Discografie (Originalalben und ausgewählte Compilations):
"Thin Lizzy", April 1971
|
"New Day", August 1971 (EP)
|
"Shades Of A Blue Orphanage", März 1972
|
FUNKY JUNCTION, "A Tribute To Deep Purple", Januar 1973
|
"Vagabonds Of The Western World", September 1973
|
"Night Life", Oktober 1974
|
"Fighting", August 1975
|
"Jailbreak", März 1976
|
"Remembering Part 1", August 1976 (Compilation)
|
"Johnny The Fox", Oktober 1976
|
"Bad Reputation", September 1977
|
"Live And Dangerous", Juni 1978
|
"Live And Dangerous", 1978 (Video)
|
"Black Rose", April 1979
|
"The Boys Are Back In Town", 1979 (Video)
|
"The Continuing Saga Of The Ageing Orphans", September 1979 (Compilation)
|
Philip Lynott, "Solo In Soho", April 1980
|
"Chinatown", September 1980
|
"The Adventures Of Thin Lizzy", März 1981 (Compilation)
|
"Killers Live", Mai 1981 (EP)
|
"Renegade", November 1981
|
"Rockers", Dezember 1981 (Compilation)
|
Philip Lynott, "The Philip Lynott Album", Oktober 1982
|
"Thunder And Lightning", März 1983
|
"Life Live", November 1983
|
"Whisky In The Jar / The Rocker / Sarah / Black Boys On The Corner [Ltd. Edition 12"]", August 1986 (EP)
|
"Soldier Of Fortune - The Best Of Phil Lynott And Thin Lizzy", 1987 (Compilation)
|
"Dedication - The Very Best Of", März 1991 (Compilation)
|
"BBC Radio One Live In Concert", November 1992
|
"The Peel Sessions", Oktober 1994 (Compilation)
|
"Wild One - The Very Best Of Thin Lizzy", 1996 (Compilation)
|
"One Night Only", Juli 2000
|
"Vagabonds Kings Warriors Angels", Januar 2002 (Compilation, 4-CD Box)
|
"Rock Masters", 2004 (DVD)
|
"Thin Lizzy At Rockpalast", April 2004 (DVD)
|
"Thunder And Lightning Tour", 2005 (DVD)
|
"Greatest Hits", August 2005 (DVD)
|
|
Während der Arbeiten am Livealbum verschlechterte sich der Gesundheitszustand Lynotts und Gorhams zunehmend. Jahrelanger Drogenmissbrauch forderte seinen Tribut und versperrte ihnen gleichzeitig den Weg in eine neue Zukunft im Musikbusiness.
Gegen Jahresende 1983 stand Phils Ehe bedrohlich auf der Kippe. Seine Frau Caroline verließ mit den beiden Kindern das gemeinsame Haus, in der Hoffnung, Lynott durch ihr Handeln endlich wachzurütteln, damit dieser nun ernsthaft sein unübersehbares Drogenproblem bekämpfte. Phil sah sich nun mit einer fast gescheiterten Beziehung konfrontiert, hatte keinesfalls den Split von THIN LIZZY überwunden und kämpfte mit einer schwelenden Drogenabhängigkeit. Nachdem er durch den Verlust LIZZYs den letzten greifbaren Strohhalm verloren hatte, drohte Phil allmählich in einer großen Depression zu versinken.
Wie sich schon bald darauf herausstellte, schienen es seine ehemaligen Bandkollegen mit der endgültigen Auflösung LIZZYs gar nicht so ernst gemeint zu haben. Darren Wharton ließ später verlauten, die Trennung hätte für ihn niemals einen endgültigen Charakter gehabt. Einige Bandmitglieder hätten lediglich eine lange Pause benötigt. Nachdem die Gruppe seinerzeit von den letzten Auftritten heimkehrte, wäre man nahezu wortlos am Flughafen auseinander gegangen. Für seine Begriffe hätte sich die Situation bereits zwei Jahre später wieder anders gestalten können.
Es blieb die Vermutung, dass Manager Chris Morrison nicht ganz unschuldig am Auseinanderbrechen THIN LITTYs schien. Bekanntlich hatte der Ticketverkauf für die "Thunder And Lightning"-Tour erst merklich angezogen, nachdem die Konzertreise zur "Farewell"-Tour deklariert wurde. Mit dem besten Album seit Jahren in Rücken gab es zudem keine einleuchtenden künstlerischen Gründe. Die Band befand sich abgesehen von der Tatsache, dass Lynott, Gorham und Downey schlichtweg körperlich erschöpft waren, durch den neu eingebrachten Drive von Darren Wharton und noch mehr John Sykes auf einem vielversprechenden Weg zu neuen Ufern. Ein Labelwechsel wurde, so weit bekannt, niemals richtig in Erwähnung gezogen. Morrisons Aufgabe, aufgrund des Vertragendes und offensichtlichen Desinteresses seitens der Phonogram, eine neue Plattenfirma zu suchen, wurde höchstwahrscheinlich niemals ernsthaft von ihm angegangen. Auch eine sogenannte "ordnende Hand" innerhalb des LIZZY-Management blieb zumindest für Außenstehende unsichtbar. (Als bestes Beispiel dürfte der ehemalige BEATLES-Manager Brian Epstein gelten, nach dessen plötzlichen Tod 1967 die geschäftlichen und organisatorischen Belange der Gruppe immer weiter aus dem Ruder liefen). Fast schien es, als traute sich keiner, das zu früh verkündete Ende der Band zurückzunehmen.
Ein temporärer Rückzug hätte ebenfalls aufgrund der Situation innerhalb der Musikindustrie Sinn gemacht. Zum Zeitpunkt 1983 sackten die Single-Verkäufe erheblich ab, während die Verkaufszahlen von Alben stagnierten. Der Boom der zweiten Siebziger-Hälfte war vorüber, in den USA spielten Radiostationen teilweise komplette Langspielplatten, die natürlich fleißig auf Kassetten mitgeschnitten wurden. Die neue Labelpolitik, Künstler zwecks Gewinnmaximierung möglichst schnell hoch zu pushen, traf eine Gruppe wie THIN LIZZY bis ins Mark. Langwierige (Wieder-)Aufbauarbeit wurde immer weniger betrieben. Eine Praxis, die sich bis in die heutige Zeit eher noch gesteigert hat, ließ eine vergleichsweise schwierige Band wie LIZZY zwangläufig auf der Strecke bleiben.
