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Fabio Drusin
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Philipp Will (Leser), Martin Schneider (Redaktion)
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Foto (Fabio Drusin): Adelina Schmidtlein

Fabio Drusin Und wieder eine Ausgabe des bei Lesern, Musikern und Kollegen so gut angekommenen Blindflugs. Als ich Fabio Drusin, den Chef, Sänger und Basser von W.I.N.D. fragte, ob er denn Lust hätte auf so einen Unsinn, kam als Antwort ein lapidares "Her damit, Buddy, wir verstehen uns ja musikalisch. Die CD stellst ja hoffentlich auch Du zusammen". Das schon, und Fabio hat einmal mehr höchsten Geschmack bewiesen. Aber ob sich Kollege Martin Drachentöter auch so gefreut hat? Immerhin hatte er nichts anderes als eine Bestrafung für den ersten Blindflug zu erwarten. Gitarren statt Loops, Shouter statt Elfen, Rock & Roll statt suizidaler Düsternis.

Philipp Will Kann man die Musiker und Kollegen noch einigermaßen nach Geschmack (oder eben Nicht-Geschmack) auswählen, ist es beim mitwirkenden Leser schon schwieriger, schließlich weiß man ja nicht, auf was der arme Kerl abfährt und was ihn im Zweifel so richtig entnervt. Volles Risiko also für alle Beteiligten. Wir haben unter den Zuschriften gelost und getroffen hat es Philipp Will, der sich als ganz profunder Kenner der Materie erwies und sichtlich Spaß an unserem kleinen Spielchen hatte.
Vielen Dank an Fabio und Philipp und dem Martin schicken wir als Schmerzensgeld ein Päckchen schwarze Drachenblutgummibären.
Euch Lesern wünschen wir viel Spaß (beachtet mal, was Philipp und Fabio über Steve Marriott sagen - ich hab mich auf jeden Fall schiefgelacht)!

Rock zum Gruße,

(Fred Schmidtlein)

MOTHER'S FINEST - Funk-a-Wild
aus dem Album "Meta-Funk'n-Physical" (2003)

Meta-Funk'n-Physical Fabio Drusin: Funky Elektronik, coole Melodie und ein heavy Gitarrenriff andererseits. Das ist gut zum Tanzen und scheint irgendwie eine Mischung aus Christina Aguilera und ein wenig DURAN DURAN-Gitarrenriff zu sein. Und der Refrain "Give you my love" ist dazu noch leicht zu merken...
Philipp Will: Keine Ahnung wer das ist, aber auf die eingangs gestellte Frage "Do you wanna make it with me?" muss ich dann doch sagen: Nein, lieber nicht, macht mich nicht an! Der Song passt nicht, obwohl er sich bemüht, kommt er bei mir nicht unterhalb des Bauchnabels an. Nicht Fisch, nicht Fleisch, Bretterriff und langweiliger Soulgesang sind wie Salamibrot mit Nutella, manche mögen das, mein Fall ist es nicht. Der Text ist extrem einfallslos und bessere Stimmen habe ich auch schon gehört. Die Gitarre schrammelt auch überwiegend, deshalb ist auch null Dynamik und Abwechslung im Song. So stelle ich mir jedenfalls eine Antwort auf die Eingangsfrage nicht vor, dann doch lieber Love Machine von SUPERMAX!
Martin Schneider Martin Schneider: So schnell kann es gehen. Eben noch der Reiseleiter und schon wird man beim nächsten Blindflug zum Passagier. Mit einer Tasse Tee bewaffnet harre ich gespannt der Dinge die da kommen. Traumreise oder Höllentrip? Wir werden sehen...
Die Nummer ist purer Sex. Nicht dieses romantische, unschuldig-verträumte Elfengezirpe, auf das ich sonst so stehe sondern, selbstbewusst mit einer gehörigen Portion Aggressivität. Wummernde Dancebeats und dezente Elektronik kopulieren mit harten Gitarrenriffs. Das ist der ultimative Sound für einen Erotikschuppen zum Tabledance oder Wet-T-Shirt-Contest. Diese nahezu perfekte Mischung aus Dancefloor, Soul und hartem Rock sollte sich aber auch in jeder Rockdisco perfekt funktionieren und die Tanzfläche füllen. Die Textpassagen "I wanna show you my love, I wanna give you my love" erinnern allerdings verdächtig an LED ZEPPELINs Whole lotta love.
Mal rein hypothetisch: Falls das MOTHER'S FINEST sind, dann ist meine bisherige Meinung, die Band hätte außer "Iron Age" nichts brauchbares veröffentlicht nicht länger haltbar. Starke Nummer, da würde ich gerne auch den Rest des Albums hören.

