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Dieter Bornschlegel = BornZero

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Martin Haefner (Leser), Fred Schmidtlein (Redaktion)
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Startseite > Blindflug > Dein Schatten > Blindflug Januar 2005

Hier also unser erster Blindflug. Ich habe mich sehr gefreut, dass bornzero aka Dieter Bornschlegel von DEIN SCHATTEN sich spontan bereit erklärte bei unserem kleinen Spielchen mitzumachen. Schließlich ist es auch mit etwas Zeitaufwand verbunden sich zwölf Songs anzuhören und seine Gedanken dann zu Papier zu bringen. Besonders schön, wenn sich das Ergebnis dann auch noch so unterhaltsam und erfrischend liest, dass man spontan mit dem Gedanken spielt, ob man selbst nicht besser mit dem Schreiben aufhören sollte.
Als erster Leser wagte sich Martin Haefner an Bord. Unsere Leser und deren Meinung ist uns wichtig, und der Blindflug erscheint uns als guter Ansatz die Leserschaft etwas mehr einzubinden. Danke Martin, für die spannenden und treffsicheren Anmerkungen.
In der Redaktion herrschte großer Andrang was die Teilnahme anging. Das war aber auch bei diesem Haufen an Musikverrückten nicht anders zu erwarten. Wer zuerst kommt, malt zuerst und der ignorante Dummbeutel (Selbsteinschätzung) machte das Rennen. Beim nächsten Mal erhält er seine komplette CD-Sammlung als Handicap auf den Rücken gepackt, damit ein anderer Kollege sich hier nach Herzenslust austoben kann.
Jedenfalls entsteht bei mir der Eindruck, dass der Blindflug allen Beteiligten irgendwo Spaß gemacht hat. So soll es sein.
Bevor es aber endlich ans Eingemachte geht, hier noch ein paar einleitende Worte von und zu den Beteiligten.

(Martin Schneider)

Dein Schatten Dieter Bornschlegel/bornzero (DEIN SCHATTEN): Meine erste Rezension: Als mir von Martin angetragen wurde für die neue Rubrik "Blindflug" Reviews von Songs anonymer Bands und Musiker zu schreiben, war ich sofort Feuer und Flamme. Her damit, das mache ich mit Links hatte ich mir gedacht. Und da ich ja nicht nur im Besitz von linken Händen bin, eigentlich ein Klacks das Ganze. Heute bin ich nicht mehr so überzeugt von meinen Fähigkeiten als Rezensent. Aber lest doch selbst.

Fred Schmidtlein Fred Schmidtlein (Home Of Rock-Redaktion): Unser Leser Martin Haefner hat sich bereit erklärt, den Spaß mitzumachen. Und wir sehen einmal mehr: Wer Home of Rock liest, hat Ahnung von Musik!
Schneider, Schneider, Schneider. Was zum Kuckuck hast du dir nur dabei gedacht? Mit folgenden Worten kündigt er in unseren Nachrichten an: "Wir haben eine neue Artikelreihe ins Leben gerufen, bei der ein Musiker, ein Redaktionsmitglied und ein Leser zwölf Songs kommentieren sollen. 'Blindflug', weil den Teilnehmern weder Interpreten noch Titel verraten werden. Wer also einen funktionsfähigen CD-Player und Lust hat, gleich bei unserem allerersten 'Blindflug' mit BornZero von DEIN SCHATTEN und Fred mit von der Partie zu sein, der sollte schnellstens über diesen E-Mail-Link mit uns Kontakt aufnehmen und uns seine Postanschrift mitteilen. Wer zuerst kommt, fliegt zuerst. :-))"
So isser, der Drachen-, Musiker-, Leser- und Kollegentöter. Jetzt sitz ich hier, ich armer Tor und bin so taub als wie zuvor. Bleibt die Frage, ob sich der Tor beim Martin nicht doch besser Thor schreibt? Andererseits ist er ja auch noch Fan der Stuttgarter Kickers...

