Trackliste "Live In Europe":
- Born On The Bayou (5:04)
- Green River/Suzie Q (4:21)
- It Came Out Of The Sky (3:31)
- Door To Door (2:03)
- Travelin' Band (2:11)
- Fortunate Son (2:31)
- Commotion (2:29)
- Lodi (3:25)
- Bad Moon Rising (2:15)
- Proud Mary (2:58)
- Up Around The Bend (2:43)
- Hey Tonight (2:27)
- Sweet Hitch-Hiker (3:05)
- Keep On Chooglin' (13:33)
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Zur Winterzeit 1970/71 mussten Nicht-Insider CCRs den Eindruck bekommen, als schwelge die Gruppe auf einer Woge nicht endenden Erfolgs. Zwar hatte die Presse von den Änderungen im Bandlager berichtet, aber was sollte bei einer weiteren LP und Single in den Top 10 großartig geschehen?
Die weltweiten Auszeichnungen für das Jahr 1970 schienen diesen Eindruck zu bestätigen, und es stellte gewiss nur einen Auszug dar, was dem Betrachter des Covers der LP "Chronicle - The 20 Greatest Hits" (veröffentlicht 1976) entgegen prangte: Outstanding Contribution Award, Soul Magazine; Artists Of The Year Award, Music Operators of America; Top Album Artists of 1970, Billboard; Top International Pop Group, New Musical Express Reader's Poll (England); Top Pop Group in U.S., England, Canada, Germany, France, Switzerland, Norway and Israel, Billboard International Poll; Top Gold Record Artists of 1970, RIAA; Musikmar(k)t Award, Golden Otto Award, Germany; Golden Clover Award, Mexico; Top Selling Artists of 1970, NARM Convention; Top Male Pop Group, Record Mirror Reader's Poll (England); Best Foreign Group, Italian Critics Poll.
(Die Abgrenzung des Rock vom Pop erfolgte im zunehmenden Maße während der Siebziger Jahre. CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL sind also durchaus "HoR-tauglich". Die "Bravo", sprich der "goldene Otto", besaß einen höheren Stellenwert als man heutzutage glauben mag. Ernstzunehmende Rock-Magazine waren zur damaligen Zeit in der deutschen Presselandschaft eher dünn gesät)
Nachdem die Aufnahmen zu "Pendulum" im Kasten waren und damit Johns Vorherrschaft offiziell geendet hatte, sollte nun also die nächste Ära, die der Gleichberechtigung, in der Karriere CCRs beginnen. Tom, Stu und Doug wollten der Welt beweisen, dass sie ernstzunehmende Musiker sind. Die songschreiberischen Versuche der drei brachten allerdings sehr schnell die Tatsache ans Tageslicht, John Fogerty nicht das Wasser reichen zu können. Seiner Kreativität hatten sie nichts Gleichwertiges entgegen zu setzen. Die vorliegenden Ergebnisse ließen seinen Bruder Tom zu der Erkenntnis kommen, dass ihr Aufbegehren zwar zu den gleichen Rechten, jedoch nicht zum Abliefern gleichwertigen Songmaterials geführt hatte.
Die ernüchternden Resultate ihres Songwritings und auch das Verhalten Johns, der seinen Platz am Mikrophon des Sängers nicht ohne Probleme zu räumen gedachte, bewegten Tom Fogerty schließlich dazu, seinen Ausstieg bekannt zu geben. Im Februar 1971, zwei Monate nach "Pendulum" und der großen Party in der "Factory", verließ er die Band um eine Solo-Karriere zu beginnen.
Der vakante Platz des Rhythmusgitarristen wurde nicht neu besetzt. Auch wenn Stu und Doug weiterhin auf ein demokratisches Bandgefüge pochten und ihren Anspruch auf Mitspracherecht betonten, ließ sich spätestens ab dem Zeitpunkt von Toms Abschied nur noch von John Fogerty & seiner Rhythm-Section reden.
Die Aktivitäten CREEDENCEs sanken in den folgenden Monaten auf den Nullpunkt. Weit und breit keine Pläne für zumindest eine neue Single; statt dessen richtete sich John daheim ein Studio ein, Stu Cook beschäftigte sich mit der Filmbranche und schrieb einige Songs, während Doug Clifford ein Album gemeinsam mit einem Folksänger aufnahm oder seinen Kumpel Stu bei dessen Unternehmungen unterstützte.
Im Juli 1971 sollte dann erstmals Stu Cook mit einer Komposition auf einer CCR-Veröffentlichung vertreten sein. Door To Door hieß das etwas über zwei Minuten lange Stück und bildete die B-Seite der neuen Single Sweet Hitch-Hiker.
Sicherlich kein überragender Track und gemessen am Standard der bisherigen Songs der Gruppe höchst durchschnittlich, litt der rockige Song unter der amateurhaften stimmlichen Leistung Cooks. Fogerty setzte mit seiner Gitarre noch die Akzente, die Door To Door akzeptabel werden ließen.