BEYOND BLONDE - Religion
aus dem Album "Famous Last Words" (2003)

Famous Last Words Fabio: Der zweite Song scheint Cher gemixt mit dem Gefühl und dem "Hunger" von Anouk zu sein. Netter Reggaerhythmus, netter Sommersong fürs Radio... lasst uns alle zusammen ans Meer fahren! Gute Stimme auch.
Philipp: Volles Hard-Rock-Opening, guter Shouter, Powerakkord - und dann: Reggae! Ich glaub's nicht! Strophen und Refrain wirken wie ein Mix aus zwei unterschiedlichen Songs. Wirkt auf mich wie der Versuch noch auf den Sommerhit-Zug aufspringen zu wollen. Zur Hauptaussage "Had to pray to God" kann ich nur sagen: Wenn er Rock mag, wird er dieses Gebet nicht erhören!
Martin: Traditioneller Rock mit dezentem Südstaatenflair, der an Jimmy Barnes, Johnny Diesel oder COLD CHISEL erinnert. Ganz nett, aber nicht wirklich weltbewegend. Würde sich gut auf einer Compilation für lange Überlandfahrten machen.

STEVE MARRIOTT'S ALL STARS - Ruthy
aus dem Album "Clear Through The Night" (1999)

Clear Through The Night Fabio: Wow, die ROLLING STONES haben sich die böse Stimme eines weiblichen (ist es denn eine Frau oder ein Kerl?) Lou Reed (in gutem Zustand) geschnappt. Ich brauch mehr dreckigen Bass!
Das erinnert natürlich komplett an die Sixties und Frankie Miller. It's only R'nR but we like it.
Philipp: Retro-Country ist eigentlich nicht ganz so mein Fall, aber hier gibt's einen klasse Outlaw-Song, die Frau hat die richtige verrauchte Stimme, das ganze Stück über dudelt eine geile James-Burton-(Steel)Guitar und als absolute Krönung gibt's den absoluten Hammertext. "Ruthie takes her clothes off for anyone who picks the guitar", da kann ich nur noch sagen: Ruthie, du bist der Traum eines jeden Gitarristen! Frauen, die so auf Gitarren stehen, sind rar gesät. Das Einzige, was dem Stück bei dem ganzen Humor fehlt, ist ein geiles Les Paul- oder Stratocaster-Solo! Trotzdem macht dieser Song so richtig Spaß!
Martin: Au ja, das kenn ich jetzt. Ruthy von STEVE MARRIOTT ALL STARS. Der Song klingt so, als wäre er irgendwann lange vor der Sintflut eingespielt worden. Heutzutage würde man eine Demoproduktion in der Soundqualität nach einer halben Minute in die Tonne kicken. Ja, aber damals, in den frühen Siebzigern, da war halt nicht mehr drin. Trotzdem, das klingt dünn und harmlos. Die Nummer an sich finde ich eher langweilig. Es swingt zwar ganz nett vor sich hin, aber es rockt nicht. Um das gut finden zu können wurde ich einfach zehn Jahre zu spät geboren.

