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Eine hochbrisante Mischung aus Boogie, Blues und Hardrock? Aus England stammend? Blütezeit in den Siebzigern? STATUS QUO!!!!
Es stellt sich gewiss nicht als übertrieben dar, wenn diese Antwort von Rock-Fans in mindestens neunzig Prozent aller Fälle auf die zu Anfang gestellten Fragen gegeben wird. Sorry Leute, dann habt Ihr vergessen die zweite Variante in Betracht zu ziehen, nämlich jene: "... und FOGHAT!!!!"
Das Problem letzterer Band liegt sicherlich in der mangelnden europäischen Präsenz begründet, denn nahezu sämtliche Konzerte fanden in ihrer Wahlheimat USA statt. Die europäischen Verkaufszahlen und Chartnotierungen von FOGHATs Alben kamen nie an die nordamerikanischen Erfolge heran und somit sind sie, wenn nicht schon damals dann jedoch spätestens heute, nur noch einem überschaubaren Kreis rockinteressierter Fans bekannt.
Wie ihre Landsleute STATUS QUO, die umgekehrt in den Vereinigten Staaten kein Bein auf den Boden bekamen, hatten FOGHAT ihre kreativste und bei den "Hardcore"-Fans beliebteste Phase im Zeitraum 1972 bis 1976/77. Beide Londoner Bands beendeten diese Ära jeweils mit einem fulminanten und erfolgreichen Live-Album, um sich anschließend in unterschiedliche Richtungen zu entwickeln. Während Rossi & Co. ihren Stil durch zunehmend poppigere Werke verweichlichten und nach einem Zwischenhoch ("Whatever You Want", 1979, bis "Never Too Late", 1981) ab 1982 bis auf wenige Ausnahmen ("Rock 'Til You Drop", 1991; "Under The Influence", 1999; "Heavy Traffic", 2002) nur noch live glänzen konnten, verwässerte die Band um "Lonesome" Dave Peverett die ihrer Live-LP folgenden Veröffentlichungen durch seichte Vier-Minuten-Pop-Songs und einer zwischenzeitlichen Wendung hin zu "New Wave"-beeinflusstem Songmaterial. Mitte der Neunziger schafften FOGHAT dann zumindest musikalisch ein überzeugendes, kurzes Comeback.
Selber um 1980 herum erstmals mit einem ihrer Songs (der Liveversion von Home In My Hand) auf einem Hardrock-Sampler konfrontiert, üben zumindest einige Alben der britischen Boogierocker bis heute einen nahezu magischen Einfluss auf meine Hörgewohnheiten aus und vielleicht wird ja die/der eine oder andere nach dem Lesen der folgenden Zeilen neugierig und gönnt einem der vorgestellten Alben zumindest ein Ohr...
Bevor es zur Gründung FOGHATs kam, spielten drei ihrer vier Ur-Mitglieder ("Lonesome" Dave Peverett - Gitarre, Lead-Vocals; Tony Stevens - Bass; Roger Earl - Schlagzeug) in der Bluesband des britischen Gitarristen Kim Simmonds, SAVOY BROWN. Zusammen mit dem Sänger Chris Youlden spielte man die Alben "A Step Further" (1969) und "Raw Sienna" (1970) ein und tourte verstärkt durch die USA, wo man weitaus größere Erfolge als in der Heimat erzielen konnte. Nachdem Youlden 1970 die Band verlassen hatte, beließ man es beim Quartett und "Lonesome" Dave übernahm auf der nächsten LP "Looking In" im gleichen Jahr, neben der eines Gitarristen auch die Position des Sängers. Peverett, Stevens und Earl hätten wohl auch weiterhin mit Simmonds zusammengearbeitet, der jedoch war sich unschlüssig über die weitere musikalische Ausrichtung SAVOY BROWNs und feuerte erst mal den Rest seiner Gruppe. Ohne Job waren die anderen Drei beinahe gezwungen, eine neue Band zu gründen.
Circa 1971 entstand der Name "FOGHAT" (zu deutsch "Nebelhut"), nachdem man vorherige Vorschläge wie "Brandywine", "Hootch" oder "Track" für ungeeignet hielt und schließlich zu dem endgültigen Fantasiewort fand, das bei einem Scrabble-Spiel entstand.
Schnell stieß als letztes Mitglied Rod Price (Lead- & Slidegitarre, Backing-Vocals) zur Band und man unterzeichnete einen Vertrag beim Label "Bearsville", das u.a. auch Todd Rundgren unter seinen Künstlern verzeichnete. Der Stil FOGHATs sollte eine Mischung aus dem bluesigen Boogie von SAVOY BROWN, mit dem zunehmend populärer werdenden Hard'n'Heavy-Rock werden.
Dave Peverett hatte sich bereits während seiner Zeit bei SAVOY BROWN als Songwriter ausgezeichnet. Dieses und die Tatsache, dass sich neben ihm mit Tony Stevens und Roger Earl bereits "gestandene" Musiker in den Reihen FOGHATs befanden, brachte ihnen durch die Hilfe des Managers von Bob Dylan, Albert Grossman, ihren Plattenvertrag ein. Grossman initiierte auch erste Demoaufnahmen mit ihrem Labelkollegen Rundgren als Produzent. Die Chemie stimmte nicht und die Resultate fielen enttäuschend aus. Grossmans Label "Bearsville", das zur Warner Brothers-Gruppe zählte, ließ die Band jedoch nicht fallen und hielt nach jemandem Ausschau, der die Livepower der Briten im Studio besser zu kanalisieren verstand.
Die Wahl fiel schließlich auf ihren Landsmann und Produzenten/Gitarristen/Sänger Dave Edmunds (I Hear You Knockin'), der FOGHATs gleichnamiges Debut "Foghat" (1972) als Knöpfchendreher veredeln sollte. Heraus kam dabei ein eher durchwachsenes Resultat.
Als Singleauskopplung fiel die Wahl auf den Willie Dixon-Klassiker I Just Want To Make Love To You, der FOGHAT über ihre ganze Karriere hinweg, u.a. als Unplugged-Version noch einmal 1994 auf dem Longplayer "The Return Of The Boogie Men" begleiten sollte. Chuck Berrys Maybelline sorgte ebenfalls für anständig Dampf, doch nur jeweils kurze Aufenthalte von Single und Album in den US-Charts standen zurecht für eine unterm Strich die Erwartungen nicht erfüllende LP. An der Livefront wussten FOGHAT zu überzeugen, und so gab ihnen "Bearsville" bereits ein Jahr später die Chance für ein weiteres Album.
