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Denim & Leather -
Die Saxon History

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Unser Disclaimer

'The Times They Are A-Changin' ... das wird mir zuweilen doch schmerzlich bewusst. Im Alltag ohnehin, soziales Bewusstsein geht vor die Hunde, und das wofür unsere Großväter noch auf die Straße gegangen sind wird heutzutage schlichtweg abgebaut, ignoriert oder mit Füßen getreten. Das soll hier allerdings nicht das Thema sein, die folgenden Kapitel drehen sich vielmehr um die britische Heavy Metal Institution SAXON. Das Ganze erhebt auch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit oder genaueste chronologische Auflistung, denn derer gibt es bereits zig-fach. Vielmehr ist es aus der Sicht eines Hard'n'Heavy-Fans geschrieben, der die Band seit mehr als 20 Jahren mit mal mehr und mal weniger Interesse beobachtet. Es kann ja sein, das der eine oder andere sich ein wenig wiedererkennt oder -erinnert...

Als ich vor einigen Tagen nachts nicht pennen konnte warf ich einen Blick aufs DVD-Regal und entdeckte im Halbdunkel die "Saxon-Chronicles" in ihrer edlen Aufmachung. Ich nahm die CD #2, legte sie ein, wählte das Kapitel "3 Songs from Esbjerg Festival 1995" und... mich überkam das Gefühl der Armseligkeit. Welch mehr oder weniger grandiose Auftritte der Band habe ich erlebt, und was für ein kalter Kaffee kam mir da entgegen... SAXON auf einer Dorfbühne und ein paar Gestalten davor. OK, next Chapter und die Clips angewählt.... huarrrrrrr, what a bunch of bullshit. Waren wir damals echt so drauf oder einfach zu besoffen? Nun, irgendwo in der Mitte liegt die Wahrheit, ich hab's wieder aus'm Player genommen, mich über die 25 € Investition geärgert und anschließend lieber Atze/Detzes "Live In Donington" eingeworfen.

Ja, mit AC/DC fing die SAXON-Story bei mir an. Saß im Dezember 1980 in der ausverkauften Essener Grugahalle, WHITESNAKE hatten gerade fertig und die Roadies ein Tape mit Hard'n'Heavy Sounds eingelegt. Sammy Hagar, AEROSMITH, VAN HALEN... und dann lief da ein Song der mir so gar nix sagte. Ich meine, vom Titel her, denn die Mucke warf mich glatt aus meinem Schalensitz. Mal den Typ zu meiner rechten angequatscht ob er das denn kennen würde und Treffer gelandet. "Dat is Säxen, mann, dat is tu hell end bäck egän".
Eh ja, is klar, als Provinzler inne Weltmetropole Essen und gleich als Nachhilfeschüler in Sache Hartmetall geoutet.
Strong Arm Of The Law Also gut, To Hell And Back Again musste vinylmäßig her, was Tage später in Form der Anschaffung des Longplayers "Strong Arm Of The Law" in die Tat umgesetzt wurde. Nun ja, der Sänger sang (?) ein bisschen komisch, aber die Mucke kloppte einen vom Sessel. Bei Dallas 1 P.M. war ich schon in ganz anderen Welten, besagtes To Hell..., der Titelsong oder solche Granaten wie Heavy Metal Thunder, 20.000 Feet und Hungry Years brachten mich endgültig zum Schwermetall.

Wie das eben so ist, biste erst mal süchtig brauchste neuen Stoff. Der kam in Form von "Wheels Of Steel" daher.
Nun ja, eigentlich war der so ganz neu nicht mehr, aber watt willste machen wenne vorher von nix wusstest? Also, "WOS" aus'm Regal, ab anne Kasse und mit'm Rad nach Hause. Papa arbeiten, Mama bei der Nachbarin, Sohn anne Stereoanlage.
Wheels Of Steel Wat soll ich sagen? "Wheels Of Steel" ist bis heute ein Klassiker der NWOBHM (New Wave Of British Heavy Metal). Mit aktuellen Maßstäben darf man das Album sicherlich nicht messen. Es klingt simpel, steckt voller Klischees (fängt mit dem Cover an) und hat wahrscheinlich keine neuen oder bleibenden Maßstäbe für die Rockmusik im allgemeinen gesetzt. Zu seiner Zeit war es aber genau das, was der Headbanger (gibt's die heute noch unter der "jüngeren" Generation?) wollte. Kraftvoller roher Sound, recht schnell gespielte Songs, Gitarrenriffs en masse, treibende Drums, Songs mit hohem Wiedererkennungswert und Vocals, die zwar gewöhnungsbedürftig waren, hier jedoch genau passten. Als Anspieltipp kann man natürlich den Titelsong nennen, aber eigentlich jagt ein Kracher den anderen. Ob es nun 747 (Strangers In The Night), Motorcycle Man oder die unterbewerteten Stand Up And Be Counted und Freeway Mad sind.
Pflichtkauf!!

