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Die Madman-History

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Madman, Fürst der Finsternis... mit diesen Begriffen verbindet unsereiner OZZY OSBOURNE. Zuletzt auch noch mit dem Chartstürmer Dreamer und "The Osbournes", Geschichten aus der angeblichen Welt unseres Ozzys und seiner Family. In den US of A gibt es die jährlichen Ozz-Festivitäten, mit denen seine geschäftstüchtige Frau Sharon für einen weiterhin munter fließenden Dollarstrom in die Familienkasse sorgt. Schließlich wollen Kelly und Jack O. auch ernährt werden und die auf den Teppich pinkelnde Vierbeinerschar ebenfalls die Näpfe randvoll mit Delikatessen kredenzt bekommen. In Europa hält es sich tourmäßig eher in Grenzen, die nordamerikanischen Brüder & Schwestern der Rockgemeinde sind zahlreicher für dieses Phänomen hinter ihren Öfen hervor- bzw. vor ihren Kaminen & Lagerfeuern wegzulocken und in die Arenen zu ziehen.

Die Jüngeren unter uns verbinden mit Ozzy Osbourne aufgrund seiner "Aktivitäten" spätestens seit Anfang der Neunziger einen Musiker der eigentlich nur noch Kultstatus besitzt und zwar ab und an einen akzeptablen Song veröffentlicht, ansonsten jedoch schon fast zu einem Clown verkommen ist. Ob er das nun wirklich ist sei dahingestellt, Fakt ist, dass seine Alkoholsucht ihm sicherlich vieles von seiner früheren Kreativität und Vitalität genommen hat. Wenn man ihn so durch die einzelnen Episoden schlurfen sieht, ist die Mitleidsgrenze nicht fern.
Ozzy wirkt heute auf mich wie ein liebenswerter in die Jahre gekommener durch Drogen gezeichneter Rocker. Wenn ich zurückdenke, erinnere ich mich an einige Interviews aus den Achtzigern in welchen er erstaunlich gut über die Hard'n'Heavy Szene informiert war und bärenstarke Alben am Start hatte.

Wer kennt sie nicht, die Kutten der Headbanger. Seinerzeit glänzten da patchmäßig nicht nur die ganzen NWOBHM-Recken, Atze Detze, Priest, Motörhead, Rainbow usw., auch unser Ozzy erschien immer wieder auf den heißgeliebten Jeanswesten. Basierend auf den Veröffentlichungen von Alben die zumindest teilweise bis heute Meilensteine des harten Rocks jener Jahre geblieben sind.
Randy Rhoads, Bob Daisley, Lee Kerslake, Don Airey, Jake E. Lee, Tommy Aldridge, Rudy Sarzo, Brad Gillis, Bernie Torme, Pete Way, Phil Soussan, Randy Castillo, Zakk Wylde, Geezer Butler... die Liste der Mitwirkenden liest sich wie ein "who is who" der Hardrockszenerie. Die Alben aus diesen Jahren verdienen es mit einigen kleinen Stories aus besagter Zeit hier noch einmal vorgestellt zu werden.

Nachdem Ozzy Osbourne seine Stammcombo BLACK SABBATH 1978 verlassen hatte war zunächst eine Therapie aus radikalem Entzug und Wahrnehmung einer neuen Aufgabe sprich der Formierung einer neuen Band angesagt. Der Mann, der es so lange verstanden hatte den Fans zu suggerieren da oben stünde einer von ihnen (im Klartext hätte das bedeutet: ganze Säle voller Alkoholiker) schien am Ende.
Wieder halbwegs auf dem Damm, wurde Ozzy auf der Suche nach einem Gitarristen in Kalifornien fündig und traf auf Randy Rhoads, einem ehemaligen Lehrer der "Musonia School Of Music" und späterem Axeman der Ami-Rocker QUIET RIOT (die ihren Durchbruch allerdings erst 1983 mit "Metal Health" hatten, Jahre nachdem Randy die Band verlassen hatte). Es folgte der ex-RAINBOW Bassist Bob Daisley und nach einer längeren Zeit der Suche Drummer Lee Kerslake (u.a. URIAH HEEP).