Die bereits zuvor veröffentlichte und nicht sonderlich erfolgreiche Single What A Shame fand sich 1973 noch einmal auf ihrem zweiten Longplayer "Rock'n'Roll" wieder. Bedingt durch die ausgezeichneten Resonanzen auf ihre Konzerte, versprach der Titel jedoch mehr als die Scheibe letztendlich beinhaltete. Wenige Momente aufblitzender Genialität standen überwiegend enttäuschendem Songmaterial gegenüber. Kurioserweise wuchs die nordamerikanische Anhängerschaft der Band ständig und ihr Labelchef Albert Grossman sah darin die Resultate seiner anfänglichen Ahnungen bezüglich FOGHATs.
Peverett, Price, Stevens und Earl hatten das Problem vieler hervorragender Live-Acts, nämlich die Umsetzung ihrer schweißtreibenden Auftritte auf ihre Studioalben. Der einst von "Lonesome" Dave geäußerte Spruch "If you don't sweat, it ain't Rock'n'Roll" ließ die beiden ersten Alben nur als Aufwärmübung zur dritten LP "Energized" (1974) erscheinen.
Auf "Energized" hatten FOGHAT ihren unverwechselbaren und einzigartigen Stil perfekt entwickelt. Die Wucht ihrer Liveauftritte konnte erstmals annähernd auf Vinyl eingefangen werden. Ein im Vergleich zu den bisher notierten Verkäufen steiler Aufstieg erfolgte bis auf Platz 34 der Billboard-Charts. Über 500.000 verkaufte Alben verhalfen der Band zum Gold-Status.
Neben Songs außenstehender Künstler und Komponisten standen auch erstmals die eigenen Tracks ebenbürtig dar. Das aus den Fünfzigern stammende Rhythm'n'Blues Juwel Honey Hush, im Original von einem frühen Architekten des Rock'n'Roll namens Big Joe Turner stammend, und der Buddy Holly-Klassiker That'll Be The Day standen auf einer Stufe mit dem von der ganzen Band geschriebenen Wild Cherry oder dem von Peverett/Price verfassten Titel Home In My Hand, der live noch einmal über sich hinauswuchs.
Endlich im Scheinwerferlicht der Albenverkäufe angelangt, wurde die Entscheidung des Produzentenwechsels getroffen, indem man den "Energized"-Producer Tom Dawes ausbootete. Die Suche nach einem neuen Paar Ohren, die jemanden gehörten der noch besser zur neuen Richtung der Band passen würde, begann. "Bearsville" brachten mit Nick Jameson einen Bassissten/Keyboarder/Gitarristen/Sänger hervor, der mit dem "Grossman-Clan" bereits einige Jahre zuvor als Mitglied der Hardrock-Band AMERICAN DREAM zu tun hatte.
Mit Jameson als Aufnahmeleiter konnten FOGHAT den Erfolg von "Energized" nicht ganz wiederholen. "Rock And Roll Outlaws", ihre zweite Veröffentlichung im Jahre 1974, schaffte es zwar erneut in die Top 40 und holte erneut eine Auszeichnung mit Gold, dem allgemeinen Tenor folgend, schienen die Erwartungen jedoch höher gewesen zu sein als das was die Band schließlich ablieferte.
Möglicherweise war man bereits zu verwöhnt durch die Energie der Liveauftritte. FOGHAT wurden zu etwas wie der "Lieblings-Opening-Act" bei Tourneen quer durch den nordamerikanischen Kontinent. Bei sich stilistisch doch gewaltig unterscheidenden Künstlern wie JETHRO TULL, BLUE ÖYSTER CULT, der J. GEILS BAND oder Johnny Winter im Vorprogramm, räumten die vier Briten durch ihre besonders live mitreißenden Songs unwiderstehlich ab.
Hatte einst der große alte Blueser Muddy Waters den Ausspruch "The blues had a baby and they called it Rock'n'Roll" getan, so hieß es jetzt auf Peverett & Co. übertragen: "The blues had a baby, a wild, unruly baby, and they called it FOGHAT!".
Vielleicht hätte man sich für "Rock And Roll Outlaws" etwas mehr Zeit nehmen müssen, doch die Band tourte permanent und präsentierte sich treffend auf dem Albumcover vor ihrem Flugzeug. Ihre Musik verlangte geradezu nach erheblicher Lautstärke und dabei hinterließ auch das zweite '74er-Werk einen starken Eindruck.
Der Opener Eight Days On The Road (ursprünglich ein alter Country & Western-Song) erzählte zwar vom Ausbrennen durch das andauernde Ziehen einer Band von einem Auftrittsort zum anderen, musikalisch jedoch überzeugte pure Dynamik. Die heimische Stereoanlage präsentierte explodierende Gitarren in beiden Boxen, ein feines Solo Rod Prices, "Twin-Leads" mit Kollege "Lonesome" Dave und großartige Vocals des selbigen.
Den Knackpunkt im negativen Sinne stellten wahrscheinlich die folgenden Hate To See You Go und Dreamer dar, die doch arg verhalten, und besonders Hate... wie einen Füller auf einem an sich starken Albums wirken ließen. Dreamer zeigte "Lonesome" Dave im Gegensatz zur erwarteten Rockröhre eher von einer besinnlichen Seite und stellte sein zweites, melancholisch sentimentales Gesicht in den Vordergrund. Peverett, der nie wie der typische "Shouter" wirken sollte, überzeugte hier durch eine feine Gesangsleistung auf einem unterbewerteten Song.
Das akustische Trouble In My Way bot erneut einen eher besinnlichen Gesang zu einer Musik, die von der Boogieschiene zum Country & Western gewechselt hatte. Die feine Slide-Gitarre verlieh dem Track hier das besondere "Etwas".
Während "Side One" für gemischte Gefühle sorgte, gab es auf "Side Twp" die erwartete Dosis hard-rock'n'rolligen Boogie. Der Titelsong Rock And Roll Outlaw zog das Tempo merklich an, das nachfolgende Shirley Jean bot neben feinen Leads und Slides ein prächtig unterstützendes Piano. Blue Spruce Woman nahm zwar das Tempo wieder etwas heraus, legte jedoch in punkto Heavyness ein paar Briketts drauf. Eine wundervolle Leadgitarre und eine melodische Gesangslinie, die man über den eher muskulösen instrumentalen Teil gelegt hatte, ließen einen großen Song entstehen, dem ein absoluter Überhammer folgen sollte: Chateau Laffite '59 Boogie! Das aus der Feder von Peverett & Price stammende Boogie-Monster bot genau das was die Fans hören wollten. Eine simple Struktur, das Gaspedal zumeist durchgetreten, feine Soli, eingängige Melodie, Frische und Aufregung, sprich die Attribute die auch das heimatliche Wohnzimmer in einen kleinen Konzertsaal verwandeln konnten. Den wohl besten Song des Album bis zum Schluss aufgehoben, brannten FOGHAT hier ein absolutes musikalisches Feuerwerk ab.
