Weitere Veröffentlichungen:
"Queensryche", EP, Mai 1983
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"Live In Tokyo", Video, 1983
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"Queen Of The Reich", Single, 1984
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"The Warning", September 1984
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"Gonna Get Close To You", Single, 1986
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"Rage For Order", Juli 1986
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"Eyes Of A Stranger", Single, 1988
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"Revolution Calling", Single, 1988
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"Overseeing The Operation", EP, 1990
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"Video: Mindcrime", Video, 1990
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"Empire", Single, 1990
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"Empire", September 1990
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"Silent Lucidity", Single, 1990
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"Jet City Woman", Single, 1991
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"Operation: Livecrime", Oktober 1991
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"Operation: Livecrime", Oktober 1991 (Video), 2001 (DVD)
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"Building Empires", 1992 (Video), 2002 (DVD)
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"Promised Land", Oktober 1994
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"Promised Land", CD-ROM, März 1996
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"Hear In The Now Frontier", März 1997
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"Q2K", September 1999
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"Greatest Hits", Juni 2000
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"Live Evolution", September 2001
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"Live Evolution", DVD, September 2001
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"Classic Masters", März 2003
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"Revolution Calling", Box Set, Juni 2003
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"Tribe", Juli 2003
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"The Art Of Live", DVD, April 2004
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"The Art Of Live", Juni 2004
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"Operation: Mindcrime II", März 2006
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Als ich im Jahre 1988 das Album "Operation: Mindcrime" (übrigens gemeinsam mit IRON MAIDENs "Seventh Son Of A Seventh Son") kaufte, wusste ich nicht so recht was mich da erwartete. Spätestens nach der ersten Runde auf dem heimischen Plattenteller sollten die durch QUEENSRYCHEs vorherige Veröffentlichungen und Konzerte bedingten enormen Erwartungen noch weit übertroffen werden. Die Band hatte einen Klassiker veröffentlicht, an welchem sie sich von nun an messen lassen musste.
Geoff Tate (Voices, Keyboards, Whistles & Blurbs), Chris De Garmo (Electric 6-string, Acoustic 12- & 6-string, Lap Steel & GK-1 Synth Guitars), Michael Wilton (Electric 6-string, Acoustic 6- & 12-string, Stereo Ripley Guitars), Eddie Jackson (Bass Guitars) und Scott Rockenfield (Drums, Percussion, Keyboards on 'Electric Requiem') präsentierten den deutschen Fans "Operation: Mindcrime" auszugsweise im Vorprogramm der METALLICA-Tour (aktuelles Album damals "... And Justice For All") im gleíchen Jahr in beeindruckender Manier.
Mein jüngerer Bruder Udo setzte sich im Folgejahr hin und erarbeitete in vielen Stunden und Tagen die folgende deutsche Textkonzeption. Außer einigen Bekannten bekam die Ausarbeitung kaum einer zu sehen, und sorgfältig verpackt lag der Text viele Jahre in einem Schrank seines Hauses. Zur Veröffentlichung von "Mindcrime II" kam mir der Gedanke, seine mühevoll auf einer alten Schreibmaschine unseres Großvaters getippten Texte einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit seinem Einverständnis (Thanks, Brother!) habe ich seine Ausarbeitung noch einmal PC-mäßig eingegeben und bis auf einige kleine Änderungen (nach bestem Wissen und Gewissen) in Wort und Gestaltung den Text original übernommen.
QUEENSRYCHE tourten aufgrund des Releases von "Empire" gegen Jahresende 1990 als Headliner erneut durch unsere Breitengrade. Im Mittelteil der damaligen Shows wurde das komplette Album "Operation: Mindcrime" incl. einer Gastsängerin aufgeführt. Wer seinerzeit eines oder mehrere dieser Konzerte gesehen hat, wird gewiß wie ich mit großer Begeisterung von diesen Auftritten reden. Ob es jemals wieder zu solch beeindruckenden Momenten kommen wird sei dahingestellt. Bis dahin empfehle ich jedem interessiertem Leser, das Album noch einmal aufzulegen und dabei die deutsche Bearbeitung zu lesen. Es lohnt sich...

"OPERATION
GEDANKENVERBRECHEN"
- Deutsche Textkonzeption -
(Basierend auf der
Rock-Literatur der Gruppe QUEENSRYCHE zum Album "Operation: Mindcrime".
Deutsche Bearbeitung und Konzeption von Udo Ruland im Herbst 1989)
DIE
GESCHICHTE VON NICKI, MARY UND DEN VERRATENEN TRÄUMEN
Chronologie einer revolutionären Tragödie
1. I REMEMBER NOW - Ich erinnere mich jetzt
2. ANARCHY-X - Anarchie-X
3. REVOLUTION CALLING - Revolution liegt in der Luft
4. OPERATION: MINDCRIME - Operation: Gedankenverbrechen
5. SPEAK - Sagt es!
6. SPREADING THE DISEASE - Die Krankheit greift um sich
7. THE MISSION - Die Mission
8. SUITE SISTER MARY - Gefolgin Schwester Mary
9. THE NEEDLE LIES - Die Nadel lügt
10. ELECTRIC REQUIEM - Elektronische Totenmesse
11. BREAKING THE SILENCE - Das Schweigen brechen
12. I DON'T BELIEVE IN LOVE - Ich glaube nicht an Liebe
13. WAITING FOR 22 - Warten auf Nr. 22
14. MY EMPTY ROOM - Mein leeres Zimmer
15. EYES OF A STRANGER - Die Augen eines Fremden
Die Darsteller:
- Nicki
- Dr. X
- Schwester Mary
- Der Prediger
- Krankenschwester
- Ein Radioansager
- Die Gang
(Die handelnden Personen, Orte und Vorfälle in "Operation: Mindcrime" sind ein Produkt aus der Vorstellung der Gruppe QUEENSRYCHE. Jede Ähnlichkeit zu wirklichen Personen, lebend oder tot, Geschehnissen oder Orten wäre rein zufällig)
VORWORT
"Wer ermordete Schwester Mary...?" Die Frage könnte aus einem trivialen Krimi stammen, jedoch wäre es wohl zu einfach das Konzept von "Operation: Mindcrime" damit abzuhandeln.
