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Stuart Adamson

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Stuart Adamson

STUART ADAMSON ist tot.
Die Rockwelt hat damit einen Künstler, der mir persönlich eine Menge bedeutet hat, verloren. Mit seiner Band BIG COUNTRY veröffentlichte er Stücke wie Alone oder You dreamer, die mich tief bewegten, die Teil des Soundtracks meines Lebens wurden. Das Faszinierende an Stuart Adamson und Markenzeichen von BIG COUNTRY war sein einzigartiger Gitarrensound, der sein Instrument wie einen Dudelsack klingen ließ. Zudem verfügte Stuart über eine der angenehmsten Gesangsstimmen, die mir bisher zu hören vergönnt war.

Ja, ich würde mich als BIG COUNTRY-Fan bezeichnen. Den Zugang zur Band fand ich über ein Radiointerview, mit dem das Konzert der Band im Rahmen der "Buffalo skinners"-Tour in Stuttgart beworben wurde. Natürlich kannte ich die alten Hits der Band wie Fields of fire, In a big country, Where the rose is sown oder Save me, doch die neuen Stücke wie Ships, We're not in Kansas, Alone oder What are you working for, die im Rahmen des Interviews gespielt wurden, brachten mich vor Begeisterung fast um den Verstand. BIG COUNTRY gingen deutlich härter als bisher zur Sache, ohne dass die keltischen Klangelemente in ihrem Sound darunter litten.
"The buffalo skinners" war das erste BIG COUNTRY-Album in meiner Sammlung, dem alle weiteren sehr schnell folgten.

Noch heute bedauere ich, dass ich damals das Konzert nicht spontan besuchte, denn in den folgenden Jahren schaffte ich es, von einer Ausnahme abgesehen, nie die Band live zu sehen. Entweder passte der Termin nicht, oder die Band zog es vor, Stuttgart und Umgebung bei ihren Tourneen zu ignorieren.
Die erwähnte Ausnahme war der unangekündigte Auftritt der Band als Support der ROLLING STONES auf dem Hockenheimring bei der "Bridges to Babylon"-Tour. Leider hatten es die Herren Superstars damals scheinbar nötig Anweisung zu geben, dass der Support alles nur keinen guten Sound haben durfte. Es war grausam und nur mit sehr viel Fantasie zur erahnen, dass da wirklich BIG COUNTRY auf der Bühne standen. Jagger & Co. präsentierten sich im Anschluss daran in desolater Verfassung, so dass die Entscheidung verständlich wurde. Unter fairen Bedingungen hätten BIG COUNTRY sie von der Bühne gefegt.

Es macht mich traurig, dass ich nie mehr die Gelegenheit haben werde, Stuart Adamson und BIG COUNTRY live zu sehen oder ihn persönlich kennen zu lernen. Auch wenn Stuart zuletzt mit den RAPHAELS am Start war, gab es doch immer noch ein Fünkchen Hoffnung auf eine Reunion einer der wichtigsten Folkrock-Bands.
Stuart Adamson ist tot, doch in seiner unvergleichlichen Musik wird er weiterleben.

Stewart Adamson

Stuart Adamson - Die Chronologie einer Karriere

1958: Stuart Adamson wird am 11. April 1958 in Manchester geboren, wächst aber in Crossgate bei Dunfermline in Schottland auf.

1977: Mit Richard Jobson, Bill Simpson und Tom Kellichan gründet er in Dunfermline die Band SKIDS, die maßgeblich von der damals dominierenden Punk-Welle beeinflusst ist.

1979: Der Song Into the valley beschert den Durchbruch. Er gelangte bis auf Platz 10 der britischen Charts und ist heute noch die Einlaufhymne von Dunfermline Athletic (1. Schottische Liga). Charade und Working for the Yankee Dollar werden ebenfalls zu Hits.

1980: Stuart Adamson erleidet einen Nervenzusammenbruch, weil er dem Rummel um seine Person nicht mehr gewachsen ist.

1982: Adamson verlässt die SKIDS nach drei Alben und gründet mit dem kanadischen Gitarristen Bruce Watson BIG COUNTRY, da er bei den SKIDS keine Möglichkeit sieht, sich als Leadsänger zu verwirklichen. Kurz darauf schließen sich die Engländer Tony Butler (Bass) und Mark Brzezicki (Schlagzeug) der Band an. Die SKIDS lösen sich, ihrer prägenden Kreativzentrale beraubt, sang- und klanglos auf.