Denim And Leather

Ende 1981 folgte "Denim And Leather" mit den beiden Singles Princess Of The Night und Never Surrender. Weitere Höhepunkte sind der Titeltrack und sicher auch And The Bands Played On. Das letzte Album mit Drummer Pete Gill kann ansonsten das Niveau der beiden Vorgängeralben nicht halten, Songs wie Out Of Control oder Rough And Ready sind für NWOBHM-Verhältnisse nicht übel, kommen hier aber mehr oder weniger wie Füller herüber.
Die anschließende Tour führte SAXON auch in die keineswegs ausverkaufte Grugahalle, wo sie einen starken, wenn auch nicht überragenden Gig hinlegten. Nigel Glockler saß schon hinter den Drums, und als Tage später JUDAS PRIEST an gleicher Stelle auftraten, zeigte sich bereits deutlich warum SAXON nie den ganz großen Sprung schafften.

Mittlerweile inne Lehre, die Finanzen waren trotzdem nicht rosig weil alter Escort dauernd kaputt, nun ja, ein paar Märker (... where have all the good times gone...) blieben immer für neues Vinyl. Man schrieb das Jahr 1982, die SCORPS hauten ihr "Blackout" raus, MAIDEN das legendäre "The Number Of The Beast", die seligen BLACKFOOT ihr überirdisches Livealbum "Highway Song".... und SAXON veröffentlichten "The Eagle Has Landed".
The Eagle Has Landed Irgendwie haute mich das auch nicht so recht vom Hocker. Der Sound merkwürdig dünn, kein Doppelalbum (!) und vor allem, wo war denn Dallas 1 P.M.?
Hinten drauf allerlei technische Daten, aber die Wucht der angeblich verwendeten Marshalls muss wohl auf dem Weg aufs Live-Album verloren gegangen sein. Ein Inner-Sleeve mit tonnenweise Pics suchte man vergebens, und so haftet der Scheibe das Etikett "billig" an.

Saxon

Die nächste Enttäuschung hatte auch wieder etwas mit "billig" zu tun, denn auf'm Wühltisch eines Kaufhauses lag SAXONs Debut. Nun ja, der Vorsicht halber mal 'reingehört und... die Kohle gespart. Re-investiert in RIOTs "Fire Down Under" und bis heute nicht bereut. Noch mehrfach danach versucht, doch bis heute steht das erste Album als Beispiel für einen typischen Schuss in den Ofen.
Ende 1982 waren SAXON für mich fast schon wieder am Ende. Doch hier beginnt die Geschichte vom Stehaufmännchen...

Anfang 1983 las ich in der deutschen Ausgabe des Aardshock (Kult!) eine Besprechung zu "Power & The Glory" und stiefelte darauf hin zum Händler meines Vertrauens. Heraus kam ich wohl mit einem breiten zufriedenem Grinsen und SAXONs neuem Dampfhammer. Welch ein Sound, was für Songgranaten. Der Titeltrack, Redline, Warrior, Watching The Sky, Midas Touch oder das sich langsam steigernde The Eagle Has Landed... kaufen!!!!
Power & The Glory Dieses Album ist eine absolute Granate und zeigt die Band in Hochform. Weg vom etwas altbackenen Sound und mit neuem Producer Jeff Glixman eine Scheibe eingespielt, die wohl auch die Tür zu den US of A öffnen sollte. Doch hier stellte sich anscheinend ein weiteres Problem dar. SAXON waren nicht "schön" (man denke an die späteren Ami-Acts, die so gar nichts mehr mit den NWOBHM-Bands zu tun hatten), sie waren (noch) "Denim And Leather". Der Band fehlte in dieser entscheidenden Phase u.a. auch das wichtige Quäntchen Charisma um ihren Stil auf breiter Ebene durchzusetzen. Durch Stiländerungen, lächerliches Outfit und eventuell zu stures Festhalten an der ewig gleichen Live-Präsentation haben sie ihre Karriere wohl auch selber nicht größer werden lassen.
SAXON waren britisch, höchstens noch europäisch, aber nie ein Act für den amerikanischen Markt. Nach "Power & The Glory" ging die Magie verloren, spätere Korrekturen konnten zwar teilweise noch begeistern, aber der Glanz der Zeiten von "WOS" bis "PATG" (1980-83) kam nicht mehr zurück.
Im Sommer 1983 lieferten SAXON beim "Monsters Of Rock" einen Sahneauftritt ab und rockten die Westfalenhalle in Grund und Boden. Ich wartete ungeduldig auf die Fortsetzung des nun eingeschlagenen Weg.