Zu einfach? Warum denn? Die Antwort liegt auf der Hand: Eine Krimigeschichte im engeren Sinne liegt hier eigentlich gar nicht vor. Es scheint deshalb kaum übertrieben zu sein, von einer - was immer das auch sei - revolutionären Tragödie zu sprechen. Wahrlich, etwas hochgeschraubt klingt dieser Anspruch schon, da doch schnell eingewendet werden könnte, alles wäre nur Fiktion und darüber hinaus scheint es nicht sehr üblich, Heavy Metal-Musik mit einer tiefgreifenden gesellschaftlichen Analyse zu verbinden.
QUEENSRYCHE waren sich gewiss dieser Situation bewusst, als sie 1988 ein bis dato einmaliges Konzeptalbum schufen. Ohne Zweifel brachten sie mit "Operation: Mindcrime" ein Werk heraus, das sowohl einerseits das erdige Straßengefühl der harten Rockmusik mit Elementen des Dramas, Reportage und der Dichtung verbindet, aber andererseits auch dieses Gemisch inhaltlich zu einer packenden Geschichte verknüpft. Aus Andeutungen werden feurige Anklagen und aus stimmungsgeladener Musik wird ein Gedankenbild der eigenen Phantasie.
Niemand kennt sie, niemand weiß wie Nicki und Dr. X aussehen, jedoch gelang die textliche und musikalische Auseinandersetzung mit dem Thema so intensiv, dass der Eindruck entsteht, man könnte sehen was man mittels der Musik hört.
Demnach ist es wohl auch vom Übersetzer unangebracht, den Figuren ein bestimmtes Aussehen zu verleihen, da sie in der Vorstellung eines jeden einzelnen verschieden sind. So soll dieses Bild dem Zuhörer oder vielmehr dem Leser dieser Geschichte auch allein vorbehalten sein. Viel wichtiger erscheint es nämlich, die Stimmung und die Gefühle der einzelnen Szenen aufzufangen. Vielleicht mag es manchmal nur mit etwas eigener Interpretation gelungen sein, wie man an den ausführlichen "Regieanweisungen" sehen kann. Jedenfalls ist es in diesem Fall die volle Absicht der deutschen Übersetzung. Des weiteren stellte sich oft die Frage, ob es überhaupt sinnvoll sei, dem Original eine neue deutsche Form zu geben.
Wie gesagt, als ich "Operation: Mindcrime" erstmals hörte, kam es mir vor als würde ich die Story miterleben. Ja, es war das unbestimmte Gefühl, alles in einem Film vor den eigenen Augen sehen zu können, von dem was ich hörte und dachte. Der Gedanke beschäftigte mich, er ließ mich nicht mehr los bis dann der Entschluß reifte, diese musikalisch-textliche Vorlage in eine Art "greifbare Bühnenfassung" umzuarbeiten. Dabei galt es die Schwierigkeit zu bewältigen, letztendlich die Lyrics vom Zuschnitt auf QUEENSRYCHEs Sänger Geoff Tate in eine lesbare deutsche Form zu bringen, ohne dass zu viel vom "Streetfeeling" und der Energie der Originaltexte verloren geht. Es musste also eine Konzeption sein, die den Spannungsbogen der beschriebenen Tragödie berücksichtigt und sich nicht zu weit von der Idee der Ur-Gesangs-Texte entfernt (d.h. von dem immer wiederkehrenden Chorus eines Rocksongs).
Es mutet daher fast komisch an, dass ausgerechnet die klassische Oper und das eher altertümliche Drama Shakespeares quasi als Vorbilder für die deutsche Überarbeitung herhalten mussten. Besonders die Textvorlage für Verdis Oper "Aida" war dabei immer wieder Ausgangspunkt bei den Überlegungen. Allerdings hatte der gute alte Verdi einen entscheidenden Vorteil: Er besaß die Bühne! So konnten seine Regieanweisungen eher kurz ausfallen, da sich ja durch das Spiel alles allein erklärte. Auch Gesten und Mimik brauchten nur kurze "szenische Kommentare", weil der Schauspieler und Sänger Gefühle und persönliche Stimmungen selbst, für den Zuschauer erkennbar, darstellen konnte. Eine Situation war daher in manchen Fällen ohne Kommentar einfach selbstredend und selbsterklärend.
Bei "Operation: mindcrime" fehlt natürlich das darstellende Element der Bühne, da die Urfassung ja vom Hörspielcharakter geprägt ist. Des weiteren galt es den Gesang, den man eigentlich nicht wörtlich übersetzen sollte da er besonders auf die Musik zugeschnitten und vom amerikanischen Slang durchwachsen ist, in eine deutsche Fassung zu bringen. Diese sollte jedoch nichts von der Wildheit des Originals vermissen lassen und möglichst das Grundkonzept des ursprünglichen Textes mit einbeziehen.
Daher auch das klassische Vorbild Skakespeare. Liest man die englische Urfassung von "Mindcrime", so lässt sich Nickis Erzählung annähernd mit Monologen aus Dramen des alten Shakespeare vergleichen (z.B. Hamlet). Auch finden sich bei Shakespeare Passagen, die durchaus der Wiederholung des Chorus in den Rocksongs von QUEENSRYCHE entsprechen.
So stand bald das Konzept: Der Text wurde vom Gesang in einen sprechbaren deutschen Umgangston umfunktioniert und um einige "Bindewörter" ergänzt. Das Manko der fehlenden Bühne wurde ausgeglichen durch lange "szenische Kommentare", die den Übergang von einem Song zum anderen bilden und quasi einzelne Kapitel darstellen. Eigene Vorstellungen von der Atmosphäre flossen bei diesen Kommentaren sicherlich mit ein. Das erklärte Ziel war es jedoch, genug Platz für eigen Interpretationen und Darstellungen von der Geschichte zu lassen.
