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Boogie through the Seventies -
Die Status Quo History 1972-'77

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Was ist über STATUS QUO nicht schon alles geschrieben oder gesagt worden. Viel Positives, aber auch ebenso viel Negatives. Darüber noch großartig Worte zu verlieren ist Verschwendung. Man sollte es zusammenfassen mit der Feststellung: Man mag sie, oder man mag sie eben nicht. Eines lässt sich aber gewiss nicht bestreiten: Ihr Stil ist unverkennbar!

Warum also jetzt ein weiterer Artikel über STATUS QUO? Nun ja, in einiger Zeit erscheint eine weitere Compilation mit dem Titel "XS All Areas". Über Sinn bzw. Unsinn dieser Veröffentlichung kann man geteilter Ansicht sein. Dem einen kann es nicht genug davon geben, was er sich anschließend ins Regal stellt, der andere jedoch hätte viel lieber neues "Futter" in Form eines würdigen "Heavy Traffic" Nachfolgers, zumal ja angeblich jede Menge neue Rossi/Young Kompositionen auf Halde liegen sollen. "XS All Areas" enthält angeblich mehrere neue Tracks, darunter ein Duett der härteren Form mit Bryan Adams. Man ist gespannt...

Über 30 Jahre Boogie Rock vom (meist) Feinsten, aber schaut man mal genau hin muss man gestehen, dass die kompositorische Blütezeit den Rahmen "Piledriver" (1972) bis "Live" (aufgenommen 1976, Anfang 1977 erschienen) umfasst. Ohne Zweifel hat man in den Vor- und Folgejahren mehr oder weniger starke Alben veröffentlicht, die nun folgenden fünf Studioreleases und das abschließende Livealbum bilden jedoch bis heute auch in den Konzerten den Kern des Ganzen. Diesen Veröffentlichungen entnimmt der Autor dieser Zeilen bis heute noch immer so viel Lebensfreude, da sollen betr. "Werke" noch einmal vorgestellt werden. Und mag noch so oft Rockin' All Over The World gesungen werden...

Piledriver

Im Dezember 1972 kam "Piledriver" in die Läden, und damit gelang STATUS QUO der definitive Durchbruch. Das Frontcover gibt genau das wieder was den Fans jahrelang geboten wurde: 3 nach vorne gebeugte langhaarige Typen im Ausfallschritt!
Die pure Energie welche auf dem Bild vermittelt wird entlädt sich auf dem Album unmittelbar nach Einsetzen des ersten Tracks. Don't Waste My Time ist bis in die heutigen Tage nicht aus den Shows der Band wegzudenken. Er leitet eine Boogiezeit der härteren Form ein, welche die zig-tausend Fans bis heute in Verzückung geraten lässt. Die Luftgitarre kann ausgepackt werden, der heftige Rhythmus mit dem harten und knochentrockenem Sound lässt die Konzertsäle brodeln und vor der heimischen Anlage hundertpro den einen oder anderen durchs Zimmer rocken. Erstmals stimmt auch die Produktion, welche den durchaus guten Songs auf "Ma Kelly's Greasy Spoon" und "Dog Of Two Head" zuweilen arg ihre Wirkung nahm.
Oh Baby ist für mich stets unterschätzt worden. Stampfender Rhythmus, der nach langsamen und sich steigerndem Beginn den Song dominiert, mit recht melancholischen Gesang Francis Rossis, ein echter Knaller. Dem einen oder anderem vielleicht ein wenig zu simpel, aber was soll's? This song rocks! A Year, Unspoken Words und All The Reasons sind allesamt nicht schlecht, kann man sich auch gut anhören, hinterlassen allerdings nicht den nachhaltigen und vor allem rockigen Eindruck wie der Rest des Albums.
Big Fat Mama, von Rick Parfitt gesungen, vereinigt alle quo'schen Trademarks der damaligen Ära: Gute Melodie, brachialer Rhythmus, langsamer Mittelteil und zum Ende hin wieder Einsetzen der so typischen Rhythmusgitarre. Live nicht wegzudenken.
Paper Plane, die Single zum Album, ist ein netter kleiner zügiger Rocker der leider nicht immer zum Repertoire gehört. Aber wie auch bei solch einem Backkatalog. Das abschließende Roadhouse Blues (original von den DOORS) ist ein weiterer Meilenstein. Boogie ohne Ende, leider heute nicht mehr im Live-Set. Man höre sich auf dem 1977 erschienenem Live-Album mal die dort gebotene Version an, welche noch deutlich an Spielzeit zugelegt hat. Absoluter Hammer auch on stage.

