HoR Logo kl Pre-listening session:

Logo Rebellion

Sagas of Iceland

Logo Home-of-Rock
Startseite > Artikel und Biographien > Rebellion > "Sagas of Iceland" Pre-listening session

Link Homepage:
Offizielle Rebellion Homepage
Link Plattenfirma:
Massacre Records

Unser Disclaimer
"Sagas of Iceland" Pre-listening sessiom, 19.03.2005

Mit einer gehörigen Portion Skepsis nahm ich die Nachricht auf, dass REBELLIONs kommendes Album auf einem Wikinger-Konzept basieren soll. Als gebe es nicht schon genug skandinavische Bands, die ihren Vorfahren ein musikalisches Denkmal setzen. Um so spannender war es jetzt natürlich schon vorab die Gelegenheit zu erhalten was die Frankfurter Band aus diesem Stoff noch herausholen kann.

Am 19. März lud die Band Pressevertreter nach Mainhatten ins bandeigene, in einem ehemaligen Bunkerkomplex beheimatete Black Solaris-Studio, um ihnen den Rough-Mix von "Sagas of Iceland" vorzustellen. Gleichzeitig überraschte man mit der Nachricht, dass das Wikinger-Konzept auf drei Alben ausgelegt ist, die sich unterschiedlichen Themenschwerpunkten widmen. Während "Sagas of Iceland" die westliche Expansion der raubeinigen Seefahrer und die Staatenwerdung Norwegens und Dänemarks beleuchtet, und der Nachfolger sich der östlichen Expansion und den Wikingern Schwedens und Russlands widmet, konzentriert sich der abschließende dritte Teil auf die nordische Mythologie und Götterwelt.

Rebellion Schon damit wird klar, dass es bei REBELLIONs Wikingerepen inhaltlich um weit mehr als sturmgepeitschte Meereswogen, heroische Schlachtengesänge und ausufernde Gelage gehen wird. Tomi Göttlich hat sich dementsprechend mehr als zwei Jahre intensiv mit der Thematik auseinander gesetzt und sich dabei tief in historische Quellen wie die Heimskringla, den überlieferten Werken des Norwegers Snorri Sturlson vergraben.

Wer so viel Wert auf Authenzität legt und sich solch große Mühe mit den Texten gibt, der legt diese natürlich auch gerne in gedruckter Form vor, so dass es eine kombinierte Listening- und Reading-Session wird. Und ich muss gestehen, teilweise versinke ich so tief in den Texten, dass die Musik beim ersten Hördurchgang einige Male weit in den Hintergrund gedrängt wird. Gut, wenn man anschließend noch eine CDR mit dem soeben gehörten in die Hand gedrückt bekommt und sich das Album nochmal in aller Ruhe auf der heimischen Anlage zu Gemüte führen kann. Doch genug der Vorrede. Taucht mit mir ein in "Sagas of Iceland".

Das Intro Lindis Farn ist ein kleines Meisterwerk für sich, dass den Hörer perfekt auf die Thematik einstimmt. Es beflügelt die Fantasie und beschwört stimmungsvolle Impressionen herauf: Majästätisch dahingleitende Drachenschiffe im Nebel, ehrfurchtsgebietende nordische Landschaften...

...bis einen der mächtige Rhythmus von Ynglinga Saga (To Odin we call) mit voller Wucht trifft. Das Stück steht in der Tradition epischer atmosphärischer Hymnen wie beispielsweise BLACK SABBATHs Headless cross. Ganz stark wie Michael Seifert zwischen aggresivem und melancholischem Gesang wechselt. Ein längeres instrumentales Intermezzo mit starken Gitarrensoli treibt den Hörer wieder zurück in die Bilderwelt des Intros. Ein großartiges Stück Musik, das den heidnischen Hintergrund der Wikingerkultur grob skizziert und durch das perfekte Zusammenspiel von Text und stimmungsvoller musikalischer Umsetzung unter die Haut geht und die heidnische Saite in mir zum schwingen bringt.
'Hear the thunder, the sky cracks, See the Rainbow bridge, no turning back, Valkyrs riding, a bloody trail, Heroes cross to Asgard, never fail, to Odin we call, In his name we will fight, riding on dragons through the waves and the gods on our side, to Odin we call, be his wisdom our guide, strength in battle he shall give, as the valkyrs ride...'
Die sich anschließende kurze Stille wirkt ob der geballten Kraft des Songs fast schmerzhaft.

Rebellion Sons of the dragon slayer (Blood eagle) ist musikalisch von völlig anderem Kaliber. Ein typischer Heavy Metal Uptempo-Nackenbrecher, wie man ihn sich auch von PRIMAL FEAR vorstellen könnte. Das Gitarrensolo lässt aufhorchen, der eingängige hymnische Refrain zündet, aber auch wenn der Song nicht schlecht ist, so ist er doch etwas unspektakulär ausgefallen. Inhaltlich wird der Rachefeldzug der Söhne von Ragnar, dem Drachentöter gegen den englichen König Ella thematisiert.