Das Jahr 1975 brachte einen ersten personellen Wechsel mit sich. Bassist Tony Stevens verließ die Band und der Produzent der letzten LP, Nick Jameson, nahm zu den Aufnahmen der nächsten Scheibe seinen Platz ein, während er gleichzeitig weiterhin die Recordings leiten sollte.
Der frühere "Blues-Purist" Dave Peverett hatte seit jeher nicht nur als Gitarrist und Sänger gearbeitet, sondern stets auch eigene Songs geschrieben. Für das nächste Album "Fool For The City" sollte er die Hauptlast tragen und neben drei Eigenkompositionen (Fool For The City, Slow Ride, Drive Me Home) je einen Track mit Rod Price (Save Your Loving) und Nick Jameson (Take It Or Leave It) verfassen.
Als die Platte gegen Ende des Jahres veröffentlicht wurde, entstand der Eindruck, die beiden vergangenen Alben "Energized" und "Rock And Roll Outlaws" hätten lediglich die Bühne vorbereitet für das was nun folgen sollte ... FOGHATs enormer kommerzieller Durchbruch mit "Fool For The City". Sicherlich eine Sternstunde der Band und vielleicht eines der größten Hardrock-Alben aller Zeiten, schlug der Longplayer wie die sprichwörtliche Bombe ein. Meisterhaft eingespielter, hart rockender Boogie sollte das eingerostete amerikanische Musik-Establishment in seinen Fundamenten erschüttern, während in Europa davon eher wenig zu spüren war.
Mehr als alles andere fiel besonders die Energie des Album auf. Diese erst einmal in sich aufgesogen, realisierte man anschließend, dass es auf "Fool For The City" keine Ausfälle zu vermelden gab. Alle sieben Tracks entpuppten sich als handwerklich brillante und perfekt im FOGHAT-Stil eingespielte Songs. "Fool..." katapultierte die Band innerhalb der Staaten in Superstargefilde und bescherte den Briten ihr bis dato kommerziell erfolgreichstes Werk. Platz 23 in den Album-Charts, über eine Million verkaufte Einheiten und anschließende Platin-Auszeichnung brachten FOGHAT von bisher großen Hallen in Arenen und gigantische Open-Air-Stadien, wo sie öfter auch als Headliner auftraten. Zwei in ihrer ursprünglichen Spieldauer auf Radiotauglichkeit gekürzte Singles bescherten der Band zusätzliche Erfolge. Der Titelsong Fool For The City schaffte es in die Top 50, während Slow Ride sich zu ihrem größten Hit entwickelte und es bis auf Platz 15 in der Single-Hitparade brachte.
Das Album-Cover sollte sich zudem als Hingucker erweisen. Drummer Roger Earl inmitten New Yorks auf der Straße sitzend und in einem Gully angelnd, machte zusätzliche Plattenkäufer auf die britischen Boogierocker aufmerksam.
Bereits der Opener und gleichzeitige Titelsong Fool For The City trat das Gaspedal durch und glänzte mit dem vielleicht bis dato besten Arrangement eines ihrer Songs. Regelrecht wie eine außer Rand und Band geratene Achterbahn aus den Lautsprechern der heimischen Stereoanlage rasend und mit einem großartigen Chorus versehen, gab der Track die Richtung des neuen Album an. My Baby bot feinen Boogie der härteren Gangart mit Slide-Einlagen und hielt das eingeschlagene Tempo bei. Auch hier ließ sich feststellen, dass FOGHAT bei Chorus und Arrangement erneut einen Volltreffer gelandet hatten.
Einen ihrer feinste Momente im Studio hatten sie bei den Aufnahmen zu Slow Ride erwischt. Vom ersten machtvollen Akkord an, machte die Band in diesem über acht Minuten langen Klassiker keine Gefangenen sondern rockte brillant durch ein Gewitter von Slide- und Leadgitarre. Hier wurde auch der letzte Zweifler in die Knie gezwungen. Fortan sollte Slow Ride zu einem Höhepunkt jedes Konzerts der Gruppe werden.
Terraplane Blues bot bluesigen, düster wirkenden Hardrock. Das Tempo hatte man zwar reduziert, der machtvolle Track lebte jedoch intensiv von einem im Mid-Tempo vorgetragenen Riff und Rod Prices Wahnsinns-Bottleneck-Gitarre.
Das mit einem erneut einzigartigem Chorus gesegnete Save Your Loving (For Me) rockte wieder schneller im Boogierhythmus los und bei Drive Me Home legten FOGHAT noch einen Gang zu. Rock'n'Roll, Boogie, Hardrock, "Lonesome" Dave mit kraftvollen Vocals glänzend und im Refrain durch den Rest der Band mächtig unterstützt, treibendes Piano, Gitarren satt... besser ging's nimmer. Nach so einer Vollbedienung sorgte die Ballade Take It Or Leave It für ein perfektes Finale, bei dem Peverett erneut bewies, dass sein Gesang weit mehr als nur einfach eine Rock-Röhre darstellte.
Mit "Fool For The City" hatten FOGHAT einen vor "Grooves" nur so strotzenden Albumklassiker abgeliefert und wohl den Höhepunkt ihrer Arbeit im Studio erreicht. Slow Ride schaffte es zwar nicht bis in die Top Ten der Charts, in den USA entwickelte sich der Track trotzdem zu "der" Hardrock-Hymne des Jahres und sicherte der Band seitdem einen Ehrenplatz im nordamerikanischen Rock('n'Roll)-Zirkus.
Zur Jahresmitte 1976 lag die nach der Veröffentlichung ihres bis dato meistverkauften Albums "Fool For The City" gestartete Nordamerika-Tournee hinter ihnen. Wieder daheim in Großbritannien, musste man feststellen, dass FOGHAT in der Heimat keinerlei Bedeutung hatten. Große Limousinen, Privatjets, Übernachtungen in Luxushotels, Treffen mit bekannten Models und Auftritte vor zehntausend zahlenden Zuschauern pro Abend waren den Musikmagazinen, wenn überhaupt, nur eine Randnotiz wert. Für die Musiker bedeutete dieser Umstand sicherlich eine bittere Pille die es zu schlucken galt. Im UK, wie auch auf dem alten Kontinent, machten die Musikkritiker ihre Alben herunter, die Songs der Band schienen aus dem Radio geradezu verbannt. Statt einen weiteren Versuch zur Eroberung des europäischen Marktes zu starten, wurde beschlossen, dass von nun an die volle Konzentration Nordamerika gelten sollte.
Im Jahr zuvor war man bereits in die USA übergesiedelt und von jetzt an lag das Hauptquartier FOGHATs in Long Island, New York.
