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Dublin - eine rockige Metropole

Musikalische Eindrücke vom grünen Eiland

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Foto: Michael Koenig

Im Sommer dieses Jahres hatte ich das große Vergnügen zum dritten Mal den Sommerurlaub auf meiner Lieblingsinsel zu verbringen.
Irland leuchtet in ca. 40 verschiedenen Grünschattierungen und Abstufungen. Es ist ein Traum. Das ändert auch der allgegenwärtige Regen nicht. Dieses Land bietet die perfekte Mischung aus Natur und Kultur. Dazu ist es noch mit, zum allergrößten Teil, liebenswürdigen, freundlichen und zuvorkommenden Bewohnern bevölkert. Natürlich hat sich seit meinem letzten Besuch im Jahre 1993 jede Menge verändert. Leider nicht nur zum Besseren. Aber das ist ein anderes Thema.
In diesem kurzen Bericht soll es in erster Linie um die Musik gehen. Ich rede jetzt nicht von den Irish-Folk-Klischees, die den Individual-Urlaubern und Pauschaltouristen in jeder noch so heruntergekommenen Spelunke bei häufig miserablem und viel zu lautem Sound verkauft werden. Selbst in der übelsten Lokalität mit der grausamsten Musikdarbietung ist abends kein Platz mehr zu kriegen. Dies gilt in ganz besonderem Maße natürlich für die Tourismushochburgen, wohin die Reiseveranstalter ganze Busladungen von Leuten karren, um ihnen das angeblich so authentische Irland nahe zu bringen. Das ist eine Seite.
Ich möchte an dieser Stelle ein paar Worte über eine ganz andere Seite der Medaille verlieren. Damit meine ich den Rock'n'Roll in Dublin, der Hauptstadt der Republik Irland.

Es scheint ihn tatsächlich zu geben. Ja, es existiert offenbar ein, wie mir scheint, vitaler Untergrund in Irland. In vielen Orten, seien sie auch noch so klein, hängen haufenweise Plakate, die einheimische Rock- und Punkbands in Pubs und anderen Etablissements ankündigen.
Lokale Helden gibt es natürlich auch in Dublin. Doch ist das nur eine Seite der Medaille. In dieser Stadt leben ca. 500.000 Menschen. Der Großraum Dublin zählt etwa 1,2 Millionen Einwohner. Da reisen neben den einheimischen Musikern natürlich auch Stars zu Konzerten an. Es gibt große Hallen, wie das Point Theatre für bis zu 7.000 Zuschauer, mittelgroße Hallen und eine Unmenge kleiner Auftrittsorte in Form von Pubs, Theatern und Discos. Parks, Sportarenen und andere Plätze eignen sich vorzüglich für Open-Air-Veranstaltungen. Ich habe Tourposter von den FOO FIGHTERS, CANNIBAL CORPS, dem JOHN BUTLER TRIO und vielen, vielen weiteren bekannten Acts gesehen.
Auch in den Fußgängerzonen und Einkaufsstraßen spielt, im wahrsten Sinne des Wortes, die Musik. An vielen Plätzen und Hausecken stehen und sitzen Straßenmusiker, die alle nur erdenklichen Stile darbieten. Von Folk bis Pop, von Rock bis Klassik. Es ist alles dabei. Der eine ist ziemlich gut, der andere nicht ganz so. Beinahe alle geben ihr Bestes, sind mit Leidenschaft bei der Sache und freuen sich über jede Münze. Mancher bietet seine CDs an. Leider haben viel zu wenige der vorbeihastenden Menschen Zeit für diese Vorstellungen. Schade drum. Da entgeht ihnen so manche Glanzleistung, die dazu auch noch fast nix kostet.
Neben Gigs und Straßenkunst kann der geneigte Gast aber auch noch das allseits beliebte Hardrock Cafe in Temple Bar besuchen und das obligatorische T-Shirt erwerben. Nach dem Motto "Ich war auch da." Oder man übernachtet gar in Dublins angesagtestem Hotel, dem Clarence, das den Mitgliedern von U2 gehört und ständig ausgebucht ist. Überlebenswichtig ist in meinen Augen jedoch beides nicht.