ADVERSUS - Präludium adversi
aus dem Album "Winter, so unsagbar Winter..." (2003)

Winter so unsagbar Winter Dieter Bornschlegel: Da kommt auch schon der erste Song. Mittelalter mit Stromgitarren dramatisch in Szene gesetzt. Etwa der Soundtrack für 'Herkules und die Galeere des Todes' oder so? Wir befinden uns direkt im Finale des Films: Am Horizont sammeln sich die Heere zur letzten Schlacht. Darauf schnell ein Schlückchen Met. Denn auf Verderb und Gedeih erklingt wohl gleich die Schalmei. Ei richtig! Der Sänger ist auch ein ganz übler Haudegen der seine Moritat richtig fies zum Besten gibt. So fies, das man sogar den Text nicht mehr richtig versteht. DEIN SCHATTEN und diese Band könnten durchaus mal irgendwann, irgendwo die Bühne teilen. Dann werde ich wohl 'Gleiches mit Gleichem' vergelten müssen und mit Schild und Schwert um die Gunst des Publikums kämpfen.
Martin Haefner: Da versucht jemand mit den Keyboards eine mächtig düstere Stimmung zu erzielen. Die Musik ist wohl gerade unter dem Banner Gothic Rock sehr angesagt. Wer auf HIM steht und einen Sänger hören will der wie Gollum klingt, sollte mal ein Ohr riskieren. Gitarren gibt es auf diesem Stück soweit ich höre keine, nur Keyboards, Drumcomputer und einen Dudelsack. (Note 5)
Fred Schmidtlein: Vermutlich hat er es mit böswilliger Absicht getan. Auf jeden Fall ist der erste Song garantiert von einem deutschsprachigen Gremlin eingesungen. Ich versteh ihn nicht, fürchte mich aber auch nicht. Ich gucke auf meinen 'Herr der Ringe'-DVDs nach, aber da sind alle Trolle noch vollständig drauf. Anders produziert wär's eine schöne Filmmusik. Aber ich bin kein Filmfreak.

NIGHTWISH - Dark chest of wonders
aus dem Album "Once" (2004)

Once D.B.: Nummer 2 ist ein üppiger Stilmix in Richtung Metal Pop Oper. Sehr ausgefeilt und anspruchsvoll arrangiert mit erkennbarem Hang zu Richard Wagner sowie Anleihen bei Carmina Burana. Da war wohl jemand mit einigen Semestern Konservatorium am Werke, dem aber auch ABBA nicht fremd zu sein scheint. Nordischer Bombastsound sehr sauber vorgetragen. Wobei ich den Verdacht hege, dass das Arrangement speziell für das Video oder die Liveshow geschrieben wurde, denn kurz vor dem Finale, wirkt der Break kompositorisch recht konstruiert. Aber vielleicht passiert in der Show an dieser Stelle ja was ganz dramatisches (Farbwechsler auf dunkelgrün, Schwarzlicht an, auf der Bühne erstrahlen große phosphorizierende Runen, und in einem Hagel von Lichtstaffetten schwebt die Sängerin wie von Zauberhand getragen über den Köpfen der Zuschauer die mit offenstehenden Mündern beseelt Wunderkerzen schwenken die ihnen am Eingang mitgegeben worden sind inklusive dem Merkzettel wann diese zu entzünden seien) Die Schlussakkorde, schon tausendmal gehört, kennen wir von vielen Grand Prix Eurovisions-Teilnehmern.
M.H.: Die Art von Musik, die gerade sehr angesagt ist, was auch schon die Industrie geblickt hat (Popstars). Ziemlich heftige Gitarren, irgendwann wird mit den Keyboards auf Breitwand gemacht. Die Sängerin singt sehr hoch und melodisch, könnte NIGHTWISH oder WITHIN TEMPTATION sein. Recht nett zu hören, wenn auch nicht unbedingt meine Art von Musik. Leute die auf oben genannte Bands stehen, sollten ruhig mal ein Ohr riskieren. (Note 2,5)
F.S.: Deutlich straighter schon Angriff 2. Das sind richtige Gitarren, dafür aber auch furchtbar dick aufgetragene Keyboards und Chöre. Meine Assoziation: NIGHTWISH. Das Problem an dieser Musik ist die Flachheit. All die Power ist nur vordergründig, dahinter klafft ein tiefes Loch. Keine echte Emotionalität, kein echtes Leben. Die Opernsängerin ist allerdings wirklich gut.