Blizzard Of Ozz

Bei den Aufnahmen von "Blizzard Of Ozz", die Mitte März 1980 begannen und vier Wochen andauerten, wirkte der heutige DEEP PURPLE Keyboarder Don Airey ebenfalls mit und nach deren Veröffentlichung sah die Welt sich mit einem neuen Wunderknaben der Gitarre konfrontiert: Randy Rhoads.
Seine Art dieses Instrument zu spielen sollte fortan Legionen von Musikern beeinflussen. Schon beim ersten Track I Don't Know fällt auf, mit welcher scheinbaren Leichtigkeit die Riffe nur so aus dem Ärmel geschüttelt werden.
Das Album stieg schnell in die Top 10 der UK Charts ein und kletterte bis Platz sieben. Im Folgejahr auch in den USA veröffentlicht, kletterte "Blizzard Of Ozz" bis Position 21, hielt sich 2 Jahre in den Billboard Album Charts und erreichte Multi-Platinum Status. Die Kritiker verteilten unterschiedliche Noten, ein "befriedigend" wurde durchweg nicht unterschritten.
Die folgende Mammut-Tour bestritt man mit den Walisern BUDGIE im Vorprogramm und ich bedaure heute noch nicht dabei gewesen zu sein. Späte Geburt ist nicht immer eine Gnade.

Höre ich "Blizzard Of Ozz" heutzutage, bin ich geneigt dieses Album als Klassiker zu bezeichnen. I Don't Know und Crazy Train läuten mit der unnachahmlichen Gitarrenarbeit Randy Rhoads einen Longplayer ein, welcher absolut mehr als nur diese beiden Rocker im Angebot hat. Das instrumentale Dee zeigt Ozzy's Ausnahmegitarrero auf der Akustischen, Goodbye To Romance hat schon beinahe Balladencharakter, Revelation steht dem nicht viel nach und man glänzt auch hier wieder mit einem Wechsel von akustischen und elektrischen Teilen.
Mr. Crowley (oft betrachtet als "tribute to famed British diabolist Aleister Crowley", was OZZY nie so richtig klärte. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen...) und besonders Suicide Solution brachten Ozzy mehr kontroverse Meinungen ein als ihm lieb sein konnte. Mitte der achtziger Jahre fand er sich in einer US-Gerichtsverhandlung wieder, als um den Einfluss von Suicide... beim tragischen Selbstmord eines Teenagers verhandelt wurde.
Straighte Rocker wie No Bone Movies, Steel Away oder der CD Bonus Track You Lookin' At Me Lookin' You runden das Bild eines damals von vielen Kritikern unterschätzten Albums ab. Millionen von Käufern waren begeistert und bis heute haben Songs von "Blizzard Of Ozz" einen großen Anteil an Ozzy's Live-Repertoire.
Produziert von Osbourne & Band mit Max Norman als Engineer wurde ein Album vorgelegt, das jeder Hardrock Sammlung zusätzlichen Glanz verleiht. Auch fast 25 Jahre nach seinem Erscheinen hat "Blizzard Of Ozz" nichts von seiner Power, seiner Virtuosität und besonders seiner Atmosphäre verloren und wurde nicht umsonst vor einiger Zeit wiederveröffentlicht.

Diary Of A Madman

1981 nahm man in der gleichen Besetzung erneut in den englischen Ridge Farm Studios den Nachfolger "Diary Of A Madman" auf (Produzenten: Max Norman, Ozzy & Randy Rhoads) und landete in kommerzieller Hinsicht einen weiteren Volltreffer. Die Verkaufszahlen besonders in den USA bewegten sich erneut in Millionenhöhe.
Die Qualität des Albums reicht nach meiner Meinung nicht ganz an den Vorgänger heran. Während "Blizzard Of Ozz" sehr kompakt wirkt, halten hier nicht alle Songs ein gleich hohes Niveau. Der treibende Opener Over The Mountain, das langsamere aber ungemein heavy eingespielte Flying High Again und der Hinweis an das Establishment You Can't Kill Rock And Roll zeigen Ozzy, Randy & Co. in absoluter Hochform. Der Schluss- sowie Titelsong Diary Of A Madman präsentiert die Band von der klassischen Seite und lässt eine gleichzeitig bedrückende wie beeindruckende Atmosphäre entstehen.
Die restlichen Tracks sind nicht unbedingt schlecht, bieten aber letztendlich nicht mehr als guten Durchschnitt und lassen Höhepunkte vermissen. Doch alleine wegen der erwähnten vier Songs lohnt ein Kauf des Albums immer noch, lässt diese Tracks zu Klassikern werden. Über das alberne Cover sollte man allerdings getrost hinwegsehen.

