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Theatre Of Death

Live At Hammersmith 2009
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Theatre Of Death - Live At Hammersmith 2009
Theatre Of Death - Live At Hammersmith 2009, Universal Music, 2010
Alice Cooper Vocals
Keri Kelli Guitar
Damon Johnson Guitar
Chuck Garric Bass
Jimmy DeGrasso Drums
Plus:
Tiffany Lowe
Länge: ca. 92 Min Medium: DVD
1. School's Out15. Be My Lover
2. Department Of Youth16. Only Women Bleed
3. I'm Eighteen17. I Never Cry
4. Wicked Young Man18. Black Widow
5. Ballad Of Dwight Fry19. Vengeance Is Mine
6. Go To Hell20. Devil's Food
7. Guilty21. Dirty Diamonds
8. Welcome To My Nightmare22. Billion Dollar Babies
9. Cold Ethyl23. Killer
10. Poison24. I Love The Dead
11. The Awakening25. No More Mr. Nice Guy
12. From The Inside26. Under My Wheels
13. Nurse Rozetta27. School's Out (Reprise)
14. Is It My Body

Recht hat er, der Herr Cooper. Sein ALICE-COOPER-Mummenschanz kommt nun mal live und mit Bild noch viel besser als auf den Studiokonserven, also veröffentlicht das 62jährige Werbeflaggschiff fast so viele Konzert-DVDs wie Studio-CDs. Diesmal ist es eine im Londoner Hammersmith Apollo (ehemals Odeon) aufgenommene Show von 2009.
Das Hammersmith ist bekanntlich keine Mega-Eventhalle, es dürften ca. 9.000 Leute Platz finden, doch genau in diesem Rahmen macht ALICE COOPER am meisten Spaß. Die ganz großen Gimmicks wie bei den Festival-Gigs fallen naturgemäß im Hammersmith aus, der Meister muss Auge in Auge mit dem Publikum performen und Show machen. Da er das aber wie kein zweiter im Rock'n'Roll-Geschäft kann, muss man sich um diesen Aspekt auf "Theatre Of Death" überhaupt keine Gedanken machen. Man konnte das auf der gleichnamigen Tour auch hierzulande überprüfen.

Über ein paar andere Dinge kann man allerdings schon nachdenken. Zum Beispiel warum diese DVD erst ab 16 Jahren freigegeben ist. Wegen der vier Hinrichtungen, den Morden an der Krankenschwester Rozetta (toll dargestellt von Tiffany Lowe, die Calico Cooper würdig vertritt) und einem vermummten Bösewicht und der zugegebenermaßen schwerstens zu missbilligenden Brutalität an einer weiblichen Puppe und der Schändung eines Kinderpuppenkopfs? Oder wegen der gewaltverherrlichenden Herumfuchtelei mit einem Degen? Oder etwa gar wegen dem Auftritt einer angemessen fies aussehenden Hard Rock Band? Bloß gut, dass sich jeder achtjährige Leseanfänger an den übelsten Texten von Sido und Konsorten delektieren darf.
Aber mal Spaß ohne. Natürlich ist eine Alice-Show nichts für Kleinkinder, die verstehen schlicht den komödiantischen Hintergrund der Sache nicht, aber das gilt genau so für Harry Potter und jedes Märchen der Grimms.
Die zwei wirklich ernsthaften Fragen zu "Theatre Of Death" lauten: Warum gibt es nur einen einzigen Song vom letzten Album "Along Came A Spider" (Vengeance Is Mine) und warum ist die 27 Titel umfassende Setlist zu 2/3 identisch mit der von 2005 (siehe "Live At Montreux 2005").

Man weiß, dass die Show von ALICE COOPER seit Jahren eine Nummernrevue ist, in der kaum ein Song länger als drei Minuten Zeit bekommt, denn das Theater rund um das Motto "They keep killing him… and he keeps coming back" braucht ständig neue Sensationen (und all die Hits wollen schließlich auch gespielt sein). Das Programm von "Theatre Of Death" vermied glücklicherweise lästige Medleys und rockte einfach nur vor sich hin - und zwar mit Hochdruck.
Das ist zum einen natürlich dem einzigartigen Showtalent des Chefs zu verdanken, zum anderen der gelungenen Choreographie und Dramaturgie, vor allem aber der diesmal durchgehend großartig besetzten und harmonierenden Band. Vollkommen unaufgeregt und dennoch effektvoll und jederzeit schwer drückend hauen Keri Kelli und Damon Johnson an den Gitarren zusammen mit dem schon gut fünf Jahre für Cooper arbeitenden Bassisten Chuck Garric und dem Qualitätsschlagzeuger Jimmy DeGrasso einen Gassenhauer nach dem anderen raus. Es kommt nicht ganz zufällig, Keri Kelli war schon bei PRETTY BOY FLOYD ein Cooper-Fan und DeGrasso hat nach seinem Intermezzo bei Y&T das 97er Livealbum "A Fistful Of Alice" eingetrommelt, um danach Jahre mit MEGADETH zu verbringen. Den bei KISS eingespannten Eric Singer kann DeGrasso mit seinem rock'n'rolligeren Spiel locker ersetzen.
Über allem steht natürlich Alice, der Hard-Rock-Schauspieler und notorische Un-Sänger. Auf DVD oder Video hat man ihn in beiden Disziplinen noch nicht so gut gesehen. Er ist: ÜBERRAGEND.

"Theatre Of Death" ist die beste gefilmte Alice-Show der Neuzeit, auch wenn "Brutally Live" aus dem Jahr 2000 aufwendiger war. Neben KISS ist ALICE COOPER der einzige Act, der diesen herrlichen Comic-Hard-Rock noch glaubhaft verkaufen kann. Wäre Vincent Damon vor 35 Jahren nicht so ein albtraumhafter Alkoholiker gewesen und hätte er diese Band und die heutigen technischen Möglichkeiten damals um sich gehabt…

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 21.10.2010

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