Ein Gitarrenthema das an IRON MAIDEN erinnert, eröffnet Ragnhild's dream. Bei dem Stück wird das Gaspedal ebenfalls kräftig durchgetreten, doch in erster Linie lebt der Song vom gewaltigen, hymnischen Gesang des Backgroundchors im Refrain. Ragnhild träumt, dass sie einem Sohn das Leben schenken wird, der das zum damaligen Zeitpunkt uneinige Norwegen eint und zum mächtigen König des Landes aufsteigt: Bleibt zu hoffen, dass das Stück aufgrund der folgende Textpassage nicht von den falschen Leuten zur neuen Hymne auserkoren, sondern stets im historischen Kontext zitiert wird: 'There's greatness and grace, for the northern race, A strong hand to come, A king for the throne, He shall lead Norway on.'

Manchmal ist es ein winziges Detail, das ein Stück zu etwas ganz Besonderem macht. In Harald Harfager ist es die Emotionalität mit der Michael Seifert im akustischen melancholischen Einstieg die Textzeile 'Gyda of Hardanger greater beauty eyes will never see' intoniert. Man möchte fast meinen er kenne die Holde vom Fjord persönlich.
Das Stück wird zu einem flotten epischen Rocker der zunächst den Eindruck erweckt er könne sich zu einem gewaltigen, mehrteiligen Epos mit über zehn Minuten Spieldauer entwickeln. Es bieten sich einige Ansätze das Stück in eine andere Richtung zu lenken, sei es durch einen weiteren ruhigen Part, ein instrumentales Zwischenspiel, ein zusätzliches Melodiethema... doch REBELLION bleiben auf dem eingeschlagenen Kurs. Irgendwo etwas schade, aber trotzdem eine saustarke Nummer. Inhaltlich beschäftigt sich das Stück mit Ragnhilds Sohn, Harald Schönhaar, dem es tatsächlich gelingt Norwegen zu einen.

Erik the Red überzeugt durch seinen schlichten und sehr eingängigen Refrain, der zum Mitsingen und die Fäuste in die Luft stemmen einläd: 'Through the wind and storm I'll cary on, To a new land where the sun will dawn, In the wind and storm I'll raise my head, Erik the Red! Stark auch die Gitarren, die sowohl in der Begleitung, als auch im Solopart sehr melodisch daher kommen. Ein Song der sich sofort im Kopf einnistet und den man nicht mehr so schnell vergisst. Würde sich als potentielle Single und Video anbieten um die breite Masse auf REBELLION aufmerksam zu machen.
Hier wechselt die Erzählperspektive der Handlung. Erik der Rote war einer der Männer, die im geeinten Norwegischen Königreich sich in ihrer Freiheit und in ihren Rechten eingeschränkt fühlten, zu neuen Ufern aufbrachen, Island und Grönland besiedelten und in der Folgegeneration Amerika entdeckten.

Rebellion Freedom (The saga of Gang Hrolf) schlägt inhaltlich in die gleiche Kerbe, schildert aber die Inbesitznahme der Normandie als Lehen durch Gang Hrolf. Musikalisch setzen REBELLION dabei auf einen eher verhaltenen, schleppenden Rhythmus in Verbindung mit vertrackten Gitarrenparts, was dem Abwechslungsreichtum des Albums entgegen kommt. Der Song könnte live zu einem Knüller werden, da die Bridge 'Ho ho Gang Hrolf' sich geradezu für einen mächtigen Publikumschor aufdrängt.

Treason gelingt es am ehesten in die Rolle der Quotenballade auf dem Album zu schlüpfen, allerdings völlig kitschfrei und dafür sehr kraftvoll und düster. Am ehesten erinnert das die verhaltenen BLACK SABBATH- oder DIO-Songs der Achtziger. Diese düstere Note passt auch hervorragend um den Inhalt zu untermalen. In Norwegen herrscht Harald Graumantel als Nachfolger Harald Schönhaars der mit Feuer und Schwert die Christianisierung eines von Hungersnöten heimgesuchten Landes vorantreibt. Eine Zeit, in der Ethik und Moral der Wikingergesellschaft mit Füßen getreten wurde und Mord und Verrat dem offenen Zweikampf in der Schlacht den Rang ablief. 'They pray to a new god, while their people die, but fortune does not grow from a lie'.

Und wieder die übliche Geschichte: Ein Sohn rächt den Tod seines Vaters und übernimmt selbst die Macht. Hakon besiegt Graumantel und besteigt den Thron Norwegens. Er jagt die christlichen Priester davon und errichtet die Kultstätten des alten Glaubens von Neuem. The fish return now into the fjord, The harvest rich Hakon we hail thy sword, Raising temples where a church did stand, Odin smiles to praise the land. In einer bereits verlorenen geglaubten Schlacht opfert Hakon Odin seinen Sohn und trägt überraschend doch noch den Sieg davon um - Ironie des Schicksals - kurz darauf von seinem Sklaven im Auftrag christlicher Adliger ermordet zu werden.
Die epische Midtempo-Nummer Sword in the storm (The saga of Earl Hakon, the protector of Norway) gehört zu den emotionalsten und bewegensten Stücken des Albums. Mit Hilfe großartiger Melodien und eines schleppenden Rhythmus erschaffen REBELLION ein heroisches Meisterwerk voller Atmosphäre und Pathos.