Während Scott Gorham und Brian Downey die immer mehr als Pause bezeichnete Auflösung der Gruppe begrüßten und sich zwecks Regeneration ins Privatleben zurückzogen, beschloss Phil Lynott weiterhin zu arbeiten. Sein nicht unbedingt kluger Entschluss wurde von John Sykes unterstützt, der aufgrund der positiven Resonanzen während der "Farewell"-Tour weitere gemeinsame Auftritte für das Frühjahr 1984 in Erwägung zog.
Um die Weihnachtszeit 1983 herum begann Lynott mit der Rekrutierung von Musikern für sein nächstes Unternehmen. Sykes sagte sofort für die Position an der Leadgitarre zu, und überraschenderweise stand Brian Downey schon wieder für das neue Projekt parat. Phil hielt es für das Beste, wiederum mit Lead- und Rhythmusgitarre zu arbeiten und brachte Doishe Nagle, der ihn bereits im Sommer '83 in Schweden begleitet hatte, erneut in seine neue Band ein. Mark Stanway, immerhin offizielles Mitglied bei MAGNUM, wurde trotzdem gefragt und stieg ebenfalls bei Lynott ein. Aus dem Projekt sollte die Gruppe GRAND SLAM werden. Schon im Januar 1984 sollte es zu gravierenden Veränderungen kommen.
Bereits während seiner Konzertreisen mit THIN LIZZY war John Sykes den Verantwortlichen im Lager von WHITESNAKE aufgefallen. Als die Band um David Coverdale Anfang '84 in München ihr "Slide It In"-Album einspielte, erhielt Sykes Nachricht vom Interesse der angesagten britischen Hardrock-Formation. Nachdem man ihm ein lukratives Angebot gemacht hatte, verließ John einen sichtlich enttäuschten Phil Lynott. Dieser konnte sich allerdings auf seine Connections verlassen und erhielt von seinem alten Kumpel Jimmy Bain den Tipp, es mit dem erst 21-jährigen Laurence Archer zu versuchen. In den Folgemonaten arbeiteten Lynott, Downey, Stanway, Nagle und der neue Leadgitarrist an Songmaterial für GRAND SLAMs Antrittsvorstellung. Archer entpupte sich als ein Mann mit ähnlichen Fähigkeiten wie einst Brian Robertson und jüngst John Sykes. Lynott zeigte sich sichtlich beeindruckt und plante bereits eine kurze Tour durch Irland.
Als Basislager entschied sich die Gruppe für den Standort London, da sich dort die nahezu gesamte britische Plattenindustrie befand. Das Songmaterial klang überraschend unpoliert und erinnerte phasenweise an das LIZZY-Material vor deren kommerziellen Durchbruch.
Einen Tag vor Beginn der Irlandreise stieg Brian Downey aufgrund angeblicher Tourmüdigkeit wieder bei GRAND SLAM aus. Wie Phil Lynott später zugab, war dessen Wunsch auf ein geruhsameres Leben mit seiner Frau und den Kindern einfach zu groß für den Neuaufbau einer Band mit ungewissen Zukunftsperspektiven. Lynott und Downey blieben trotz dieses Schocks befreundet, laut Phil "gab es kein böses Blut zwischen ihnen".
Lynott erinnerte sich eines alten Bekannten namens Robbie Brennan, der fortan die Rolle Downeys einnahm. Bis hin zum April 1984 hatten GRAND SLAM genügend Material erarbeitet, um damit die Tour durch Irland zu bestreiten. Die recht gut besuchten Gigs beinhalteten mehrere LIZZY-Songs und gerieten dadurch in die Kritik. Für eine Präsentation im Londoner Marquee im Sommer wurde die Songauswahl noch einmal überarbeitet. Bereits zu Beginn des Jahres hatte Lynott einige Songs wie Nineteen, Sisters Of Mercy oder Military Man geschrieben, die im Laufe der Zeit einigen Änderungen unterzogen wurden. Obwohl Lynott zwar der Chef beim Songwriting blieb, trugen auch Archer, Stanway und Nagle mit eigenen Beiträgen zur Entwicklung der Gruppe bei. Vieles davon sollte jedoch nie ans Tageslicht gelangen.
Über eine definitive musikalische Ausrichtung herrschte nach wie vor Unklarheit. Forderte die Öffentlichkeit eher härteres Songmaterial, so schwebte Phil zeitweise eine "funky" Rhythmus-Sektion innerhalb einer Gitarren-orientierten Band vor.
Eine für Juni '84 angekündigte Reihe englischer Gigs wurde zwecks Arbeiten im Studio wieder abgesagt. Die Aufnahmen im Londoner Lombard Sound Recording Studio erbrachten sechs oder sieben Demos, von denen seltsamerweise keine in den dortigen Archiven verblieben. Zuvor in Lynotts Heimstudio in Richmond gemachte Aufnahmen blieben ebenfalls größtenteils verschwunden. Aufgrund der Tatsache, dass GRAND SLAM ein Projekt ohne Plattenvertrag waren, trug Phil aufgrund mangelnder Finanzen seiner Mitstreiter die Kosten der Studioaufnahmen.
Zur Zeit des Marquee-Gigs versuchten sich GRAND SLAM etwas überraschend auch ans Covern von Songs wie A Whiter Shade Of Pale (PROCOL HARUM) oder Like A Rolling Stone (Bob Dylan), um diese kurz darauf durch eigenes Material (Crazy, I Don't Need This, Dedication) zu ersetzen. Sieben Jahre später sollte Dedication als THIN LIZZY-Single erscheinen.
