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Biographie:
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Vorwort Ich kann verstehen, wenn sich an OASIS die Geister scheiden. Zu oft schon sind sie, womit insbesondere die Gebrüder Gallagher gemeint sind (und da wiederum häufig der jüngere Bruder und Sänger der Band, Liam), durch irgendwelche Skandale aufgefallen. Gut, das tun andere auch, doch den Briten haftet stets so ein wenig das Image der "Unsympathikusse" an. Wie in den meisten Fällen dürfte mindestens ein Körnchen Wahrheit dazu beigetragen haben, doch bleibt die Frage, ob da nicht auch vieles von außen beigefügt wurde.
OASIS sind mir erstmals ca. Mitte 1994 begegnet. Natürlich nicht persönlich, ist klar. War's MTV oder VIVA? Ich weiß es nicht mehr, jedenfalls lief in irgendeiner "Alternative"-Show der Clip zu Cigarettes & Alcohol. Zum nächstmöglichen Zeitpunkt stand das Debut-Album "Definitely Maybe" im Regal und die Story beginnt... Die bisherigen Konzerte Früher Sommer 1995, Some Might Say belegt in Großbritannien den ersten Platz. Auf der Fahrt zur Arbeit läuft der Song im lokalen Radio und bewegt mich dazu, nach Absitzen der Bürozeiten zum nächstmöglichen Record-Shop zu düsen. Wie so oft bei OASIS enthält die Maxi-CD sogenannte "Non-Album-Tracks" von ausgezeichneter Qualität. Das überzeugende Songmaterial bewegt mich dazu, mir schnellstens ein Ticket für ein Event am Dürener Baggersee zu kaufen. R.E.M. geben sich die Ehre und das Volk sorgt für einen reißenden Kartenabsatz. Im Vorprogramm treten BELLY (kennt die noch einer?), THE CRANBERRIES... und die neue Sensation aus Großbritannien auf. OASIS werden teilweise bereits die neuen BEATLES genannt, doch der ältere der Gallaghers, Gitarrist/Sänger Noel, scheint mehr oder weniger allein fürs Songwriting zuständig zu sein. Fünf Jahre später, Rock am Ring. Das Album "Standing On The Shoulders Of Giants" ist draußen, Noel Gallagher auch. Liam, Alan und drei Begleitmusikanten spielen OASIS-Lieder und - überzeugen. Zwar hab' ich an diesem Tag vermutlich mindestens so viel Bier intus wie Liam fünf Jahre zuvor am Dürener Baggersee, aber der astreine Sound und die überzeugende Performance oben auf der großen Bühne lassen mich fast schon wieder auf die Null-Promille-Grenze abstürzen und später von einem der besten Auftritte des Jahres 2000 reden. Damit nicht genug. Einige Wochen später spielen OASIS vor rund 70.000 Zuschauern im Londoner Wembley Stadion. 21. Juli 2000, Noel G. ist wieder mit von der Partie, und man wird Teil einer bemerkenswerten Show. Teil, ganz richtig. Das Publikum sorgt für eine außergewöhnliche Atmosphäre, während die Band ihre Songs zwar perfekt aber nicht unbedingt mitreißend herunterspielt. Jeder Musiker mit einem Aktionsradius, der bequem auf einen Bierdeckel zu passen scheint, und trotzdem scheint an diesem Tag etwas ganz Besonderes statt zu finden. Später werden Kritiker den dazugehörigen Mitschnitt "Familiar To Millions" teilweise ziemlich in die Mangel nehmen. Geschmackssache, sowohl Video als auch das Doppel-Live-Album sind meiner bescheidenen Meinung nach absolut empfehlenswert. Wieder zwei Jahre später. "Heathen Chemistry" heißt der aktuelle Longplayer, zu dem auch Liam G. einige starke Songs als Komponist beigetragen hat. Das Konzert gegen Jahresende (ich meine, es hätte die Düsseldorfer Philipshalle sein sollen...) fällt kurzfristig aus. Der als Großmaul verschrieene Sänger hat im Laufe der Tour während einer Schlägerei eine aufs Maul bekommen und muss zwecks Restaurierung der Kauleiste wieder zurück auf die Insel. Das Konzert wird verschoben, aber meine Geduld ist am Ende. Das Ticket wird zurückgegeben und die Kohle für eine andere zuverlässigere Band neu investiert. Mittlerweile schreibt man das Jahr 2005. Ein weiteres bärenstarkes Album, "Don't Believe The Truth", landet seit Monaten ein ums andere Mal im heimischen CD-Player. Und eine OASIS-Tour ist angesagt - ist es blöde, sich noch einmal ein Ticket zu kaufen obwohl bisher immer irgendwas schief ging? Es heißt, der Verkauf liefe gut an und da das Konzert an einem Feiertag stattfindet und ich nicht schon wieder möglicherweise sinnlos einen Urlaubstag verplempern muss, wage ich einen erneuten Versuch. Es ist noch Wochen hin, also lässt sich bis dahin gut über die bisherigen Releases von OASIS referieren... Die Alben ... und ein paar Maxis
"Definitely Maybe" aus dem Jahre 1994 wird zuweilen als Klassiker bezeichnet. In Großbritannien bereits der erste einer langen Reihe von Megasellern der Band, wird es weltweit noch etwas länger dauern, bevor man höhere Verkaufszahlen erreicht. Das OASIS-Debut enthält einige Klassiker der Band (Supersonic, Shakermaker, Live Forever und Cigarettes & Alcohol) und überzeugt durch seine gitarrenlastigen, rauen Songs, die sowohl Rockfans als auch popigeren Tönen zugeneigte Hörer ansprechen. Die Band verschafft sich durch ihren ureigenen Sound bereits mit dem ersten Album eine Nische im großen Rockcircus.