Vor einigen Jahren traf man sich bezüglich der ersten beiden Alben vor Gericht wieder, da Bob Daisley und Lee Kerslake in Sachen kompositorischer Anteile unterschiedliche Standpunkte im Gegensatz zu Ozzy's Management sprich seiner Frau Sharon vertraten. Im Rahmen der Wiederveröffentlichung von "Blizzard..." und "Diary..." spielte man Bass und Drums unter Mithilfe von Robert Trujillo (ex-SUICIDAL TENDENCIES, heutiger METALLICA Tieftöner) und Mike Bordin (ex-FAITH NO MORE) kurzerhand neu ein. Ich gehöre zu den Besitzern dieser Alben und kann den guten Sound der Scheiben nur löblich erwähnen, die beschriebene Maßnahme bietet jedoch sicherlich Stoff für Diskussionen.

Ozzy Osbourne hatte bereits aufgrund seiner Songtexte besonders in den US of A mit einigen Problemen zu kämpfen. Mr. Crowley sorgte dafür, dass Ozzy stets in die dunkle und jugendgefährdende Ecke gedrängt wurde. Ob das nicht auch ein geschickter Schachzug in Sachen Imagepflege war sei dahingestellt. Fakt ist, besser schlechte Schlagzeilen als gar keine. Als Ozzy auf einer Veranstaltung einer Taube den Kopf abbiss und kurz darauf auch noch einer Fledermaus das gleiche Körperteil, bekam er ausreichend Presse. Was ihn dazu getrieben hatte vermochte der Madman später wohl selbst nicht mehr so genau zu sagen, letzteres Getier hatte ihm angeblich ein Fan bereits in totem Zustand auf die Bühne geworfen. Womit erst einmal eine Tollwutimpfung angesagt war. Madness rules the world...

Die Touren durch die USA nahmen sehr schnell gigantische Ausmaße an. Mittelalterliche Kulissen mit riesigen Treppen, Balkonen, alten Gemäuern - die nordamerikanischen Konzertbesucher wurden optisch verwöhnt, während es auf dem alten Kontinent um einige Nummern kleiner zuging.
Am 01. November 1981 fand im Rahmen der Heavy Metal Battle eine solche auch in der Essener Grugahalle statt. Als Teilnehmer dieser Tour sollten dort die Headliner SAXON sowie im Vorprogramm RIOT und ... Ozzy Osbourne gastieren. Was sich heutzutage so vielversprechend liest, präsentierte sich seinerzeit nicht gar so glänzend. Die Halle mächtig leer, RIOT wurden nicht gesehen... und Ozzy auch nicht. Statt dessen schmale Küche mit BULLET und MORE. Das es für mich die letzte Möglichkeit gewesen wäre, Rhandy Roads einmal live erleben zu dürfen bewahrheitete sich einige Monate später.

Im Rahmen der US-Tour gastierte man am 19. März 1982 in Lakeland (Florida). Den Bass spielte mittlerweile Rudy Sarzo und Tommy Aldridge beackerte fortan die Drums.
Während Ozzy nach einer schweren Nacht im Tourbus schlief, mieteten der Gitarrist und die Gardorobiere Rachel Youngblood ein kleines Flugzeug um einige Runden zu drehen. Was den Piloten dazu bewogen hat im Tiefflug über den parkenden Bus zu rasen wird bis heute spekuliert, doch letztendlich führten diese Aktionen zu einem tragischen Unglück. Das kleine Flugzeug streifte das Dach des Fahrzeugs, raste in einen Baum und explodierte. Alle Insassen waren auf der Stelle tot.

So groß der Schock auch gewesen sein mag, die Tour ging weiter und man rekrutierte kurzfristig den ex-GILLAN Gitarristen Bernie Torme. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ging es im Prinzip nur noch um den Solokünstler Ozzy Osbourne, das Thema Band welches ursprünglich unter "Blizzard Of Ozz" begonnen hatte (was Ozzy später so nicht mehr sah) hatte sich erledigt. Von nun an gaben sich die Musiker die Klinke in die Hand und das Personalkarussell drehte sich permanent.
Nach ungefähr zwei Wochen war Mr. Torme bereits wieder draußen und Brad Gillis (ex-NIGHT RANGER) schwang für einige Monate die Axt. Den Bass übernahm u.a. auch Pete Way (damals ex-UFO, später auch aus dem Projekt FASTWAY mit ex-MOTÖRHEAD Eddie Clarke ausgestiegen).
Zu dieser Zeit machte Ozzy die Bekanntschaft einer gewissen Sharon Arden, deren Vater Jet Records leitete und u.a. eben auch Mr. Osbourne als Künstler unter Vertrag hatte. Später wurde aus Ms. Arden die heutige Managerin und Ehefrau Ozzy's, Sharon Osbourne.

