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| Early On - The Americana Recordings 1993-1998, Seedling Records, 2005 |
| Adrian James Croce |
Vocals, Piano, Wurlitzer Electric Piano, Horn Arrangents |
| Ry Cooder |
Acoustic & Electric Mandolin, Slide Guitar, Tele Six String Bass |
| Waddy Wachtel |
Electric, Acoustic & Slide Guitar |
| Jack Holder, Steve Bruton, John Goux, Bob Boss |
Guitar |
| Robben Ford, Fred Tackett |
Electric & Acoustic Guitar |
| Billy Payne |
Piano |
| David Curtis, Bob Glaub, Tim Drummond, Ron Carter, Armando Campion |
Bass |
| John Leftwich |
Bass, Slap Bass, String & Horn Arrangements |
| Jim Keltner |
Drums, Tele Six String Bass |
| Paul Kimbarow |
Drums, Percussion |
| Ernest Williamson, Benmont Tench, Rudy Copeland |
Hammond B-3 Organ |
| David Hidalgo |
Aranja & Accordian |
| John Simon |
String & Horn Arrangements |
| Jim Spake |
Tenor & Baritone Saxophone |
| Dan Higgins |
Clarinet |
| Mitch Manker, Chuck Findley, Scott Thompson |
Trumpet |
| Paco Ship |
Tenor Saxophone |
| Evan Christopher |
Clarinet, Tenor Saxophone |
| Garnett Brown, bill Reichenbach |
Trombone |
| Dick "Slyde" Hyde |
Tuba |
| Sid Page, Bruce Dukov |
Violin |
| Robert Becker |
Viola |
| Suzie Katayama |
Cello |
| Snooky Young |
Flugelhorn |
| Jonell Mosser, Jackie Johnson, William Brown, Bertram Brown, Arnold McCuller, Sally Dworsky, Carolyn D. Perry, Gregory Prestopino, Sweet Pea Atkinson, Sir Harry Bowen |
Background Vocals |
| Produziert von: John Simon & T-Bone Burnett (*); Jim Keltner (**); Jim Gaines (***) |
Länge: 55 Min 55 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Trouble In Mind (***) | 10. Maybe I'm To Blame (**) |
| 2. Night Out On The Town (**) | 11. Which Way Steinway (*) |
| 3. Nobody Else (***) | 12. Checkin' In (**) |
| 4. He's Got A Way With Women (*) | 13. Pass Me By (**) |
| 5. Texas Ruby (***) | 14. Count The Ways (***) |
| 6. Music Box (**) | 15. I Found Faith (*) |
| 7. Callin' Home (**) | 16. She's Waiting For Me (**) |
| 8. Fit To Serve (***) | 17. I Confess (**) |
| 9. Lover's Serenade (***) | 18. That's Me In The Bar (**) |
| (*) from "A.J. Croce" | |
| (**) from "That's Me In The Bar" | |
| (***) from "Fit To Serve" | |
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Man kann dem guten A.J. Croce nicht zu viel vorwerfen, außer natürlich, dass er der Sohn ist und immer bleiben wird. Und vielleicht: Vor lauter "Ich bin Künstler"-Attitüde hat Croce auf seiner letzten Platte "Adrian James Croce" irgendwie vergessen spannende Musik zu machen. Das ist blöd und in etwa so, als ob ein Gewichtheber vor lauter Kraft keinen Strohhalm mehr knicken könnte. Dafür hat er aber von unserem Frankie schon Haue gekriegt, möglicherweise hat er sich's hinter die Ohren geschrieben und reißt sich bei der im April erscheinenden nächsten CD wieder zusammen.
Zwischendurch gibt es diese Scheibe, die die drei ersten Werke des jungen Herrn Croce zusammenfasst. Sinnvoll, da der Bekanntheitsgrad möglicherweise nicht sonderlich groß ist. Allerdings stößt der Untertitel der Compilation, "The Americana Recordings 1993-1998", dann doch etwas auf, dieser Begriff, ohne a im Americana, ist eigentlich für alle Zeiten besetzt.
Mit grade mal 22 Jahren startete Croce 1993 und verblüffte doppelt. Erstens klang er wie alles, nur nicht wie ein zweiundzwanzigjähriger Jüngling. Zweitens konnte er für "A.J.Croce" eine Meute Musiker gewinnen, die so hochdekoriert ist, dass im Studio vor lauter Orden kaum mehr Platz gewesen sein dürfte. T-Bone Burnett als Produzent, Jim Keltner, Robben Ford, Fred Tackett, Benmont Tench, nur um die bekanntesten zu nennen, veredelten die CD und A.J. bekam viel Kritikerlob. Mit dem Zweitwerk "That's Me In The Bar" konnte er diese Ahnenliste sogar noch toppen, Stephen Bruton, Ry Cooder, Dean Parks, Waddy Wachtel, Bill Payne und wiederum Keltner (diesmal auch als Produzent) schoben das erste Album mit ausschließlich Eigenkompositionen an. Vielleicht ist Croce bei so viel Musikgeschichte dann doch erschrocken, für "Fit To Serve" verließ er sich 1998 erstmals auf eine kleine Bandbesetzung - und den legendären Produzenten Jim Gaines.