Wirkte das Cover von "PATG" ausgesprochen "billig" (schon wieder dieses Wort im Zusammenhang mit SAXON, aber leider hat man oft den Eindruck des Sparens bei ihren Plattenfirmen), so erschien "Crusader" mit einem regelrechten Gemälde als Hingucker.
Crusader Ob nun der neue Produzent Kevin Beamish alleine schuld war oder wer auch immer, im Frühjahr 1984 erlebte ich meinen nächsten Schock. Nix gegen Orientierung am Ami-Markt, aber den treuen europäischen Headbangern dermaßen eins in die Fresse zu hauen? OK, Crusader ist bis heute besonders live ein "Muß", doch ansonsten? Das SWEET-Cover Set Me Free war schon fast der härteste Track, bei Titeln wie Bad Boys (Like To Rock N' Roll), Rock City oder gar Sailing To America (deutlicher geht's nimmer) fiel mir nur noch der Kitt ausse Brille. Weichspüler-Sound für Amigören, die nicht wissen, dass ab New York ganz viel Wasser kommt. Am anderen Ende des großen Teiches saßen Heerscharen treuer Kuttenträger vor einem Album das nicht mal mehr ins Regal "Hard Rock / Heavy Metal" hätte einsortiert werden dürfen. Die Tour schenkte ich mir.

Well, in good ol' Europe ging's megamäßig den Bach runter, und so richtig fluppte es Übersee anscheinend doch nicht.
Innocence Is No Excuse Im Herbst 1985 dann "Innocence Is No Excuse", mit einem Cover das ich bis heute nicht verstehe. Ist das ein Apfel aus Seife an dem die Maid kaut bzw. lutscht? In München mit erneut anderem Produzenten (Simon Hanhart) eingespielt überraschte "IINE" mit einem recht glatten, aber mächtigen Sound. Rockin' Again sollte wohl die Rückkehr zu alten Tugenden verkünden und ließ mich schon ein bisserl verzeihen, aber bis auf Devil Rides Out, Everybody Up und dem wunderschönen besinnlichen (!) Broken Heroes war da nicht viel.
Für Sammler und beinharte Fans. Das Inner-Sleeve bietet noch ein Schmankerl... Biff war auf'm Christkindlmarkt. Oder woher stammt das Jacket? Das Bandfoto zeigt mehr als deutlich, dass die Jungs ganz offensichtlich nicht so recht wussten was das nun werden sollte. Heraus kam dabei kein Fisch und kein Fleisch.
Die Tour (Vorprogramm: PRETTY MAIDS at their best) tat ich mir in Dortmund rein. Westfalenhalle III gut gefüllt und SAXON in Hochform. Sogar einige der neuen Songs kamen livehaftig prächtig, doch man musste zugeben, dass es wieder einmal Dallas 1 P.M., Wheels Of Steel und ähnliche Brecher waren welche das Konzert zu einem Highlight werden ließen.