Hello

"Hello" aus dem Jahre 1973 ist ein Klassiker, für Quo-Fans als auch für Rock-Fans allgemein. Alleine schon Roll Over Lay Down ist ein "Muß" im Bereich des harten Seventies-Rock. "Piledriver" war schon ein Hammeralbum, aber "Hello" ist wohl der erste absolute Meilenstein, da das Album einfach runder als der Vorgänger klingt. "Quo" vom ersten bis zum letzten Ton, während "Piledriver" noch einige Passagen aufweist, die so klingen, als wollte die Band gar nicht wahrhaben, was für einen Stil sie kreiert hatte. Das Album weist bei 7 von 8 Songs absolut Quo-typische Strukturen auf, und selbst der einzige ruhigere Track (And It's Better Now) sollte sich auf den folgenden Alben in dieser Art wiederholen.

Der Opener Roll Over Lay Down zeigt gleich, wo's hier lang geht. Der erste Höhepunkt und auch heute noch ein Highlight eines jeden Konzerts. Der Rhythmus ist so typisch für die Band wie man es besser nicht hätte machen können. Boogie-Rock der härteren Art, immer mit 'ner guten Melodie und einem einprägsamen Refrain versehen, Status Quo pur.
Claudie kommt etwas poppig daher, klingt stellenweise recht schräg, hat aber Charme und klingt in heutigen Zeiten so richtig schön altmodisch. Die einzigartige nasale Stimme von Francis Rossi verleiht diesem Song seinen besonderen Reiz. Reason For Living ist ein Boogie par excellence mit Rick Parfitt als vollkommen gegensätzliche Stimme im Vergleich zu Francis Rossi.
Blue Eyed Lady zählt für mich bis heute zu den besten Tracks der Band, leider noch nie live gehört. Ein Rocker mit zweistimmigen Gesang und einer tollen Sologitarre. Dann Caroline, was soll man da noch sagen? War der erste Song, den ich von Quo gehört und gesehen habe, in Ilja Richters "Disco" vor Ewigkeiten. Durch diesen Song, so simpel er auch sein mag, war meiner einer wie elektrisiert. Der Rhythmus bleibt bis heute unerreicht. Anschließend mit Softer Ride ein absoluter Live-Knaller, der so "quo'ig" klingt, wie's quo'iger nicht geht. Es folgt das bereits erwähnte And It's Better Now. Zum Abschluss dann der Übersong Forty-Five Hundred Times, ein Song von relativ langer Spieldauer, keiner in Singleform. Verschiedene Passagen durchziehen diesen Titel, die man jedes Mal wieder aufs neue durchlebt. Leider spielt die Band den Song heutzutage bei ihren Liveauftritten nicht mehr in voller Länge. Über 8 Minuten geht die Albumversion, die Live-Variante nimmt leicht die doppelte Zeit in Anspruch. Quo at their best.

"Hello" war wohl der absolute Durchbruch für die Band in den Siebzigern. Danach folgten einige Jahre lang Scheiben, die sich sehr ähnlich waren, aber mal ehrlich, welcher Quo-Fan wollte/will etwas anderes? Songs, die jeder mitgrölen konnte/kann und die einen nicht stillstehen lassen, eine Atmosphäre wie auf dem Fußballplatz in der Fankurve. Auch das Outfit der Band ließ sie zu etwas wie die Jungs von nebenan werden (sicherlich auch ein cleveres Image, aber schon gut 'rübergebracht). Jeans und Francis in seiner typischen "Opa"-Weste, der Wiedererkennungswert war/ist musikalisch wie optisch gegeben.

Was ein musikalischer Höhepunkt oder Meilenstein ist, darüber mag man sich streiten. Meinereiner zählt dieses Album zu seinen absoluten Faves. Die Stimmung, welche diese Scheibe verbreitet, kann nur als positiv bezeichnet werden. Kaum ertönt der erste Song, scheinen alle dunklen Wolken zu verschwinden. Und was gibt es Schöneres, als "gut drauf" zu sein? Also, Anlage eingeschaltet, Scheibe angeleiert, und beim ersten Ton der Telecasters geht's ab...