GRAND SLAM gingen im weiteren Verlauf des Jahres 1984 auf eine ausgedehnte Tournee durch die englischen Clubs, mit einigen kleineren Festival-Auftritten dazwischen. Ein durchschlagender Erfolg sollte nicht gelingen, da die Konzertbesucher niemals so recht zwischen THIN LIZZY und den neuen GRAND SLAM zu unterscheiden wussten. In der Theorie mochte die neue Gruppe vielversprechend wirken, in der Praxis kam dabei nicht mehr als ein Abklatsch von Phils alter Band herum. Tracks aus seinen Soloalben oder LIZZY-Songs (Cold Sweat, Sarah) im Repertoire verhinderten von Anfang an ein Ansehen als ernsthaften Neuanfang. Ihren größten Auftritt durften GRAND SLAM Mitte Juli '84 feiern, als sie STATUS QUO auf deren "End Of The Road"-Tour im Vorprogramm vor 40.000 Zuschauern im Stadion des Fußballvereins Crystal Palace unterstützten.
Gegen Ende des Jahres 1984 spielte man eine mehrwöchige Tournee durch Schottland und bekam wie zu LIZZY-Zeiten Probleme. Einige Clubs besaßen zu kleine Bühnen, einige Bandmitglieder plagten sich mit ihrer fragwürdigen Gesundheit herum und mangelhaftes Equipment sorgte für allgemeinen Unmut.
Hatte Chris Morrison als Manager bei THIN LIZZY vielleicht gepennt, so schien er jetzt aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. Man munkelte, er hätte bis dato runde 100.000 Pfund Sterling in GRAND SLAM investiert, ohne jegliche Aussicht auf Erfolg. Das Gerücht, Lynott erhalte bei der Polydor einen Vertrag als Solokünstler, entpuppte sich als heiße Luft. Wahrscheinlich war seine äußere Erscheinung daran nicht ganz unschuldig, denn Phil bot mittlerweile einen erbarmungswürdigen Anblick. Aufgedunsen und müde wirkend rückten ihn Teile der Presse in das Licht eines berüchtigten Alkoholikers und Junkies, dem kein Label einen Vertrag geben wollte.
Ende 1984 war es soweit - GRAND SLAM brachen auseinander, ohne jemals Aussicht auf einen Plattenvertrag gehabt zu haben. Das abgelaufene Jahr wurde für Lynott zu einer Katastrophe. Seine Drogenabhängigkeit schien ihn regelrecht zu überrennen, die Scheidung von seiner Frau war beschlossene Sache und aufgrund seines unsoliden Lebenswandel erlaubte ihm das Gericht auch nur gelegentliche Besuche bei seinen beiden Töchtern.
Viele Bekannte Lynotts erkannten allmählich das Dilemma, in dem Phil steckte und versuchten mit ihm zu reden. Der ehemalige LIZZY-Boss schien jedoch unfähig, seine bedrohliche Situation zu erkennen. John Sykes, Scott Gorham (inzwischen wieder clean) und Brian Downey rieten ihm dringend zu einem Entzug, der schon vor der Zeit mit GRAND SLAM fällig gewesen wäre und das Projekt vielleicht gerettet hätte, wäre Lynott gesundheitlich besser beieinander gewesen.
Die dringende Erholungspause für Phil fiel spätestens an jenem Tag aus, als Chris Morrison Lynott erklärte, eine weitere finanzielle Unterstützung für eventuelle neue Gruppenprojekte werde es nicht geben. Einer Solo-Karriere hingegen stand der ex-LIZZY-Manager durchaus positiv gegenüber. Aus Angst, in Vergessenheit zu geraten, willigte Phil ein und sah als Grundstock für ein späteres Album die Songs aus dem Fundus der untergegangenen GRAND SLAM an.
Im Frühjahr reiste Lynott in Begleitung seines letzten Gitarristen Laurence Archer nach San Francisco, um in den dortigen Record Plant Studios mit seinem Kumpel Huey Lewis an neuem Material zu feilen. Das Gerücht, Phil würde bei der Polydor einen Deal als Solist unterzeichnen, tauchte erneut auf. Archer schrieb inzwischen an Songs, die nicht unbedingt zu Lynott passten. Zudem gefiel ihm Phils Arbeitsweise immer weniger und er beklagte sich bei Morrison darüber. Der jedoch sah Phil ausschließlich als Solist und verlor auch kein Wort darüber, dass Phil kommentarlos Songs von Archer verwendete, ohne ihn vorher danach gefragt zu haben. Der Gitarrist verließ bald darauf die USA und beendete seine Zusammenarbeit mit Morrison, während das Verhältnis zu Lynott merklich abkühlte.
Nach seiner Rückkehr aus den Vereinigten Staaten suchte Phil Lynott nach einer weiteren Betätigung im Blickfeld der Öffentlichkeit. So erklärte er sich sofort einverstanden, als es um Hilfe bei der Vorbereitung zu Gary Moores nächster Single Out In The Fields ging.
Am 6. Mai 1985 stieg der Song direkt auf Platz 31 der britischen Charts ein, um anschließend bis auf die Position 5 hochzuschießen. Gary und Phil teilten sich die Vocals und hatten einen Hit gelandet, der Lynott die höchste Single-Notierung seit den ruhmreichen "Black Rose"-Zeiten einbrachte. Dass seinerzeit ebenfalls Gary Moore mit von der Partie war, bestätigte das vorhandene gemeinsame Potential der beiden charismatischen Musiker ein weiteres Mal. Die B-Seite Military Man hatte Lynott geschrieben und stammte noch aus GRAND SLAM-Zeiten. Neu überarbeitet von Gary Moore, sollte der Song später auf Moores Album "Run For Cover" (1985) landen. Textlich hatte sich der Track inzwischen von einem reinen Antikriegs-Song zu einer delikaten zwischenmenschlichen Geschichte über Lynotts Beziehung zu seiner Mutter sowie seinen Kindern gewandelt und konnte durchaus als Lynotts letzter Schrei nach Hilfe interpretiert werden. Gary Moore veredelte Military Man durch sein famoses Gitarrenspiel zu einem Klassiker und ließ THIN LIZZY für einen Moment vergessen.
Im Erfolgssog von Out In The Fields tingelten Moore und Lynott durch zahlreiche europäische Fernsehshows und gaben gemeinsam einige Sessions. Im Juli '85 spielte Lynott auf Moores Hochzeit gemeinsam mit dem Hausherrn und dem heutigen DEEP PURPLE-Keyboarder Don Airey einen kurzen Set. Der ebenfalls anwesende letzte LIZZY-Produzent Chris Tsangarides sah einen Phil Lynott voller Energie und zeigte sich von dessen Darbietung angetan; nichtsahnend, dass es ein letztes Zusammentreffen der beiden werden sollte.