Die A-Seite ihrer mittlerweile elften Single, Sweet Hitch-Hiker, präsentierte CREEDENCE von einer relativ heftigen Seite. Johns Gesang klang ähnlich wie zuvor auf Hey Tonight ziemlich rau, allerdings gab es hier endlich wieder ein auf "Pendulum" zumeist schmerzlich vermisstes Gitarrensolo zu hören. Die recht hart ausgefallene Single war jedoch alles was die auf Triogröße geschrumpfte Gruppe an neuem Material zu bieten hatte, als es im gleichen Monat auf große Tour durch die USA ging.
Die neue Demokratie innerhalb CCRs sorgte für im Vergleich zum Vorjahr zahlreichere Interviews mit Bassist Stu Cook und Drummer Doug Clifford. John Fogerty hielt sich auffallend im Hintergrund und überließ besonders in Europa seinen Kollegen den Großteil der Öffentlichkeitsarbeit. So ganz schien die dortige Musikpresse dem Braten jedoch nicht zu trauen, denn einen Monat vor Beginn der zweiten Europatournee im Oktober 1971 rief ein Redakteur des englischen "New Musical Express" direkt bei John Fogerty in der "Factory" an, um nachzufragen wie es denn nun weitergehen solle. Immerhin hatten die Leser des renommierten Magazins CREEDENCE in einer Umfrage für das abgelaufene Jahr 1970 noch vor den BEATLES an die erste Stelle gewählt. Johns beschwichtigende Antwort, Toms fehlende Rhythmusgitarre würde dem Sound der Gruppe nicht schaden, galt es livehaftig zu beweisen.
Die zweite Tour durch Europa hatte man im Vergleich zur Vorjahrestour um einige Daten erweitert. Die dortige Presse brachte jetzt auch vermehrt Fotos und Interviews von und mit Stu Cook und Doug Clifford und schien der Band eine dominierende Rolle in den beginnenden Siebzigern zuzutrauen. Der verstärkte Starrummel um jetzt alle Bandmitglieder und die Tatsache, dass Cook Door To Door live singen durfte, präsentierten ein Öffentlichkeitsbild, das nicht dem Inneren CREEDENCEs entsprach. Johns verstärkte Hinwendung zum Rhythm'n'Blues und besonders dem Country Rock sowie der gleichzeitigen Abkehr vom typischen CCR-Sound ließ sich an den Jam-Sessions in ihren Hotelsuites erkennen, die der partymüde Fogerty nach den Konzerten bestritt. Zu Stücken von Country-Legenden wie Hank Williams oder Buck Owens improvisierte er auf einer Pedalsteel-Gitarre, deren Klang sein Songwriting in eine Richtung abseits den Pfaden CCRs lenken sollte.
Optisch hatte sich John bereits verändert. Die gewohnte Lederhose und das karierte Holzfällerhemd waren auf der Bühne einem Cowboy-Anzug gewichen.
Die europäischen Dates entwickelten sich zu einem Triumphzug für CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL. Volle Konzerthallen, Privatjet und dicke Limousinen ließen die Band als Superstars erscheinen, denen auch gelegentlich kritische Zeitungsberichte nichts anhaben konnten. Zumeist feierte sie die Presse allerdings als Inbegriff des Rock'n'Rolls (John Fogerty) und dynamisch-perfekte Rhythmusgruppe (Stu Cook, Doug Clifford) ab.
Die neue Demokratie in der Gruppe machte es möglich, Johns künstlerische Bedenken gegen einen Livemitschnitt zu überstimmen. "Fantasy" plante schon seit geraumer Zeit eine Liveplatte herauszubringen und somit die Verdienstmöglichkeiten zu erweitern. Fogertys Einwand, dass diese Aufnahmen einer Band vom Status CCRs keineswegs zur Ehre gereichen würden, fegten seine Kollegen mit ihrer Zustimmung zur Veröffentlichung vom Tisch, schließlich ging's ums Geldverdienen.
Ein Aufnahmeteam begleitete die Europatour und "Fantasy" brachte später sogar zwei Alben heraus, die Johns Bedenken verewigt in ihren Rillen trugen. Ein ziemlicher Soundbrei, mit teilweise übersteuerten Verstärkern und verzerrten Klängen sollte sowohl die Konten der Plattenfirma als auch Cooks und Cliffords füllen, ohne Johns Sorgen um den exzellenten Ruf der Band zu berücksichtigen.
Die miserablen Aufnahmen der Europa-Tournee '71 kamen gleich in zwei Versionen heraus. Die Doppel-LP "Live In Europe" erschien 1973 in Amerika und Europa und die LP "Live In Germany" sollte den deutschen Fans ein zweites Mal die Kohle für ein Image schadendes Produkt aus der Tasche ziehen. Die als "The Concert" im Jahre 1980 veröffentlichten Aufnahmen ihres Konzerts vom Januar '70 im kalifornischen Oakland Coliseum wiesen eine erheblich brauchbarere Qualität auf und präsentierten CREEDENCE soundmäßig von ihrer besseren Seite.

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