Quo

Der Titel des nächsten Albums sagt schon, wo's langgeht: "Quo"! Von den acht Songs auf diesem Longplayer sind garantiert sechs so "quo-ig", dass dem Anhänger dieser Band das Herz absolut höher schlägt. Doch dazu später mehr.
Beginnen wir mit dem Cover. Es hat ein wenig von PURPLEs "In Rock". Vor allem, es wirkt dreißig Jahre nach Erscheinen ziemlich "Seventies"-mäßig.
[Überraschung! Das kommt selten vor bei Platten aus den Siebzigern. Red.]
Als meinereiner ein noch relativ kleiner Junge war, der von nix was so 'ne Mucke betrifft, eine Ahnung hatte, da fiel mir zwar das Album-Cover auf, aber ich brachte das mit ZEPPELIN, PINK FLOYD, SUPERTRAMP (sprich alles, was ich nicht mochte) etc. in Verbindung, jedoch nicht mit eben d-i-e-s-e-r Mucke. Als sich die LP dann später erstmals auf dem Plattenteller drehte, schlug's bei mir sofort ein...

"Quo" aus dem Jahre 1974 ist Hard-Rock. Die Band, besonders Francis Rossi hat das wohl eine Zeit lang gar nicht so gerne gehört. Ich erinnere mich an ein Interview Anfang der Achtziger, in dem er auf Heavy Metal und auch auf Hard Rock nicht so gut zu sprechen war. Quo wären halt Quo ... was ja im Prinzip auch stimmt. Aber bitte ... dieses Album ist ein "hard" rockendes Album par excellence!! Status Quo mitten in ihrer Blütephase ("Piledriver" bis "Blue For You", abschließend das Live-Doppelalbum; sechs Alben für die Ewigkeit). Von vielen HR-Fans geliebt. Höre ich diese Scheibe heute, fällt mir immer wieder diese eigentümliche Sound auf. Etwas von "Hello" entfernt, irgendwie heller klingend, aber auch schroff, trocken, knallig... und hart!! Kein Fünkchen kommerziell, nicht auf die Charts schielend, ohne richtigen Singlehit. Dafür voller Klassiker, die auch zig Jahre später gerade live für ein unbeschreibliches Feeling sorgen.

Los geht's mit Backwater. Welch ein Anfang, und auch heute noch ein tierischer Live-Abräumer. So simpel, aber so effektiv. Es haut einen regelrecht weg. Man muss das hören, live erleben, und dann weiß man, was ich meine. Völlig old-fashioned, aber ein Track für gestern, heute und alle Zeiten. Die schwer treibende Rhythmusgitarre bleibt unerreicht. Voll QUO. Der Song geht über in Just Take Me, ein sehr drum-orientiertes Stück. Ebenfalls reichlich heavy, nur 'n Zacken schneller als der Vorgänger. Beide Titel zusammen ergeben ein "Doppelstück", ein auf dem Konzertmitschnitt (aus dem schottischen Glasgow) von 1976 enthaltenes Live-Inferno.
Break The Rules war ja seinerzeit die Single zum Album, aber für mich stets das Lied, welches sich wohl noch am ehesten zur 45er (tja, unvergessen die alten Singles) eignete. Im Prinzip ist's nicht mehr als ein typischer Quo-Boogie mit Honky Tonk-Piano.
Drifting Away = Quo auf Speed. Geht ab wie die Wutz, muss ich hier mal so loslassen. Ein Schnellzug auf Quo rast vorbei, alles mit sich reißend. Saugut! Don't Think It Matters ist vom gleichen Kaliber, voll Quo, nur zwei Gänge langsamer und um die gleiche Anzahl heavier. Das Grundriff des Songs wird bis zum Exzess gebracht, quasi Quo ohne Ende.
Fine Fine Fine geht in Richtung Country & Western, ohne das man vergisst, wer's spielt: Status Quo! Ein gelungener Ausflug vom typischen Quo-Grundschema.
Lonely Man ist ein voller akustischer Gitarren steckender, von Rick Parfitt gesungener Titel, wie er wahrscheinlich nur in den Siebzigern entstehen konnte. Man würde bei erstmaligem Hören nicht unbedingt SQ dahinter vermuten, doch einem Quo-Veteranen fällt das natürlich sofort auf. Irgendwie so ein Song, wo man glaubt, die Band hätte damals beweisen müssen, dass sie durchaus in der Lage war (und noch heute ist), Quo-untypisches Material von höchster Güte zu veröffentlichen.
Den krönenden Abschluß bildet Slow Train, ein fast achtminütiges Feuerwerk von reinster Quo-Qualität, sogar mit 'nem gelungenem kleinen Drum-Solo mittendrin. Tempowechsel, Gitarrenduelle, typisches Quo-"Geschrammel" (volle Kanne d-e-r Rhythmus), mehrere unterschiedliche Gesangslinien, ein Song wie ein Denkmal. Quo total!