TIERRA SANTA - Nací siendo libre
aus dem Album "Apocalipsis" (2004)

Apocalipsis D.B.: Song drei ist schlichter Rock. Abgesehen vom italienischen Sänger gibt es Bands in diesem Format wohl in vielen deutschen Städten. Macht aber gar nichts, da die Jungs engagiert spielen und der Sänger den Touch von Eros Ramazotti durchaus hinkriegt.
M.H.: Schöner Hard Rock im Stile von RIOT und RAINBOW. Schöne Gitarrenarbeit und der Gesang erinnert mich etwas an die HEROES DEL SILENCIO, was wohl nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass der Sänger in a) italienisch, b) spanisch oder c) portugiesisch singt. Da ich keine dieser 3 Sprachen verstehe, kann ich sie auch nicht näher bestimmen. Nichtsdestotrotz ein feines Stück Musik und wer auch vor einer Sprache die er nicht versteht nicht zurückschreckt, sollte dieser Band ruhig mal ein eine Chance geben. (Note 2)
F.S.: AC/DC? Ne, aber ein Gitarrist, der AC/DC schon mal gehört hat und die Schiene bei seinem Arbeitgeber leider nicht durchziehen darf. Und dann: Ein Italiener singt! Eros Ramazotti? Es schmalzt. Oder halt, das ist spanisch! Und es rockt dann auch wieder. Nicht sonderlich spektakulär, aber ordentlich. Hardrock, wie man ihn kennt und beizeiten mag.

DIABLO - Queen of entity
aus dem Album "Eternium" (2004)

Eternium D.B.: Lied 4 kommt mit fetten perfekt gestrickten siebensaiten Gitarrenriffs daher. Dazu eine rasende Double Bassdrum. Die Produktion klingt nach viel Arbeit.
'Hört sich nach viel Arbeit an, die ich nicht belohnen kann.' reimte mal ein ganz gewiefter A&R Manager auf meine Bemusterung meiner 1. Solo CD "t u r b o l a n c e". Wäre ich A&R Manager würde ich diese Band hier schon belohnen.
Zum Sänger: Normalerweise mag ich keine Schreihälse die immer ganz angestrengt und ungestüm eine Wüterich-Show abziehen und tun als ob sie eine schreckliche Kindheit gehabt hätten, Vater sie in seinen ständigen Alkoholexzessen immer zusammenschlägt um danach Mutter zu vergewaltigen etc., in Wahrheit aber nur deshalb so zornig sind, weil sie seit ein paar Tagen schlecht einschlafen können weil Mama letzte Woche die alte Erniewärmeflasche in den Müll entsorgt hat. Aber hier kommt das doch echt überzeugend rüber. Ist rund und elegant gemacht dieser Song.
M.H.: Heftiger Beginn, wird dann aber etwas ruhiger. Fettes Riffing und auch vom Drumming her finde ich den Song nicht schlecht. Den Wechselgesang zwischen Röchelmann und klarer Frauenstimme kennt man heutzutage ja auch schon. Richtig netter Song, wenn ich den Gesang des Typen eher ab könnte. (Note 3)
F.S.: Beim vierten Song bin ich dann endgültig überfordert. Was ist das? Ein Bastard aus Krach und Pomp, ein Sänger der nicht singt sondern growlt, dazu eine Maid im Background. Tschuldi, das geht überhaupt nicht an mich. Ich brauch ne Pause.

LOTTO KING KARL - Laut!
aus dem Album "Aus Liebe zum Spiel" (2004)