Phil Lynott Memorial Einen ganz wichtigen, wenn nicht gar elementaren Punkt auf meiner Liste der während der Stippvisite nach Dublin in Augenschein zu nehmenden Örtlichkeiten, stellt das PHIL-LYNOTT-MEMORIAL in der Harry Street, einer Nebenstraße der Shoppingmeile Grafton Street, dar. Ich kann es wirklich kaum erwarten, einem meiner größten Helden zu begegnen. Wenn schon nicht persönlich, so wenigstens seinem Abbild. Dann ist es so weit. Auf einem kleinen Sockel mit dem Schriftzug "Philip P. Lynott 1949 - 1986" stützt er sich ganz lässig auf seine Bassgitarre. Kaum jemand beachtet die lebensgroße Bronzestatue. Na ja, ist halt auch schon ein bisschen her, dass es feierlich von Phils Mutter und der Dubliner Oberbürgermeisterin vor hunderten von Fans enthüllt wurde. Meine Frau muss mich unverzüglich zusammen mit dem ultimativen Rockstar ablichten. Ich kann mich eines Gänsehautgefühls nicht erwehren. Ein magischer Moment. Dass Mr. THIN LIZZY trotzdem nicht vergessen ist, zeigt mir die Tatsache, dass am nächsten Tag ein junger Mann Plakate für ein Gedenkkonzert zu seinen Ehren in Geschäften verteilt.

Es gibt unzählige Möglichkeiten CDs und DVDs einzukaufen. Durch Preisvergleiche spart man erheblich dabei. Die Unterschiede können immens sein. HMV und Tower Records haben Filialen z.B. in der Grafton Street bzw. in der näheren Umgebung. Daneben findet man aber auch noch andere Läden wie Sky Music am Flughafen oder Golden Discs im Stephens Green Shopping Centre in der Grafton Street und natürlich den unvermeidlichen Virgin Megastore. Ich erstehe Scheiben von THE KINKS, MADNESS, Keith Moon, THE RUTLES, John Lennon, Elton John, Robert Johnson, THE BOOMTOWN RATS, QUICKSILVER MESSENGER SERVICE und einigen anderen Musikern. Außerdem gibt es eine stattliche Anzahl von Musikmagazinen, von denen wir in Deutschland nur träumen können. Mir haben es vor allen Dingen "Uncut" (+ CD), "Classic Rock" (+ 2 CDs) und der echte "Metal Hammer" (+ 2 CDs) angetan. Aber auch "Rock'n'Reel" (+ CD), "Irish Music" und "Mojo" reisen mit mir heim. Während einige der genannten Hefte bei uns meist mit über 10 € zu Buche schlagen, sofern sie überhaupt zu kriegen sind, zahlt der an guter Musik interessierte Leser in Irland zwischen 7 und 8 € pro Normalausgabe. Sonderhefte sind auch dort teurer.

Schier unüberschaubar ist die Fülle der Bücher, die sich mit allen Stilen und Abarten der Rockmusik befassen. Autobiografien, Biografien, Bildbände und Nachschlagewerke. Davon erscheint sicherlich nur ein kleiner Teil in deutscher Übersetzung. Meist bleibt einem daher keine andere Wahl, als die englischen Ausgaben mitzunehmen. Für die eigenen Sprachkenntnisse ist das sicher gar nicht mal so schlecht. Nur, wie soll die zusätzliche Last nach Hause kommen? Für Übergepäck zuzahlen? Ein Paket auf den Weg bringen? Am Ende lässt mich der ganze zu befürchtende Aufwand dann doch von einem Kauf Abstand nehmen. Und wie so oft, denke ich mir, dass Deutschland heute, im Vergleich zu Irland, dem UK und im Gegensatz zu seiner eigenen Vergangenheit, wohl doch verdammt wenig Rock zu bieten hat.
Ja, in Dublin ist er definitiv zu finden, der Rock'n'Roll in all seinen Spielarten. Kommerz und Trendreiterei leider inklusive. Darüber will ich mich jetzt aber nicht auch noch auslassen. Das würde mich nur aufregen.

Ganz und gar nicht Rock'n'Roll ist eine Attacke mit rohen Eiern durch vier Dreikäsehochs vom Balkon eines Mietshauses in der Nähe der Guinness-Brauerei in St. James's Gate, wie sie uns ereilt hat. Auch in Irland gibt's halt leider Idioten. Große und kleine. Außerdem sind Schulferien, es herrscht offenbar totale Langeweile und Touristen nerven ist ja soooo cool.
Von diesem Zwischenfall abgesehen, kann ich Irland, speziell Dublin, allen musikalisch und überhaupt kulturell interessierten Reisenden wärmstens empfehlen. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass ich irischen Boden nicht zum letzten Mal betreten habe.

Michael Koenig, (Artikelliste), 05.10.2007

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