Speak Of The Devil

Aufgrund persönlicher Turbulenzen und den permanenten Ein- & Ausstiegen der Begleitmusiker war an Komponieren nicht zu denken. Der Dukatenesel Ozzy musste hergeben was am Markt zu holen war und so veröffentlichten Jet Records das Livealbum "Speak Of The Devil", welches ausschließlich Material aus seiner Zeit mit BLACK SABBATH enthielt. Dass im gleichen Jahr seine einstige Stammcombo ebenfalls mit "Live Evil" am Start war musste schon nachdenklich stimmen. Wer brauchte bereits damals noch die x-te Version von Paranoid? Schon interessanter die damalige B-Seite Symptom Of The Universe, auf der richtig derbe geholzt wird.

Im Januar 1983 trat Ozzy dann u.a. auch in Düsseldorf im Vorprogramm der WHITESNAKE-Tour auf.
Laut den Angaben aus der "International Encyclopedia of Hard Rock & Heavy Metal" müssten da noch Brad Gillis und Pete Way mitgewirkt haben. Sei es wie es sei, ich erinnere mich an einen kurzgeschorenen Ozzy, der ein richtig gutes Konzert ablieferte. Nach dem Opener I Don't Know begann die bis heute übliche Show mit einer Mixtur aus eigenen Songs und welchen aus der BLACK SABBATH Phase, bis Paranoid das Ende des Auftritts einleitete. Soweit mir noch bekannt, fielen kurz darauf erneut Shows aus und im Februar 1983 (Quelle: "Encyclopedia...") verließen Gillis und Way die Band.

Auf der Suche nach einem neuen Gitarristen stand man zum Ende hin vor der Wahl entweder George Lynch (später DOKKEN) oder Jake E. Lee zu nehmen. Ozzy entschied sich entgegen den ersten Vermutungen für den Letzteren aufgrund der "Vibes" wie er es nannte. Wer die beiden auf den folgenden Touren erlebte, sah einen Gitarrenwizzard der in die übergroßen Fußstapfen eines Randy Rhoads treten konnte ohne darin zu versinken.
Im Studio freilich präsentierte sich das etwas anders...

Bark At The Moon

Im weiteren Verlauf des Jahres 1983 begannen die Arbeiten an "Bark At The Moon". Bereits zum dritten Male nahm man in den Ridge Farm Studios in Surrey (England) auf. Produzieren sollten erneut Max Norman, Ozzy himself und der zurückgekehrte Bassist Bob Daisley. Tommy Aldridge gab den Drummer und auch Keyboarder Don Airey war wieder mit an Bord. Als Komponist sämtlicher Songs wurde Ozzy genannt.
Gegen Jahresende veröffentlicht, bildete meinen ersten Höreindruck der Track One Up The "B" Side, welcher tatsächlich nur auf der B-Seite zur Maxi Bark At The Moon zu hören war. Der Song bietet einen äußerst heavy eingespielten Ohrwurm mit einem Refrain welcher sich sofort in die Gehörgänge einnistet.
Das Album Nummer Eins nach dem tragischen Tode Randy Rhoads hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Jake E. Lee klingt als spiele er mit angezogener Handbremse, von seiner ungemeinen Liveenergie verspürt der Hörer nur wenig. Laut den Credits nahezu ohne Einfluss auf die Kompositionen bemerkt man das Fehlen des verstorbenen Gitarristen an allen Ecken und Enden. "Bark At The Moon" klingt merkwürdig glatt und kann nur in seltenen Momenten die Atmosphäre der ersten Alben erzeugen.
Sicherlich erwähnenswert der Titelsong, Rock'N'Roll Rebel (der One Up... nicht unähnlich ist und One Up... wahrscheinlich deshalb nicht auf dem Album landen ließ. Fataler Fehler...), Centre Of Eternity, das singlemäßige Slow Down oder das dunkle Waiting For Darkness.
Mit einer raueren Produktion wäre da gewiss noch mehr drin gewesen. Doch bei einer Schnulze vom Kaliber So Tired fragt man sich nach dem Sinn einer solchen Veröffentlichung. Auch der Rest ist eher belanglos. Die Ecken, Kanten und überraschenden Momente fehlen und das ganze Album präsentiert sich als sehr vorhersehbar. Das Cover mit Ozzy als Werwolf treibt die Maskerade auf den Höhepunkt.
Da "Bark At The Moon" überarbeitet mit den Bonus Tracks Spiders (überflüssig) und dem fulminanten One Up The "B" Side als Nice Price angeboten wird, kann man einem Kauf trotzdem zuraten, auch wenn wie erwähnt das Niveau der Vorgänger nicht mehr erreicht wurde.