Die Maxi Whatever aus dem selben Jahr zeigt die Band mit Streichern arbeitend und weckt Erinnerungen an die BEATLES. Liam Gallaghers Vocals lassen sicherlich Vergleiche mit John Lennon zu, deshalb entsteht allerdings nicht sofort ein zweites All You Need Is Love. Whatever festigt den Status der Gruppe, besonders im U.K. zählt man bereits zur Liga der Superstars. Später im Jahr taucht der Song Whatever dann als Bestandteil einer Neuauflage des Debuts auf.
Die Maxi Some Might Say (Frühjahr 1995) macht mich endgültig zum Fan von OASIS. Nicht falsch verstehen, natürlich hängen keine Poster an der Zimmerwand, doch der gitarrenlastige Pop-Rock der (damaligen) Brit-Pop-Band kommt in den Neunzigern ähnlich überzeugend wie dreißig Jahre zuvor die KINKS, die WHO und selbstverständlich John, Paul, George & Ringo.
Die kurz darauf veröffentlichte LP "(What's The Story) Morning Glory?" beschert der Band den Höhepunkt ihrer Historie. Weltweit geht das Album millionenfach über die Ladentheken und präsentiert ein Highlight nach dem anderen. Presseberichte, dass u.a. ein gewisser Lars Ulrich (METALLICA) den Briten zu vielen Konzerten hinterher reist zeigen deutlich auf, dass OASIS auch Fans im Lager härterer Klänge haben (als man 1996 "Load" hörte, hätte man allerdings auch von schlechtem Einfluss auf Hetfield & Co. reden können).
Zwei Jahre darauf erscheint mit der Maxi D'You Know What I Mean? ein erster Vorgeschmack auf das dritte Album der britischen Superstars. Die Band wirkt auf dem Video relativ heavy und der Song wird erwartungsgemäß zu einem weiteren großen Hit. Wie üblich hat man ein paar Leckerlis als "Non-Album-Tracks" beigepackt. Das fröhliche, ein weiteres Mal an die Fab Four erinnernde Stay Young sorgt für erfreute Mienen, ebenso wie der David Bowie Klassiker Heroes. Mir persönlich gefällt die Version besser als das Original, Noel Gallagher liefert hier eine prima Gesangsleistung ab.
Vom Superstar-Status zu Langeweilern - der Absturz kommt schneller als erwartet. "Be Here Now" (1997) eröffnet mit der psychedelisch-heavymäßig angehauchten ersten Single vielversprechend, aber das war's auch schon. Stand By Me kommt noch angenehm schmalzig-schön, der Rest ist als Alternative zum Einschlafen empfehlenswert, falls der Fernseher streiken sollte. Der Tiefpunkt folgt just dem Höhepunkt.
Als OASIS 1998 mit "The Masterplan" "a collection of the best of the B-sides" veröffentlichen, haben sie bereits viel Kredit verspielt. Im Bandlager rumort es und man scheint versuchen zu wollen, dass es sich um einen Ausrutscher handelte. Dass auf eine Glanzleistung wie Heroes verzichtet werden kann, beweist die ganze Klasse der sogenannten B-Seiten. Wer bis dato das vermeintliche "Restmaterial" nicht kannte, sollte positivst überrascht werden. 1A-Qualität prägt einen Longplayer, der seine Gleichberechtigung neben den beiden ersten Alben verdient.
Drei Jahre nach der Katastrophe mit "Be Here Now" taucht die Maxi Go Let It Out auf. Stilistisch an das Material ihres großen Erfolgs "Morning Glory" angelehnt, kann man wieder überzeugen, während die restlichen "B-Songs" nur wenig reißen.
Als "Standing On The Shoulder Of Giants" (2000) seinen ersten Durchlauf hinter sich hat, kann Entwarnung gegeben werden. OASIS are back!
Im gleichen Jahr erscheint mit "Familiar To Millions" ein Live-Doppel-Album welches durchwachsene Kritiken erntet. Wahre OASIS-Maniacs dürften sich da eher kaum drum scheren, der Mitschnitt klingt angenehm rau und lässt aus einem relativ "kleinen" Song wie Gas Panic vom letzten Studiowerk "Standing On..." ein wahres Monster werden.
