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Pre-listening session:
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Mit einer gehörigen Portion Skepsis nahm ich die Nachricht auf, dass REBELLIONs kommendes Album auf einem Wikinger-Konzept basieren soll. Als gebe es nicht schon genug skandinavische Bands, die ihren Vorfahren ein musikalisches Denkmal setzen. Um so spannender war es jetzt natürlich schon vorab die Gelegenheit zu erhalten was die Frankfurter Band aus diesem Stoff noch herausholen kann. Am 19. März lud die Band Pressevertreter nach Mainhatten ins bandeigene, in einem ehemaligen Bunkerkomplex beheimatete Black Solaris-Studio, um ihnen den Rough-Mix von "Sagas of Iceland" vorzustellen. Gleichzeitig überraschte man mit der Nachricht, dass das Wikinger-Konzept auf drei Alben ausgelegt ist, die sich unterschiedlichen Themenschwerpunkten widmen. Während "Sagas of Iceland" die westliche Expansion der raubeinigen Seefahrer und die Staatenwerdung Norwegens und Dänemarks beleuchtet, und der Nachfolger sich der östlichen Expansion und den Wikingern Schwedens und Russlands widmet, konzentriert sich der abschließende dritte Teil auf die nordische Mythologie und Götterwelt.
Wer so viel Wert auf Authenzität legt und sich solch große Mühe mit den Texten gibt, der legt diese natürlich auch gerne in gedruckter Form vor, so dass es eine kombinierte Listening- und Reading-Session wird. Und ich muss gestehen, teilweise versinke ich so tief in den Texten, dass die Musik beim ersten Hördurchgang einige Male weit in den Hintergrund gedrängt wird. Gut, wenn man anschließend noch eine CDR mit dem soeben gehörten in die Hand gedrückt bekommt und sich das Album nochmal in aller Ruhe auf der heimischen Anlage zu Gemüte führen kann. Doch genug der Vorrede. Taucht mit mir ein in "Sagas of Iceland". Das Intro Lindis Farn ist ein kleines Meisterwerk für sich, dass den Hörer perfekt auf die Thematik einstimmt. Es beflügelt die Fantasie und beschwört stimmungsvolle Impressionen herauf: Majästätisch dahingleitende Drachenschiffe im Nebel, ehrfurchtsgebietende nordische Landschaften...
...bis einen der mächtige Rhythmus von Ynglinga Saga (To Odin we call) mit voller Wucht trifft. Das Stück
steht in der Tradition epischer atmosphärischer Hymnen wie beispielsweise
BLACK SABBATHs Headless cross. Ganz
stark wie Michael Seifert zwischen aggresivem und melancholischem Gesang wechselt. Ein längeres instrumentales Intermezzo
mit starken Gitarrensoli treibt den Hörer wieder zurück in die Bilderwelt des Intros. Ein großartiges Stück Musik, das
den heidnischen Hintergrund der Wikingerkultur grob skizziert und durch das perfekte Zusammenspiel von Text und
stimmungsvoller musikalischer Umsetzung unter die Haut geht und die heidnische Saite in mir zum schwingen bringt.
Ein Gitarrenthema das an IRON MAIDEN erinnert, eröffnet Ragnhild's dream. Bei dem Stück wird das Gaspedal ebenfalls kräftig durchgetreten, doch in erster Linie lebt der Song vom gewaltigen, hymnischen Gesang des Backgroundchors im Refrain. Ragnhild träumt, dass sie einem Sohn das Leben schenken wird, der das zum damaligen Zeitpunkt uneinige Norwegen eint und zum mächtigen König des Landes aufsteigt: Bleibt zu hoffen, dass das Stück aufgrund der folgende Textpassage nicht von den falschen Leuten zur neuen Hymne auserkoren, sondern stets im historischen Kontext zitiert wird: 'There's greatness and grace, for the northern race, A strong hand to come, A king for the throne, He shall lead Norway on.'
Manchmal ist es ein winziges Detail, das ein Stück zu etwas ganz Besonderem macht. In Harald Harfager ist
es die Emotionalität mit der Michael Seifert im akustischen melancholischen Einstieg die Textzeile 'Gyda of Hardanger
greater beauty eyes will never see' intoniert. Man möchte fast meinen er kenne die Holde vom Fjord persönlich.
Erik the Red überzeugt durch seinen schlichten und sehr eingängigen Refrain, der zum Mitsingen und die
Fäuste in die Luft stemmen einläd: 'Through the wind and storm I'll cary on, To a new land where the sun will dawn,
In the wind and storm I'll raise my head, Erik the Red! Stark auch die Gitarren, die sowohl in der Begleitung, als
auch im Solopart sehr melodisch daher kommen. Ein Song der sich sofort im Kopf einnistet und den man nicht mehr so
schnell vergisst. Würde sich als potentielle Single und Video anbieten um die breite Masse auf REBELLION aufmerksam zu
machen.
Treason gelingt es am ehesten in die Rolle der Quotenballade auf dem Album zu schlüpfen, allerdings völlig kitschfrei und dafür sehr kraftvoll und düster. Am ehesten erinnert das die verhaltenen BLACK SABBATH- oder DIO-Songs der Achtziger. Diese düstere Note passt auch hervorragend um den Inhalt zu untermalen. In Norwegen herrscht Harald Graumantel als Nachfolger Harald Schönhaars der mit Feuer und Schwert die Christianisierung eines von Hungersnöten heimgesuchten Landes vorantreibt. Eine Zeit, in der Ethik und Moral der Wikingergesellschaft mit Füßen getreten wurde und Mord und Verrat dem offenen Zweikampf in der Schlacht den Rang ablief. 'They pray to a new god, while their people die, but fortune does not grow from a lie'.
Und wieder die übliche Geschichte: Ein Sohn rächt den Tod seines Vaters und übernimmt selbst die Macht. Hakon besiegt
Graumantel und besteigt den Thron Norwegens. Er jagt die christlichen Priester davon und errichtet die Kultstätten des
alten Glaubens von Neuem. The fish return now into the fjord, The harvest rich Hakon we hail thy sword, Raising temples
where a church did stand, Odin smiles to praise the land.
In einer bereits verlorenen geglaubten Schlacht opfert Hakon Odin seinen Sohn und trägt überraschend doch noch den Sieg
davon um - Ironie des Schicksals - kurz darauf von seinem Sklaven im Auftrag christlicher Adliger ermordet zu werden.
Mit Blood rains (The saga of King Olaf Trygvason) schließt sich gleich der nächste musikalische Höhepunkt
an. Es ist mal wieder an der Zeit etwas aufs Tempo zu drücken und trotz der verschärften Gangart verlieren REBELLION nicht
ihr untrügliches Gespür für Melodik und einen bewegenden, mitreißenden Refrain unterstützt durch einen kräftigen
Backgroundchor.
Nach Svens Tod erobert Aethelred die englische Krone zurück und startet einen Revanchefeldzug gegen Dänemark, der damit
endet, dass England erneut von Svens Sohn Knut zurückerobert wird.
Harald Hadrade erinnert durch seine getragene monumentale Rhythmik unweigerlich etwas an
DIO-Epen wie Holy diver oder The last in
line. Mit letzterem Stück gelingt auch der thematische Brückenschlag. Harald der Harte, war der letzte große
norwegische Wikingerkönig, mit dessen Tod eine historische Epoche zu Grabe getragen wurde.
Martin Schneider, (Impressum,
Artikelliste), 24.04.2005
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