MOLLY HATCHET - Sailor
aus dem Album "Beatin' The Odds" (1980)

Beatin' The Odds Fabio: Rock'n'Roll again! Guter Gesang, gemeiner, dreckiger Gitarrensound, eine Art Bob Seger mit Southernrock-Double-Lead-Guitar.
Philipp: Yeehah! Molly Hatchet! Sailor von "Beatin' The Odds", ich habe eins erkannt! Es singt hier zwar Jimmie Farrar und nicht Danny Joe Brown, Gott hab ihn selig, aber auch hier gibt es das volle Gitarrenbrett, den obligatorischen "Beschleunigungspfiff" (haben sie den "gebunkert", der hört sich immer gleich an!) und einen Lonesome Rider-Text, ein Redneck-Hobo auf der Sinnsuche, "on the railroad tracks tonight". Kein Killer-Stück wie der Titelsong der Scheibe, aber mit allem, was an Southern-Rock so viel Spaß macht. Macht Laune!
Martin: Sailor von MOLLY HATCHET. "Beatin' The Odds" war 1980 mein Einstieg in die Southern Rock-Szene. Neben Dead an gone ist Sailor bis heute meine Lieblingsnummer von dem Album. Was soll man aber viel zu dem Song sagen? Ein Klassiker des Southern Rock, ein echter Ohrwurm, eine der Sternstunden von MOLLY HATCHET, die mich selbst ein Vierteljahrhundert später immer noch begeistert.

38 SPECIAL - Haley's Got A Harley
aus dem Album "Drivetrain" (2004)

Drivetrain Fabio: BLACK CROWES meets POWERSTATION (jedenfalls am Anfang). Klasse schmutziges Gitarrenriff, guter Sänger, heavy Drums... so sollten AEROSMITH heute klingen.
Philipp: Brumm, brumm, brumm! "Haley's got a Harley" sagt schon alles über den Song, wild women and big bikes. So ist auch der Song, mit Harley-Tempo voll geradeaus auf die Zehn. Gutes Riff, vollfette Slide und alle Ingredienzien, die guter Biker-Rock braucht. Sturgis wird natürlich auch genannt, und es kommen die alten "Easy-Rider"-Bilder, und hübsche, vollbusige Bikerbräute mit wehendem Haar und knapp in Leder gekleidet winken dir zu. What more does a real man need? Ich bin kein Chauvi oder Macho, aber diese Bilder und solch handgemachter amerikanischer Rock'n'Roll gehören zusammen wie Yin und Yang, burn it, baby! Dan Baird gefällt dieser Song bestimmt auch!
Martin: Kenn ich auch, komme aber im Moment nicht darauf was das ist. Der erste Gedanke ist BLACK CROWES, aber die sind es natürlich nicht. Es ist eine Band aus der zweiten Reihe, nicht so erfolgreich, aber wesentlich besser. LITTLE CAESAR? FOUR HORSEMEN? Typischer Southern und Sleaze beeinflusster Allerwelts-Rock aus den späten Achtzigern oder frühen Neunzigern. Gab es damals als Dutzendware von Bands wie SOUL KITCHEN, JUNKYARD, TATTOO RODEO, SLICK LILLY, MOONDOG MANE und wie sie alle hießen. Das war damals auch ganz okay, vor allem für Southern Rocker, die es wagten einen Blick über den Tellerrand in Richtung schmutzigen Rock'n'Roll zu werfen. Die Nummer hier gehört aber definitiv nicht zu den Highlights, denn sonst hätte ich sie problemlos einer Band zuordnen können.

NATHANIEL MAYER - You Gotta Work
aus dem Album "I Just Want To Be Held" (2004)

I Just Want To Be Held Fabio: Dieses Sixties-Feeling der Gitarre bringt mich auf die Beat-/Garagen-Tage. Der Refrain ist dafür etwas "punky" und das Sax-Solo hat was von Ska.
Philipp: Was ist denn das? Ist James Brown der neue Sänger bei LOS LOBOS, oder was? Das Stück geht ab wie Schmidts Katze, Vollgas Rhythm'n'Blues. Da passt alles, immer ein anderes Instrument drängt sich in den Vordergrund, mal 'ne Hammond, dann 'ne Gitarre oder ein sexy Sax gibt die Richtung an. Bin begeistert! Und dann dieser philosophische Text, der ein ganzes Leben in einem Satz zusammenfasst: "You gotta work if you wanna get paid"! Und das noch mit diesem gebetsmühlenartigen Nachdruck, du hast echt keine Chance, dich diesem Satz nicht zu stellen. Dabei ist aber mindestens ein Körperteil in Bewegung. Das haut mich echt um. "You have to love if you wanna get loved" ergänzt diese Grundaussage noch, das Stück hat Feuer. Bin echt gespannt, von wem das ist.
Martin: Oh ja, was ist das denn jetzt? Rhythm'n'Blues? Basiert das nun auf Rock'n'Roll-Strukturen aus den Fünfzigern oder spielt da schon der Beat der Sechziger mit rein? Ein Schuss Motown dazu, fertig. Wie auch immer, ziemlich primitives Songwriting, tausendfach gehört, ziemlich langweilig. Hätte sich auf dem Soundtrack zu "Blues Brothers" gut gemacht und ist sicherlich ein Standard im Repertoire unzähliger Blues(rock)-Coverbands.
Das ist nicht die Art von Musik die mich heute noch in irgendeiner Form emotional berührt.