Zugegeben, die beiden ersten Platten kannte ich nur wegen der prominenten Mitspieler. Das dürfte vielen Hörern so gegangen sein. All-Star Aufgebote bergen immer die Gefahr, dass der eigentliche Protagonist in den Hintergrund gedrängt wird und das ist Croce in den Augen der Öffentlichkeit (nicht musikalisch) prompt passiert. Man nahm ihm einfach nicht ab, dass ein so junger Kerl so "reif" klingen konnte. In der Retrospektive sieht die Sache anders aus, man erfreut sich an den mitwirkenden Größen und einem außergewöhnlichen Sänger und Pianisten.
"Early On" ist nicht chronologisch aufgebaut, die drei Platten aus den fünf Jahren sind kunterbunt gemischt. Spielt keine Rolle, denn echte Qualitätsunterschiede sind nicht auszumachen. So ist Trouble In Mind der perfekte Opener: Traditioneller Rag, der plötzlich abdampft wie ein Mississippi Steamboat. Zwangsweise fallen einem Namen wie Dr. John und Leon Russell ein, ohne die Voodoo-Magie des Doktors natürlich. Und diese Stimme... Tom Waits oder doch eher Billy Joel im Rausch bzw. Joe Cocker nüchtern zu "Mad Dogs..." Zeiten?
Speziell die Songs des dritten Albums sind, möglicherweise aufgrund der fehlenden Superstar-Nebenmänner, mehr nach innen gerichtet, eher stripped denn opulent, konzentrierter auf die Songwriter-Fahigkeiten Croces, jedoch keinesfalls weniger spannend inszeniert.
Der Mississippi und New Orleans schimmern immer wieder durch, Croce kämpft sich durch die Sümpfe, gerät aber nie in Gefahr, mit seinem Piano-Schiff zu kentern und lässt Waddy Wachtel in Night Out On The Town eine legendär schöne Slide spielen (m.E. war das eher eine Pedal Steel, aber der Covertext sagt eben Slide). Futterneid kannte er offenbar damals nicht und überließ die Tastenarbeit bisweilen Bill Payne oder Benmont Tench.
Stephen Bruton, Waddy Wachtel und Ry Cooder gleichzeitig an den Gitarren bzw. der Mandoline. Hat man diese Konstellation vorher jemals gehört? Nur ganz große Künstler schaffen es, sich dabei nicht gegenseitig auf die Füße zu treten. Die drei haben das im Griff, lassen es dennoch mächtig rauschen und erzeugen dabei so viel Groove und Jim-Keltner-Swing, dass das oben erwähnte Phänomen auftritt und man Croce beinahe überhört. Muss man öfter anhören um alle Feinheiten zu erkennen.
Croce hat ein intuitives Händchen für Arrangements, lässt hier die Bläser auftreten und dort wundervolle Backgroundchöre erklingen, überfrachtet keinen einzigen Song mit Schnickschnack, wandelt geschickt zwischen Rock, Blues, Soul und gospelnden Tönen, kurz: Rootsmusik für Kenner.
Ganz besonders beeindruckend sind seine Ausflüge in den Jazz. Man muss dazu nicht Liebhaber jazziger Noten sein, ein wenig Muse für entspannten Swing genügt. Streicher und etwas Blech genügen Croce, um den Hörer in eine ganz schlimm verrauchte Bar zu entführen und dem entrückten Pärchen auf der Tanzfläche durch den dicken Boden des Whiskeyglases zuzusehen. Gleich danach fegt die Mini-Bigband allen Schwermut hinweg und verneigt sich vor Louis Armstrong.
Meine persönlichen Highlights sind die Auftritte von Ry Cooder. "Chicken Skin Music" war damals eine meiner ersten selbstgekauften LPs und seitdem hat er mich im Grunde mit allen seinen Projekten fasziniert. Man darf über diese hervorragende Compilation aber keinesfalls A.J. Croce vergessen, der von Anfang an tolle Songs schrieb und sie wundervoll umsetzen konnte. Kunst & Spaß kombiniert und leichtfüßig und locker in Szene gesetzt, das ist "Early On". Möge ihm die Inspiration auf seinen künftigen Erzeugnissen wieder ähnlich hold sein.
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