1983: Obwohl BIG COUNTRY keinen gebbürtigen Schotten im Line up haben, entwickeln sie vor allem durch Adamsons Gitarrenspiel, das oftmals an einen Dudelsack erinnert und typisch keltische Melodiebögen enthält, einen landestypischen Sound.
Das Debut "The crossing" verkauft sich mehr als drei Millionen mal und wird für zwei Grammys nominiert. Es enthält die ersten drei von insgesamt 15 Top-40 Hits. Fields of fire kommt bis auf Platz 10 der Charts, die beiden Nachfolgesingles In a big country und Chance schaffen es immerhin in die Top-20.

1984: In Zeiten in denen synthesizerlastige Bands wie DURAN DURAN, VISAGE oder TUBEWAY ARMY die Spitzenpositionen der Charts blockieren, werden BIG COUNTRY, mit ihrer von Gitarren beherrschten Musik, zu einer der wenigen Alternativen für den gemäßigten Rockfan.
Das zweite Album "Steeltown" erreicht ohne herausragende Singlehits die #1 der Albumcharts.

1985: BIG COUNTRY treten beim Live-Aid-Festival im Londoner Wembleystadion auf. Stuart Adamson lässt seine Bandkollegen wissen, dass er nach langem Kampf, seine wohlbekannten Alkoholprobleme in Griff bekommen hat.

1986: Das Album "The seer" enthält mit Look away den größten Hit der Bandgeschichte (Platz 7), wird aber auch zum Wendepunkt in der Karriere von BIG COUNTRY. Die Stärke der Band, ihr sehr individueller Sound, erweist sich zugleich als ihre größte Schwäche. Er lässt kaum Raum für Weiterentwicklung, ohne sich zu sehr von den eigenen Wurzeln zu entfernen. Gelangweilt kehren viele Käufer der Band den Rücken.

1988: Die "Peace in our time"-Tour führt die Band in die Sowjetunion.
Kommerziell betrachtet spielen die Schotten keine besondere Rolle mehr.

1989: Brezicki verlässt die Band. In den nächsten vier Jahren herrscht ein munteres Stühlerücken hinter dem Schlagzeug: Pat Ehern, Chris Bell und Simon Phillips sind seine Nachfolger.

1991: "No place like home" floppt gnadenlos. Phonogramm kündigt der Band ihren Plattenvertrag.

1993: Ships, vom sträflich unterbewerteten Album "The buffalo skinners", das bei Compulsion, einem kleinen Independantlabel, erscheint, erreicht als letzter BIG COUNTRY-Song die Top-40.
In den folgenden Jahren erscheinen zwei weitere Studioalben, insgesamt fünf mehr oder minder essentielle Livealben, unzählige Compilations und eine handvoll Internet-Only-Releases.

1996: Stuart Adamson trennt sich von seiner Frau Sandra, die heute noch mit den Kindern Callum und Kirsten in Five, Schottland lebt.
Er wird erneut alkoholabhängig und zieht nach Nashville, um sich verstärkt Country- und Bluegrass-Musik zu widmen. Dort lernt er Melanie Shelly, seine spätere zweite Ehefrau, kennen.

1999: Im November verschwindet Stuart zum ersten Mal spurlos, nachdem er eine E-Mail hinterlassen hat: Es tut mir leid, was ich getan habe. Ich melde mich wieder, wenn ich mein Leben neu geordnet habe.

2000: BIG COUNTRY geben ihre Auflösung bekannt und spielen eine letzte große Abschiedstournee, die durch das Doppellive-Album "Coming up screaming" dokumentiert wird.
Adamson gründet mit dem bekannten Nashville-Songwriter Marcus Hummon, dem Bassisten John Mock und BIG COUNTRY-Schlagzeuger Mark Brzezicki seine neue Band RAPHAELS.

2001: Im Mai erscheint das Debut-Album der RAPHAELS "Supernatural", das eine interessante Mischung aus Country und keltisch beeinflusster Musik bietet.
Stuart versäumt einen Gig der RAPHAELS in Edinburgh.
Am 7. November verschwindet Stuart zum zweiten Mal. Gerüchten zufolge soll die Trennung von seiner zweiten Frau Melanie Shelly der Auslöser gewesen sein. Zudem liegt eine Anklage wegen Alkohol am Steuer gegen ihn vor. Er hinterlässt seinem Sohn Callum eine Nachricht: Ich bin Sonntagabend wieder zurück.
Eine Woche später wird er in Atlanta gesichtet, als er in einer Bar das WM-Qualifikationsspiel Irland gegen Iran verfolgt. Am 19. November meldet er sich zum letzten Mal bei seinem Paten bei den Anonymen Alkoholikern.
Am 16. Dezember wird seine Leiche in einem Hotelzimmer auf Hawaii entdeckt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hat sich Stewart erhängt.
Seine letzte Ruhestätte findet er in Nashville.

Martin Schneider (Impressum, Artikelliste), 19.12.2001

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