Als Vorgeschmack auf das nächste Studioalbum erscheint im Frühjahr 2002 die Maxi The Hindu Times. Typischer OASIS-Track, der jedem Fan gefallen dürfte, aber keine Neuigkeiten mit sich bringt. Die "B-Songs" fallen erstaunlicherweise recht belanglos aus.
Das Album "Heathen Chemistry" enthält neben der erfolgreichen Single Stop Crying Your Heart Out viele weitere Höhepunkte. Liam Gallagher tritt inzwischen als dreimaliger Komponist auf, sein Born On A Different Cloud ist für mich einer der bis heute besten OASIS-Songs überhaupt, der keine Vergleiche mit dem legendären Hey Jude (Lennon/McCartney) zu scheuen braucht.
Im nun hinter uns liegenden durchwachsenen Sommer erschien mit "Don't Believe The Truth" das aktuelle OASIS-Album, welches die Gruppe noch gefestigter erscheinen lässt. Liam schreibt mit Gem (Love Like a Bomb), der Letztgenannte ein weiteres Mal alleine (A Bell Will Ring), sein Kumpel Andy sorgt u.a. für das überragende Turn Up The Sun, Liam schreibt zwei weitere Tracks im Alleingang und Noel liegt unter der 50%-Hürde. Ein starkes Album von einer Gruppe die nicht nur auf dem Papier OASIS heißt sondern endlich auch eine zu sein scheint. Drummer Alan hat zwar das Weite gesucht, doch die meisten neuen Tracks werden von Zak Starkey, dem Sohn des legendären Ringo Starr, zweifelsohne ohne Qualitätsverlust eingetrommelt. Das Konzert 2005 Stattgefunden!! Jau, endlich habe ich es geschafft. Und es war echt gut. So viel vorweg... Allerheiligen, Feiertag in NRW. Berufsverkehr fällt quasi aus, trotzdem ist rund um die Düsseldorfer Philipshalle wieder einmal alles zugeparkt. Bei RUNRIG in irgendeiner Tiefgarage gelandet, bei DREAM THEATER superfrüh eingetrudelt und direkt vor der Halle geparkt. Dieses Mal fährt mein Bruder und der sagt er findet immer was. Tut er auch, aber es bedarf schon einiger Suche. Ich verstehe das nicht. Da wird die Halle aufgemöbelt zu einem richtigen Schmuckstück, in der Nähe gibt es einige Kneipen und Fressbuden, aber mit dem Parken artet das zu einem Problem aus. Öffentliche Verkehrsmittel sind für unsereins keine Alternative, also wieder Herumplagerei mit diesem lästigen Übel. Als das Hallenlicht erlischt, ertönt als Intro der Mix aus Instrumental & Soundcollage Fuckin' In The Bushes, wie bereits vor Jahren auf dem Livealbum "Familiar To Millions", gefolgt von dem überragenden Opener Turn Up The Sun ihres aktuellen Album "Don't Believe The Truth". Eigentlich ist das neue Album gar nicht das bis dato sechste Studiowerk der Briten, die Sammlung von B-Seiten ("The Masterplan") ist im Prinzip ein weiterer eigenständiger Longplayer. Acquiesce kommt zu Recht ein weiteres Mal zu livehaftigen Ehren und wird in einer bärenstarken Version auf das mächtig gut abfeiernde Publikum abgefeuert. Die Philipshalle ist zwar nicht bis auf den letzten Platzt gefüllt, doch beim Klassiker Cigarettes & Alcohol erreicht der Lautstärkepegel der begeistert mitgehenden Menge erstaunliche Dezibelwerte. OASIS brauchen nicht viel zu tun, ihre Songs funktionieren auch so. Unbegreiflicherweise von den meisten "erwachsenen" Rockfans ignoriert, beweisen sie an diesem Abend die ganze Klasse ihres Materials. Die Tracks erweisen sich mittlerweile als zeitlos. Dieses Konzert hätte genauso gut auch vor zehn oder zwanzig Jahren stattfinden können. Nachwort Erinnerungen. Juli 2002, ein Spaziergang durch die mittelalterlichen Gassen der toskanischen Stadt Siena. Schröder und Fischer pflegen dort zu urlauben, doch wer in dieser wunderschönen und traditionsbeladenen Umgebung nur italienische Popmusik zu hören erwartet, sieht sich getäuscht. IRON MAIDEN und METALLICA dröhnen durch die Rollladen der dunklen Fensteröffnungen, und ich stoße an der nächsten Gassenecke auf das Tourplakat einer Band, die zwar längst abgeschrieben wurde und dennoch wie ein Stehaufmännchen immer wieder mit starken Alben überrascht: OASIS! Jürgen Ruland, (Artikelliste), 01.12.2005
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