Aus Liebe zum Spiel D.B.: 'Wir können auch laut!' Es geht ständig auf und ab in diesem fünften Song. Kaum eingestiegen in die Seilbahn geht es sanft den Berg hinauf während der Reiseführer dabei die Landschaft erklärt. Oben angekommen 'Alles aussteigen!' fährt dann die komplette Reisegruppe wie von Sinnen mit vollem Karacho auf den Hosenboden die Piste runter, um im direkten Anschluss daran wieder aufs Neue den Berg mit der Seibahn hochzugondeln. Es ist wohl ein Demo, und bitte liebe Band lasst es so wie es ist, auch wenn dieses hoch- und runterfahren ungeschickt arrangiert wurde, und der Text auch nicht große Prosa ist. Ich sehe mich als Songschreiber in diesem Song selbst wieder. Vor vielen Jahren. Bei 'Vision Europe - Vision Peace', meiner Kampagne gegen Krieg und Kriegspropaganda hat mir KULTKILLER, eine Band aus HH, vorletztes Jahr ein Demo zugeschickt. Dessen Sänger und deren Sound klingt ähnlich wie das hier. Aber das wäre wohl großer Zufall wenn es sich um die gleiche Band handeln würde. Den Drummer wollte ich damals übrigens mal für die Schattenband antesten.
M.H.: Musik im Stile von RAMMSTEIN und OOMPPH, dem Text nach müsste es meiner Meinung nach eigentlich J.B.O. oder etwas ähnliches sein, denn so wie ich es hier höre, werden erstgenannte Bands durch den Kakao gezogen. (Note 3)
F.S.: 24 Stunden später steige ich bei Track #5 wieder ein. Das ist geil, das ist deutsch (geil und deutsch haben dennoch grundsätzlich nichts miteinander zu tun), das rockt und hat pfundweise Humor. Lotto King Karl ist ein cooler Typ. Solche Thrash-Attacken muss man erst mal hinkriegen. Klasse!

THANATEROS - Falling away
aus dem Album "Circle of life" (2003)

Circle of life D.B.: Also das hier könnte eine Demoproduktion sein. Die 1. Strophe lässt mich fast vermuten, das die Band des öfteren DEPECHE MODE hört/e. Der Refrain verwischt dann allerdings diese Spuren. Der Refrain kommt auch gut, da kann sich die Stimme des Sängers endlich frei entfalten während er in den Strophen für mich doch ein wenig angestrengt versucht wie ein echter Engländer zu klingen obwohl er eher Deutscher ist. Und schon wieder erinnere ich mich, und diesmal an eine EBM-Band aus den Ruhrpott, die bei der Aktion 'Vision Europe' mitmacht, die verteufelt ähnlich klingt.
M.H.: Fängt an wie DEPECHE MODE in den 80-ern, aber wenn dann der Gesang einsetzt, fühle ich mich, vielleicht auch wegen des Gesanges an NEW MODEL ARMY erinnert. Wenn dann kurz darauf noch die Geigen einsetzten, denkt man dann auch noch an FIDDLER'S GREEN. Netter Song. Leute die die genannten Bands mögen, ist dieser Song zu empfehlen. (Note 2)
F.S.: Dafür erinnert mich No. 666 an DEPECHE MODE auf ganz falschen Drogen. Ganz eindeutig ein Brite am Mikro und dazu ein wirrer Mischmasch aus Metal, Folk und technoidem Zeug. Geht gar nicht. Obwohl, gegen Ende ist es eigentlich netter Hardrock. Trotzdem, weg damit.

JOACHIM WITT - Du wirst bald Geschichte sein
aus dem Album "Pop" (2004)

Pop D.B.: Phasereffekt am Anfang. Könnte glatt von mir sein. :- ) Schön fett gemacht das Ganze. Der Refrain erinnert mich ein wenig an RAMMSTEIN, nur so als Vergleich. Das Keyboardsolo mitten im Lied ist ein wagemutiges Gehudel. Jetzt erst verstehe ich meine Ex-Frau, die mal pikiert zu mir sagte: 'Mensch Dieter, wie du im Sommer immer rumläufst mit deinen ollen ärmellosen Unterhemden. Wenn ich wüsste das du reich wärst, dann fände ich das ja echt cool. Aber so?' Tja, wenn die Band um die es hier geht Stars wären, dann fände ich das Solo auch witzig. Wenn aber nicht, dann ist es einfach nur Gehudel... ach egal, eigentlich nicht wichtig, ist das Solo doch nur ein paar Sekunden des Songs. Alles in allem nämlich doch gut tanzbar und auch nicht doof gemacht diese Nummer. Knallmusik mit viel Synthie eben.
M.H.: Ähnlich wie Song 1, hier verarbeitet jemand mit viel Keyboards und Drumcomputer auf Deutsch das Ende einer Beziehung. Ansonsten gilt wieder: Leute die Schiller, Witt usw. mögen, sollten antesten. (Note: 3,5)
F.S.: Okay, und jetzt macht er mich endgültig fertig. Loveparade für Grufties? Hab ich eben was von technoid gesagt? Ich wusste es nicht besser! Purer Maschinen'groove' zu deutschem Sprechgesang. RAMMSTEIN von ALDI? Ich geb auf und geh ins Bett.