THE SAVOY TRUFFLE - Until You Can Feel It
aus dem Album "Roadhouse Boogie" (2004)

Roadhouse Boogie Fabio: Die ersten Akkorde erinnern an Melissa von Gregg Allman, aber wenn es richtig anfängt, weiß ich natürlich, dass es THE SAVOY TRUFFLE sind (hey, die haben mir schließlich ihre letzte CD geschickt!). Wir haben ja oft Kontakt und hoffentlich spielen wir irgendwann zusammen und zünden das Publikum so richtig an.
Das hier ist eine tolle Ballade mit SANTANA-/ALLMAN-Feeling gegen Ende der Nummer. Perfekt zum Autofahren.
Philipp: Gott sei Dank, eine achtminütige Verschnaufpause, steh' immer noch unter Strom. Da kommt diese Ballade gerade recht. Was heißt Ballade, es ist ein kleines Kunstwerk im Geiste der MARSHALL TUCKER BAND. Absolut geiles Gitarrenstück, der Toningenieur hätte von mir aus den Endlos-Refrain um zwei Minuten kürzen können. Das ist mir zu viel Lionel Ritchie und stört diese geniale Gitarre doch sehr bei der vollständigen Entfaltung. Eine wirklich gute Nummer, könnte man fast auf dumme Gedanken kommen, wenn da nicht dieser melancholische Text wäre, nach dem zwanzigsten Mal "Spend my life just calling you" kriegt man echt Mitleid mit dem Sänger, dabei streichelt der Gitarrist nebenher seine Gitarre, als hätte er eine Traumfrau im Arm. Gedanklich hatte er das wohl, sonst hätte er dem Sänger irgendwann mal den Saft abgedreht!
Martin: Schnarchzapfenballade! Massenware aus dem Baukasten "Bluesbeinflusster Rock". Flach, platt, ohne Tiefgang, bar jeder Emotionalität. Das ist so ein Song, bei dem einem an der Bar das Bier schal wird. Das ausufernde Bluessolo des Gitarristen am Ende ist vorhersehbar und weil man ja vor Kreativität geradezu übersprudelt wird es dann auch ausgefadet. Hölle, über acht Minuten war das Teil lang. Warum eigentlich, wenn die ganze Zeit über nichts passiert? So ein Song zündet nur dann, wenn man ihn mit einer entsprechenden angenehmen Erinnerung, wie der ersten Begegnung mit seiner Traumfrau verknüpfen kann. Fehlt die, dann ist das einfach Musik, die die Welt nicht wirklich braucht.
...und irgendwie schleicht sich mir der Gedanke an Warren Haynes in den Sinn, oder was anderes aus dem Umfeld der ALLMAN BROTHERS BAND.

STEVE MORSE - Wooden Music
aus dem Album "Major Impacts 2" (2004)