Revolution Calling oder wer killte Schwester Mary?
Ich erinnere mich jetzt...
DIE STORY
- Kapitel I -
Der Anfang vom Ende: "Ich erinnere mich jetzt..."
Irgendwo in einer Nervenheilanstalt, mitten in der Nacht. Auf der Etage werden ständig Ärzte über die Stationsansage ausgerufen: "Dr. J. Hamilton bitte... Dr. Blayer bitte...". Eine Krankenschwester läuft pfeifend über den Gang, überall herrscht Geschäftigkeit. Sie betritt das Zimmer von Nicki und wundert sich.
KRANKENSCHWESTER: Es ist 22.00 Uhr, warum sind sie immer noch auf?
(Im Hintergrund läuft eine Nachrichtensendung. Es wird über ein Verbrechen berichtet.)
RADIOANSAGER: Die Polizei hat einen Verdacht, wie es lautet...
(Derweil spricht die Krankenschwester Nicki an, der mit starrem Blick wach auf seinem Bett liegt.)
KRANKENSCHWESTER: Hallo? Hallo?! (energischer werdend) ... vielleicht brauchen Sie noch
'ne Spritze?! (Sie setzt die Spritze und schreitet zur Tür.)
Träum süß, du Bastard! (Hämisch grinsend verlässt sie das Zimmer.)
Inzwischen liegt Nicki immer noch mit starrem Blick da. Vollkommen regungslos spricht er erschöpft vor sich hin.
NICKI: Ich erinnere mich jetzt. Ich denke daran wie es begann. Ich kann mich nicht mehr an gestern erinnern. Ich denke nur an das was sie mir gesagt haben...
- Kapitel II -
"Anarchie-X"
Der Auftakt zu Nickis Rückblick. Die Geräuschkulisse einer riesigen Menschenmenge erklingt zu aufpeitschender Musik. Frenetisch fordernd spricht ein Redner zu den Massen.
- Kapitel III -
"Revolution liegt in der Luft"
NICKI: Für Geld mach' ich fast alles außer einen abzuballern, denn dafür brauche ich einen ganz besonderen Grund. Dann hörte ich was über Dr. X, das ist der Mann mit den richtigen Mitteln. Nun schau es Dir doch im Fernsehen an. Du wirst sehen, da geht etwas vor sich. Von Politikern habe ich nie viel gehalten, auch nichts von dem ganzen Rummel in D.C. (Anmerkung: Die Hauptstadt der USA, Washington). Das ist einfach eine machtbesessene Stadt. Allerdings ist die Zeit reif für eine Veränderung. Es gibt da eine wachsende Stimmung, die Gelegenheit wegen dieser neuen Einsicht nun zu nutzen. Eigentlich glaubte ich den Medien, dass sie mir die Wahrheit erzählen, ja, dass sie uns die Wahrheit sagen. Aber jetzt sehe ich das Ergebnis überall wohin ich schaue. Wem willst du noch trauen, wenn alle Betrüger sind...?
Revolution liegt in der Luft. Die Revolution braucht dich.
Revolution liegt in der Luft. Die Revolution ruft, wird Schluß damit machen, wird dafür sorgen - ja, durchsetzen -, dass wir damit fertig werden.
Ich habe genug von der ganzen Scheiße, die sie mir im Fernsehen aufschwatzen: Über die kommunistische Gefahr und von den ganzen falschen Predigern, die um mein Geld betteln. Die haben Schweizer Bankkonten, während sie nebenbei ihre Sekretärinnen schwängern. Jetzt sind die alle im Penthouse oder Playboy-Magazin und haben Millionen-Dollar-Geschichten zu erzählen.
Ich denke, Warhol (Anmerkung: Gemeint ist der Künstler Andy Warhol mit seinen gesellschaftskritischen Ansätzen zu den USA) lag nicht schlecht mit seinem Ruhm für 15 Minuten, indem er jeden anderen ausnutzt, nur um Geld zu machen.
Eigentlich glaubte ich, dass nur Amerikas Weg der einzig richtige sei, aber jetzt regiert überall der heilige Dollar das Leben von jedem. Man macht mal eben 'ne Millionen, egal wer dafür stirbt...
Revolution liegt in der Luft. Die Revolution braucht dich.
Revolution liegt in der Luft. Die Revolution ruft, wird Schluß damit machen, wird dafür sorgen - ja, durchsetzen -, dass wir damit fertig werden.
Eigentlich glaubte ich den Medien, dass sie mir die Wahrheit erzählen, nun, dass sie uns die Wahrheit erzählen. Aber jetzt sehe ich das Ergebnis überall wohin ich schaue. Wem willst du noch trauen, wenn alle Betrüger sind...?
Revolution liegt in der Luft. Die Revolution braucht dich.
Revolution liegt in der Luft. Die Revolution ruft, wird was verändern, wird dafür sorgen - ja, durchsetzen -, dass wir damit fertig werden.
- Kapitel IV -
"Operation: Gedankenverbrechen"
Nicki hat sich inzwischen dem Geheimbund von Dr. X angeschlossen. Er sitzt in seiner konspirativen Wohnung, als das Telefon klingelt. Zögernd nimmt er ab.
DR. X: Gedankenverbrechen!
Nicki holt kurz Luft, legt dann aber noch unentschlossen den Hörer auf die Gabel. Das Telefon läutet nochmals bedeutungsvoll.
DR. X: Gedankenverbrechen!
Der Bann ist gebrochen. Nicki wird eine Nummer des Untergrunds, dem Doktor hörig.