ANNE CLARK - Our darkness (live)
aus dem Album "From the heart - Live in Bratislava" (2003)

From the heart - Live in Bratislava D.B.: Konzertmitschnitt! Johann Sebastian Bach im Tekkno Gewand und auf echten Instrumenten von, sagen wir mal salopp, einer Combo durchschnittlicher Musiker vorgetragen. Wenn die Sängerin gleichzeitig die Schlagzeugerin wäre, würde ich für die etwas einfach gestrickten Breaks mehr Verständnis aufbringen. Snare und Bassdrum sind auch viel zu mittig getunet und erzeugen nicht den erforderlichen Druck. Trilok Gurtu oder irgendein anderer Schlagzeugvirtuose wäre geil gewesen. Aber selbst ich an den Drums hätte wesentlich mehr daraus gemacht. Die Lady zelebriert ihren Text übrigens sehr selbstsicher und erfolgsgewohnt mit diesem, irgendwie immer überheblich klingenden, nasalen englischen Akzent. Ich mag eigentlich Songs die stur und ostinato als Endlosschleife daherkommen. Das hat was von Trance und der Neger kommt dann in mir hoch und wie von Voodoo besessen groove ich zum Schlafzimmerschrank und klaube meine verstaubte Buschtrommel hervor. Das Lied hier könnte aber wesentlich mehr grooven und treiben wenn die Musiker besser auf den Punkt spielen würden. Hätte zu gern gewusst von wann die Aufnahme ist. Die Melodie erinnert mich nämlich stark an Passagen meines Songs Er kommt zurück von "Das ewige Eis".
M.H.: Ist, wenn ich mich nicht arg täusche, ein Stück von Anne Clark. Früher konnte ich mit der nichts anfangen, aber vielleicht ist es das Alter, vielleicht auch die Gitarre in dieser Liveaufnahme, dieses Stück finde ich ganz passabel, eines der gelungeneren Stücke auf dieser CD. (Note 2,5)
F.S.: Frisch gestärkt ans dritte Drittel. Auch seltsam, aber die Gitarre kommt gut. Aber warum ist sie nicht richtig gestimmt? Ich glaube, so was funktioniert gut in einer Disco. Stampfbeat und diese fliegende Hektik an Geige und Gitarre, dazu eine Frau, die etwas skandiert. Macht mich ohne passende Drogen völlig nervös. Ach so, ist eine Liveaufnahme. Da kann ein kleiner Fehlgriff in der Eile schon passieren.

JOE SATRIANI - One big rush
aus dem Album "Flying in a blue dream" (1993)

Flying in a blue dream D.B.: Offenbar ist das nächste Stück von einem Solo Album eines E-Gitarristen. Rock im engen klötenabzeichnenden Lederhosenstil. Wobei der Einsatz der Mitmusiker im Bereich von Auftragsarbeit fällt. Etwas zu simpel und vorhersehbar gespielt. Ich bin hin und her gerissen. Eric Clapton, der mir ehrlich gesagt am Arsch vorbeigeht, hat mal in einem Interview gesagt, er erkennt einen guten Gitarristen allein schon an dessen Vibrato. Dieser Gitarrist hier hat ein sehr gutes Vibrato und zeigt ebenso Ansätze eines Wiesels und könnte durchaus ein Crack und Endorser einer teuren Gitarre sein. Andererseits erscheint er mir etwas begrenzt in seiner Fantasie und ab und an knarzt und knurschelt die Gitarre so digital dass ich denke: Benutzt der Typ etwa das gleiche Scheiß Effektgerät wie ich? Könnte mir vorstellen der Gitarrist hat noch so einige Tricks auf der Pfanne und kann noch das eine oder andere verblüffende Lick aus seinem Hütchen zaubern. Das kann ich freilich aber auch. Achtung! Hier kommt Werbung in eigener Sache :-) An Run run run, einem ebenfalls gitarrenlastigen Instrumental Song meiner Solo CD "t u r b o l a n c e" reicht diese Nummer hier leider nicht heran :- ) Kann ebenso sein dass der Kerl zu oft wie ein Kastrat in den höchsten Tönen rumzirpt und jammert, was dann vielleicht an der zu engen Lederhose liegen könnte. Denn zu enge Hosen sind schlecht für die Hoden wie mir mein Urologe unterbreitete. Nach der Hosengröße zu urteilen haben Hip Hopper anscheinend die fachkundigsten Urologen. Scheint in diesen besonderen Fällen, dass die cleveren Ärzte ihre Patienten mit billigen Komplimenten wie die Größe des, ihr wisst schon, Dingsda, umgarnen und so geschickt an ihre Praxis zu binden vermögen.
M.H.: Nun sind wir bei meinem absoluten Lieblingsstück dieser CD. Ein mit schön nach vorne losgehender Gitarre gespieltes Stück, das mich an die "blaue Platte" von Joe Satriani (wenn er es nicht sogar selbst ist) erinnert. Absolut empfehlenswertes Stück, das ist die Musik die ich mir auch privat auflegen würde. (Note 1)
F.S.: Der nächste ist eindeutig ein Gitarrenheld. Da kommt kein falscher Ton, dafür aber auch kein Fünkchen Seele. Schnell ist er, wieselflink auch. Satriani, Vai, Malmsteen, keine Ahnung, wer das sein kann.