Major Impacts 2 Fabio: Ein Gitarrensong, etwas Folk, etwas Celtic, die Melodieführung erinnert ein wenig an das CALIFORNIA GUITAR TRIO.
Philipp: Ganz andere Baustelle, hier hat jemand wild weltweit gewütet! Das ist was fürs Cabrio oder die cocktaildekorierte Hängematte. Leicht verdaulich, locker geschlagen, erfrischend. Die Gitarren vervielfacht, wie es schöner selbst BOSTON nicht hingekriegt haben. Haltet mich fest, ich bin gedanklich schon in California, nicht aber ohne vorher einen Abstecher über Irland und Nordafrika nach Indien gemacht zu haben. Einmal um die ganze Welt in ein paar Minuten, das hat nicht mal Phileas Fogg geschafft, und der hatte ja ziemlich lang den Weltrekord inne! Das erinnert irgendwie stark an STEELY DAN, beim Intro kommen mir Crosby, Stills & Nash in den Sinn und die Gitarren erinnern mich auch irgendwie an ENERGY ORCHARD. Ach ja, es ist ein Instrumental, habe ich fast vergessen zu sagen!
Martin: Da nimmt sich jemand verdammt viel Zeit für eine stimmungsvolle Einleitung, bevor er zur Sache kommen will. Typisches Westcoast-Feeling mit leichten Folk-Anklängen, und gespannt wartet man darauf, dass der eigentliche Song beginnt. Doch dann ist die Nummer nach fünf Minuten einfach vorbei. Irgendwo schade. Das ist ein jetzt zwar ein tolles Instrumentalstück, aber irgendwo auch eine verschenkte Idee. Das als Intro zur Einstimmung und dann einen echten Hammersong hinterher. Das wäre es jetzt gewesen. Live bringen die HOOTERS ab und an solche Nummern, um dann in einen ihrer Songs überzuleiten, was aus einem altbekannten Stück plötzlich eine neue aufregende Liveversion macht. So toll die Nummer hier auch ist, es bleibt das Gefühl um den Höhepunkt betrogen worden zu sein. Das ist wie wenn sie sich nach einem heißen Vorspiel anzieht und sagt: "Du, Schatz, ich muss jetzt gehen".

BOOGIE STUFF - Long Way To Memphis
aus dem Album "Have Mercy!" (2004)

Have Mercy Fabio: New Southern Rock? Happy Feeling, simpler Refrain, das Gitarrensolo ist etwas zu verzerrt für den Song. Die Frauenstimme am Schluss ist gut: Und jetzt alle zusammen!
Philipp: Was ist die am meisten besungene Stadt der amerikanischen Musikgeschichte? Richtig, Memphis! Auch hier dreht sich alles darum, der Song würde auch Platz auf einer von mir zusammengestellten Memphis-CD finden, obwohl ich da persönlich noch ganz andere Favoriten habe (MOTT THE HOOPLE, John Hiatt oder THE BAND als Beispiel). "It's a pretty long way to Memphis" ist wohl wahr, vor allem, wenn man aus Deutschland kommt. Wenn ich mich nicht irre, kommt diese Band auch aus Deutschland, bin mir da aber nicht sicher. Sind das BOOGIE STUFF? Egal, sie machen das wirklich gut, ein klasse Mitsing-Refrain, da kriege ich echt wieder Lust nach Memphis zu fahren, auch wenn die Strecke zur Stadt ziemlich langweilig ist. Der Song ist es nicht!
Martin: Auch das kenn ich irgendwo her. BOOGIE STUFF? Roots-Rock mit einem Schuss Americana. Nett und auch irgendwie ein Kandidat für die schon erwähnte Compilation für lange Überlandfahrten. Sehr relaxte Nummer, die mich etwas an die STREET SURVIVORS oder die Schweizer SOUTHERN COMFORT erinnert.

WICKED MINDS - Across The Sunrise
aus dem Album "From The Purple Skies" (2004)