Am Wochenende 17./18.12.1983 findet in der Westfalenhalle Dortmund die heute schon legendäre Veranstaltung "Rock Pop in Concert - Heavy Metal" vom ZDF statt. An diesen zwei Tagen treten dort IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST, DEF LEPPARD, MICHAEL SCHENKER GROUP, SCORPIONS, KROKUS, QUIET RIOT und auch Ozzy Osbourne auf.
Als ich am Samstag vor den noch geschlossenen Türen stehe tönt es bereits zigfach "Ozzy, Ozzy". Der Madman läutet diese Wahnsinnsveranstaltung mit einem fulminanten Auftritt ein. Herausragend besonders Jake E. Lee, der die Riesenhalle in Grund und Boden spielt. Ozzy tobt an diesem Tag wie ein Berserker über die Bühne und die ausverkaufte Halle steht Kopf. Egal aus welchem Zeitraum die Songs stammen, jeder einzelne liefert die absolute Vollbedienung.

Die US-Tour zu "Bark At The Moon", mit all ihren Ausschweifungen und Verrücktheiten, drängt Ozzy im Laufe der Zeit in die Rolle des Public Enemy Number One innerhalb der USA. Er hat wieder starke Alkoholprobleme und kommt anscheinend mit seinem eigenen Image nicht mehr klar. Nach den Dreharbeiten zum Video zur Single Bark... in einer Nervenheilanstalt, stellt er sich anschließend selber die Frage was er da eigentlich gemacht hat.
Die Tour mit den neuen bad Boys MÖTLEY CRÜE und den britischen Schluckspechten WAYSTED (u.a. Pete Way und Paul Chapman, beide ex-UFO) bringt für europäische Verhältnisse unbegreifliche Szenen mit sich. Als man in Texas unterwegs ist, schaltet Ozzy den Fernseher ein und muss einen gewehrschwingenden Einheimischen entdecken, der ihm einen "warmen texanischen Empfang" bereiten möchte. Geschockt und angewidert stellt sich die Frage diesen Auftritt zu canceln, doch die Tourmaschine läuft und läuft. Von Januar bis April 1984 wird man immer wieder von Polizeieskorten direkt zur Halle und nach dem Konzert zurück zum Hotel gebracht, verschiedene Gouverneure versuchen die Auftritte zu verbieten. Ozzy ist nach Ablauf der Tour so dermaßen fertig, dass eine Einweisung zum Alkoholentzug in die Betty Ford Klinik erfolgen muss.

Samstag, 1. September 1984, Karlsruhe Wildparkstadion ... die "Monsters Of Rock" finden statt. Ozzy sieht sich an dritter Stelle des Billings nach MÖTLEY CRÜE, ACCEPT, Gary Moore, DIO und tritt vor VAN HALEN und AC/DC auf.
Ein warmer Spätsommertag und ein ausverkauftes Stadion bilden die Kulisse für einen starken Auftritt Ozzy's und seiner Band. Als der Madman im schwarzen Umhang die Bühne betritt ist kollektives Ausrasten angesagt und wie bereits Monate zuvor in Dortmund ragt besonders wieder der wieselflinke Gitarrist Jake E. Lee heraus. Der selbsternannte Fürst der Finsternis scheint wieder einen Partner gefunden zu haben der ihm die alleinige Verantwortung für eine gelungene Show abnimmt.
Wie zuvor und danach spielt man sich durch einen Set der sämtliche Zeiträume von Ozzy's Karriere abdeckt. Dieses Festival bleibt bis heute bei mir unvergesslich, denn alleine schon die Tatsache, dass ein Duisburger Ticketshop die Busfahrt vom Niederrhein für 20 Deutschmark organisierte wäre heutzutage undenkbar.