Das nächste Lebenszeichen der Angelsachsen war ein Personalwechsel. Bassist Steve Dawson verließ die Band und Paul Johnson stieg auf der Position des Tieftöners ein.
Rock The Nations Im Sommer 1986 erblickte "Rock The Nations" das Licht in den Plattenläden der Welt, und erinnere mich noch sehr genau an den Tag als ich mit besagtem Album und MAGNUMs "Vigilante" aus einem solchen, heute eher raren, Shop wieder herausmarschierte. Letzteres Teil lege ich heute noch ab & an auf, aber "Rock The Nations"... nun ja, man werfe nur mal einen Blick auf das damalige Outfit der Musikanten. Phantasieuniformen, Dauerwellen bzw. hochtoupiertes Haupthaar und fesche Haarbänder... klasse Jungs, es ist zwar das Jahr von BON JOVIs "Slippery When Wet", aber Ihr glaubt doch wohl nicht allen Ernstes...?
Der Produzentensessel wurde gewohnheitsmäßig wieder mit einem Neuen besetzt, hier war's Gary Lyons, und Elton John rockte bei Party Til You Puke und Northern Lady mit. Besagte Lady bildete mit dem Titelsong, We Came Here To Rock und ansatzweise Battle Cry die Creme der LP, das Album als Ganzes darf getrost als höchst mittelmäßig gewertet werden. Was beim Cover mehr investiert wurde sparte man beim Sound, heraus kam erneut ein fauler Kompromiss.
Im Oktober des selben Jahres traten SAXON im Pink Palace zu Essen (Vorgruppe LOUDNESS, wer nicht dabei war hat einen Killergig verpasst) vor 3-400 Nasen auf. Zweite Liga war angesagt, allerhöchstens. Die Band fühlte sich anscheinend selbst in ihren Klamotten unwohl, besonders Gitarrist Paul Quinn verkam zur reinsten Witzfigur. Biff in seiner Großmannspose wirkte in dieser Umgebung nur noch lächerlich, und ich war froh als das Desaster an mir vorbeigerauscht war. Einen Tag später spielten JUDAS PRIEST in einer ausverkauften Grugahalle trotz vieldiskutiertem "Turbo" einen Hammergig...

SAXON verstaubten bei mir im Regal, während METALLICA, ANTHRAX, OVERKILL und viele andere ihre täglichen Runden auf dem Plattenteller drehten. Die GUNNERS erschienen in der Szenerie, AEROSMITH feierten ein fulminantes Comeback, und Biff & Co. gerieten vollkommen in Vergessenheit, bis ich 1988 Ride Like The Wind hörte. Ein Cover zwar, aber wenn einem nix mehr einfällt?
Destiny "Destiny" hieß das dazugehörige Album, unnötig zu erwähnen, dass erneut ein anderer Knöpfchendreher (Stephan Galfas) am Werke war und die Band mittlerweile völlig absackte. Nicht ein Song erreicht auch nur ansatzweise die Qualität der Phase 1980/83, die Scheibe ist für mich bis heute der absolute Tiefpunkt. Man hat den Drummer gewechselt, experimentiert mit Synth-Guitar und Keyboards und entpuppt sich dabei als vollkommen ziellos. Auf die Tour zum Album konnte ich getrost verzichten...

Rock'n'Roll Gypsies

SAXON traf ich auf der "Rock'n'Roll Gypsies"-Tour '90 wieder, dieses Mal in der Stadthalle Köln-Mülheim und im Oberhausener Music Circus.
Wieder zum Fan bekehrt? Njet, die Band hatte outfitmäßig wieder zu alten Tagen zurückgefunden und zeigte eine solide Leistung, doch wenn im Album unter den Karten "METAL CHURCH rules!" steht, muss noch etwas anderes geschehen sein. Korrekt, besagte METAL CHURCH tourten mit ihrem bärenstarken "Blessing In Disguise" im Gepäck als Special Guests und spielten SAXON völlig an die Wand. Power Metal vom Feinsten, ich erinnere mich bis heute immer wieder gerne an Fake Healer und diese enormen Gitarrenbreitseiten. SAXON konnten da nur verlieren...
Mit Solid Ball Of Rock hatten sie einen neuen Song im Set der auf eine bessere Zukunft hoffen ließ, und so erwachte in mir wieder das Interesse am bevorstehenden Album.

Im Frühjahr anno 1991 gastierten sie dann in der Stadthalle zu Dinslaken, wo SAXON einen routinierten Gig abspulten. Ich hatte damals die Gelegenheit die Band nach Konzertende kurz zu treffen und konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, es hier mit Musikern zu tun zu haben, die zwecks Broterwerb ihre Show abziehen. Von Enthusiasmus war nichts zu spüren. Nigel Glockler hatte zur Band zurückgefunden, und mit Nibbs Carter hatten sie einen engagierten neuen Bassisten, der ihnen zumindest live wieder frisches Leben einhauchte.
Solid Ball Of Rock "Solid Ball Of Rock" hieß auch das aktuelle Album, welches in good ol' Germany eingespielt und gemeinsam mit Kalle Trapp produziert wurde.
Die Scheibe klingt wieder kerniger und enthält neben dem starken Titeltrack mit Requiem (We Will Remember) einen tollen ruhigeren Song, zu dem auch ein Video gedreht wurde. Das Album erhielt durchweg gute Kritiken, mir persönlich erschienen diese aber viel zu euphorisch, denn die einzelnen Songs geben nicht viel her.
(Widerspruch! Ein tolles kick ass-Album! F.S.)