DR. X: Es braucht nur eine Minute, du wirst auch keinen Schmerz fühlen. Mache etwas aus deinem Leben, Junge! Nun gib mir schon eine weitere Vene (der Doktor fuchtelt mit einer Spritze herum). Du bist doch schließlich gekommen, um den Doktor zu sehen?! Denn ich werde dir das richtige Heilmittel zeigen und dich von deinen Fragen befreien. Nun, ich werde dich überzeugen.
Du bist ein Schläger auf Abruf. Falls du bisher nichts lernen konntest, ich hätte ein Mittel, das dir den Kopf klar machen würde...
... Mann! .... du siehst echt stark aus. Ich habe eine (Sehn-)Sucht, die ich dir in die Adern spritzen würde, damit du den Drachen brennen siehst.
Kein Bedauern, du hast keine Skrupel mehr. Ende der Lektion. Nun weiß ich, du wirst dich nicht weigern, denn wir haben noch so viel zu tun und du hast nichts mehr zu verlieren. Also dann, nehme diese Nummer an und willkommen zur:
Operation Gedankenverbrechen - Wir sind eine Geheimbund-Revolution, die Überstunden macht.
Operation Gedankenverbrechen - Da gibt's eine Aufgabe für dich im System, mein Junge, für die du nicht erst unterschreiben musst.
Nicki, du weißt jetzt alles, was zu tun ist. Also nehm' die Pistole mit nach Hause, warte neben dem Telefon und wir werden dir jemand rüberschicken, damit du alles hast was du brauchst. Du bist eine Ein-Mann-Todesmaschine, so bringe diese Stadt zum Bluten!
Nun weiß ich, du wirst dich nicht weigern, denn wir haben noch so viel zu tun, und du hast nichts mehr zu verlieren. Also dann, nehme diese Nummer an und willkommen zur:
Operation Gedankenverbrechen - Wir sind eine Geheimbund-Revolution, die Überstunden macht.
Operation Gedankenverbrechen - Da gibt's eine Aufgabe für dich im System, mein Junge, für die du nicht erst unterschreiben musst.
Operation Gedankenverbrechen - Wir sind eine Geheimbund-Revolution, die Überstunden macht.
Operation Gedankenverbrechen - Wenn Du gekommen bist, um den Doktor zu sehen, ja, dann gebe ich Dir das Heilmittel.
Operation Gedankenverbrechen - Mache etwas aus deinem Leben, Junge. Laß mich deine Gedanken kontrollieren. Operation Gedankenverbrechen - Da gibt's eine Aufgabe im System für dich, Junge, für die du nicht erst unterschreiben musst...
- Kapitel V -
"Sagt es!"
Nicki ist willenloser Gefolgsmann des Gedankenverbrechens durch Dr. X geworden. Mittlerweile ist er körperlich und geistig abhängig vom Doktor geworden, der ihn mittels Drogen steuert. Als sein ergebener Jünger tritt er für die Ideen vor einer Versammlung (der Gang) auf und wirbt für die Revolution:
Hört mich an Leute!
Die Menge murmelt laut und horcht...
NICKI: Sie haben mir einen Auftrag gegeben. Allerdings weiß ich bis jetzt noch nicht, was gespielt wird. Ich unterwerfe mich dem Gehorsam. Die Religion ist daran schuld! (Anmerkung: Untergrund-Ideologie)
Ich bin jetzt der neue Messias, der Todesengel mit der Pistole! Ich bin gefährlich in meinem Schweigen und abgrundtief tödlich! Sagt mir den Schmerz den ihr fühlt...
Sagt es, das Wort, für das wir alle stehen... (Anmerkung: Revolution)
Ich habe mein Leben gegeben, damit ich das werde, was ich bin und um einen neuen Anfang zu predigen. Ja, um es euch verständlich zu machen und ein System der Ordnung zu schaffen. Ich habe ein Idealsystem im Sinn, in dem ihr lernen müsst zu opfern und das aufzugeben, was nun hinter euch liegt.
Sagt mir den Schmerz, den ihr fühlt...
Sagt es, das Wort, für das wir alle stehen...
Sieben Jahre der Staatsallmacht, in den Klauen der Konzerne, die Reichen kontrollieren die Regierung und die Medien kontrollieren das Gesetz. Um was zu unternehmen muß dann jeder wissen: Rottet die Faschisten aus! Die Revolution wird wachsen!
Das System, das wir lernen, sagt wir sind alle gleich vor dem Gesetz, jedoch sind die Straßen die Realität: Die Schwachen und Armen werden niedergemacht! So kommt, versetzen wir der Balance der Macht einen Schlag und reißen ihnen die Krone herunter. Bewegt die Massen! Wir werden das Weiße Haus niederbrennen!
Sagt mir den Schmerz den ihr fühlt...
Sagt es, das Wort, für das wir alle stehen...
Sagt es, das Wort, für das wir alle stehen...
(Revolution)
- Kapitel VI -
"Die Krankheit greift um sich"
Nicki ist gefangen im Netz des Geheimbundes. Er verbreitet dessen politische Ideologien und befindet sich durch seine steigende Drogensucht in einer ausweglosen Abhängigkeit vom Doktor und der Untergrundbewegung. Schwester Mary kümmert sich im Auftrag des Doktors um ihn und verabreicht ihm die Drogen, während allmählich die Saat der Revolution aufgeht...
NICKI: Sie bringt mir immer, was ich brauche. Ohne dem bettel, schwitze und blute ich. Wenn wir nachts alleine sind und auf den Anruf warten, sorgt sie für mich. 16 Jahre alt und von zu Hause weggelaufen, fand sie einen Job am Time Square und arbeitete in einer Live-Pornoshow. 25 Dollar für einen Fick und ihr Freier ist ein glücklicher Mann. Danach wischt sie sich den Dreck ab und geht wieder zurück auf die Straße.
Die Krankheit greift um sich (Anmerkung: Gemeint ist die Revolution). Jeder braucht sie, aber keiner will es wahrhaben.