Hochsommer 1985. Lynott arbeitete bereits wieder an neuen Songs in seinem Heimstudio und plante mit ausschließlich fertigen Tracks ins Studio zu gehen. Ihm war bewusst, dass es eines renommierten Produzenten bedurfte, um in einem großen Rahmen Aufnahmen zu tätigen. Alles andere würde nahezu künstlerischen Selbstmord bedeuten. Erste Kontakte für Zusammenarbeiten mit alten Bekannten wie Jerome Rimson, Gus Isadore, John Sykes und überraschend auch wieder Brian Robertson, der mittlerweile in Phils Nachbarschaft lebte, wurden geknüpft.
Finanziell relativ abgesichert, konnte Lynott in aller Ruhe ein drittes Solo-Album angehen. Statt konzentriert an die Aufnahmen heranzugehen, wurde seine Idee für ein Konzert im spanischen Marbella in die Tat umgesetzt. Da Phil natürlich eine Begleitband benötigte, rief er u.a. seine beiden GRAND SLAM-Kumpel Doish Nagle und Robbie Brennan an. Nachdem alles geregelt war, blieb ein Tag für die Rehearsals übrig. Am 6. August '85 fand morgens um vier Uhr ein miserables Konzert statt.
Während die englische Boulevardpresse Lynott immer wieder in Zusammenhang mit Drogengeschichten brachte, werkelte der im September '85 schon wieder im Studio an einem Song namens Nineteen. Produzent sollte ausgerechnet Paul Hardcastle werden, der mit einem Track gleichen Titels (19) just zuvor einen Nummer-1-Hit landen konnte. Die von vielen Fans ungeliebte Allianz basierte auf einer Verbindung zwischen Chris Morrison und dem Chrysalis-Mitarbeiter Simon Fuller. Gemeinsam managten die beiden mit Hardcastle einen zum Dance-Bereich gerechneten Künstler.
ZZ TOP hatten erfolgreich mit anderen Sounds experimentiert ("Elimenator", 1983) und Eddie Van Halen arbeitete mit Michael Jackson zusammen. Warum also nicht auch Phil Lynott auf neuen Wegen?
Nineteen erschien als Polydor-Release am 8. November '85, in den mittlerweile nahezu bedeutungslosen britischen Heavy Metal Charts etwas Staub aufwirbelnd bzw. in den UK-Single-Charts auf der Position 76 versandend.
Lynotts Gesundheitszustand begann sich dramatisch zu verschlechtern. Am Heiligabend traf die von vielen besorgten Freunden lang befürchtete Katastrophe ein. Phil fiel ins Koma. Die nächsten Tage wachte seine Mutter Philomena Tag und Nacht an seiner Seite, doch sein geschundener Körper konnte den Kampf nicht mehr gewinnen. Phil Lynott starb am 4. Januar 1986 und wurde am 10. des Monats in seiner irischen Heimat beerdigt.
Ein schon zu Lebzeiten nahezu sagenumwobener Musiker war tot, doch die Legende von Phil Lynott und THIN LIZZY lebte weiter.
Dass mit dem Andenken verstorbener Musikgrößen trotzdem nicht immer das schnelle Geld zu verdienen ist, mussten die Verantwortlichen für den Sampler "Soldier Of Fortune" schnell begreifen. Künstler wie Elvis Presley oder Kurt Cobain (NIRVANA) bescherten ihren Plattenfirmen auch nach ihrem frühen Tod enorme Umsätze, während ein Jahr nach dem Ableben Phils deutlich wurde, dass THIN LIZZY und ihr Mastermind Lynott im allgemeinen Interesse tief gesunken waren.
Der auf dem Telstar-Label im Januar 1987 herausgebrachte Sampler "Soldier Of Fortune", anlässlich des ersten Todestags des ehemaligen LIZZY-Boß veröffentlicht, bestand ausschließlich aus bereits bekannten Songs der Gruppe plus einigen Tracks aus Alben als Solist. Nach drei Wochen in den Charts und einer Höchstnotierung auf der Position 56 hatte sich das Thema bereits wieder erledigt.
Im Verlauf des Jahres 1990 mehrten sich anlässlich des kommenden fünften Todestags Lynotts die Gerüchte um eine besondere LIZZY-Veröffentlichung. Chris Morrison, der nach wie vor das Erbe der Band verwaltete, beharrte steinhart auf das Erscheinen eines speziellen Songs, um einen bereits fest eingeplanten neuen Sampler zu promoten.
Obwohl sich Scott Gorham und Brian Downey skeptisch zeigten, wurde der GRAND SLAM-Track Dedication zur Single bestimmt. Laurence Archer, der den Song geschrieben hatte, erklärte den Titel daraufhin für eine Veröffentlichung ohne dringend notwendige Überarbeitung als völlig untauglich. In Folge dessen streckte Morrison seine Fühler nach den alten LIZZY-Musikern zwecks Neueinspielung von Dedication aus. Gary Moore erklärte sich einverstanden, während Gorham und Downey nach wie vor ablehnend reagierten. Nach einer Verlautbarung, der Song würde so oder so veröffentlicht, willigten die beiden schließlich zu einem Beitragen von Overdubs ein.
Die Arbeiten begannen Ende Oktober 1990 mit dem aus Gorhams neuer Band 21 GUNS dazugeholten Keyboarder Lief Johansen. Nach dem Hören des Original-Demo der alten GRAND SLAM-Nummer schien die alte Lynott-Magie wieder im Raum zu sein. Mit den Möglichkeiten neuer Technologien wurde Dedication um Phils Stimme herum auf LIZZY-Stil getrimmt.