From The Purple Skies Fabio: Das beginnt mit einem famosen PINK FLOYD Sound, einer dramatischen Melodie und mächtig Atmosphäre. Der zweite Teil ist weiterhin von FLOYD beeinflusst. Gute Produktion, dunkel, düster und sehr "progressive".
Philipp: Mann, Mann, Mann, da hat sich jemand ganz stark durch die goldenen Siebziger gekämpft, die einzelnen Teile muss man da zuerst mal ordnen. Dieses Mammutstück geht in bester Krautrock-Tradition los, mir fallen da sofort JANE, ELOY oder Eroc am Schlagzeug ein. Der Schlagzeugsound ist gewaltig, eine hypnotische Orgel, Synthie, eine sich langsam warm spielende Gitarre, die dann fast schon BOSTON-mäßig sphärisch wird, ein bisschen The Messiah will come again. Dann macht es wumms und BLACK SABBATH übernehmen das Ruder für eine riffgeladene Bridge. Ein irgendwie vertraut klingendes Riff setzt ein, einfach aufgebaut, aber gut. Das geht sofort in den Bauch, bei mir jedenfalls mehr als Track 1. Dann eine klassischer Shouter im Stil eines David Byron oder Glenn Hughes und ab gehts Richtung Himmelspforte! "Hear the angels calling" ist die Hauptaussage und der Refrain gipfelt im Ausruf "yeah, yeah, yeah - cries the sunrise", das ist schon ziemlich starker Tobak, aber es gibt Leute, die lieben Schwarzer Krauser, ich bekomme bei zu intensivem Genuss Kopfschmerzen. So wäre es mir auch mit dem Refrain gegangen, wenn man nicht rechtzeitig die Notbremse gezogen hätte. Wie das gemacht wird, steht noch auf einem Blatt. Jetzt noch mal ein neues Thema, eine andere Geschwindigkeit, ein wildes Getrommel, ich weiß nicht. Dann schon lieber den Refrain langsam ausblenden und ein geiles Gitarrensolo drüberlegen, das hätte meiner Meinung nach besser zu den Engeln gepasst, so macht es den Anschein, als ob die Band vor Ideen sprüht und so viele als möglich in dieses Stück reingepackt hat. Die Engel wechseln in den Sturzflug.
Trotzdem ist es insgesamt ein gutes Stück, mit einem anderen Ende könnte es bei mir in der Klassiker-Liga landen!
Martin: Erinnert im ersten Moment an PINK FLOYD, entwickelt sich dann aber zu einem getragenen Instrumentalstück mit omnipräsenten Blueseinflüssen, die von psychedelischen Elementen angereichert werden. Ha ha ha! Das ist genau das Gegenstück zu Song Nummer Acht. Hier wünscht man sich, der Song würde ein Instrumental bleiben. Die aggressiver zupackenden Gitarren nach drei Minuten wirken etwas befremdlich, aber auch durchaus spannend. Anstatt aber nun endgültig in progressive Sphären abzuheben, leiten sie in einen ziemlich spröden, durchschnittlichen Rocker im Sound der frühen Siebziger über. Hat etwas von URIAH HEEP und aber auch von BEGGARS OPERA. Wenn die nächsten fünf Minuten nicht so altbacken klingen würden, dann wäre das eine wirklich starke Nummer. So klingt es so, als ob zwei Songs ohne direkten Bezug zueinander relativ lieblos aneinander geklatscht wurden. Ich denke, dass man die Nummer einfach öfter hören muss um ihr zu verfallen.

REBEL STORM - Midnight Traveler
aus dem Album "The Hard Way" (2003)

The Hard Way Fabio: Southern Boogie! Klingt nach REBEL STORM, unsere Freunde aus den U.S.A. Sind sie es denn?
Philipp: 100% proof Southern Rock, distilled and established in Jacksonville, Florida! Pur, ohne Schnörkel, Honky-Tonk-Piano, geiler Groove, eine Van-Zant-Stimme und auch sonst alles, was man dort zu einem guten Leben braucht. Ich zitiere: mississippi moonshine, reefer headed woman, downhome music make me feel alright. Alle sind "on the road tonight". Die typischen Zutaten im bester SKYNYRD-Tradition, nichts Neues, aber immer gut! Good Time Music!
Martin: Southern Rock! Ziemlich verspielt und stark blueslastig, bedient die Nummer alle gängigen Klischees von den typischen Melodiebögen der Gitarren bis hin zum klimpernden Honky Tonk-Piano. Dürfte für meinen Geschmack durchaus eine Ecke härter ausfallen. Trotzdem nicht schlecht. Was dem Song aber fehlt, ist einfach ein zündender Refrain oder irgend ein anderer aufregender Moment. Auch wenn das Stück gerade mal vier Minuten lang ist, ist es für diese Dauer zu gleichförmig ausgefallen um mit den ganz großen Songs des Genres mithalten zu können. Da fängt zwar der linke Fuß beschwingt zu wippen an, aber damit man aufspringt und die Rebel Flag ausrollt, muss doch etwas mehr kommen.