Ich denke, so etwas wird es nie mehr geben. An sechs der acht Tracks haben Parfitt/Lancaster gewerkelt, und letztgenannter ist ja schon seit 1984 (The Wanderer) nicht mehr auf SQ-Veröffentlichungen dabei. In einer Biographie habe ich mal gelesen, die Band, besonders Alan Lancaster, wäre nicht so zufrieden mit der LP gewesen. Sorry, aber ich denke: Jungs, das war (und ist es bis heute) Spitze!!!

On The Level

1975 tauchte "On The Level" in den Läden auf. Das Album zeigt die Band song- und soundtechnisch leicht verändert. Die Tracks sind kürzer geraten und von daher auch zehn statt acht Albumsongs, und der Sound wirkt etwas voller und mit mehr Druck. Das treibende Little Lady und das unmittelbar folgende gemäßigtere Most Of The Times waren in den Folgejahren Bestandteil der Konzerte. I Saw The Light ist wieder ein typischer Quo-Rocker, geradeaus mit treibender Rhythmusgitarre. Over And Done als auch das gemächlichere Nightride sind gewiss keine Füller, bilden jedoch auch keine Highlights. "Good Stuff" allemal.
Down Down in der längeren Albumversion ist ein Klassiker, ohne Worte. Schon beim Intro vergisst man alles Drumherum, und dann wird nur noch losgerockt.
Broken Man ist ein netter Rocksong wie auch das folgenden What To Do. Where I Am schraubt das Tempo runter, Rick Parfitt singt sich durch einen gemächlicheren aber durchaus interessanten Track. Das abschließende Bye Bye Johnny bildet bis zu den heutigen Auftritten das Finale furioso. Chuck Berry's Song wird dermaßen brachial "verquot", besser geht's nimmer.

Blue For You

"Blue For You" hatte für mich immer etwas Dunkles. Fragt mich nicht warum, vielleicht lag der Grund im düsteren Cover. Der fast schwarze Hintergrund und die ernsten Mienen wollen auf Anhieb nicht so recht zum Quo'schen Abgehrock passen. Am Erscheinungsdatum kann's jedenfalls nicht gelegen haben, denn das war ja bekanntlich im Sommer 1976.
"Blue For You" bleibt für mich bis heute das QUO-Album mit dem besten Sound. Heavy "daherscheppernd", unheimlich druckvoll und wie immer natürlich im ureigenen Stil. Die Frontseite zeigt die Band im typischen Siebziger-Look: Jeans! Jeanshose, Jeansjacke, Jeansweste. (Natürlich ließ sich die Industrie so etwas nicht entgehen. Die Firma Levis hatte mit der Band einen Werbevertrag). Und... es war der Abschluss der legendären Fünfer-Reihe sprich "Piledriver", "Hello", "Quo", "On The Level" und eben "Blue For You". Zusammengefasst folgte dieser dann noch im darauffolgenden Doppel-Live-Album Anfang 1977 (aufgenommen Ende 1976 im Apollo zu Glasgow) der obligatorische Mitschnitt der Bühnenversionen.
Wie bei vielen Bands, so markierte auch im Falle SQ die Live-LP einen Schluss- oder Wendepunkt. Kein Album danach erreichte mehr diesen einzigartigen Mix aus brachialem Sound und treibenden Boogie-Rhythmen. "Rockin' All Over The World" enthielt zwar neben dem gleichnamigen Single-Hit einige Klassiker (Hold You Back, Dirty Water), jedoch fehlte die schiere Power. Unter den folgenden Veröffentlichungen waren weiterhin Knaller wie "Whatever You Want" oder "Never Too Late", allerdings erschien der Sound durch einige technische Spielereien teilweise entfremdet und ungewohnt, wenn auch noch immer ein Muß für jeden QUO-Anhänger. Ihr Stil blieb unverkennbar.