Trotzdem blieb ein Problem bestehen. Dedication wurde auf seinem späteren Cover als Lynott-Song angegeben. Laurence Archer wusste zu diesem Zeitpunkt überhaupt nichts davon, dass der Track auf einem Album mit den größten Hits von THIN LIZZY landen sollte. Ein Freund, der den Song im Radio gehört hatte, informierte ihn schließlich darüber, dass Dedication unter dem Banner LIZZYs erschienen war. Manager Morrison hatte schlichtweg verschlafen, dass Archer den Song unter seinem Namen hatte registrieren lassen, bevor er jemals mit Lynott zusammentraf. In den folgenden Vertragsverhandlungen gab Archer schließlich auch die Rechte an Tracks wie Sisters Of Mercy und Military Man ab, was er Jahre später aufgrund inzwischen erlangter Kenntnisse in Bandpolitik und Management gerne wieder revidiert hätte.
Die ursprünglich für den 4. Januar 1991 vorgesehene Veröffentlichung der Single musste aufgrund von fehlendem Video-Material um eine Woche verschoben werden. Ausgewählt wurde schließlich Material aus der klassischen Besetzung der "Live And Dangerous"-Ära mit ein paar Filmschnipseln, die den ersten Gitarristen Eric Bell zeigten. Merkwürdigerweise wurde häufig Brian Roberston eingeblendet, der überhaupt keinen Beitrag zu Dedication geleistet hatte. Dem war's egal, da es für sein Verständnis ziemlich merkwürdig schien, einen Song von Laurence Archer und damit einem Musiker, der nie zum Line-Up THIN LIZZYs gehört hatte, als LIZZY-Single auszuwählen.
Dedication kam im United Kingdom bis auf Platz 35, während es in den irischen Charts zu einem Nummer-1-Hit wurde und ein wiedererstarktes Interesse an der Band dokumentierte. Typisch, dass bei der geplanten Aufführung des Videos in "Top of the Pops" wieder etwas schief ging. Zum geplanten Sendezeitpunkt wurde aus aktuellem Anlass ein Beitrag zum ersten Golfkrieg ausgestrahlt.
Im Februar '91 folgte die geplante Compilation. "Dedication - The Very Best Of Thin Lizzy" schaffte es bis zum achten Platz der Album-Charts und bewies damit die immer noch vorhandene Popularität der Band.
Der Sampler wurde nicht nur auf der inzwischen etablierten Tonträgerform CD veröffentlicht. Neben seinem Erscheinen auf LP und Kassette tauchte ebenfalls ein Video mit den während der Jahre zuvor gedrehten Promo-Filmchen der Gruppe auf. Mochten die Aufnahmen zu The Rocker, Whiskey In The Jar, The Boys Are Back In Town, Jailbreak, Don't Believe A Word, Bad Reputation, Dancin' In The Moonlight, Rosalie (live), Waiting For An Alibi, Do Anything You Want To, Sarah, Chinatown, Killer On The Loose, der Gemeinschaftsarbeit Out In The Fields mit Gary Moore oder dem damals aktuellen Video zu Dedication teils antiquiert wirken, den Betrachter dürfte wohl eine gewisse Wehmut befallen haben.
Im März ging eine zweite Single völlig unter. The Boys Are Back In Town in einem Remix zu veröffentlichen entpuppte sich als Schnapsidee und man hätte wohl besser daran getan, eventuell einen neu eingespielten Song aus den früheren Sessions mit Huey Lewis herauszubringen.
Im Sommer 1994 nahm eine überraschte Öffentlichkeit wahr, dass von einem Revival der Gruppe gesprochen wurde. Tatsächlich tauchten im November des gleichen Jahres alle verbliebenen Mitglieder vom Line-Up des Album "Thunder And Lightning" bei einer kurzen THIN LIZZY-Tour durch Japan auf. Phils Position am Bass hatte der Bassist Marco (Mark) Mendoza eingenommen, während es John Sykes gelang, neben seiner Rolle als Gitarrist auch die des Leadsängers recht ordentlich hinzubekommen.
Am 4. Januar 1996 fand im Dubliner Point Theatre eine "Tribute"-Veranstaltung anlässlich des zehnten Todestags von Phil Lynott unter dem Titel "King's Call" statt. Scott Gorham, der sich bis dahin stets geweigert hatte, bei Veranstaltungen dieser Art aufzutreten, konnte schließlich aufgrund der Professionalität des Ganzen zu einer Teilnahme bewegt werden. Gemeinsam mit John Sykes bestritt man wieder die Parts an den legendären Twin-Lead-Gitarren.
Im gleichen Jahr veröffentlichte Vertigo den Sampler "Wild One - The Very Best Of Thin Lizzy". Namensgeber dürfte der Song Wild One vom Album "Fighting" gewesen sein, welcher jedoch seltsamerweise nicht auf der Compilation vertreten war.
Auch wenn es sich hierbei um remasterte Aufnahmen handelte, konnte man den Fans fünf Jahre nach "Dedication - The Very Best Of Thin Lizzy" nicht ein weiteres Mal die sauer verdiente Kohle aus der Tasche ziehen. Die Zusammenstellung (The Boys Are Back In Town, Jailbreak, Don't Believe A Word, Waiting For An Alibi, Rosalie/Cowgirl Song (live), Cold Sweat, Thunder And Lightning, Out In The Fields (Gary Moore with Phil Lynott), Dancin' In The Moonlight, Parisienne Walkways (Gary Moore with Phil Lynott), Sarah, Still in Love With You (live), Emerald, Bad Reputation, Killer On The Loose, China Town, Do Anything You Want To, The Rocker, Whiskey In The Jar) bot ausnahmslos bekanntes Material und blieb lediglich für Neueinsteiger eine empfehlenswerte Angelegenheit.
Drei Jahre später gingen THIN LIZZY wieder auf ausgedehnte Tourneen. Begleitet von wechselnden Mitstreitern touren Sykes und Gorham seit dem um die ganze Welt. Die "One Night Only Tour" der Jahre 2000-2001 führte die Band laut dem Aufdruck der Rückseite vom damaligen Tour-T-Shirt durch folgende Länder: United States, Ireland, England, Russia, Holland, Bulgaria, Germany, Turkey, Sweden, Croatia, Norway, Greece, Demark, France, Belgium, Japan, Austria, Korea, Italy, China, Switzerland, New Zealand, Spain, Australia, Czech Republic, South America, Estonia und kündigte eine Fortsetzung mit And More... an.