Bevor das nächste Album angegangen werden konnte, traf die Band eine erneute Veränderung auf der Position des Tieftöners. Nick Jameson kündigte seine Entscheidung an, FOGHAT zu Gunsten einer Solokarriere zu verlassen. Ebenfalls beim "Bearsville"-Label unter Vertrag, wurde 1977 sein Album "Already Free" veröffentlicht, welches wohl auch wegen seiner eher belanglosen Softrock-Songs ziemlich unterging.
Mittlerweile wieder in der FOGHAT-"Zentrale" versammelt, entschied sich die Band für einen dynamischen Bassisten namens Craig MacGregor. Der Kalifornier sollte durch sein Spiel angeblich wahre Funken versprühen lassen. Ein neuer Produzent musste ebenfalls gefunden werden. Dan Hartmann, ein ehemaliges Mitglied der EDGAR WINTER BAND, konnte bis dahin in diesem Job noch keine große Erfahrung vorweisen. Sein Versprechen, FOGHAT durch seine Arbeit zum besten Album ihrer Karriere zu verhelfen, sollte jedoch Aufmerksamkeit erregen und ihn die kommende Scheibe produzieren lassen.
Als "Night Shift" schließlich im November 1976 erschien, ließ sich die Frage "besser als 'Fool For The City'?" nicht eindeutig beantworten. Selbst viele Jahre später kam beispielsweise der Musikjournalist Derek Oliver anlässlich des Re-Release von "Night Shift" zu keinem eindeutigen Resultat.
Rückblickend lässt sich wenig anderes sagen als bereits zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung. Das Album enthielt eine Reihe feiner neuer Tracks, ganz in dem Stil der von FOGHAT erwartet wurde. Die Songs erwiesen sich als relativ harter neuer "Stoff" und die LP enthielt kein zweites Slow Ride. Die Band weigerte sich, in eine bestimmte Ecke gedrängt zu werden. Statt sich auf die Suche nach einem weiteren Slow Ride zu begeben, sah man den Schlüssel zum Erfolg nur in einem: Touren, Touren, Touren... Alben dienten in erster Linie zur inhaltlichen Gestaltung ihrer Auftritte und man sah sich nie als eine Top-40-Band, auch wenn einige Songs in den Single-Charts landen konnten.
Eine Plattenfirma hat das Ziel möglichst viele Tonträger abzusetzen. "Bearsville" bildete in diesem Punkt natürlich keine Ausnahme und versuchte einen weiteren Hit im Pop-Radio zu landen, sprich möglichst viele Singles FOGHATs zu verkaufen. Gleich für drei Auskopplungen (Drivin' Wheel, I'll Be Standing By, Take Me To The River) musste "Night Shift" herhalten - der angepeilte Erfolg wurde allerdings verfehlt.
"Night Shift" fiel als Album betrachtet exzellent aus, konnte nahtlos an den Vorgänger anknüpfen und wurde erneut mit Edelmetall ausgezeichnet. Zwar reichten die Verkäufe nicht an die von "Fool..." heran, die Hürde zur Auszeichnung mit Gold nahm man allerdings locker. Als höchste Position die Nummer 32 der Billboard-Charts erreichend, setzte das neue Album den Höhenflug der Band fort und fundamentierte ihren Status bei den amerikanischen Rock-Fans.
Der Opener Drivin' Wheel zeigte gleich wo der (Rock'n'Roll-) Hammer hing. Ein gewaltiges Boogieriff und eine satte Produktion präsentierten FOGHAT von ihrer härteren Seite. Rod Prices mittlerweile hochentwickeltes Spiel auf der Slide-Gitarre hatte gewiss ebenfalls seinen Anteil am Klassikerstatus des Songs. Der neue Härtefaktor spiegelte sich auch beim zweiten Albumtrack Don't Bring Me Down wieder. Anfangs heavy, im Mid-Tempo-Bereich daherstampfend, um im weiteren Verlauf noch einen Gang zuzulegen, "Powerhouse Drumming" und schwere pumpende Bässe plus "Lonesome" Dave, der ein neues Level in seinem Gesang erreichte, ging der Trend zum Hardrock weiter.
Mit Burning The Midnight Oil folgte der nächste Rocker. Eine schwere Rhythmusgitarre durchzog den Song; der melodische Chorus und Price, der eine Zauberei nach der anderen aus dem Handbuch für Bottlenecktricks aus dem Handgelenk zu schütteln schien, prädestinierten Burning... geradezu für eine Single, sprich den Nachfolger von Slow Ride. Niemals wieder sollten FOGHAT dem auf Mainstream polierten Rock von Acts wie AEROSMITH oder BOSTON so nahe kommen, ohne ihre Ecken und Kanten verleugnen zu müssen.
Die zweite Albumseite läutete der Titelsong Night Shift ein. Erneut ein heftiger Boogie, "verfeinert" durch Twin-Leadgitarren und einen eher ungewöhnlichen Mittelteil. Nach einer anfänglichen heftigen Phase, in der Peverett gleichzeitig durch einen heftigen und dennoch gefühlvollen Gesang überzeugte, fuhr das Quartett das Tempo auf "slow blues" herunter. Nachdem sich "Lonesome" Daves Vocals mit der Leadgitarre ein Duell geliefert hatte, setzten erneut mächtige rockige Gitarren ein und der Song schien regelrecht zu explodieren. Zum Ende noch einmal eine wahnsinnige Leadgitarre machte Night Shift zu einem der besten FOGHAT-Songs aller Zeiten.
Hot Shot Love besaß erneut glänzende Slides, insgesamt aber plätscherte der Track im Vergleich zum bisher Gehörten wenig aufregend daher, auch wenn hier Peveretts meist mit Echo aufgenommene Stimme eine originelle Abwechslung bot. Hot... stellte im Nachhinein einen unterbewerteten Versuch der Boogierocker dar, mit dem sie nach dem Schlüssel für zukünftige Experimente suchten. Anschließend bot Take Me To The River nach einem leicht funkigen Intro wieder den sehnlichst erwarteten typischen FOGHAT-Stuff: Boogie, Blues, Hardrock, mitreißende Melodie.
Den Abschluss bildete ein bluesiger Song namens I'll Be Standing By, auf dem sogar Streicher im Hintergrund zu hören waren und einen unerwartet angenehmen Kontrast zur Sologitarre Rod Prices boten.
"Night Shift" knüpfte nicht bedingungslos an die Erfolgsformel von "Fool For The City" an. Da wo vorher unschlagbare Grooves vorherrschten, tauchten jetzt verstärkt hardrockige Elemente und das eine oder andere Experiment auf. Beide Alben präsentierten die Band wohl im Zenit ihrer Karriere und es wurde allmählich Zeit für ein Livealbum.