Vater William rettete sie von der Straße. Sie trank das Herzblut von Füßen des Heilands. Jetzt ist sie Schwester Mary, mit Augen, kalt wie Eis. Einmal pro Woche schnappt er (Anmerkung: Der Priester) sie sich, legt sie wie ein Opfer auf den Altar und schläft mit ihr.
Die Krankheit greift um sich. Jeder braucht sie, aber keiner will es wahrhaben.
Religion und Sex sind Machtspiele. Sie manipulieren die Leute für's Geld, das sie dafür zahlen. Sie verkaufen dich mit Leib und Seele, letztendlich sind wir Nummern, wie die auf deren Kreditkarten. Politiker sagen "Nein" zu Drogen, während wir gleichzeitig die Kriege in Südamerika damit finanzieren. Wir bekämpfen Feuer mit leeren Worten. Inzwischen werden die Banken immer fetter, die Reichen werden reicher und die Bullen besticht man, damit sie wegsehen, wenn das eine Prozent Amerika regiert.
Die Krankheit greift um sich. Jeder braucht sie, aber keiner will es wahrhaben, auf welche Weise die Gesellschaft die Krankheit verbreitet.
- Kapitel VII -
"Die Mission"
Nicki sitzt in seinem Unterschlupf. Im Fernsehen läuft gerade ein Bericht über die Computerfirma IBM. Der Reporter spricht von deren technischer Revolution im Jahre 1972. Nicki wechselt gelangweilt den Fernsehkanal. Ein Prediger spricht nun zu den pathetischen Orgelklängen im Hintergrund von Gott, dem heiligen Geist sowie Recht und Ordnung. Währenddessen ist Nicki damit beschäftigt seine Pistole zu laden. In dieser Nacht ist er der Todesengel. Das Gedankenverbrechen des Dr. X und die Drogenabhängigkeit zeigen Wirkung. Sie haben seine Nummer, er ist das Todeswerkzeug auf Abruf. Die alten religiösen Werte bedeuten der Ein-Mann-Todesmaschine nichts mehr...
NICKI: Segne mich Vater, wofür ich geschickt werde.
Nicki verlässt seinen Unterschlupf. Ein Schuß fällt. Nach der Ausführung seines Auftrags wartet er auf Mary. Sie hilft ihm, mit dem Töten fertig zu werden.
NICKI: Mein Gesichtsausdruck sieht aus, als ob er im Regen geschaffen wurde, während ich im hölzernen Stuhl neben meinem Fenster sitze. Ich spreche zu Schatten, die von einer einsamen Kerze an die Wand geworfen werden und rezitiere die Sprüche von der Wand. Ich kann's nicht erklären, diesen heiligen Schmerz...
Vor sechs Tagen hat mein Leben sich verändert. Sie sagen, die Anweisungen kämen von ganz oben und es besteht Bedarf mich weiterhin einzusetzen. Außerdem haben sie meine Nummer.
DR. X: Weiter geht die Abrechnung, Junge. Du kennst ja das Spiel!
NICKI: Ich werde tagelang warten, bis die Schwester kommt, um mich von den Sünden zu reinigen. Sie ist die Dame, die meinen Schmerz lindern kann, sie bringt den einzigen Freund (Anmerkung: Gemeint sind die Drogen), der mir hilft, meinen Weg zu finden.
Ich durchdringe die Vergangenheit bis zu einer Zeit, als ich jünger war, wie geschaffen für eine neue Gesellschaft; aufgenommen von ihr, um an die Stelle der Führer zu treten. Ich bin sozusagen das Gegenmittel der neuen Geheimbund-Realität...
Ich warte hier tagelang bis die Schwester kommt, um mich von meinen Sünden zu reinigen. Sie ist die Dame, die mein Bedauern lindern kann. Meine Liebe für sie wird mir helfen, meinen Weg zu finden.
Sie sagen, meine Mission rettete die Welt und ich werde stolz dastehen. Meine Mission veränderte die Welt, sie hat mein Leben anders gemacht.
Ich schaue um mich herum, mein Zimmer ist übersät mit Kerzen. Jede bedeutet eine Geschichte, jedoch enden sie alle gleich. Ich werde mich hier verstecken, das Gesetz findet mich nie, und die Wände werden die Geschichte meines Schmerzes erzählen.
Ich warte tagelang, bis die Schwester kommt, um mich von meinen Sünden zu reinigen. Sie ist die Dame die meinen Kummer lindern kann. Sie bestimmt den Zeitpunkt, an dem ich von meinen Schmerzen befreit werde.
Sie werden sagen, meine Mission rettete die Welt, und ich würde stolz dastehen. Meine Mission veränderte die Welt...
Der Geheimbund wird sich erheben und diese Welt retten, so dass wir alle stolz sein können. Unsere Mission veränderte die Welt, wir werden die Erdkugel verändern, und wir werden stolzen Hauptes dastehen.
- Kapitel VIII -
"Gefolgin Schwester Mary"
Sie kennen seine Nummer. Ihr Befehl und seine blinde Gefolgschaft bedeuten das Verderben für andere. Können aber Haß, Kummer, Bedauern und ergebene Loyalität miteinander leben?
Nicki, das Werkzeug der neuen Ordnung, ist ein willenloses Opfer, das sich selbst und seine Gedanken nicht mehr kontrollieren kann. Er schlendert daher apathisch durch die Straßen. Schwere Regentropfen fallen prasselnd auf den Asphalt, als ein große Limousine direkt neben ihm anhält. Der Motor läuft leise, während sich die colorierte Seitenscheibe elektronisch gesteuert senkt. Erschrocken erkennt Nicki den Doktor...
DR. X: Töte sie! ... Das ist alles, was du tun musst!
NICKI: (irritiert) Mary töten?
DR. X: (unberührt) Sie ist ein Risiko... und schnapp dir auch den Priester.
Der Wagen fährt davon. Fragend steht Nicki im strömenden Regen, von irgendwo hört man das Einsatzhorn einer Polizeistreife. Verwirrt spricht er zu sich selber und wankt dabei apathisch zur Kirche, um seine Gefolgin Schwester Mary zu finden...