The Ultimate Sin

Zum Jahresende 1984 hin gestaltet sich die Lage für Ozzy schwierig. Trotz erlangtem Status eines Superstars empfindet er sein Leben als relativ freudlos. Ein weiteres Album steht vor der Tür und der Erfolgsdruck scheint ihn mittlerweile aus der Bahn zu werfen. Im Rahmen von dringenden Änderungen dieser phasenweise ausweglosen Situation wird wieder einmal die Band neu besetzt. Phil Soussan (Bass) und Randy Castillo (Drums) stoßen zu Ozzy und dem verbliebenem Jake E. Lee und nehmen unter der Regie Ron Nevison's (u.a. HEART und UFO) das Album "The Ultimate Sin" auf.
Die bis dato üblichen Ridge Farm Studios werden nicht mehr gebucht, statt dessen erfolgen die Aufnahmen der Backing Tracks in den Town House Studios in London, Ozzy singt seine Spuren in den Davout Studios in Frankreichs Hauptstadt Paris ein und der endgültige Mix erfolgt wiederum in den Londoner Air Studios.

"The Ultimate Sin" zeigt Anfang 1986 einen erheblich veränderten Ozzy Osbourne. Die letzten Reste des verbliebenen Magie-Mülls über Bord geworfen und man wartet mit einer in dieser Form unerwartet modernen Produktion auf. Die Keyboards (eingespielt von Mike Moran, der jedoch nicht als Mitglied der Band betrachtet wird) dienen nur noch dezent im Hintergrund zum Stopfen diverser Soundlücken.
Das Album klingt ungewohnt hell und ist trotz seiner kommerziellen Ausrichtung extrem gitarrenlastig. Die einzelnen Songs sind zwar recht eingängig, jedoch wird der Faktor "Heaviness" nie außer acht gelassen.
Man landet mit Shot In The Dark einen respektablen Hit und das neue Komponistenteam Ozzy/Jake E. Lee (Shot... schrieb Ozzy mit Phil Soussan) hat einen absoluten Volltreffer erzielt. Das Album verzeichnet keinen einzigen schwachen Song und rockt ohne Ende. Egal ob Lightning Strikes, Secret Loser, Fool Like You, Never Know Why oder der Titeltrack, jeder Song ist ein Beispiel für ein modernes, auf die Charts schielendes Rockalbum.
Textlich bewegt man sich stellenweise in kritischem Territorium und zweifelt die seinerzeit aktuelle Weltlage mit Songs wie Thank God For The Bomb oder Killer Of Giants an.
"The Ultimate Sin" wird ein großer Verkaufshit und ist auch 18 Jahre nach seiner Veröffentlichung ein extrem zeitloses Album was die musikalische Ausrichtung betrifft. Outfitmäßig hat man sich den damaligen Haarspraybands genähert und erwähnt im Booklet u.a. auch woher man seine Klamotten bezogen hat.
Der Imagewandel tut Ozzy gut, er hat erfolgreich neues Terrain betreten und die Zeichen für fortgesetzten großen Erfolg stehen günstig.

Die folgende Tour durch die Vereinigten Staaten unternimmt man mit den aufstrebenden METALLICA im Vorprogramm. "Master Of Puppets" heißt deren neues Album und bringt die Band einen Riesenschritt in ihrer Karriere voran. Die Tour wird besonders für die Newcomer wieder äußerst exzessiv, und T-Shirts mit dem Bandlogo nachempfundenen Aufdruck "Alcoholica" sind dem einen oder anderem sicher noch im Gedächtnis.
Monate später erleiden METALLICA mit ihrem Bandbus in Schweden einen für Bassist Cliff Burton tödlichen Unfall und das erste Kapitel ihrer Historie ist beendet. Dass viele Jahre später James Hetfield ebenfalls ein gewaltiges Alkoholproblem bekommt und Entziehungskuren unternehmen muss ist eine weitere traurige Parallele.