Mit Blood rains (The saga of King Olaf Trygvason) schließt sich gleich der nächste musikalische Höhepunkt an. Es ist mal wieder an der Zeit etwas aufs Tempo zu drücken und trotz der verschärften Gangart verlieren REBELLION nicht ihr untrügliches Gespür für Melodik und einen bewegenden, mitreißenden Refrain unterstützt durch einen kräftigen Backgroundchor.
Olaf Trygvason, Hakons Nachfolger zerschlägt den alten Glauben mit unglaublich brutalen Mitteln und setzt die von Graumantel eingeleitete Christianisierung fort, obwohl Olafs Vater selbst ein Opfer der von Graumantel veranlassten 'Säuberungsaktionen' war. Das Stück klagt die unmenschlichen Methoden der Christianisierung an und führt die These vom christlichen Gott der Toleranz und Nächstenliebe ad absurdum: 'Wise magicians and healing women put to the stake by royal hands, Baptized they would not be, And so in flames their life did end, Odin thy face, It fades in the blood, The heathen oaks burned, It's the end of a god, Blood rains from the sky, Love is just a christian lullaby, I can't believe I'd rather die, Blood rains from the sky, Preaching love, while tortured victims cry, I won't believe, I'd rather die.'

Rebellion Ruling the waves entpuppt sich als wuchtige vor sich stampfende Heidenhymne, die sich hervorragend zum gepflegten Headbangen und mitsingen eignet. Eine ziemlich straighte Nummer, mit einem hypnotischen Refrain gesegnet. 'Hey hey, we are ruling the waves'. Das hat einfach Stil!
Unter dem dänischen König Sven Gabelbart, Sohn des berühmten Harald Blauzahn erlebten die alten Götter einen letzten Aufschwung. Sven wird durch diplomatische Winkelzüge und Schlachtenglück zum Herrscher von Dänemark und Norwegen. Schließlich wird er vom englischen König Aethelred um Unterstützung gegen die Pikten gebeten, die er gerne leistet und sich bei der Gelegenheit gleich die britische sich als Belohnung aneignet. 'The northern sea he rules, Danmark and England he unites, The norsemen rule the waves, And king Sven holds all the might' ... 'Sven prays to Odin and to Thor, The power of the ancient gods who dwelt here long before, And so we hunt these who burnt the oak trees down, the heathen roots run deep , the ancient gods are still around'

Nach Svens Tod erobert Aethelred die englische Krone zurück und startet einen Revanchefeldzug gegen Dänemark, der damit endet, dass England erneut von Svens Sohn Knut zurückerobert wird.
Mit Canute the Great (The king of Danish pride) erinnern REBELLION an die komplexeren Stücke aus IRON MAIDENs "Fear of the dark"-Phase. Ein gesprochenes Intro und eine melancholische Einleitung eröffnen einen rifflastigen Metalsong, der mit einigen überraschenden Gesangsmelodien glänzen kann. Realtiv kurz, aber stark!

Harald Hadrade erinnert durch seine getragene monumentale Rhythmik unweigerlich etwas an DIO-Epen wie Holy diver oder The last in line. Mit letzterem Stück gelingt auch der thematische Brückenschlag. Harald der Harte, war der letzte große norwegische Wikingerkönig, mit dessen Tod eine historische Epoche zu Grabe getragen wurde.
'Baptized by the sword and the shield, destined to be king, The last in line, leads this epoche to an end, To be written in blood, named Harald Hadrade'
Ein würdiger Abschluss des Albums.

Rebellion Um auf der Grundlage des Roughmixes ein vorläufiges Fazit zu ziehen: "Sagas of Iceland" ist einer der ganz heißen Anwärter für das beste traditionelle Metalalbum des Jahres. REBELLION haben musikalisch und textlich unüberhörbar eine Menge Arbeit und Herzblut in diese CD gesteckt und ein Album geschaffen, auf das sie wirklich stolz sein können. Von der Powerballade über epische Midtemposongs bis hin zu schnellen Nackenbrechern deckt die Scheibe das komplette Genrespektrum auf teilweise ergreifend hohem Niveau ab und liefert so ganz nebenbei noch ein ansprechendes und anspruchsvolles lyrisches Konzept. Das muss ihnen in den nächsten Monaten erst einmal jemand nachmachen.

Martin Schneider, (Impressum, Artikelliste), 24.04.2005

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:
Startseite > Artikel und Biographien > Rebellion > "Sagas of Iceland" Pre-listening session

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum