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Creedence Clearwater Revival

Besser als die Beatles?

(Teil 5: Das meistverkaufte Album, Aufstand & Experimente)
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Trackliste "Cosmo's Factory":
- Ramble Tamble (7:09)
- Before You Accuse Me (3:24)
- Travelin' Band (2:07)
- Ooby Dooby (2:05)
- Lookin' Out My Backdoor (2:31)
- Run Through The Jungle (3:09)
- Up Around The Bend (2:40)
- My Baby Left Me (2:17)
- I Heard It Through The Grapevine (11:05)
- Long As I Can See The Light (3:33)
Trackliste "Pendulum":
- Pagan Baby (6:25)
- Sailor's Lament (3:47)
- Chameleon (3:05)
- Have You Ever Seen The Rain (2:59)
- (Wish I Could) Hideaway (3:53)
- Born To Move (5:39)
- Hey Tonight (2:43)
- It's Just A Thought (3:45)
- Molina (2:41)
- Rude Awakening #2 (6:19)

Discografie (Originalalben und ausgewählte Compilations):
Creedence Clearwater Revival
"Creedence Clearwater Revival", Juni 1968
Bayou Country
"Bayou Country", Januar 1969
Green River
"Green River", August 1969
Willy And The Poor Boys
"Willy And The Poor Boys", November 1969
Cosmo's Factory
"Cosmo's Factory", Juli 1970
Pendulum
"Pendulum", Dezember 1970
Mardi Gras
"Mardi Gras", April 1972
Live In Europe
"Live In Europe", Dezember 1973
The Concert
"The Concert", Oktober 1980 (Aufgenommen Januar 1970 im Oakland Colissium)
The Golliwogs
"The Golliwogs", 1975 (Pre-CCR)
Creedence Gold
"Creedence Gold", 1972 (Compilation)
More Creedence Gold
"More Creedence Gold", 1973 (Compilation)
Creedence Country
"Creedence Country", 1981 (Compilation)

Während Johns Vorstellungen über die Ausrichtung der Band sich an einem Act wie BUDDY HOLLY AND THE CRICKETS (Peggy Sue, That'll Be The Day) festmachen ließen, dachten die anderen Drei an ein Band-"Modell" ähnlich dem der BEATLES. Fünfziger Jahre prallten auf die Sechziger, Frontmann plus Begleitgruppe auf mehr oder weniger gleichberechtigte Gruppenmitglieder. Dazu bedurfte es allerdings neben Charisma und einem gewissen Format vor allem an Talent. Nahezu alles was CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL ausmachte schien allein Johns Kreativität zu entspringen, denn es setzte gewiss einiges mehr als eine präzise Rhythmussektion voraus, um die Charts zu knacken und ausverkaufte Konzerte auf der Habenseite zu verbuchen. Aufkommender Neid schien die fällige Erkenntnis zu verdrängen, dass CCR zumindest künstlerisch vollständig von John Fogerty abhängig waren.
Auf dem fünften Album "Cosmo's Factory" traf man zwar nicht weniger als vier Cover-Versionen an, jedoch trugen auch diese Songs - von einigen Vorbildern aus Johns Jugendzeit - in ihrem neuen Arrangement unverkennbar seine Handschrift.

Cosmo's Factory

Als "Cosmo's Factory" im Juli 1970 erschien, hielten Fans, Kritiker und die DJs der zahlreichen Radiostationen eine LP in ihren Händen, die mit der bis dato größten Menge an Songs aufwartete. Elf Tracks hatte man auf Vinyl verewigt und es schien bei den Verkäufen nicht von Nachteil, dass die letzten beiden Singles noch einmal auf einer Langspielplatte CREEDENCEs auftauchten. Wo beispielsweise die BEATLES 45er veröffentlichten, die auf keinem Studioalbum vorhanden waren, besaßen die CCR-Singles den Status vorab erscheinender Albumtracks oder nachträglich ausgekoppelter Songs.
Die Produktionen unter dem Namen CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL platzierten sich nicht nur weltweit in den höchsten Chartregionen, sie ließen auch endlich die Musiker zu einem gewissen Wohlstand kommen und machten vor allem einen reich: Saul Zaentz und dessen Label "Fantasy". So dauerten die Aufnahmen zu "Cosmo's Factory", wie zuvor schon bei "Willy and the Poor Boys", nur eine Woche und schlugen im Vergleich zu Produktionen anderer populärer Acts mit knapp 5.000 Dollar kaum zu Buche. Der Songwriter und wiederum alleinige Arrangeur und Produzent John Fogerty versprach Gewinnspannen, die seine Bandkollegen und "Fantasy" vergessen ließen, dass dahinter letztendlich auch nur ein Mensch stand, der zwar den Gipfel seiner Kreativität erreicht hatte, das eingeschlagene Tempo und den damit verbundenen Erfolgsdruck auf Dauer jedoch unmöglich aushalten konnte.
Der Albumtitel basierte auf dem Namen ihres Übungsraums, den man nach dem CCR-Drummer Doug "Cosmo" Clifford benannt hatte. Nichtsdestotrotz war die Platte durch und durch ein "Kind" John Fogertys, der mit einigen Neuigkeiten das bisher abwechslungsreichste Werk der Band mittels der üblichen Begleitung von Tom, Stu und Doug eingespielt hatte.
Über drei Millionen (*) verkaufte Exemplare von "Cosmo's Factory" und die vierte Platin-Auszeichnung (*) ließen die sich anbahnende Problematik um CCR vorerst noch im Hintergrund schmoren.

Lookin' Out My Back Door

CCR-Singles verkauften sich wie von selbst und füllten die Kassen zusätzlich. Reagierte "Fantasy" zuweilen etwas behäbig, was beispielsweise die PR-Aktivitäten betraf, so hatte das Label mit dem überwältigenden Looking Out My Back Door (B-Seite Long As I Can See The Light) ein glückliches Händchen bewiesen. Als mittlerweile dritte Single des Album "Cosmo's Factory" auf den Markt gebracht, ging die kleine Schallplatte - wie seit Proud Mary-Zeiten üblich - in enormen Mengen über die Ladentheken. Looking... bescherte der Band zum fünften Mal eine Nummer Zwei in den Single-Charts und die siebte Goldene (*) für eine ihrer 45er.
CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL, für die kurze Zeit von rund zwei Jahren das überragende Phänomen einer Pop-Welt, die sich merklich in Pop und Rock zu teilen begann, sollte es in ihrer Heimat USA nie gelingen, die Spitze der Single-Hitparade zu erreichen.
Looking... gab den Verkäufen zu "Cosmo's Factory" einen zusätzlich Schub. Anders als bei den "Kleinen", hatten CCR in den Billboard Album Charts die Position "Eins" erreicht. Ihr viertes von fünf Top Ten Alben hielt sich aufgrund seiner massiven Verkäufe für neun Wochen an erster Stelle.

Zu Zeiten, in denen teilweise die abstrusesten Theorien aufgrund irgendwelcher Lyrics aufgestellt wurden, ging der Kelch wilder Interpretationen auch an CREEDENCE nicht vorbei. Looking Out My Back Door, ein eher fröhliches Country-Stück, das John für seinen kleinen Sohn geschrieben hatte, wurde in die Drogen-Ecke abgeschoben. Sein Gesang sollte angeblich in manchen Ohren "hippie-mäßig" klingen, und da es sich im Arrangement etwas von bisherigen "Country"-Songs der Band unterschied, war Looking... plötzlich Johns "Dope-Song". Kaum anzunehmen, dass er tatsächlich Eight Miles High war...
Das sehr persönlich wirkende Long As I Can See The Light präsentierte John Fogerty, wie auch schon auf der vorab erschienenen Single Travelin' Band, mit einem Saxophonsolo. Er selber hielt Long... zum damaligen Zeitpunkt für das bis dato beste Stück der Gruppe.
Die Songs der Single Looking... / Long As I. bewiesen zudem, dass John sich zu weit mehr als nur einem hervorragend singenden Gitarristen mit Pianokenntnissen entwickelt hatte. Neben seinem zweiten Einsatz als Saxophonist spielte er erstmals eine Dobro bei einer seiner Aufnahmen. Die metallene Gitarre ward bereits auf dem Cover von "Green River" gesehen, ihr Einsatz erfolgte jedoch erst über ein Jahr darauf.

Obwohl sechs der elf Album-Tracks auf Singles erhältlich waren, entwickelte sich "Cosmo's Factory" zum Mega-Seller. Unterm Strich härter als "Willy and the Poor Boys" ausgefallen und von durchweg guten Kritiken begleitet, sorgten auch die vier (!) Neuaufnahmen von Klassikern der Musikgeschichte plus die letzte verbliebene Eigenkomposition, das überlange Ramble Tamble, für die enormen Verkäufe.
Ramble Tamble mochte anfangs aufgrund seiner wenigen Lyrics etwas inhaltslos herüberkommen, beim genaueren Hinhören ließ sich dann erneut Johns Auseinandersetzung mit der damals aktuellen Politik feststellen. Würfelspieler und zweifelhafte Pfandleihen an jeder Ecke bis dort wo die Polizei Präsenz zeigt, Politiker im weißen Haus, die für ihn wie Schauspieler agierten ("actors in the white house")... seine damaligen Texte behielten bis heute ihre Aktualität. Mit Ronald Reagan (ehemals Schauspieler in B-Filmen) wurde 1980 ein damaliger kalifornischer Gouverneur zum Präsidenten der USA gewählt und wie es im Staate Kalifornien heute aussieht, bewies vor einiger Zeit die Wahl Arnold "Äkschn" Schwarzeneggers zum Gouverneur des Sonnenstaates.

Erwähnte John in Looking... noch den Country-Sänger Buck Owens, so versuchte er sich mit Ooby Dooby direkt am Original. Das Rockabilly-Stück, in den Fünfzigern ein Hit Roy Orbisons, hatte John maßgeblich beeinflusst. Das Gitarrensolo versuchte er bereits in seinen Anfängen als Musiker nachzuspielen.
Enthielt "Cosmo's Factory" auch zwei herausragend lange Tracks, so galt Fogertys Liebe doch besonders den "Zweieinhalb-Minuten-Songs" der Rock'n'Roll Ära. Seine vinylmäßige Huldigung an Bo Diddley mittels Before You Accuse Me gehörte bereits Jahre zuvor zum Repertoire der GOLLIWOGS. Ursprünglich bereits für das erste CCR-Album eingespielt und wegen Unzufriedenheit mit dem Sound wieder gestrichen, hatte John es jetzt, zwei Jahre später, in einer ihn zufrieden stellenden Version hinbekommen. Fogerty war nicht einfach nur ein weißer Junge der versuchte den Blues zu singen, vielmehr entwickelte er seinen eigenen "white boy"-Blues. Before You Accuse Me klang im Stile von CREEDENCE wie eine Eigenkomposition.
Ob John Elvis' My Baby Left Me aufnahm weil dieser kurz zuvor Proud Mary gecovert hatte - wie ein Musikkritiker vermutete - war allerdings eher unwahrscheinlich. John beabsichtigte bereits über ein Jahr zuvor den Song auf "Green River" zu veröffentlichen. Die Idee wurde jedoch wieder verworfen, da er glaubte, zu große Ähnlichkeiten mit Bad Moon Rising herauszuhören. My Baby Left Me orientierte sich wie Ooby Dooby sehr nah am Original und klang mehr wie eine alte Sun Records-Aufnahme. Der "Bayou Sound" wich Einflüssen des Rockabilly, frühen Rock'n'Roll und Country.
CCR waren stets offen, die (Liebes-)Lieder anderer Songschreiber zu spielen, von Suzi Q. bis Hello Mary Lou. Hier versuchten sie sich an I Heard It Through The Grapevine, einem Track der erst einige Zeit zuvor ein Hit sowohl für GLADYS KNIGHT & THE PIPS als auch für Marvin Gaye wurde. CREEDENCEs ausgedehnte Version erinnerte mit ihren über elf Minuten eher an die Jams von JEFFERSON AIRPLANE oder GRATEFUL DEAD und hielt deren musikalischen Marathons locker stand.
I Heard It... wurde im Januar 1976 von "Fantasy" in einer drastisch gekürzten Version (3:52) noch einmal als Single veröffentlicht. Somit brachte es "Cosmos' Factory" nicht nur zum meistverkauften Album der Gruppe sondern auch zu dem mit der höchsten Anzahl ausgekoppelter Singles.

Auch wenn die Bandmitglieder mit ihren Frauen und Kindern den Urlaub gemeinsam auf Hawaii verbrachten, wuchs die Unzufriedenheit bei Tom, Stu und Doug in dem Maße in dem Johns Erfolge stiegen. Während in den heimatlichen Gefilden John bis auf wenige Ausnahmen bei Presseterminen oder in Radioshows das Wort führte, bemühten sich im Ausland zumindest einige Reporter auch den anderen Bandmitgliedern einen Platz einzuräumen. Zwar hatte John anfangs noch einige Mühe im Umgang mit den Medien und wirkte etwas unbeholfen, mit zunehmender Anzahl von Terminen wurde sein Reden jedoch immer flüssiger und er verstand es immer besser, seine Ansichten und alles was mit CCR zusammenhing seinen Interviewpartnern nahezubringen. Während in den USA beispielsweise das Musikmagazin "Rolling Stone" in einem großen Interview ausschließlich John präsentierte, stellte der britische "New Musical Express" sämtliche Musiker vor.
Während John Fogerty aus Arbeiterverhältnissen stammte und seine Musik u.a. als ehrliche Maloche ansah, stammte Stu Cook aus einem Elternhaus, in dem Vater und Mutter Juristen waren. Zwar hegte John so manchen revolutionären Gedanken, doch die politischen Aktivitäten vieler Studenten waren ihm eher suspekt. Für seine Begriffe konnten gerade diese sich auf den Polstern ihrer gutsituierten Eltern ausruhen, während er sich alles hart erarbeiten musste. Stu Cook fiel für ihn zumindest teilweise in diese Kategorie und damit zu einer Bevölkerungsgruppe, zu der John sich nicht zählte. John prägte das Image von CREEDENCE, für Stu wie auch Tom und Doug interessierte sich in den USA im Prinzip kaum jemand. Das nordamerikanische Image der Band übertrug sich letztendlich auf die übrige Musikwelt.
John hatte die Lieder geschrieben, seinen Kollegen in der Band gesagt wie sie zu spielen seien und hatte die Band nahezu im Alleingang durch sein Talent nach vorne gebracht. Ignorierend, dass sie ihm musikalisch bei weitem nicht ebenbürtig waren, forderten die anderen Drei einen größeren Anteil an den zu treffenden Entscheidungen, beabsichtigten eigene Songs zu schreiben und drängten nach einem Platz im Rampenlicht neben John.

Im April 1970 kündigte Paul McCartney seinen Abschied von den BEATLES an, was gleichzeitig das Ende der Band bedeutete. Die Abwicklung seiner finanziellen Angelegenheiten hatte er zuvor bereits einem gewissen Allen Klein überlassen, dessen Praktiken mit zum Ende der vielleicht einflussreichsten Gruppe aller Zeiten beitrugen.
Im Laufe des Jahres tauchte der "Buchhalter" Klein zu einem Meeting in der "Factory" (das "Hauptquartier" CCRs) in Berkeley auf. Er strengte u.a. Untersuchungen über die Verkaufszahlen (zum Zeitpunkt seines Handelns weltweit über fünf Millionen) von "Cosmo's Factory" an, oder nahm die für den Druck ihrer Plattencover zuständige Firma unter die Lupe. Letztendlich nahm das jedoch auf die weitere Entwicklung CREEDENCEs keinen Einfluss.
Es galt den vakanten Platz auf dem Thron, den die BEATLES geräumt hatten, neu zu besetzen. CCR hatten sich zwar längst als die zur damaligen Zeit größte amerikanische Band etabliert und galten als die kontinuierlichsten Hitlieferanten, der sogenannte musikalische Underground jedoch betrachtete sie trotz mittlerweile fünf ausgezeichneter Alben als Top 40-Act.
Besonders Tom, Stu und Doug schienen inzwischen unter einem Syndrom zu leiden, das damals auch so manche Musiker anderer Bands befallen hatte: Der "BEATLE-Komplex". Warum, so wollten die drei wissen, wurden CREEDENCE und damit sie, nicht so ernst genommen wie Musiker einiger anderer Gruppen, von denen die Kritiker glaubten die Nachfolger der eventuellen "Fab Four" gefunden zu haben?
Für John stellte sich dieses Problem nicht. Für ihn war klar, dass die BEATLES oder wer auch immer nichts mit den zunehmenden Problemen innerhalb CCRs zu tun hatten. Er befand, man solle lieber über sich selbst reden bzw. reden lassen. Daraufhin wurde entschieden, eine Kampagne in Gang zu bringen, mit dem Ziel der Band den ihr gebührenden Platz in der "Rock-Welt" zu bescheren. Eine große Public Relations Agentur aus Hollywood wurde angeheuert, Journalisten gingen von nun an täglich in der "Factory" ein und aus, doch die Aktion stellte sich angesichts der Erfolge CREEDENCEs unter dem Strich als eher befremdlich dar.
Tom, Stu und Doug machten sich zunehmend Sorgen um ihr Profil in der Öffentlichkeit. Sie wollten schlicht und einfach mehr sein als "John Fogerty und die anderen Jungs". Im Einzelnen lief es darauf hinaus, dass Tom gelegentlich die Lead-Vocals übernehmen wollte, während Stu und Doug daran dachten eigene Songs zu schreiben und auch zu singen, wobei sie ihre Hände über die eigenen Produktionen zu halten gedachten. Johns Einwand, mit fünf Hit-Alben und zahlreichen erfolgreichen Singles im Rücken wäre es dumm die Erfolgsformel ändern zu wollen, ließen sie nicht länger gelten.
Zahlreiche John Fogerty freundlich gesonnene Fans und Kritiker sprachen später von einer regelrechten Meuterei der anderen drei Bandmitglieder. Widerwillig gab John dem Drängen der drei schließlich nach und es wurde beschlossen, dass der Singer/Songwriter/Produzent John Fogerty die totale Kontrolle nur noch über das geplante neue Album "Pendulum" behalten sollte.
Hey Tonight Inwieweit diese Entscheidung einen Einfluss auf die Veröffentlichungspolitik hatte, ließ sich nur vermuten. Fakt war, dass vorab keine Single erschien und als Have You Ever Seen The Rain? / Hey Tonight im Januar 1971 herausgebracht wurde, lag eine für CCR-Maßstäbe ungewöhnlich lange Zeitspanne von sechs Monaten dazwischen.

Im Oktober 1970 verteilten CCR eine sogenannte "Promotional Single" (45 Revolutions Per Minute Part 1 / 45 Revolutions Per Minute Part 2) über deren Sinn und Zweck sich bis heute trefflich diskutieren lässt. Mit "ihrer" Musik hatte das rein gar nichts zu tun; die gesamte Produktion, Soundeffekte und Sprachcollagen, erinnerten eher an die jährliche spezielle Aufnahme für die Fan Clubs einer gewissen Band aus Liverpool. Gezielt auf DJs, die nicht immer allzu ernste Interviews mit der Band führten, eine nette kleine Satire auf die Medienlandschaft, für Fans ihrer Musik eher unverständlich anmutend.