Forever Free

Ich verlor erneut das Interesse und hörte mir nach dem Lesen der Kritiken zu "Forever Free" das Album nicht mal mehr an. Man wird älter, heiratet, die Interessen ändern sich, da ist für Halbheiten im Grunde kein Platz mehr.

Zum Geburtstag 1995 bekam ich dann ein Album von vielen geschenkt, die ich auf einer Wunschliste erwähnt hatte. "Dogs Of War" hatte ich aufgrund der wohlwollenden Kritiken mit aufgenommen. Und siehe da, ich bekam Songs um die Ohren gehauen, von denen ich nicht mal mehr gewagt hätte zu träumen. Der Titelsong legt sofort los wie die Feuerwehr, das nachfolgende Burning Wheels lässt dich glauben die Zeit sei 1983 stehen geblieben. Biff hatte zusammen mit Rainer Hänsel an den Knöppen gedreht und einen real good job abgeliefert.
Dogs Of War Das waren SAXON wie ich sie liebte. Rau und mit guten Melodien voll auf die Zwölf. Was wäre aus ihnen geworden, hätten sie damit an "Power & The Glory" angeschlossen. Hätte, wäre, wenn... jetzt schrieb man 1995 und Metal war bis auf eine gewisse Fanbasis nicht angesagt. So gingen Songs wie Big Twin Rolling, The Great White Buffalo oder das überragende Demolition Alley unter, ohne es verdient zu haben. Live hatte ich allerdings auch kein Interesse mehr, ich erwartete von SAXON auf diesem Sektor nichts.
Dann verließ mit Graham Oliver ein weiteres Urgestein die Band und Doug Scarratt wurde sein Nachfolger als zweiter Gitarrist. Ich las Oliver sei regelrecht deprimiert über den Karriereverlauf SAXONs gewesen und hätte kaum noch Zählbares beigesteuert. Gewundert hat's mich nicht.
Unleash The Beast Irgendwann strich auch Nigel Glockler erneut die Segel, und der deutsche Superdrummer Fritz Randow, bekannt durch Acts wie VICTORY oder SINNER kletterte auf den Stuhl hinter der Schießbude.
"Unleash The Beast" rauschte an mir vorbei, ein Hörtest ergab bei mir Desinteresse höchsten Grades, und so schrieb man mittlerweile das Jahr 1999.

Soll ich jetzt sagen, "alle paar Jahre wieder"? Könnte man beinahe annehmen, denn die Tour zu "Metalhead" stand ins Haus, mit den superben SKEW SISKIN im Vorprogramm.
Metalhead "Metalhead", noch einen Zacken heftiger als "Dogs Of War" ausgefallen, glänzt durch eine Powerproduktion, die Songs haben den richtigen Schmackes und bieten dem dürstenden Headbanger das was er braucht: Headbangin' Music!! Wie auf vielen SAXON-Alben ist auch hier der Titelsong ein Highlight, aber bei weitem nicht allein auf weiter Flur. Are We Travellers In Time, Conquistadores, Song Of Evil, All Guns Blazing oder das überlange Sea Of Life zeigen SAXON von ihrer besten Seite, die auch gelegentlich mit ruhigeren Momenten glänzt.
Nachdem SKEW SISKIN schon prima angeheizt hatten, brannten SAXON im Kölner E-Werk ein unglaubliches Feuerwerk ab. Die Band präsentierte sich unerwartet kompakt und spielfreudig und heavy ohne Ende. Absolut brachialer Sound, eine Songgranate jagte die andere und ich glaubte kaum was ich da erleben durfte.
Nicht zuletzt wegen SAXON fuhr ich im darauf folgenden Jahr zum "Bang Your Head" gen Balingen, wo die Jungs um Biff Byford wiederum den Platz in Grund und Boden rockten. Wenn jetzt 2001 noch...