FOGHAT - als "die" definitive Konzertattraktion - sollten ihren größten Erfolg mit dem Longplayer "Live" (1977) erzielen. Als hätten die Besucher ihrer unzähligen Konzerte nur darauf gewartet, ging die Scheibe in riesigen Mengen über die Verkaufstheken. Nick Jameson war wieder als Produzent zurückgekehrt und mit ihm anscheinend auch der mit Platin veredelte Erfolg. Ihre höchste Chartnotierung (# 11) und mehr als 2 Millionen verkaufte Alben bescherten den Briten mit dem kalifornischen Bassisten Doppel-Platin.
Wie nicht anders zu erwarten, blieb in Europa ein vergleichbarer Erfolg aus. Dort räumten nahezu zeitgleich die Herren Rossi, Parfitt, Lancaster & Coghlan mit einem überragendem Live-Doppel-Boogie-Album in voller Konzertlänge ab. FOGHAT hatten dagegen lediglich sechs Tracks auf Vinyl gebannt, was bis heute aufgrund ihres beträchtlichen Repertoires unverständlich bleibt.
"Live" zeigte die Gruppe in ihrem wahren Element. Fool For The City, Home In My Hand, I Just Want To Make Love To You, Road Fever, Honey Hush und Slow Ride wurden dem Hörer als Konzertnachbereitung mit einer bis dato für amerikanische Verhältnisse unglaublichen Wucht um die Ohren gehauen. Sicherlich gab es keinen Ersatz für die Dynamik einer livehaftigen FOGHAT-Show, das Album schaffte es allerdings, einen gelungenen Eindruck der Konzerte zu vermitteln. "Live" verschaffte der Band erneut einen Platz in der amerikanischen "Superstar"-Liga und wurde zu einem Klassiker in Sachen Konzertmitschnitte.
FOGHAT zählten nun endgültig (in den USA) zu den erfolgreichsten Rock-Acts. Die Tretmühle "Album-Tour-Album-Tour" sollte sich jedoch schneller als erwartet negativ auf ihre Veröffentlichungen auswirken. Die 1978 erschienene LP "Stone Blue", von den vielen Fans mit hohen Erwartungen bedacht, sollte zu einer ersten (kleinen) Enttäuschung werden. Zwar enthielt es mit dem Robert Johnson-Cover Sweet Home Chicago sowie den beiden Peverett-Kompositionen Stone Blue und Easy Money absolute Klopfer im traditionellen FOGHAT-Stil; Kritiker als auch Anhänger der Band bemängelten jedoch das Abdriften einiger Songs in den Bereich "Pop-Rock". Der erneute Produzentenwechsel, hin zu Eddie Kramer, sollte sich nicht positiv auswirken. Dass Kramer es durchaus besser konnte, bewies fünf Jahre später das Debutalbum von FASTWAY. Die vom ehemaligen MOTÖRHEAD-Gitarristen "Fast" Eddie Clarke (und UFO-Bassisten Pete Way - s.a. WAYSTED; Red.) ins Leben gerufene Hardrock-Boogie-Blues-Band legte unter seiner Regie ein Album hin, wie es sich FOGHAT vielleicht gewünscht hätten.
It Hurts Me Too oder Chevrolet waren in den vorliegenden Versionen nicht unbedingt von dem Kaliber, wie es die sich in Erwartungshaltung befindliche Fanschar vorstellte. Trotz allem schaffte es die Platte, den Boogierockern einen Platz 25 in den Album-Charts und satte 23 Wochen Notierung in den Listen der Top-Alben zu besorgen.
Peverett, Price, Earl & MacGregor begaben sich erneut auf ausgedehnte US-Tour und schienen offensichtlich die Wendung des Blattes nicht zu bemerken. Zwar wurden die Dienste Kramers für das nächste Album nicht in Anspruch genommen, in den Ohren und Augen der Fans trat jedoch keine Besserung ein. Allmählich von ihrer ausgezeichneten Reputation zehrend, kam der 1979 veröffentlichte Longplayer "Boogie Motel" zwar noch bis zur Position 35 und erreichte wie sein Vorgänger "Stone Blue" Gold-Status, besonders glücklich konnten die Fans der älteren Scheiben damit nicht mehr sein. Ein reiner Popsong wie Third Time Lucky bescherte ihnen erneut einen kleineren Hit (# 23), der Stoff aus dem die Träume eines FOGHAT-Maniacs waren hörte sich allerdings entschieden rauer an. Das selbstproduzierte Album, in den New Yorker "Boogie Motel Studios" eingespielt, sollte zur letzten höheren Chartnotierung werden.
Zitat aus der "International Encyclopedia of Hard Rock & Heavy Metal" (Verlag Sidgwick & Jackson, London; 1983; Tony Jasper und Derek Oliver): "From 'Live' onwards FOGHAT began a downhill slide. They lost their identity and their style began to deteriorate with the introduction of four-minute pop songs and other material devoid of the raucious blitzkrieg boogie of before. All their LPs from 'Boogie Motel' onwards are weak. It would have seem that FOGHAT have hung up their boogie shoes for good."
Zwar arbeitete man etwas schlampig und verpasste dem Mann auf der Position "Lead- und Slidegitarre" ebenfalls den Namen "Roger Earl", ansonsten traf diese Aussage den berühmten Nagel auf den ebenso populären Kopf.
Wohl nicht umsonst umfasste der im April 1989 herausgebrachte Sampler "The Best Of Foghat" ausschließlich Material der Jahre 1972-79. Wenn auch eventuell aus den Orderlisten gestrichen, stellt diese geniale Compilation einen idealen Einstieg für "werdende" Fans der Gruppe dar.
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Zu Beginn der Achtziger Jahre liebäugelte man mit dem seinerzeit angesagten "New Wave" (1980; "Tight Shoes") und Rod Price suchte das Weite. Permanente Personalwechsel tun keinem Team gut und so litten FOGHAT zunehmend unter dem Ein & Aus im Bandlager. Zwischenzeitlich kehrte auch Nick Jameson für ein Intermezzo zurück (1981; "Girls To Chat & Boys To Bounce") und man versuchte es noch einmal mit Rhythm'n'Blues Covern (1982; "In The Mood For Something Rude"). Hin & Her und Zick & Zack im Repertoire wurden trefflichst durch "Zig-Zag Walk" (1983) dokumentiert. "Lonesome" Dave Peverett (Vocals, Guitar) und Roger Earl (Drums) hielten bis zuletzt die Fahne um eine sich ständig verändernde Schar von Begleitmusikern hoch.
Bis Mitte der Achtziger waren FOGHAT andauernd auf Tour. Miserable Albumkritiken zogen ständig schlechter werdende Chartnotierungen nach sich und schließlich zog der verbliebene Kopf der Band, "Lonesome" Dave Peverett, die Konsequenzen - er kehrte in seine Heimat nach England zurück.