Meine erste Begegnung mit "Blue For You" hatte ich mit der Singleauskopplung Rain, welche unglaublich heavy und super-eingängig daherkam. Ich erinnere mich an eine Klassenfete knapp 2 Jahre später, wo dieser Song permanent gespielt wurde. Ja, die alten 45er, man weiß sie manchmal erst heute richtig zu schätzen. Im Sommer 2000 erstand ich in Balingen besagte Single mit Original-Cover und war geradezu gerührt über das, was ich da im Vergleich zur lieblosen CD in den Händen hielt. Singles mit CD-Sound, das wär's!! Wie so oft im Leben lernt man etwas erst schätzen, wenn es aus dem Alltag und der Gewohnheit verschwunden ist.

Es beginnt mit Is There A Better Way, einem treibenden Rocker mit der für die damaligen (Quo-)Zeiten typischen Tempodrosselung im Mittelteil, um kurz darauf wieder voll loszulegen. Mad About The Boy, der folgende Boogie-Rocker, ist halt typisch SQ zu jener Phase, wenn auch nicht ganz so stark wie der eröffnende Song und das an dritter Stelle folgende Ring Of A Change. Bei besagtem Titel handelt es sich um einen Tempotrack vom Feinsten mit sich gegenseitig vorantreibenden Gitarren edelster Güte. Die Band rockt in einem Karacho, dass man unverzüglich mitgerissen wird.
Blue For You, der Titelsong, fällt leicht aus dem Rahmen, so wie es auf jedem Album in der damaligen Zeit einen a-typischen Track gab. Leicht bluesig angehaucht und das Arrangement betreffend im typischen Siebziger-Stil.
Über Rain braucht man keine Worte mehr zu verlieren, einer der stärksten und härtesten Songs der Bandhistorie. Ein Höhepunkt in jedem Konzert (seit der Tour 2000 direkt nach 4500 Times folgend, besser geht's nimmer. QUO at their best!).
Seite zwo beginnt mit Rolling Home, einem heftigen Rock'n'Roller durch eine Mundharmonika unterstützt. That's A Fact schaltet einen Gang zurück, überzeugt jedoch besonders durch die Rhythmusgitarre, welche den bandtypischen Stil leicht abgewandelt einbringt und dadurch dem Song seinen besonderen Reiz verleiht. Der melancholische Leadgesang tut ein Übriges zur Vervollkommnung des Songs.
Ease Your Mind erscheint mir bis heute als ein Track der Marke "light". Eine heftigere Version hätte dem an sich nicht schlechten Stück besser getan.
Als Singleauskopplung kommt Mystery Song schon mächtig, die Albumversion topt diese allerdings noch um Längen. Mit einem psychedelischen Intro startend, bollern QUO anschließend mit einer selten gezeigten Geschwindigkeit los, dass es dem Hörer schier die Sprache verschlägt. Ein Kracher, welcher so dermaßen losrockt, dass man glaubt sich festhalten zu müssen, um in seinem Sog nicht mitgerissen zu werden. Selbst während des Solos wird derbe weitergehämmert, als wenn es keinen nächsten Tag mehr geben würde. Zum Ende mündet Mystery Song wieder in seinen Ursprung, und verlangsamt wird wieder mit schön psychedelisch angehauchten Gitarren ausgeblendet.

"Blue For You" bietet jedem Anhänger der Band genau das, was er von den Jungs erwartet und hören will. Dazu kommt noch die gelungene Aufmachung der LP und dem Innencover. Man meint, Jeans pur in den Händen zu halten. Selbst der Aufdruck in der LP-Mitte wirkt jeansmäßig. Auf dem Backcover sind noch einmal die Hände im Rahmen der Jeanskleidung so abgebildet, als wäre man "ready for action". Kaum liegt das Vinyl auf'm Plattenteller, geht's dann auch rund.
Wenn ich heute dieses Album höre, bekomme ich noch einen Schauer überm Rücken wie beim ersten Anspielen vor ewigen Zeiten. Für alle QUO-Fans sowieso eine Pflichtübung, sollte "Blue For You" eigentlich bei jedem Hard'n'Heavy-Freak im Regal stehen. This album rocks!!!

