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Let There Be Rock

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Let There Be Rock
Let There Be Rock, Warner Bros. Pictures, 2011 (1980)
Bon Scott Vocals
Angus Young Lead Guitar
Malcolm Young Rhythm Guitar
Cliff Williams Bass
Phil Rudd Drums
Länge: ca. 94 Min Medium: DVD
1. Live Wire8. Highway To Hell
2. Shot Down In Flames9. Girls Got Rhythm
3. Hell Ain't A Bad Place To Be10. High Voltage
4. Sin City11. Whole Lotta Rosie
5. Walk All Over You12. Rocker
6. Bad Boy Boogie13. Let There Be Rock
7. The Jack

Es ist nicht zu verleugnen, die Zeit nimmt uns die Jugend, die faltenfreie Haut und am Schluss nimmt sie uns auch noch die Zähne. Den Sinn des geflügelten Wortes vom Zahn der Zeit soll in diesem Zusammenhang mal jemand erklären. Auch der legendäre und in jedem vernünftigen Rock'n'Roll-Haushalt auf VHS vorrätige Konzertfilm "Let There Be Rock - The Movie" ist mächtig in die Jahre gekommen. 1979 aufgenommen und 1980 uraufgeführt - und bis heute von jedem AC/DC-Jünger als Meisterwerk verehrt. Aber warum eigentlich? Das Video zeigte schließlich nur AC/DC wie man AC/DC kannte und dazu noch unterbrochen von mehr oder weniger banalen Interviewszenen (mit dem Höhepunkt, dass man Bon Scott fragte, ob er auf Männer stehe) und fragwürdigen Filmsequenzen, deren Sinn und künstlerischer Wert sich nicht immer erschloss. Außerdem hatte man die Band 1978 und '79 sowieso ausgiebig live gesehen. Oder etwa nicht? Tja, das ist dann das Pech der späten Geburt.

Dem Kenner könnten die Tränen kommen ob der so viele Jahre überfälligen Neuveröffentlichung von "Let There Be Rock" auf DVD und/oder Blu-ray, dem Neuankömmling kann man die zwei Schulstunden nur empfehlen - möglicherweise begräbt er danach eigene Pläne als künftiger Rockstar und verschont uns von überflüssigem Lärm. Denn die 90 Minuten dieses Films sind im Jahr 2011 so monumental wie sie es 1980 niemals hätten sein können. Denn es ist AC/DC mit Bon Scott. Und das ist bis ans Ende aller Zeiten das Nonplusultra aller denkbaren Rock'n'Roll-Konstellationen. Geiler und originärer als diese vier Jungspunde und ein etwas älterer Kerl kann und wird niemals mehr eine Band sein. Punktum.
Das Konzert vom 9. Dezember 1979 in Paris wurde mit vielen Kameras aufgenommen. Regie und Bildqualität sind aus heutiger Sicht zweifelhaft, die Beleuchtung war oft suboptimal dunkelrot und es gibt viel zu wenige Totaleinstellungen um die Dynamik der Band einzufangen. Aber das ist albernes Geheule angesichts eines Ereignisses, das einige Tage zuvor für DM 18 (!) ganz ähnlich im Münchner Circus Krone mit der brandheißen Newcomerband JUDAS PRIEST stattgefunden hat. Die Videokassette war damals nichts weiter als eine nette Zugabe zum selbst erlebten Konzert.
Heute ist das sorgsam digital restaurierte Filmmaterial mit dem großartigen, schon von der "Bonfire"-Box bekannten Livesound einfach nur ein kulturhistorisch wichtiges Dokument, das in der Geschichte der Musikfilme irgendwo in den Top 10 einsortiert werden muss.

Natürlich sind Filme wie "Woodstock", "The Last Waltz" und zig andere Klassiker des Genres aufwändiger, besser und intellektueller gemacht, aber das spielt keine Rolle gegen die Wucht und Spielfreude von AC/DC. Nur auf "Let There Be Rock" kann man Angus Young mit Sauerstoffmaske erleben, nur hier sieht man ihn beim Gitarrenwechsel dilettieren wie einen Amateur, nur hier erlebt man seinen Ausritt mitsamt verkabelter Gitarre durchs Publikum auf den Schultern eines Roadies; Funkübertragung gab es 1979 noch nicht. Und man darf nochmals 90 Minuten lang Bon Scott bewundern. Heute, wo jedem Provinzpolitiker und Schlageraffen Charisma angedichtet wird, wäre Bon Scott mindestens Papst, Bundespräsident und Nationaltrainer gleichzeitig, in den 34 Jahren seines Lebens wurde er nur zum unverschämt gut aussehenden Rock'n'Roll-Proll mit ausgemacht guten Manieren, einer Attitüde wie Plant, Gillan und Elvis zusammen nicht, und einem letalen Alkoholproblem. Ihn und die Band bei High Voltage und all den anderen Evergreens in bestmöglicher Qualität noch mal sehen zu können ist, ja, ein Geschenk.
Nebenbei zerdrischt Phil Rudd eine Snare, definiert Malcolm Young den Beruf des Rhythmusgitarristen neu und bringt Cliff Williams wie kein anderer davor und danach dem Hard Rock den Swing bei. So sehr man AC/DC den heutigen Welterfolg gönnt, der echte Rock & Roll fand 1979 auf der schäbigen Bühne einer mittelgroßen Halle in Paris statt.

Wie immer gibt es mehrere Versionen auf DVD und Blu-ray, bei allen ist das Cover ausnehmend einfallslos. Im Einzelpack ist die Ausstattung mager, bei der "Ultimate Rockstar Edition" in der Blechbox gibt es zu einer zweiten DVD mit Interviews und anderem Schnickschnack ein Büchlein, Bildkarten und ein Plektrum. Nur T.N.T. fehlt auf beiden Versionen wieder. Auf der "Bonfire"-CD ist es enthalten, es gibt also wohl kein Filmmaterial davon. Ist aber auch egal, nach diesen eineinhalb Stunden kommt der rockende Heimseher auf dem Zahnfleisch daher - womit der Kreis zum Zahn der Zeit geschlossen wäre. Ein echtes Konzert dieser Intensität würde der Zeitzeuge des Jahres 1979 heute nicht mehr überleben, also besser diese DVD nehmen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 07.06.2011

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