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Schlagzeuger Roger Earl gab fortan unter dem Pseudonym THE KNEETREMBLERS und später unter ROGER EARL'S FOGHAT weitere Konzerte. Seine Formation litt unter einer sehr großen Anzahl von Besetzungsänderungen.
1990 tauchte zudem sein ehemaliger Kollege Peverett wieder auf und gründete eine Band namens LONESOME DAVE'S FOGHAT, in der u.a. das ehemalige MOLLY HATCHET-Mitglied Riff West (Bass) und der spätere Gitarrist der selben Band, Bryan Bassett, mitwirkten.
Im Jahr 1993 schließlich fanden die vier Originalmitglieder "Lonesome" Dave Peverett, Rod Price, Tony Stevens und Roger Earl erneut zusammen. Stevens hatte in den Jahren zuvor u.a. bei so obskuren Bands wie den australischen CHEETAH gespielt. CHEETAH hatten es im Zuge des Hard'n'Heavy-Booms während der ersten Hälfte der Achtziger - wohl auch durch ihre beiden Sängerinnen bedingt - zu Achtungserfolgen gebracht. Die ehemaligen AC/DC-Produzenten George Young & Harry Vanda hatten ihnen zwar einen akzeptablen Sound "gebastelt", die Devise "Sex sells" schien jedoch mehr im Vordergrund zu stehen. Die Schwestern Lyndsay und Chrissie Hammond mochten vielleicht u.a. mit ihren hochtoupierten Löwenmähnen für den einen oder anderen feuchten Traum sorgen, "Lonesome" Daves Spruch "if you don't sweat, it ain't rock'n'roll" schien hier allerdings völlig fehl am Platze.
Der Schweiß wird wahrscheinlich schon während der Aufnahmesessions zu "Return Of The Boogie Men" von den Studiowänden geflossen sein.
Als das Album 1994 herauskam, erntete es verdientermaßen gute Kritiken. Neben neuen Tracks der Band enthielt es einige akustisch eingespielte Klassiker des Blues. Die Produzentenlegende Rick Rubin (u.a. Tom Petty, AC/DC, RED HOT CHILI PEPPERS, Johnny Cash, SLAYER) hatte sich als bekennender FOGHAT-Fan für ein weiteres Album der Boogiekönige stark gemacht und als die Platte bzw. CD Mitte der Neunziger (1994) auf den Markt kam, mochte sie zwar alles andere als modern klingen, die treuen Anhänger jedoch trauten ihren Lauschern kaum zu glauben. Der definitive "Night Shift"-Nachfolger ward geboren.
"Hört Ihr Leute, lasst Euch sagen... heut' geht's Euch rock'n'boogie-mäßig an den Kragen" - die Platte entpuppte sich als Killer. Bereits der Opener Jump That Train sorgte für eine nicht mehr erwartete Rückkehr ins "Boogie-Land". Einer der besten FOGHAT-Tracks aller Zeiten! Der Peverett-Song sorgte für ungeahnte Begeisterung, wie auch Brüller a la Lousiana Blues ("... if the river was whisky I was a diving duck..."), das schleichende "Heavy-Monster" Play Dirty, die treibenden Nothin' But Trouble und Talk To Me Baby oder das akustische '76er Remake Take Me To The River, hier waren die "alten" FOGHAT wiederauferstanden.
Wie schon so oft in der Vergangenheit hatten sich die Wege Nick Jamesons und FOGHATs gekreuzt, dieses Mal wiederum in der Form des Produzenten. Zufall, dass auch "Energized"-Producer Tom Dawes bei den akustischen Passagen die Knöpfchen drehte?
Jameson verpasste der "elektrischen" Phase einen begeisternden, rauen, druckvollen Sound, der Nothin' But Trouble oder Talk To Me Baby in ein Gewand steckte, genau so wie es in den "good ol' times" FOGHAT an die Spitze gebracht hatte. Schon beim ersten Track Jump That Train wurde der Hörer regelrecht von einer Boogie-Dampfwalze überrollt.
I Just Want To Make Love To You, neu in einer akustischen Version eingespielt, konnte einen ebenso vom Hocker reißen wie das "stromlose" That's Alright Mama. Zuvor u.a. von Elvis Presley, CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL oder SLADE mehr in Richtung Rock'n'Roll gehend interpretiert, überzeugten FOGHAT hier mit einer bluesigen Variante.
FOGHAT verbrachten ihr Leben wieder zu einer großen Zeit auf der Straße. Konnten manche Künstler eher im Radio überzeugen und andere per Video beim aufstrebenden Musiksender MTV, so befand sich die Domäne der Herren Peverett, Price, Stevens und Earl auf den Konzertbühnen. Die Zeit schien reif für ein neues Livealbum und 1996 war es so weit. Während eines Wochenendes (Freitag, der 25.10.96 & Samstag, der 26.10.96) wurde im ausverkauften Roseland Theater, Portland, Oregon, fast 20 Jahre nach dem megaerfolgreichen "Live" ein Doppelalbum eingespielt, das die Band von ihrer allerbesten Seite präsentieren sollte.
Die Musiker, optisch sicherlich gealtert, schienen mitsamt ihren Songs einem Jungbrunnen entsprungen zu sein. Ron Nevison, der u.a. den UFO-Klassiker "Strangers In The Night" produziert hatte, saß dieses Mal auf dem Produzentensessel. Keith Olsen, der u.a. den weltweiten Verkaufshit "Crazy World" der SCORPIONS mit produziert hatte, zeichnete hier für den Mix verantwortlich. So viel Prominenz bürgt nicht immer für ein überzeugendes Ergebnis, in diesem Fall jedoch fiel das Resultat überragend aus.
FOGHAT hatten mit "Road Cases" ein Livealbum abgeliefert, das wohl die wenigsten erwartet hatten. Klang das knapp zwanzig Jahre zuvor herausgebrachte "Live" wie viele im Amiland aufgenommene Konzerte immer ein wenig nach anonymen Stadionrock, so konnte man hier eine Club-ähnliche, kochende Atmosphäre einfangen. Schon beim ersten Track I Just Want To Make Love To You, der in einer fast zehn Minuten langen Version die der "Live"-Scheibe noch toppen konnte, wurde die Stimmung geradezu enthusiastisch. Kaum mit dem Intro gestartet, schien sich das Roseland Theater in einen brodelnden Hexenkessel zu verwandeln. Ein Test bei voller Lautstärke oder unter Kopfhörern sollte jeden Zweifler überzeugen. Dass gerade die kritisierte LP "Stone Blue" songmäßig überproportional vertreten war und ihre Songs live durchaus zu überzeugen wussten, dokumentierte die Tragik der letzten Jahre im Siebziger-Jahrzehnt um so mehr.