JOHNNY NEEL - What Am I
aus dem Album "Johnny Neel And The Italian Experience" (2005)

Johnny Neel And The Italian Experience Fabio: Hey, willst Du mich zum heulen bringen? Das ist Johnny Neel! Ich war dabei, als er den Song aufgenommen hat und ich habe seine Seele durchs Studio fliegen gefühlt.
Er hat die Nummer zusammen mit Warren Haynes geschrieben und unser Produzent hat vorgeschlagen, die Version hier mit Streichorchester aufzunehmen, damit die richtige romantisch-traurige Stimmung entsteht.
Johnny weinte, als er What Am I zum ersten Mal mit dem Orchester live spielte. Das war in Udine, beim ersten Gig der letzten Tour. Und glaubt mir, ich habe mitgeweint. Das ist so ein großer Song... die Melodie bricht dir schier das Herz.
Philipp: Uups, und dann ab in die Sinnkrise! "What am I?" - die Frage aller Fragen, wenn man sich diese Frage stellt, ist man eine gequälte Seele, und genau das ist diese Piano-Ballade für mich leider auch, eine Qual! Ich mag Piano-Balladen, aber keine, die Geigen als Unterstützung nötig haben, das ist einfach zu viel des Guten! Die Stimme ist gut, keine Frage, aber dann sind mir Randy Newman oder Van Morrison lieber.
Das Lied trifft auch nicht auf mich zu, ich bin kein "lonely man" und muss nicht unter "broken promises" leiden, vielleicht finde ich auch deshalb keinen Zugang. Ich mag ja auch "Titanic" nicht, den muss meine Frau auch alleine anschauen.
Martin: Noch ein Schlaflied zum Abschluss? Zumindest eine Ballade. Klingt etwas nach Bruce Hornsby, ist aber wesentlich tiefer im Blues verwurzelt. Sehr spartanisch arrangiert. Eine dominante sonore Bluesstimme wird von dezenten Piano- und etwas später auch Streicherklängen begleitet. Als Rausschmeißer nach einem schweißtreibenden Konzert mag das gut kommen. Das ist so ein typischer Song, nach dem eigentlich nichts mehr kommen kann und darf, mit dem man das Publikum wieder runter bringt und in die Nacht entlässt.

SUGAR MOUNTAIN - Hippie Girl
aus dem Album "Hand Crafted Tunes" (2004)

Hand Crafted Tunes Fabio: Das ist typischer GEORGIA SATELLITES- oder Dan Baird Fun-Rock'n'Roll. Klasse Song zum Bier trinken und Spaß haben.
OK, das war's. Jetzt trink ich einen guten Roten. Montepulciano. Ja, ich weiß, es ist erst 11 Uhr am Morgen, aber ihr wisst ja: It's only Rock'n'Roll!
Grüße von Fabio
Philipp: Da ist mir ass-kicking Rock'n'Roll doch bedeutend lieber! Hört sich an wie die SATELLITES oder THE FOUR HORSEMEN, das ist meine Baustelle! "Sweet Hippy Girl", da werden süße Erinnerungen wach, so geht es der Band wahrscheinlich auch, kompakter Sound, gute, leider etwas kurze Slide, richtig gut nach vorne abgehend. Knapp drei Minuten guter Rock'n'Roll. Wie heißt die Band - Smith & Harley oder Harley & Smith? Muss ich mir dann auf alle Fälle merken.
Martin: Jetzt schlägt es dreizehn! Hieß es nicht, der Blindflug besteht aus zwölf Songs? Egal. Die Zugabe ist eine ziemlich einfach gestrickte 'Gute Laune'-Nummer, die durchaus auf dem Mist von Dan Baird gewachsen sein könnte. Hat was von GEORGIA SATELLITES, aber auch von den ROLLING STONES. Schlichter, einfacher Rock'n'Roll, der niemandem weh tut, aber auch nur eingefleischte Fans zu Begeisterungsstürmen hinreißen wird.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 14.07.2005

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