GREGORIAN - Engel
aus dem Album "The dark side" (2004)

The dark side D.B.: Aha RAMMSTEIN-Cover von Weiß Gott ich möchte kein Engel sein. Der Song an sich ist sowieso gut. Völlig zu Recht das der gecovert wird. Hier wurde er wohl für den softeren Teil des Popmarkts neu zubereitet. Alles blieb eigentlich wie es war soweit ich mich erinnere, nur Till Lindemanns Gesang (jetzt hat man DEIN SCHATTEN schon so oft mit RAMMSTEIN verglichen, dass ich sogar schon den Namen des Sängers von denen kenne) wird ersetzt durch eine Klosterchorattrappe und dazu gesellt sich noch ein zartes weibliches Stimmchen was die Sache insgesamt etwas moderater macht. Vielleicht fabriziere ich irgendwann auch mal eine neue Version von diesem RAMMSTEIN-Song. Den Refrain schreibe ich dann allerdings in einem weiteren Anflug von Größenwahn um: 'Weiß Gott ich möcht' mein Enkel sein'.
Der Schluss ist experimentel und eigenwillig und zeigt das man doch noch weitergehen kann als das Original. Oder ist das so auch auf dem Original? Ich weiß es nicht. Nachdem Frank Zander gerade eine CD mit alten deutschen Schlagern im Neue Deutsche Härte-Kostüm auf dem Markt gebracht hat wie ich irgendwo gelesen habe, könnte diese Produktion hier durchaus auch von BLÜMCHEN sein. Vielleicht haben die Hanseaten gerade RAMMSTEIN entdeckt, bzw. den Markt der dahintersteht. Ist schon komisch, alles was musikalisch aus Hamburg kommt, klingt immer auch ein wenig nach Thalia Theater. Irgendwie komödienhaft. Nicht wirklich ernst gemeint. Wie auch die sogenannte Hamburger Schule. Alles Bluff. Die wirklich große Kunst kommt meines Erachtens sowieso meistens aus kleinen Städten, unscheinbaren Orten, fernab allem Hip und up to date sein. Was hat mal ein kluger Kopf geschrieben? 'Denn, wetten, dass die Großen kommen, wenn, dann aus Kleinstädten'. Auf dem Punkt gereimt wie ich finde. Oh, dass ist mir jetzt aber peinlich. Ich sehe nämlich gerade das ich das ja selbst vor einigen Jahren gereimt habe. Na wenn das so ist, dann kann ich ja gleich die ganze Passage aus dem Lied Born to be Schlegel zum Besten geben: Ich weiß das ich was Großes bin. Denn, wetten, dass die Großen kommen, wenn, dann aus Kleinstädten. Ja ja ich weiß es. Ich beweis es. Und sei es irgendwann als Quadratur des Greises'.
'Och das ist ja zu süß, was der alte Sack da von sich gibt' würde Sibylle Berg jetzt sicherlich sagen.
M.H.: Coverversion von RAMMSTEINs Engel, nur anstatt der Brachialgitarren eher Keyboardgitarren, und den Gesang von Till Lindemann übernimmt ein 'gregorianischer Mönchschor'. Für Leute, die auch mal offen für 'andere' Sachen sind. (Note 4)
F.S.: Yep, ich weiß doch, dass mir auch Schneider-Musik gefallen kann. Ist das Gothic? Auf jeden Fall ist Song 10 geil. Fett produzierte Drums, eine knallige Gitarre (im immergleichen Loop), leider eine Sängerin, die mich fatal an Sandra (die von Michael Cretu) erinnert. Starke Nummer und von der Band könnte ich mehr vertragen.