NICKI: 22.00 Uhr! Ich spüre den fallenden Regen. Mein Gesicht fühlt die Feuchtigkeit, mein Verstand dagegen spürt den Sturm. Lichter blitzen auf, während die Menschen rennen, um Schutz vor dem Regenguß zu suchen. Ich laufe leise durch die Straßen. Es sind meine Straßen... ja, sie gehören mir (gierig)...
Mitternacht! Sie singt Lobgesänge zu frommen Gesichtern im Kirchenschiff. Geheiligt seien deren Namen, die sie ehedem nicht nennen kann. Schwester Mary, Jungfrau Mary - stumm mit ihrer Sünde...
Gedankenlos klopft Nicki an die Pforte des Gotteshauses. Langsam öffnet sich die schwere Tür. Mary tritt ihm entgegen.
MARY: Was machst du hier draußen im Regen? (besorgt)
NICKI: Sie bemerkt mich. Ich spüre ihren Atem wenn sie spricht...
MARY: Ich habe auf dich gewartet. Komm rein! (aus dem Kircheninneren hört man sakrale Gesänge)
NICKI: Mary, Mary - du bist doch nur eine Hure für den Geheimbund. Sie lassen sich die Schulden für deine Rettung begleichen. Du dachtest wohl, du hättest sie hereingelegt. Jetzt haben sie mich wegen dir geschickt. Du weißt zuviel für dich selbst. Komm mir jetzt nicht mit Glauben. Ich habe alles was ich brauche. Mein Glaube wächst, ja, er platzt aus allen Nähten. Was wir stattdessen brauchen ist Vertrauen, damit wir beide überleben. (wie zum Stoßgebet richtet er sich an Mary)
Helfe uns, damit wir durch die Nacht finden...
MARY: Ich brauche keinen Glauben mehr. Fessel meine Arm, nehme meinen Verstand, denn den einzigen Frieden den ich jemals kannte ist meine Augen zu schließen. Und dann schieß.
NICKI: Nein Mary! - Hör zu! Du musst deine Kraft von meinen Lippen ablesen. Ich bete dafür, dass ich es dir gut ergehen lassen werde. Dein edles Kreuz ist verloren. Es war schuld, dass es so lange für das dauerte, was du jedem gibst. (Anmerkung: Mary sollte keine Ordensschwester sein. Die "Kirche" hinderte sie so, dass sie sich Nicki allein widmen konnte.)
Der Priester ist kalt und tot. Auf seinen Knien ergab er sich meinem Gewehrlauf des Todes. Er färbte das Weihwasser rot und als er starb, sagte er "Danke schön!" - Ich sah ihn eben noch bluten.
MARY: Ich spüre wie's blutet, die glückliche und seligmachende Blutlache. Meine Hände schwitzen wie Feuer und Flammen, sie verbrennen meine Oberschenkel und werden Teil eines Opferritus, da der heilige Altar diese Nacht nochmals mein Fleisch verbrennt...
NICKI: Mary, süße Dame des Schmerzens, immer allein und zu blind, um nach der Wahrheit zu suchen. Ich sehe mich in dir, denn wir haben vergleichbare Leben und schlängeln uns mit Lichtgeschwindigkeit durch die Zeit.
Kampfgeräusche - Man hört eine Frau jammern und stöhnen. Sie schreit. Es ist wie ein schwaches und wimmerndes Aufbegehren. Stimmen ertönen, als ob sie aus dem Schlund der Tiefe und den Höhen des Himmels kämen und nun das Kirchenschiff erfüllen. Gnadenlos trommelt der Gesang auf Nicki ein.
NICKI: Die Zeit drängt. Wir müssen sein Spiel stoppen, bevor der Wahnsinn lachend triumphiert. Zuviel Blutvergießen - Wir wurden benutzt und verfüttert, wie die Ratten bei Experimenten. Das wird uns hier nichts bringen, außer Schmerz und Angst, von dem wir unser Leben lang verfolgt werden. Es bleibt nur noch eins übrig: Entweder wird er dran glauben oder ich. Hier ist noch eine Kerze brennend geblieben...
Wieder ertönt der Chor. Lobend, preisend und zugleich mahnend verhallt sein Gesang.
MARY: Kehr' meiner Schande den Rücken. Das Blut von Christus kann meine tiefe Wunden und die Sünden der Menschheit, an all denen ich mich versucht habe, nicht heilen. Es verjagt nicht die Erinnerung aus meinem Gedächtnis. Ich kann nicht mehr weinen...
NICKI: Mary, süße Dame des Schmerzens, immer allein und zu blind, um nach der Wahrheit zu suchen. Ich sehe mich in dir, denn wir haben vergleichbare Leben und schlängeln uns mit Lichtgeschwindigkeit durch die Zeit.
Nicki verlässt die Kirche, hinter ihm mahnen noch heulend die Chöre. Eilig rennt er einen Weihwasserkelch um und stürzt dann auf die Straße. Draußen donnert wieder das Gewitter. Es regnet heftiger und Nicki läuft verwirrt zum Versteck von Dr. X. Dort wartet er ängstlich und verzweifelt.
- Kapitel IX -
"Die Nadel lügt"
Seit Stunden gab es keine Drogen mehr für Nicki. Noch zitternd wegen der Vorfälle in der Kirche herrscht er den Doktor an. Langsam erkennt der "Todesengel" wohl, dass er nur noch eine Marionette des Untergrunds ist, der ihn abhängig, willenlos, ängstlich und voller Selbstvorwürfe machte.
NICKI: Ich habe genug! Ich steige aus...
DR. X: Du kannst jetzt nicht abhauen!