Nicht unerwartet erschien vorab ein Live-Album von der vorherigen ersten großen LIZZY-Tour. "One Night Only" (featuring Scott Gorham & John Sykes), zu Beginn des neuen Jahrtausend veröffentlicht, erwies sich als eine zwiespältige Angelegenheit. Durfte man einerseits über ein neues Lebenszeichen der Gruppe erfreut sein, so vermisste man andererseits eben ganz deutlich die einstige Magie eines Phil Lynott. Die während der Europa-Tour '99 entstandenen Aufnahmen (Jailbreak, Waiting For An Alibi, Don't Belive A Word, Cold Sweat, The Sun Goes Down, Are You Ready, Bad Reputation, Suicide, Still In Love With You, Cowboy Song, The Boys Are Back In Town, Rosalie, Black Rose) zeigten einen sichtlich bemühten John Sykes, der leider das markante Spiel eines Brian Robertson vermissen ließ. Die deutlich hörbar vorhandene Power mochte in einer Konzerthalle großen Spaß bereiten, auf der heimischen Stereoanlage klang die Angelegenheit zumindest stellenweise etwas schlampig.
Drummer Brian Downey wurde schmerzlich vermisst, auch wenn es sein Nachfolger Tommy Aldridge mit dem von ihm gewohnten Doublebass-Spiel hier ausnahmsweise nicht übertrieb. Marco Mendozas Bass rumpelte sich von Song zu Song und Keyboarder Darren Wharton, der sich gewiss fragen musste, weshalb er nicht ebenfalls "gefeatured" wurde (immerhin war der Mann Jahre länger als Sykes Mitglied THIN LIZZYs), setzte live wie gewohnt kaum Akzente.
"One Night Only" fiel zwar heavy aus, litt jedoch unüberhörbar unter mangelndem Herzblut. Interessanterweise fand der auf den vorherigen Livealben schmerzlich vermisste Song Bad Reputation jetzt endlich seinen verdienten Platz auf einem Konzertmitschnitt. Als Höhepunkt durfte eine heftige und spielerisch astreine Version von Suicide angesehen werden, während Rosalie durch ein überlanges Vorstellen der Band durch John Sykes verhunzt wurde.
Zum Jahresende 2001 hin brachte ein THIN LIZZY Box-Set namens "Vagabonds, Kings, Warriors, Angels" für die Gruppe der "Hardcore-Sammler" wenig Neues mit sich. Ob ein Song wie das aus der Post-LIZZY-Zeit stammende Sisters Of Mercy einen Kaufanreiz bot, hat sich wohl jeder Fan der Band x-mal durch den Kopf gehen lassen.
Nach Angaben von Brian Robertson dürfte es immer noch einige unveröffentlichte Aufnahmen aus den Sessions zu "Jailbreak" und "Johnny The Fox" (1976) geben, die mit dem damaligen Produzenten John Alcock eingespielt wurden und bis heute in irgendwelchen Archiven schlummern.
Fünf Jahre später, pünktlich zum Weihnachtsgeschäft 2006, erschien die Geschichte, bestehend aus vier CDs mit insgesamt 73 Songs plus einem Begleitbuch, im Rahmen der Reihe "earbooks" erneut als Package. For collectors only.
Das lang vermisste GRAND SLAM-Material tauchte zumindest teilweise im Jahre 2002 auf. Eine limitierte Edition wurde über das Label Zoom Club Records veröffentlicht. Dem vorhergegangen war bereits eine "special edition" der THREE MUSKETEERS, wie sich Lynotts Solo-Projekt während einer Pause zum Zeitpunkt der "Farewell"-Tour (1983) nannte. Beide Alben wurden unter Inanspruchnahme des privaten Archivs von MAGNUMs Keyboarder Mark Stanway zusammengestellt.
In den letzten Jahren wurden im Rahmen der Veröffentlichungsflut diverse THIN LIZZY DVDs von unterschiedlicher Qualität auf den Markt geworfen. Innerhalb der "Rockpalast"-Reihe erschien ebenfalls ein Mitschnitt des Auftritts auf der Loreley 1981. Der im Booklet als "Träumer, Krieger, Liebender, Geschichtenfabulierer, Friedensbringer und Rocklegionär" beschriebene Phil Lynott gab hier jedoch eine eher bedenkliche Vorstellung und nicht nur die Anwesenheit des umstrittenen Snowy White ließ diesen Mitschnitt weit hinter jenem vor dem brodelnden Londoner Publikum aus dem Jahre 1978 landen.
Die Flut an "Tribute"-Alben ging auch an THIN LIZZY nicht vorüber. Beachtung fand der Beitrag des französischen Labels Axe Killer, unter Mithilfe von Musikern wie Phil Campbell (MOTÖRHEAD), Paul Di'Anno (IRON MAIDEN), Neil Murray (BLACK SABBATH, WHITESNAKE), Bernie Tormé (GILLAN), Gary Barden (MICHAEL SCHENKER GROUP), Bernie Shaw (URIAH HEEP), Steve Grimmet (GRIM REAPER) und Nicky Moore (SAMSON).
Instrumental sich eng an den Originalen von The Boys Are Back In Town, Chinatown, Waiting For An Alibi, Killer On The Loose, Sarah, Don't Believe A Word, Cowboy Song, Dancing In The Moonlight, Rosalie, Jailbreak, Whiskey In The Jar und der Moore/Lynott-Kooperation Out In The Fields orientierend, gelangen an den Vocals einige überraschende Interpretationen. Besonders das von mächtigen akustischen Gitarren getragene Whiskey In The Jar, mit einem überragenden Nicky Moore an den Vocals, machte richtiggehend Spaß. Chinatown (Vocals: Bernie Shaw) und Killer On The Loose (Vocals: Paul Di'Anno) zeigten sich auch mit anderen Sängern als unverwüstliche Meilensteine.
Stilelemente THIN LIZZYs finden sich seit Jahrzehnten in den Songs diverser Musiker wieder. Im frühen Stadium ihrer Karriere wurden beispielsweise DEF LEPPARD nicht müde, den Einfluss LIZZYs auf ihr Songwriting zu betonen. Besonders das Debut "On Through The Night", welches im Zeitraum 1979/80 entstand, bietet dazu einige interessante Hörbeispiele.