Die deutschen "Monsters Of Rock" finden 1986 auf dem Zeppelinfeld in Nürnberg statt. Im Line-Up ist Ozzy weiter nach oben geklettert und geht nach WARLOCK, BON JOVI und DEF LEPPARD auf die Bühne.
Ich habe das Festival in keiner allzu guten Erinnerung, denn neben einem doch teilweise übel gelauntem Publikum enttäuscht mich der Madman. Der Auftritt erscheint mir eine Spur zu glamourös, und obwohl Jake E. Lee erneut eine erstaunliche Leistung bietet, ist von einem Bandfeeling kaum noch etwas zu bemerken. Die Diskrepanz zwischen den Songs von "Ultimate..." und dem Rest seines Repertoires ist livehaftig spürbar. Während das neue Material überzeugen kann, wirken die älteren Songs wie ein Griff in die Mottenkiste und merkwürdig verstaubt und leblos. Ozzy selber ist zwar optisch aufgemotzt, sein Stageacting jedoch wirkt nur noch routiniert. An diesem Tag spielen ihn die Headliner SCORPIONS gnadenlos an die Wand.

Ozzy Osbourne/Randy Rhoads Tribute

1987 jährt sich der Tod Randy Rhoads zum fünften Male und man veröffentlicht das Live-Doppelalbum "Ozzy Osbourne/Randy Rhoads Tribute". Der erwartete Hammer bleibt jedoch aus. Das Ganze klingt merkwürdig drucklos und beschränkt sich zu einem Großteil nur auf Songs des ersten Albums.
Bis heute weiß ich nicht so recht was von diesem Album zu halten ist, es riecht irgendwie nach Absahnerei im Sog von "Ultimate Sin".

No Rest For The Wicked

Wer nun glaubte, Ozzy hätte seine neue Richtung gefunden sieht sich getäuscht. Ob er selber gemerkt hat, dass die neueren Songs den Backkatalog verblassen ließen oder nicht sei dahingestellt. Fakt ist, die Band wird wieder einmal umgekrempelt und Jake E. Lee ist beim nächsten Album nicht mehr mit von der Partie. Der junge Zakk Wylde steigt ein und bringt die neuen Songs wieder in die alte Ausrichtung. Bob Daisley ist ebenfalls zurück am Bass dabei, und so klingen die Tracks von "No Rest For The Wicked" erheblich anders als das Material des vorherigen Longplayers. Es wird wieder düsterer und der Härtegrad gesteigert. Wuchtige Gitarren dominieren dieses Album und Ozzy's Gesang klingt auch wieder dämonischer.
Optisch bewegt man sich weg von den Haarspraycombos in Richtung Gothic, wie auch bereits das Cover beweist. 1988 überrascht Ozzy mit einer recht unkommerziellen Scheibe, die eine volle Breitseite Hardrock abschießt. Die Produzenten Keith Olsen (u.a. SCORPIONS) und Roy Thomas Baker haben Mr. Osbourne einen Sound verpasst, der besonders live wieder auf bessere Zeiten hoffen lässt.
Man scheint sich mehr und mehr auf den nordamerikanischen Markt zu konzentrieren, denn erstmals finden die Aufnahmen auch nicht mehr in England statt sondern im sonnigen Los Angeles.
Wer "No Rest..." erstmals hört, lasse sich nicht vom Opener Miracle Man täuschen, welcher etwas verkrampft und aufgemotzt daherkommt. Der Rest des Albums steht für feinsten Heavyrock. Textlich fährt man ebenfalls wieder verstärkt die alte Schiene und versucht ganz offensichtlich eine weitere Imageänderung. Musikalisch gelingt das jedenfalls ohne Widerspruch, Kracher wie Devil's Daughter, Bloodbath In Paradise oder Tattooed Dancer überzeugen bis heute.

Zu dieser Zeit wimmelt es in den einschlägigen Musikgazetten vor Interviews in denen Ozzy immer wieder beteuert, dass es mit dem Hochprozentigem genug sei und ein Song wie Demon Alcohol aus diesem Grunde entstanden sei. Bei mir selber erzeugt das mittlerweile eine gepflegte Langeweile, denn das Geseiere liest und hört man regelmäßig vor jeder Albumveröffentlichung und nach der folgenden Tour schaut es in der Regel anders aus...