THE CASCADES - Spells and ceremonies
aus dem Album "Spells and ceremonies" (2004)

Spells and ceremonies D.B.: Pop zwischen HIM und Brian Ferry. Die Atmosphäre am Anfang ist klasse. Während der Gesang zu Beginn noch aufgesetzt und gestelzt daherkommt wirkt er in der 2. Strophe schon wesentlich entspannter. Eine sehr runde Komposition insgesamt muss ich sagen. Da hat einer Ahnung vom Songschreiben. Dahinter kann sich eine erfolgreiche Band verbergen.
M.H.: Stück in der Tradition von HIM und Konsorten, geht gut ins Ohr, wenn es entsprechend gepusht wird, könnte da schon was gehen. Fans von HIM (und überhaupt Leute die Trends hinterherhecheln) sollten mal ein Ohr riskieren, sie könnten da mal richtig vorne dran sein. (Note 3)
F.S.: Auch #11 ist klasse produziert. Aber mit der Musik kann ich nichts anfangen. Das lief auch schon im Radio und ist über dem gut rockenden Untergrund völlig verwässert. Muss aus England kommen, vermutlich aus den Achtzigern. SISTERS OF MERCY? Spaß hatte der Sänger auf jeden Fall noch nicht viel in seinem Leben.

GURU GURU - Formentera (live)
aus dem Album "Live" (1978)

Live D.B.: Ah ein weiterer Livemitschnitt. Lockere Atmosphäre. Band und Publikum scheinen aneinander sehr viel Spaß zu haben. Nettes Riff auf einer Kalimba und der Bassist rollt unglaublich toll. Bei dem lustigen(?) naiven Text verzeiht man dem Sänger das er eigentlich überhaupt kein Talent zum Singen hat. Ein kleiner Heißsporn scheint da an der Gitarre rumzumachen. Manchmal denkt man jetzt kommt er gleich auf dem Griffbrett ins schleudern, aber dann kriegt er jedesmal doch noch irgendwie die Kurve und hält sich tapfer an den Saiten fest. Könnte gut sein dass der Typ in 20 Jahren noch ein ganz ganz Großer wird und alles in den Schatten stellt ;-)
M.H.: Sehr obskures Stück, mit merkwürdigem Anfang - es wird nur auf einem Keyboard rumgeklimpert. Wenn man dies aber auf sich nimmt, wird man von einem Klassesong überrascht. Wenn die Gitarre einsetzt, fühlt man sich sofort an den frühen SANTANA (Anfang 70-er) oder auch STEELY DAN erinnert. Auch einer meiner Favoriten dieser CD (wenn man den Anfang des Liedes überwunden hat). (Note 2)
F.S.: Ganz am Schluss macht er mir endlich einen Fredschen Quotensong. Das ist zwar schräg wie Bolle, aber es groovt klasse. Irgendwas zwischen Karibik und Krautrock (Sprache: Deutschlisch). Dazu Santana-Gitarre mit Ohrgasmusgarantie. Kann eigentlich nicht modern sein, die ganze (Live-)Produktion klingt nach Siebzigern, dafür hat es einen richtigen Drummer und Basser. Ich habe das auch so oder so ähnlich schon mal gehört, aber in meinem Schrank steht es nicht. Sehr geil!
Auch wenn ich jetzt als ignoranter Dummbeutel dastehe, zwei richtig gute Nummern und noch mal zwei ganz ordentliche, 1 1/2 die ich erkannt habe... that's all. 4 Nächte hab ich mir die CD in so ziemlich allen Lebenslagen jetzt angehört und musste danach immer zu HUMBLE PIE, AC/DC, Rory Gallagher, Dan Baird greifen. Bin ich jetzt altmodisch? Komm ich ins Fernsehen zur nächsten Oldieshow?

Martin Schneider, (Impressum, Artikelliste), 19.01.2005

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