Wie sehr man sich der irischen Band bis heute verbunden fühlt bewies Frontmann Joe Elliott auf dem Arrow Rock Festival 2006, als er während des Auftritts ein T-Shirt mit dem "Bad Reputation"-Cover trug.
Songs von THIN LIZZY werden immer wieder gerne gecovert. METALLICA nahmen Whiskey In The Jar 1998 für ihr Album "Garage Inc." neu auf und veröffentlichten den legendären Song später recht erfolgreich als Single, während acht Jahre später SMOKEWAGON den gleichen Track im Underground als Country & Western Ballade neu vertonten.
Die dänischen PRETTY MAIDS hauten auf ihrem ersten Longplayer "Red, Hot And Heavy" (1984) Little Darling mit einem solchen Pfund raus, dass die Erfolglosigkeit des LIZZY-Originals Jahre zuvor unerklärlich blieb. Lynott-Intimus Gary Moore wiederum fügte seiner Single After The War (1989) als Bonus ein mächtiges Emerald bei.
Im Verlauf des Jahres 2006 schauten John Sykes und Scott Gorham auch in Deutschland wieder mit THIN LIZZY vorbei. Dass es bis heute zu keinem neuen LIZZY Studio-Album gekommen ist mag unterschiedliche Gründe haben. Dass die beiden gemeinsam seit Jahren unter dem Banner der Gruppe durch die Weltgeschichte tingeln, dürfte jedoch vor allem auf eines zurückzuführen sein: Bestreiten des Lebensunterhalts! Mit dem Namen "THIN LIZZY" lassen sich bis heute mehr oder weniger erfolgreiche Geschäfte betreiben, und von irgendwas muss der Mensch bekanntlich leben.
Das dürfte besonders John Sykes erkannt haben. Nachdem er Phil Lynott 1984 verlassen hatte, um bei WHITESNAKE einzusteigen, gestaltete sich sein Werdegang zunächst erfolgreich. David Coverdale krempelte die Band nach der "Slide It In"-Tour 1984 vollkommen um und arbeitete gemeinsam mit Sykes an einem neuen Konzept, welches das Album "1987" weltweit zu einem Mega-Seller werden ließ. Besonders der umkämpfte nordamerikanischen Markt wurde geknackt. Als es zu einer umfangreichen Tournee kam, war Sykes allerdings längst wieder aus der Gunst Coverdales verschwunden. Sein Projekt BLUE MURDER lief 1989 vielversprechend an. Gemeinsam mit Carmine Appice (Drums) und Tony Franklin (Bass) bildete er ein Power-Trio, das jedoch aufgrund stilistischen Durcheinanders von der Grungewelle wieder überrollt wurde. Die folgenden Jahre sah man Sykes zumeist nur noch in Verbindung mit dem für Rock-Acts schrumpfenden japanischen Markt.
Scott Gorham hatte im weiteren Verlauf der achtziger Jahre seine Band 21 GUNS auf die Beine gestellt und produzierte eine angenehmere Art von melodischem Rock'n'Roll.
Das Quartett brachte es zum Album "Salute" und wurde ebenfalls kurze Zeit später von den aufstrebenden Bands aus Seattle in die Bedeutungslosigkeit verdrängt.
Darren Wharton gründete in den Achtzigern die Band DARE und die ersten Früchte des Unternehmens wurden auf dem Longplayer "Out Of The Silence" (1989) veröffentlicht, während man auf Tourneen u.a. im Vorprogramm von Gary Moore und EUROPE spielte.
Das Album "Blood From Stone" (1991) zeigte einen Darren Wharton in beachtlicher gesanglicher Verfassung und begab sich mit powervollen Tracks wie We Don't Need A Reason musikalisch unüberhörbar in die Nähe THIN LIZZYs.
Das dritte Werk "Calm Before The Storm" erschien erst fünf Jahre später und traf auf einen inzwischen veränderten Tonträgermarkt, wo man außer Achtungserfolgen wenig reißen konnte.
Snowy White arbeitete während seiner Karriere nach LIZZY in verschiedenen Bereichen. Als Solist konnte er mit der Ballade Bird Of Paradise (UK: #6) einen Evergreen landen. Verschiedenen Soloalben folgten Projekte und zuletzt ein Engagement in der Band von Roger Waters.
Brian Robertson gründete nach dem Ausstieg bei THIN LIZZY gemeinsam mit Jimmy Bain die Band WILD HORSES. Die beiden Alben "Wild Horses" (1980) und "Stand Your Ground" (1981) hatten dem Elan der New Wave Of British Heavy Metal erstaunlich wenig entgegenzusetzen und gingen schnell unter.
Danach landete Robbo als Ersatz für den Kult-Gitarrero "Fast" Eddie Clarke bei MOTÖRHEAD und machte auf der ersten Tour eine ansprechende Figur. Das umstrittene, aber keinesfalls schlechte Album "Another Perfect Day" (1983) und eine immer bizarrer werdende Bühnenperformance Robertsons führten zu gewaltigen Fanverlusten und zwangen Lemmy regelrecht dazu, den hitz- und starrköpfigen Schotten vor die Türe zu setzen.
Jahre später tauchte Robbo dann in der Band von Frankie Miller auf, mit dem er musikalisch astreine und trinkfreudige Konzerte hinlegte.
Gary Moores Karriere entwickelte sich während der Achtziger in LIZZY-Dimensionen. Alben wie "Corridors Of Power" (1982), "Rockin' Every Night - Live In Japan" (1983), "Victims Of The Future" (1983), "We Want Moore - Live" (1984), "Run For Cover" (1985), "Wild Frontier" (1987) und "After The War" (1989) erzielten beachtliche Verkäufe und etablierten Moore zu einer festen Größe im Hardrock. Auftritte beim Monsters Of Rock (1984) und im Vorprogramm der letzten QUEEN-Tour (1986) bildeten die Vorarbeiten für rappelvolle Konzerthallen Ende der Achtziger. 1989 beispielsweise sorgte Moore alleine ein Nordrhein-Westfalen in Essen, Düsseldorf und Köln für riesige Besucheraufmärsche. Selbst ein Ausflug in den Blues 1990 mit "Still Got The Blues" tat seiner Popularität keinen Abbruch.