(greift die Ampulle mit der beruhigenden Spritze und lacht höhnisch, während Nicki aufspringt und vor ihm und der Nadel wegläuft)
NICKI: Ich schaute mich kurz um und alles was ich sah war sein Gesicht: Grinsend! - Ja, die Nadel ruft nach mir. Ich ging dann aus seinem Zimmer, das mit Spiegeln gespickt war, und ich fürchtete mich davor, ihn rufen zu hören: Du wirst hier niemals wegkommen!
Kalt und fröstelnd kroch ich durch die Gassen, wobei ich versuchte, die Spuren welche mich verrieten zu entfernen. Mein Blick schweifte auf die Betonmauern, als ich erstaunt auf die Worte starrte, die an der Wand geschrieben standen:
Traue niemals - Traue niemals der Nadel. Sie lügt...
Traue niemals - Traue niemals der Nadel, wenn sie nach dir ruft...
Feucht und gierig ruft die Nadel mich wieder zurück, um meine Hände für immer mit Blut zu besudeln und um meine Aussicht auf Heilung mit der Klinge zu zerschneiden, die mich mit Angst zurücklässt. Aber jetzt, wenn ich schwach bin, ertönen die Worte aus meinem Arm:
Traue niemals - Traue niemals der Nadel. Sie lügt...
Traue niemals - Traue niemals der Nadel, wenn sie nach dir ruft, ja, deinen Namen schreit...
- Kapitel X -
"Elektronische Totenmesse"
Es ist Nicki endlich gelungen, sich dem Doktor erfolgreich entgegen zu stemmen, und er ist nicht zu seinem Versteck zurückgelaufen. Statt dessen zieht es ihn zum alten Treffpunkt von Mary, wo er immer Zuflucht findet. Knirschend öffnet sich die Tür zur kleinen Seitenkapelle.
NICKI: Ist jemand daheim...? (lauscht ahnungsvoll in die dunkle Stille des Raumes, als es ihn mit Schrecken durchfährt)
... Mary...? (suchend)
In einem Nebel aus schwachen Ahnungen und dem Zittern wegen fehlender Drogen erinnert sich Nicki, was wohl in seiner Verwirrtheit passiert sein könnte. Vor ihm liegt Mary. Regungslos und kalt erstarrt.
NICKI: (kniet vor der Toten) Selbst im Tod siehst du noch traurig aus. Verlasse mich nicht, laß mich nicht hier. Ich wünschte, ich wäre jetzt an deiner Stelle, glaube mir. Bleibe hier...! (resignierend)
- Kapitel XI -
"Das Schweigen brechen"
Der Todesengel ist schwer getroffen. Mary bedeutete vielleicht die erhoffte Rettung, Hilfe und ein anderes Leben. Nun ist es Zeit für Nicki, das Schweigen zu brechen...
NICKI: Sie erzählten mir, ich sollte rennen - aber wie weit? Kann ich weiterhin die schwarze Maske der Angst tragen? Der Haß in meinen Augen würde mich immer nur verraten. Die Anspannung wird allmählich größer...
Nun habe ich alles verloren, was ich in dir hatte. Nichts von dem was wir gemeinsam empfanden bedeutet nun etwas. Ohne dich in meiner Nähe kann ich nicht leben.
Ich breche das Schweigen der Nacht, kannst du mich nicht schreien hören? Ich suche nach deinem Gesicht im Neonlicht - du antwortest mir niemals...
Da ist keine Regung in meinem starren Blick, keine Flamme brennt mehr in meinem Herzen. Ruhig behalte ich es für mich, bis die Sonne langsam untergeht. Ich höre deine Stimme im Abendregen rufen. Nichts wird uns trennen, keine weiteren Lügen und Angst. Es gibt kein Ende bei unserer Geschichte.
Ich breche das Schweigen der Nacht, kannst du mich nicht schreien hören? Ich suche nach deinem Gesicht im Neonlicht - du antwortest mir niemals. Ich könnte all die, die auf der falschen Seite stehen, das Rechte sehen lassen, wenn du an meiner Seite wärst...
Ich hüte all die Tränen, die du weintest und verberge sie im Geheimsten.
Ich kann nicht zurückschauen, denn es wäre reine Zeitverschwendung. Und ich kann diesen Hass nicht aus meinen Augen verschwinden lassen...
Ich breche das Schweigen der Nacht. Durch die Straßen schreie ich. Suche dein Gesicht im Neonlicht. Warum antwortest du nicht? Ich breche das Schweigen mit meinen Rufen, kannst du mich nicht schreien hören? Wir könnten alle, die auf der falschen Seite stehen, das Recht sehen lassen, aber du antwortest mir niemals...
- Kapitel XII -
"Ich glaube nicht an Liebe"
Es ist zu spät. Nicki kann nicht mehr denen, die auf der falschen Seite stehen, den rechten Weg zeigen. Der Staatsfeind Nr. 1 ist gefasst. In einer geschlossenen Anstalt steht sein Zimmer unter strengster Bewachung.
Nur in sein Inneres kann sich keiner hereinversetzen. So plagen Ängste, Entzug und imaginäre Stimmen seinen Kopf. "Wir wissen es, was du getan hast...", flüstern sie immer und immer wieder.
NICKI: Nein, nein!
(Aufgepeitscht von den Stimmen schreit er im Halbschlaf seine Unschuld heraus. Er sei es nicht gewesen, er ist auch nicht verantwortlich dafür und außerdem: "Ich glaube nicht an Liebe!")
Ich wachte mit einem Schlag auf, unter der Linse einer Überwachungskamera, die langsam (den Raum) rauf und runter abtastete. Der kriminelle Verstand entstand durch eine kriminelle Szene. (beschwichtigend)
In Handschellen und blind, ich habe es nicht getan... (wendet sich an die imaginären Stimmen) Sie sagte, sie liebte mich - ich glaube, ich wusste es nie. Aber wissen wir denn jemals wirklich etwas? Sie sagte, sie würde mich auf der anderen Seite treffen, aber ich wusste genau, dann würde ich sie nicht finden.