Der Metal Hammer feiert sich selbst am Sonntag, dem 30. April 1989 in der Dortmunder Westfalenhalle mit einem Festival zum fünfjährigen Geburtstag. Als Headliner hat man Ozzy Osbourne engagiert und hätte das vielleicht besser den an diesem Tage überragenden QUEENSRYCHE überlassen sollen.
Was zum Ende der Veranstaltung ein krönender Auftritt werden soll endet reichlich enttäuschend. Zakk Wylde dudelt und dudelt, es wimmelt vor Soli, Ozzy kippt fleißig Wassereimerladungen ins Publikum und manchmal singt er auch. Und das auch nicht gerade überzeugend. Der Mann wirkt ausgebrannt und wie eine Karikatur seiner selbst. Die ewig gleichen Sprüche, die ewig gleichen Posen. Was knapp sechs Jahre zuvor an der selben Stelle einem regelrechten Orkan gleichkam, ist mittlerweile zur Langeweile verkommen. Zakk Wylde kann Jake E. Lee in puncto Bühnenpräsenz das Wasser nicht reichen und Ozzy alleine schafft es einfach nicht mehr.
Mit dem Ende seines Auftritts geht für mich eine Zeit ihrem Ende entgegen in welcher Ozzy ein ganz Großer der Szene gewesen ist.

Just Say Ozzy

1990 wird mit "Just Say Ozzy" ein Mini-Livealbum veröffentlicht welches wohl an einem besseren Tag entstanden sein muss. Ozzy, Geezer Butler, Zakk Wylde und Randy Castillo lassen es anständig krachen, egal ob neue Songs (Tattoed Dancer, Shot In the Dark) oder Klassiker (Sweat Leaf, War Pigs) gespielt werden.
Warum man es bei einer EP belässt wird im Booklet nicht so ganz schlüssig erklärt. Aufgenommen im November 1989 im Brixton Academy Theater präsentiert es eine kraftvoll klingende Band die jeden Song präzise auf die Zwölf raushaut und die Scheibe prächtig ausfallen lässt.
Laut Ozzy handelt es sich bei dieser Veröffentlichung um ein Kapitel welches nun geschlossen werden kann.

No More Tears

Das wird 1991 mit dem sechsten Studioalbum "No More Tears" deutlich. Der Titelsong ist ein absoluter Hammer, der komplette Rest des Longplayers bietet für mich eine Enttäuschung. Das neue Material wirkt erstaunlich orientierungslos und bewegt mich dazu die Richtung Second Hand Laden anzusteuern und die CD einzutauschen.
Ozzy hat sich outfitmäßig wieder gewandelt und kommt jetzt wie ein Hippie daher. Ob's an der einsetzenden Grungewelle lag? Die folgenden Jahre höre ich mir lieber TROUBLE an, die auch live zu überzeugen wissen und jedem Ozzy Fan der frühen Jahre wärmstens zu empfehlen sind.

Live & Loud

Die Neunziger finden bei mir nahezu ohne Ozzy statt, denn auch das 1993 veröffentlichte Doppelalbum "Live & Loud" bietet eine Enttäuschung. Relativ heftig eingespielt und mit einem klasse Metallklappcover ausgestattet, bringt die Scheibe einen stets die gleichen Sprüche klopfenden Madman vor einem offensichtlich im Studio "nachbereitetem" Publikum. Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf der World Tour 1991-92 irgendjemand ob dieser "Leistungen" so dermaßen ausgerastet sein soll.
Interessant der letzte Song Changes, der ein frühes Dreamer darstellt und von daher hätte eigentlich noch einmal veröffentlicht müssen.

The Ozzman Cometh

Zum Sampler "The Ozzman Cometh" wird ein Video gedreht, das eine mittelalterliche Kulisse mit einem Ozzy zeigt wie es aus Nosferatu stammen könnte. Hervorragend gemachtes Promofilmchen, aus dem man hätte erheblich mehr machen können.
Es wird immer offensichtlicher, dass Ozzy zu einer sogenannten Kultfigur geworden ist wo es nahezu egal bleibt wer da neben ihm musiziert. Für mich riecht das immer mehr nach Kohlemacherei ohne Ende.
Die weiteren Jahre mit BLACK SABBATH Rein & Raus, den MTV-Geschichten, Ozzy-Puppen etc. lassen die Alben im Regal verstauben...
... bis ich eines Tages wieder die gute alte "Blizzard Of Ozz" auflegte...

Jürgen Ruland, (Artikelliste), 01.11.2004

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