Moores weitere Arbeiten entpuppten sich jedoch als immer weniger populär und ließen seine Popularität in den Folgejahren rapide absacken. Hardrock-Fans schwören allerdings bis heute auf Granaten wie Murder In The Skies, End Of The World, Run For Cover, dem keltischen Over The Hills And Far Away, der LIZZY-Hommage Blood Of Emeralds oder der gelungenen Interpretationen des YARDBIRDS-Klassikers Shapes Of Things.
Gary Moore blieb trotz international anerkannter Begleitmusiker (Ian Paice, Don Airey, Neil Murray, Bob Daisley) stets eine europäische Größe und konnte ähnlich wie THIN LIZZY nie ernsthaft in den USA Fuß fassen.
Am 19. August 2005 wurde eine Statue Phil Lynotts in der Dubliner Grafton Street aufgestellt. Mit diesem Denkmal ehrte seine Heimatstadt einen Musiker, der schon zu Lebzeiten zur Legende wurde und dessen Musik wohl bis in alle Ewigkeit weiterleben wird.
NACHWORT
Wie so oft in der Geschichte THIN LIZZYS waren auch meine persönlichen Erfahrungen mit der Band von Höhe- und Tiefpunkten begleitet. Zwei Tage vor dem geplanten Gig in Düsseldorf im Frühjahr 1983 wurde der Auftritt ersatzlos abgesagt. Beim Monsters of Rock '83 in Dortmund begannen THIN LIZZY ihr dortiges Abschiedskonzert bei matschigem Sound erstaunlich durchschnittlich. Nach drei oder vier Songs wurde Phil Lynott durch ein Malheur mit seiner Hose zum Kleidungswechsel gezwungen. Anschließend spielte die Band wie von einem anderen Stern. Im Dezember 1999 sah ich die Gruppe in der Zeche Bochum mit Sykes, Gorham, Wharton, Mendoza und Aldridge und fühlte mich nach einem grandiosen Konzertabend wie im siebten Himmel. Ein Jahr später am gleichen Ort war ich froh, als eine langweilige Show, während der man das "One Night Only"-Album haargenau, lustlos und viel zu schnell gespielt nachdudelte, vorüber war. Im Sommer zuvor fiel das geplante THIN LIZZY-Konzert beim Bang Your Head in Balingen aufgrund einer Verletzung Scott Gorhams aus. Unglücklich, wenn man dann bereits ein Ticket gekauft und eine Unterkunft gebucht hatte.
Brian Robertson spielte 1989 in Duisburg im Keller irgendeines Clubs mit Frankie Miller. Hinter der Backline saß damals ein Roadie, der in einer eisgefüllten Badewanne Flaschen voller hochprozentiger Flüssigkeiten deponiert hatte und die Musiker während ihres phänomenalen Gigs mit Longdrinks ohne Ende verwöhnte. Ein unvergessener Abend, auch wenn ich nur Bier bekam.
Snowy White sah ich 2006 im niederländischen Lichtenvoorde beim Arrow Rock Festival in der Begleitband von Roger Waters wieder. Sein Kollege an der Gitarrenfront setzte überwiegend die Akzente, während er eher zurückhaltend wirkte. Snowy ist ein toller Musiker und wahrscheinlich ein netter Kerl und Teamplayer, aber er ist kein Rocker oder Rockstar.
Konzerte von Gary Moore und seinen wechselnden Begleitern habe ich während der achtziger Jahre immer wieder gesehen. Legendär das Konzert in der Kölner Sporthalle 1985, als Moore einen Hardrock-Gig vom Feinsten hinlegte. Seine musikalische Richtungsänderung bedauere ich bis heute. Der gemeinsame Auftritt 1994 mit Ginger Baker und Jack Bruce beim Festival in Schüttdorf ließ mich zu der Überzeugung gelangen, dass eine Ära vorüber gegangen war.
Während der Recherchen zu dieser Story stieß ich immer wieder auf Unklarheiten und sich widersprechende Aussagen. Für die Richtigkeit der berichteten Geschehnisse kann also nicht garantiert werden. Vielmehr handelt es sich um Versuche, der Wahrheit möglichst nahe zu kommen.
Das Privatleben von Phil Lynott habe ich bewusst so weit als möglich außen vor gelassen. Die Privatsphäre eines Menschen sollte respektiert werden und geht keinen anderen etwas an.
Einen großen Dank für ihre Geduld an dieser Stelle an meine Frau Bea, die mich über viele Stunden nur noch am Computer sitzen gesehen hat, und an den Kollegen Fred Schmidtlein, ohne dessen Hilfe und Mitarbeit diese Geschichte unmöglich gewesen wäre. [... und der sehr begeistert von diesem Werk ist. Danke, Jürgen! F.S. für das gesamte HoR-Team]
QUELLEN
THIN LIZZY; engl. Biographie von Alan Byrne. SAF Publishing Ltd., 2004. Ein empfehlenswertes Buch, das auch mit limitierten Kenntnissen der englischen Sprache zu einem Lesevergnügen wird.
METAL HAMMER; Ausgaben Januar und Februar 1985, Februar 1986, Februar und März 1987, Nr. 2 - 1994, Nr. 1 - 1996. Weit über dem heutigen Niveau. Wer auf Sammlerbörsen oder Trödelmärkten noch Exemplare ergattern kann, sollte unbedingt zugreifen.
GOOD TIMES; Ausgabe Nr. 1/2006 - Februar/März. Gute Story, zu meinem Bedauern viel zu kurz.
WALK THIS WAY; amerik. Aerosmith-Autobiographie (2002) von Stephen Davis, Harper Entertainment. Herausragendes Werk, das leider einen viel zu großen Schwerpunkt auf die siebziger Jahre legt. Trotzdem ein "Muss" für jeden Rock-Interessierten.
BEST OF ROCK & METAL; Rock Hard-Buch, 2005. Nicht unumstritten, aber unterm Strich immer noch weit in der Spitze der schreibenden Zunft.
Booklets der THIN LIZZY-Alben "Fighting", "Jailbreak", "Johnny The Fox", "Bad Reputation", "Live And Dangerous" und "Chinatown". Wie alle anderen Alben der Gruppe für Rock-Fans eigentlich unverzichtbar.
Ein paar eigene Erinnerungen...
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|