Ich glaube nicht an Liebe. Ich habe es nie getan und werde es auch nicht machen. Ich glaube nicht an Liebe, denn sie ist nicht den Schmerz wert, den du fühlst.
Keine weiteren Albträume mehr. Ich habe sie alle gesehen von dem Tag ab an dem ich geboren wurde, (beschwörend an die Stimmen) und sie haben mich bei jeder Bewegung heimgesucht.
Jede offene Hand ist geschaffen, um zu fürchten und zu stoßen, so dass jede Nacht so hell leuchtet wie ein Tag. Nun wandle ich im Schatten, sehe niemals das Licht. Sie muß also gelogen haben, denn sagte niemals "Auf Wiedersehen"...
Ich glaube nicht an Liebe. Ich habe es nie getan und ich werde es auch nicht machen. Ich glaube nicht an Liebe. Ich bilde mir einfach ein, dass es sie nie wirklich gab. Ich glaube nicht an Liebe. Ich muß ihr Gesicht vergessen, ich sehe es noch vor mir. Ich glaube nicht an Liebe, denn sie ist nicht den Schmerz wert, den du fühlst.
Keine Möglichkeit auf ein Wiedersehen, es gibt keine Existenzberechtigung mehr. Meine einzige Hoffnung ist, dass ich eines Tages den Schmerz vergessen werde bei der Einsicht:
- Es kann nichts mehr geben. Denn mit oder ohne Liebe, es ist ehedem egal für mich -
Ich glaube nicht an Liebe. Ich habe es nie getan und ich werde es auch nicht machen. Ich glaube nicht an Liebe. Ich bilde mir einfach ein, dass es sie nie gab. Ich glaube nicht an Liebe. Ich habe es nie getan und ich werde es auch nicht machen, denn sie ist nicht den Schmerz wert den du fühlst...
- Kapitel XIII -
"Warten auf Nr. 22"
Nicki ist allein mit den selbstquälenden Fragen und Vorwürfen. Sie haben immer noch seine Nummer und könnten ihm jemanden schicken, der die Schwingen des Todesengels wieder fliegen lässt. Vielleicht wäre es Nr. 22, doch "22" gibt es nicht mehr. Es war wohl die vorige Nacht...
So wartet er vergeblich auf Marys Hilfe und versucht sein Gewissen mit Ausflüchten zu erleichtern. Allein...
- Kapitel XIV -
"Mein leeres Zimmer"
Unaufhörlich füllt das Ticken der Uhr Nickis leeres Zimmer. Es ist sein Gefängnis. Während gleichzeitig der Zeiger voranrückt, findet Nicki keine Ruhe.
NICKI: Heute ist mein Zimmer leer und ich sitze hier. Eine Kreidezeichnung ist da an der Wand. Ich erinnere mich wie ich sie malte, wohl tausend Mal.
Letzte Nacht starb sie. Warum? Warum...? (bangend)
Heute find ich keinen Schlaf. Ich kann mir nichts mehr vormachen. Falls alle meine Träume Verbrechen sind, ich könnte ihnen nicht in die Augen sehen. Wer wird jetzt kommen um mich von meine Sünden zu reinigen? Das Zimmer aufräumen, das Essen zubereiten und mein Freund sein?
- Kapitel XV -
"Die Augen eines Fremden"
Wie kurze Episoden ziehen Nickis Erinnerungen an ihm vorbei. Dr. X, der Geheimbund, Mary, seine Mission die alles ändern sollte, die Polizei, das Aus und die Einsamkeit... Sehnsucht nach dem wahren "Ich"...
Endstation Nervenheilanstalt. Es herrscht immer noch Geschäftigkeit auf der Etage des großen Krankenhauses. Durch die Sprechanlage schallt es wieder: "Dr. J. Hamilton, bitte... Dr. Blayer, bitte..."
Über dem Gang vor Nickis Zimmer tapsen Schritte, die allmählich leiser werden. Stimmen hingegen dröhnen immer noch in Nickis gequältem Kopf. Es ist das höhnische Lachen von Dr. X.
Nicki hört sich "Nein" schreien. Vergeblich...
NICKI: Ich bin jetzt ganz alleine außer den Erinnerungen von dem was wir besaßen und was wir wussten. Immer dann, wenn ich versuche zu vergessen, sehe ich etwas, dass mich an dich erinnert. Jede Nacht kehren die Träume wieder, um mich zu verfolgen. Dein Rosenkranz schnürt sich um deine Kehle...
Ich liege wach, schwitze und fürchte mich davor einzuschlafen, denn ich sehe dein Gesicht, wie es zurückschaut auf mich. Und ich hebe meinen Kopf und starre in die Augen eines Fremden.
Ich wusste immer, dass der Spiegel niemals lügt. Die Leute wenden sich stets ab von den Augen eines Fremden, weil sie fürchten, sie könnten wissen, was hinter diesem starren Blick liegt.
Ist das etwa alles, was mein Leben noch zu bieten hat? Zwangsjacken-Erinnerungen und Beruhigungsmittel? Es gibt kein Happy-End wie sie es immer versprochen haben. Da muß doch noch etwas übrig sein für mich...? (resignierend)
Und ich hebe meinen Kopf und starre in die Augen eines Fremden. Ich wusste immer, dass der Spiegel niemals lügt. Die Leute wenden sich stets ab von den Augen eines Fremden, weil sie fürchten, sie könnten wissen, was hinter diesem starren Blick liegt.
Wie oft muß ich diese Tragödie noch durchleben? Wie viele Lügen werden sie mir noch erzählen?
Alles was ich will ist das was jeder hat! Warum bin ich hier und für wie lange...?
Und ich hebe meine Kopf und starre in die Augen eines Fremden. Ich wusste immer, dass der Spiegel niemals lügt. Die Leute wenden sich stets ab von den Augen eines Fremden, weil sie fürchten, sie könnten wissen, was hinter diesem starren Blick liegt.
R E V O L U T I O N...
Ich erinnere mich jetzt!
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