Sicher konnte man auch hier Kritikpunkte finden. Endlich ein Live-Doppel-Album, aber warum hatte man zwei "Bonus Studio Tracks" (Angel Of Mercy, Tear You Down) hinzugefügt, statt es mit älterem Material weiterhin ordentlich krachen zu lassen? Zumal die beiden Songs eher der Schublade "Ballade/Pop-Rock" entstammten, auch wenn sie qualitativ hochwertig sein mochten. "Lonesome" Dave schien es mit seinen Mitsing-Parts bei Chevrolet ein wenig zu gut meinen, doch das verzieh man ihm leicht aufgrund seines spürbaren Enthusiasmus.
Die gnadenlos im feinsten Boogie-Hardrock-Blues-Stil dargebotenen Liveaufnahmen ließen über dieses kleine Manko hinwegsehen. "Road Cases", das erst mit einiger Verspätung in die Verkaufsregale kam, konnte und kann mit Fug und Recht als eines der besten Livealben aller Zeiten bezeichnet werden. Fette Gitarren, egal ob Lead, Rhythm oder Slide, durchzogen einen Mitschnitt, der mit einer Wahnsinnspower auch heute noch das heimische Wohnzimmer in eine Konzerthalle verwandelt.
Ein absolutes Slide-Gemetzel gab es bei Sweet Home Chicago und Rock Your House, die nacheinander für fast vierzehn Minuten ein Tollhaus entstehen ließen und in dieser Form als "besser geht's nimmer" bezeichnet werden müssen. Drivin' Wheel, Fool For The City, Stone Blue und letztendlich ihr Markenzeichen Slow Ride, in einer wiederum über neunminütigen Version, hatten nicht ein Staubkorn angesetzt. Jeder einzelne Track ein livehaftiges Monster, welches von weniger bekannten Songs wie Soakin' The Bone oder Bad Bad Lovin' in nicht minder wuchtigen Darbietungen begleitet wurde. Wer dieses Meisterwerk bis heute nicht besitzt, dem ist nicht mehr zu helfen, es sei denn er ordert es zwecks nachträglicher Therapie.
Warum, wieso, weshalb. Es gab, zumindest für Nicht-Insider unverständlicherweise, kein weiteres Studioalbum in dieser Besetzung. Die Band hatte u.a. 1997 auf der "Summer Daze Tour" (30.05.-04.07.97) gemeinsam mit den alten Recken BLUE ÖYSTER CULT, Pat Travers und STEPPENWOLF für weitere Furore gesorgt und 1999 kam erneut ein Livealbum ("Live On The King Biscuit Flower Hour") heraus, welches frühere Mitschnitte von 1974 und 1976 enthielt.
Rod Price verließ FOGHAT nach weiteren Tourneen 1999 ein zweites Mal. Bryan Bassett, der zwischenzeitlich bei MOLLY HATCHET gespielt hatte und zumindest auf deren Comebackalbum "Devil's Canyon" (1996) einiges zum überragenden Songmaterial beigetragen hatte, kehrte zu "Lonesome" Dave, mit dem er Anfang der Neunziger bereits aufgetreten war, zurück. Peverett hatte inzwischen mit großen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, gab jedoch, bereits von der schweren Krankheit gezeichnet, weiterhin mit FOGHAT Konzerte. Am 7. Februar 2000 starb "Lonesome" Dave Peverett im Alter von sechsundfünfzig Jahren und die Welt verlor einen einzigartigen vielgeliebten Künstler.
2003 erschien mit "Family Joules" überraschend ein weiteres Studioalbum unter dem Banner "FOGHAT". Stevens, Earl und Bassett hatten in Charlie Huhn (u.a. ex-VICTORY und Ted Nugent) einen neuen Sänger/Gitarristen gefunden, der aber Peverett in keinster Weise ersetzen konnte. Die meisten Ideen zu den neuen Songs hatten Bassett und Huhn beigesteuert, doch auch die Ur-Mitglieder Tony Stevens und Roger Earl versuchten sich notgedrungen mehr als zuvor als Songwriter. Mit Wohlwollen ging das Album als ansprechender Versuch einer FOGHAT-beeinflußten Combo durch. Um einen letzten Vergleich zu STATUS QUO (die just in diesen Tagen das mit ausgezeichneten Resonanzen bedachte und an die glorreichen Siebziger erinnernde Album "The Party Ain't Over Yet" veröffentlichen) herzustellen, ließe sich behaupten, dass diese als Band ohne Francis Rossi und Rick Parfitt genau so wenig vorstellbar waren/sind wie FOGHAT ohne "Lonesome" Dave Peverett und Rod "The Bottle" Price.
An eine Ära, die zu Beginn des neuen Jahrtausend geendet hatte, wurde im letzten Jahr noch einmal mit der Veröffentlichung von "Decades Live" erinnert. Peveretts Sohn Jason hatte Liveaufnahmen aus verschiedenen Perioden der Band zusammengestellt. Die Compilation vermittelte interessante Eindrücke, "Live" und insbesondere "Road Cases" blieben allerdings unerreicht.
Fans der Band sagt dieser Bericht sicherlich nichts Neues, interessierten "Neu"-Rockern sei gesagt, dass wer diese Mischung aus Blues, Hardrock und Boogie einmal gehört hat, kaum mehr von FOGHAT wegkommt.
Als kleine Ergänzung zu dieser Story, die endlich einmal geschrieben werden musste (Danke, Herr Ruland!), noch ein paar Anmerkungen.
Rod Price verstarb 2004 nach einem tragischen Treppensturz in seinem Haus. Interessierten seien seine beiden Soloalben nach dem Ausstieg bei FOGHAT empfohlen, die sich stilistisch und im Härtegrad zwar von seiner Stammband wegbewegten, aber dennoch klassischem Slide-Bluesrock boten.