Killing Ground

... nun ja, nicht so richtig. "Killing Ground" ist nicht unbedingt ein schlechtes Album und enthält mit Court Of The Crimson King einen für ihre Verhältnisse eher ungewöhnlichen Song, der hier hervorragend neu interpretiert wird.
Der Erstauflage lag noch eine zweite CD bei in Form von Classics Re-Recorded. Hier erfahren die alten Hits eine Blutauffrischung ohne an Charme zu verlieren. Ein "Muß" für jeden Banger, das Ding lässt die Nackenmuskulatur sofort in Bewegung geraten. Bei Dallas 1 P.M. mag man sich übers Solo streiten können, but who cares, der Silberling läuft bei mir immer wieder.
Heavy Metal Thunder Nur... warum bringt man als nächstes Album ("Heavy Metal Thunder", 2002) die gleiche Geschichte mit fünf weiteren Classics heraus plus ein paar halbgaren Livemitschnitten? Wer die acht Songs des Erstlings sein eigen nennt, packt sich da nur noch an die Birne. Es ergibt schlichtweg keinen Sinn mehr, es sei denn den der Geldschinderei.

Die vielfach angekündigte und mit Verspätung veröffentlichte CD "The Saxon Chronicles", mit vielen wohlwollenden Kritiken bedacht, entpuppt sich im Nachhinein ebenfalls als zwiespältige Geschichte. OK, der Mitschnitt der Show in Wacken ist über jeden Zweifel erhaben, das Booklet gibt ebenfalls vieles her, doch ansonsten bleibt bei Abzug der nostalgischen Note ein fader Beigeschmack. Gibt es tatsächlich kein anderes Material als den anfangs erwähnten Auftritt in Dänemark? Soll tatsächlich niemand mehr eine Aufnahme des "Rock-Pop" Auftritts von 1982 besitzen? Oder hat man da nicht so richtig nachgeforscht? Hätte man nicht statt dessen das alte "Live In Nottingham"-Video aus dem Jahre 1983 beifügen können?
Wie immer im Falle SAXON tauchen die "hätte", "könnte", "was wäre wenn" etc. auf, und wie immer scheint sich die Band selbst im Wege zu stehen. Und so erscheint es nur zu deutlich, warum heute IRON MAIDEN die Dortmunder Westfalenhalle ausverkaufen und SAXON zusammen mit einer gewissen DORO vor ein paar hundert Leuten in Tuttlingen's Alter Festhalle spielen...

The Eagle Has Landed Live Pt. II

Nun, wie dem auch sei, SAXON haben für meine Begriffe in der jetzigen Besetzung ihre wohl stärkste "Live-Mannschaft" und wer sie in den letzten Jahren auf der Bühne erlebt hat (siehe hierzu unsere diversen Berichte - A.d.R.), bekam die Metal-Vollbedienung. Tight, kompakt, groovig. Wie wäre es da noch mal mit einem oberamtlichen Livemitschnitt? Derer gibt es neben dem erwähnten von 1982 noch so einige, als da wären "Rock'n'Roll Gypsies" (1989), "Greatest Hits Live" (1990) oder die Do-CD "The Eagle Has Landed Live Pt. II" (1996). Auffallend dabei, dass ein gewisser Biff Byford immer mit an den Knöpfchen drehte.
Mittlerweile schreiben wir 2004, wäre doch mal wieder an der Zeit...

Greatest Hits, Best Of's, diverse weitere Live-Mitschnitte gibt es noch so einige, über das "Haben bzw. Nicht haben" muss jeder selbst entscheiden. Wenn etwas Sinn macht, ist es sicherlich die '97er Veröffentlichung von "Wheels Of Steel & Strong Arm Of The Law" incl. vieler Live-Aufnahmen als Doppel-Album. Leider wurde hier auch wieder beim Booklet geschlampt, denn die Pics stammen aus der "Innocence/Rock The Nation"-Phase. Trotzdem ein ideales Paket für Einsteiger und jeden der diese Klassiker nur auf Vinyl besitzt.

SAXON werden sicherlich kurz oder lang ein weiteres Album veröffentlichen. Geht man nach der bisherigen Geschichte ihrer Releases, steht uns wieder etwas Großes ins Haus. Und auch wenn die Euphorie gewiss nicht mehr jene aus den Tagen der NWOBHM ist, ohne diese Band wäre die Rockszene um einiges ärmer.
DENIM AND LEATHER!!!!

Jürgen Ruland, (Artikelliste), 23.05.2004

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