Plattenfirmen mehr Druck machen und altmodische Rockmusik kommerziell eh keine Rolle mehr spielt, macht diese Renaissance Sinn. Zum ersten Mal in ihrer fremdbestimmten Karriere können diese Musiker tun was sie wollen. Ganz egal was es ist.

Derek Davis und die Pacheco Brüder aus der anfangs genannten Combo, plus Gitarrist Kyle Bates, der wohl bisher nur als Lokalheld in Amateurbands auffällig wurde, bilden jetzt das Quartet AMERICAN BLUES BOX und haben den stylischen Heavyrock ihrer Jugendtage entrümpelt, also Glam, Sleaze, Spandex, Haarspray und sonstiges Gedöns raus und knackigen Bluesrock rein. Außergewöhnlich einfallsreich ist das natürlich nicht, diese Musik hört man seit 35 Jahren in immer wieder neuen Abwandlungen, und mancher Versuch in diese Richtung ist schon schlimm ins Auge gegangen. Die Gründe sind entweder mangelnde Glaubwürdigkeit der Protagonisten, ein nicht zu zügelnder Gitarrist, der auch beim puritanischsten Bluessolo noch den Van Halen (wahlweise auch Vaughan oder Hendrix) mimen möchte, oder, meistens, einfach schlechte Songs, die man schon vergessen hat bevor sie das Ohr in Richtung Denkblase verlassen haben. Schauen wir doch mal, was die Band mit dem ziemlich doofen Namen AMERICAN BLUES BOX auf dem Kasten hat.

Zwei Dinge fallen beim ersten Durchgang auf. Die durchwegs knackigen, dennoch nicht im geringsten aufdringlichen Gitarren und die vorzügliche Harp eines gewissen Charlie Knight. Schon lange keine so messerscharfe Mundharmonika mehr gehört. Und es fällt auf, dass man 45 Minuten lang mitschnippt, stampft und auf dem Tisch herumtrommelt. Gutes Zeichen, eine CD die den Umweg zum Hirn scheut und direkt in den Bauch geht.
Sänger Davis röhrt wunderbar durchs Gehölz und spielt dazu eine klasse Slide, das jedoch deutlich dezenter als der Geschwindigkeitsweltmeister Eric Sardinas. Kyle Bates packt dazu sein Riff-Köfferchen aus und verzichtet dankenswerterweise auf dröge Einlagen. Dahinter wummert die Band eindrucksvoll und das ergibt in Summe, man muss es irgendwann sagen, die beste AEROSMITH-CD seit "Done With Mirrors" (die 1985 leider völlig zu Unrecht verschmäht wurde). Derek Davis hat im rechten Moment aber auch haargenau den Tyler drauf.

Mittlerweile beim x-ten Durchlauf angekommen, haben sich noch diverse weitere Details erschlossen. Zum Beispiel ist die Version von Some Kind Of Wonderful extra scharf gelungen, sämtliche bemühten Klischees - und das sind nicht wenige - wurden einer Frischzellenkur mitsamt Fango-Boogiepackung unterzogen und AMERICAN BLUES BOX schaffen es 12 Songs lang den Hörer nicht zu langweilen. Was könnte man einer harten Bluesrockband im Jahr 2006 für ein größeres Kompliment machen?

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 23.03.2006

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