Zur angesprochenen "Summerdaze Tour" gab es eine Promo-Compilation mit jeweils drei Songs der auftretenden Bands. Es handelt sich aber keineswegs um Livematerial der Tour, sondern um, wenigstens in den Fällen STEPPENWOLF, BLUE ÖYSTER CULT und Pat Travers, bereits vorher veröffentlichtes Material (das aber auf keinen Fall allen bekannt sein dürfte und durchaus Interessantes zu bieten hat). FOGHAT steuerten hingegen drei Songs bei, die man so vorher nicht kannte. Honey Hush in einer weiteren Livefassung, klangtechnisch nicht wirklich überzeugend, aber musikalisch einmal mehr over the top. Nothing But Trouble, vom "Return Of The Boogie Men" Album, dürfte aus dem gleichen Konzert stammen und stampft, wie schon im Studio, gewaltig. Diese beiden Aufnahmen dürften etwa um 1996 herum entstanden sein, sind aber nicht identisch mit der Live-CD "Road Cases" (die es mittlerweile übrigens in verschiedenen Versionen gibt) oder den Mitschnitten aus der 2004er "Decades Live". Der dritte Track auf "Summerdaze" ist ein echtes Schmankerl, handelt es sich doch um eine bis dato unveröffentlichte Studioaufnahme des Willie Dixon-Songs You'll Be Mine. Vermutlich ist es eine Aufnahme von '96 oder '97 und zeigt deutlich, dass FOGHAT nach "Return Of The Boogie Men" keineswegs ihr Pulver verschossen hatten. Hatten sie auf dem "Return..."-Album ihrem Inspirator Willie Dixon gedankt, verdeutlichte You'll Be Mine einmal mehr, dass diese Band die unnachahmbare Fähigkeit besaß, den uralten Songs des Meisters einen gewaltigen Boogie-Tritt zu verpassen.
Die CD ist natürlich längst gestrichen, sollte sich aber in Sammlerkreisen relativ problemlos finden lassen.
1992 erschien bei Rhino eine Fortsetzung der 89er "The Best Of Foghat" mit dem Untertitel "Volume 2". Neben 10 sattsam bekannten Titeln von 1973 bis "Boogie Motel" (1979) und 4 Nummern der zurecht umstrittenen Alben von 1980 ("Tight Shoes") bis '83 ("Zig-Zag Walk") enthielt diese Compilation den '72er "Foghat"-Outtake Ubangi Stomp, einen lustigen Rock & Roll mit "Telefonhörergesang" Peveretts und Piano (gespielt von Dave Edmunds?), und die ultrarare Promosingle All I Want For Christmas Is You von 1981. Peverett hatte keinen klassischen Weihnachtssong geschrieben, sondern schwelgte in Rock & Roll der Marke Presley, Edmunds oder gar Shakin' Stevens. Nicht lebenswichtig, aber nett und sogar noch ab und an im regulären Handel zu finden.
Im Frühjahr 1991 hatte ich erst- und letztmals die Gelegenheit, FOGHAT live zu sehen. Im Vorprogramm von MOLLY HATCHET ging Lonesome Dave im 3-Gitarren-Lineup (natürlich Rod Price und vermutlich Bryan Bassett - zu meiner Schande weiß ich es nicht definitiv) auf die Bühne der Hofer Stadthalle und legte einen mit der "Live"-LP identischen Set hin, der mich fassungslos hinterließ. Dave Peverett HATTE diese Sirenenstimme! Was auf den Alben (auch der Stadion-Liveplatte) wie ein Werk der Technik erschien, war unfassbare Wirklichkeit. Fool For The City, Slow Ride und all die anderen unsterblichen "Boogiemonster" dröhnten in nie zuvor gehörter Intensität durch die Halle. Eines der Konzerte, die man nie vergisst. MOLLY HATCHET hatten im Anschluss keine Chance, den Göttern Paroli zu bieten. Zusätzlich gehandicapt durch einen völlig indisponierten, kranken und schwer gezeichneten Danny Joe Brown, holzten HATCHET durch ihren Standardset und waren klarer Verlierer des Abends.
Dieses Desaster veranlasste offensichtlich irgend jemand aus dem HATCHET-Camp dazu, dem Tontechniker am folgenden Tag eine klare Anweisung zu geben: "Mach sie fertig!". Der volle Münchner Circus Krone bekam also nur einen Tag nach der Offenbarung in Hof eine katastrophale Soundqual vorgesetzt, die viele Besucher zur vorzeitigen Flucht trieb. Nichts definierbares war zu hören von den pervers lauten Gitarren, Schlagzeug und Bass ein vermatschter, basslastiger Brei, Peverett auf Zimmerlautstärke reduziert und das sehnlich erwartete Road Fever zu banalem Ohrensausen degradiert. Im eigentlich leicht zu beschallenden Circus Krone konnte so ein Fiasko nur Sabotage bedeuten. An diesem Tag bekam der Mythos MOLLY HATCHET ob der Unkollegialität bei mir seinen ersten Knacks.
HATCHET selbst rehabilitierten sich allerdings bei ihrem Auftritt völlig. Mit plötzlich traumhaftem Sound und einem durch wundersame "Medikamente" wiedererstarkten Danny Joe Brown lieferte die Band einen phantastischen Auftritt und spielte den Boogie, den man sich eigentlich von FOGHAT erwartet hatte.
Alle Originalplatten von FOGHAT gibt es inzwischen als anständig remasterte CD-Editionen (die den CD-Erstausgaben unbedingt vorzuziehen sind!). Für Sammler und Schatzsucher sind darüber hinaus diverse Radioshows halboffiziell oder als Bootleg erschienen. Neben verschiedenen King Biscuit Mitschnitten (dort war die Band über Jahre Stammgast) u.a. auch einen 95er "Westwood One Superstars in Concert" Directcut mit Fool For The City, Stone Blue, Slow Ride, Louisiana Blues und der einzigen mir bekannten Livefassung von Jump That Train.
Ausserdem unverzichtbar ist die DVD "Two Centuries Of Boogie", mit einem Auftritt von 1995. Knapp 90 Minuten Klassiker und Lonesome Dave in Glanzform, obwohl er zu dieser Zeit bereits von den lebensnotwendigen Medikamenten und Krebsbehandlungen gestresst war. Man höre sich nur seine Leistung bei Stone Blue, Slow Ride oder dem Double-Lead Ungeheuer I Just Want To Make Love To You an. Rod Price war mächtig in die Breite gewachsen, slidete aber wie ein junger Gott, und Roger Earl und Tony Stevens bildeten das gewaltige Rückgrat der Band.
Heute ist die Band FOGHAT nach wie vor "on the road", versucht allerdings nicht mehr krampfhaft früheren Zeiten nachzueifern, sondern geht entspannt an die relativ wenigen Gigs des Jahres heran. Roger Earl, der unbestrittene Chef der Band, hat inzwischen seine langjährige Freundin Linda geheiratet, Charlie Huhn sang zwischenzeitlich das leider folgenlos gebliebene Comeback-Album von VICTORY ein ("Instinct", 2003), und Bryan Bassett genießt die Freiheiten, die ihm als Nebenmann von Bobby Ingram bei MOLLY HATCHET nicht gegeben waren. Lonesome Dave Peverett ist schmerzlich vermisst und für die Fans dieser Band gilt für alle Zeiten: "If you don't sweat, it ain't Rock'n'Roll". Bei FOGHAT hat man immer geschwitzt!
Fred Schmidtlein, 10.10.2005
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