Live

... in der Reihe "Beste Live-Alben" aller Zeiten hält STATUS QUOs "Live!" Doppel-LP aus dem Jahre 1977 (Veröffentlichung!) mit den Aufnahmen vom 27. bis 29. Oktober 1976 aus dem Apollo Theatre in Glasgow einen Ehrenplatz.
Reguläre Live-Alben gibt es so ziemlich von jedem Rock-Act, oft sogar mehrere. Doch hört man genauer hin, stellt man fest, dass im Studio häufig ein wenig "nachgebessert" wurde, oder aber das Publikum bildet im Hintergrund nur einen monotonen Geräuschpegel ohne Höhen und Tiefen, oder zwischen den einzelnen Songs wird ausgeblendet, oder, oder, oder... und genau da trennt sich die Spreu vom Weizen. Abgesehen davon, dass die Songs von STATUS QUO für Liveauftritte geradezu prädestiniert sind, wurden die o.a. Konzerte auch absolut "lebendig" auf Vinyl gebannt. Wahrlich livehaftig, rau, schnörkellos, nicht immer perfekt, mit Zwischenansagen Francis Rossi's und einem ausrastendem Publikum. Hört man sich die Aufnahmen über Kopfhörer an (oder bei voller Lautstärke über die heimische Anlage), entsteht tatsächlich der Eindruck des "Dabeiseins". Und eben dieses macht ein großes Live-Album aus.

Wie immer bei QUO lässt sich an der Playlist herummäkeln. Warum ausgerechnet der Evergreen Down Down nicht auf dem Album vertreten ist, erscheint merkwürdig, war jener Song doch einer der größten Single-Hits der Band und zum damaligen Zeitpunkt keine 2 Jahre alt. Ebenso fehlen die Singles Paper Plane und Mystery Song, aber wer STATUS QUO und ihre Live-Performances kennt, weiß um deren Sturheit in dieser Frage.

Eingeleitet durch die kultige (und alles beschreibende) Ansage Jackie Lyntons ("Do you want to rock? Do you want to roll? Do you want to boogie?") und einem brüllendem Publikum, rocken QUO mit Junior's Wailing los. Was dann folgt, ist ein Feuerwerk an Klassikern in einer unnachahmlichen Darbietung. Backwater/Just Take Me und Is There A Better Way lassen die Stimmung in riesige Höhen steigen, ehe aus den Anfangstagen das herrlich angestaubt wirkende In My Chair einen Gang runterschaltet. Little Lady/Most Of The Time, ein rockig startendes und hymnisch endendes Songpaket folgt, ehe das überlange Forty-Five Hundred Times (Klassiker!!) jeden QUO-Fan in höchste Gefühle versetzt.
Das wunderbar daherstampfende Roll Over Lay Down (der QUO-Song?) und das leider lange nicht mehr, inzwischen glücklicherweise wieder gespielte Big Fat Mama (wer komponiert heutzutage sowas überhaupt noch?) folgen, ehe ein Medley aus Caroline und Bye Bye Johnny in typischer QUO-Weise gebracht wird. Das letzte Viertel bilden Rain und Don't Waste My Time, ehe zum Abschluss das superlange Roadhouse Blues mit all seinen Soli durch die Boxen donnert.

"Live" bildete den Abschluss einer Reihe von fünf legendären Studioalben. Die späteren Alben waren unverkennbar vom typischen Stil der Band geprägt und enthielten weitere Höhepunkte plus weitere Single-Hits, jedoch wirkten sie nicht mehr so ungeschliffen und rau wie in der Phase von "Piledriver" bis "Blue For You". Die legendäre Besetzung Francis Rossi, Rick Parfitt, Alan Lancaster und John Coghlan (Andy Bown war zwar an den Keyboards, stand aber völlig im Hintergrund) hatte sich mit diesen Aufnahmen selber ein Denkmal gesetzt.

STATUS QUO "Live" ist nicht nur ein unverzichtbarer Bestandteil in der Sammlung eines jeden QUO-Fan, das Album bildet einen absoluten Meilenstein in der Geschichte des Hard Rock. Das Flair der Siebziger lässt einen sich sehnsüchtig an diese Zeiten erinnern. An Zeiten, als die Musik noch für sich allein stand und nicht von zig möglichen Einflüssen beeinträchtigt wurde. Also, "Live" auflegen, die Luftgitarre auspacken und einfach nur losrocken ...

Sicherlich erwähnenswert sind auch die EP "Quo Live" (1975) mit den Songs Roll Over Lay Down (herrlich schön nasaler Gesang von Mr. Rossi), Gerdundula und Junior's Wailing sowie die Single Wild Side Of Live (non-album track) vom Dezember 1976. Doch das würde jetzt schon wieder ausarten. So bleibt nur die Empfehlung, alle Alben mal in der erwähnten Reihenfolge abzuspielen und einen Abend lang das heimische Wohnzimmer in einen kleinen Konzertsaal zu verwandeln. Let's start the party!!!

Jürgen Ruland, (Artikelliste), 05.08.2004

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