Ging es für CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL seit ihrem gleichnamigen ersten Album (Juni 1968) nur aufwärts, so deutete sich nun ein Schwingen des Pendels in die entgegengesetzte Richtung an. Für Außenstehende erschien vielleicht nur das Ausbleiben einer neuen Single merkwürdig, innerhalb der Band verhärteten sich die Fronten bis zum Erscheinen von "Pendulum" (Dezember 1970).
Die Aufnahmen zur neuen LP verliefen jedoch erst einmal wie gewohnt. Die Proben begannen täglich gegen Mittag, wobei John sie von einer Bank hinter einer Hammond B-3 Orgel leitete. Die stilistische Änderung durch den häufigen Einsatz besagten Instruments war ohne Zweifel durch die Songs von BOOKER T. & THE MGs inspiriert. Die populären Soul-Instrumentalisten aus Memphis bildeten nicht nur einen frühen Einfluss auf die Musik CREEDENCEs, Fogerty & Co. ließen sich deren Auftritte als Special Guests während ihrer triumphalen Headliner-Tour 1969 auch einiges kosten. Für ein CREEDENCE TV-Special nahm man eine Jam-Session mit dem Organisten Booker T. Jones und seinem Gitarristen Steve Cropper in der "Factory" auf.
Entstanden die bisherigen Alben der Band innerhalb kurzer Zeiträume, so nahmen die Aufnahmen für "Pendulum" ungewohnt viele Wochen in Anspruch. Die vier Musiker benötigten alleine sechs Wochen, um die instrumentalen Songteile einzuüben. Tom, Stu und Doug wussten weder über Titel noch Melodien oder Texte Bescheid. Jeden Nachmittag wurden die instrumentalen Parts wie mit den Augen eines Juweliers detailliert geprüft. Soundexperimente sollten die neuen Tracks ausgereifter klingen lassen, beispielsweise rieb man Vaseline auf die Lautsprecher Stu Cooks, um seinen Bass "funky" klingen zu lassen.
Nachdem die Basics der Band in der "Factory" regelrecht eingedrillt wurden, wechselte man zwecks Aufnahme des neuen Materials in das Wally Heider Studio in San Francisco. Diesmal erblühten einige Songs erst regelrecht während der Recording-Sessions (Pagan Baby, Have You Ever Seen The Rain?).
Zur Fertigstellung "Pendulum"s bedurfte es eines weiteren Monats, einer ungewöhnlich langen Zeitdauer, verglichen mit dem Standard CCRs. John hatte Schwierigkeiten mit Hörnern, die er selber einspielte, Keyboard-Overdubs zogen sich hin und auch die Background-Vocals der gesamten Band für Sailor's Lament benötigten viel Zeit.

Pendulum

Die Erstauflage der neuen Langspielplatte sollte eine Million Stück betragen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im Dezember 1970 hatten CREEDENCE die komplette Rock-Journaille des Landes nach Berkeley eingeladen, um das Erscheinen von "Pendulum" zu feiern. Mehrere hundert Schreiber wurden eingeflogen, bewirtet und mit Bussen durch die Stadt chauffiert. Man sah sich das vorab gedrehte TV-Special an und nach einem anschließenden Dinner gaben CCR einen kurzen Auftritt in dem sie auch die für den Januar 1971 geplante neue Single Hey Tonight spielten.
Der Sinn und Zweck der großen Presseparty, nämlich die Öffentlichkeit näher über die Neuerungen im Bandgefüge zu informieren, wurde von den anwesenden Journalisten nicht recht als solcher erfasst. Vielleicht auch irritiert durch die Tatsache, dass Tom Fogerty, Stu Cook und Doug Clifford sich in den Vordergrund drängten, ohne bis dato irgendeinen Erfolg außer dem als Johns Rhythmusgruppe verzeichnen zu können, fielen die meisten dem Event folgenden Presseberichte nicht wie erhofft aus. Es war die Rede von "Die Nacht der Generäle" und das Aufbegehren gegen John Fogerty wurde teilweise ins Lächerliche gezogen.

Wer mit "Pendulum" eine Fortsetzung des mega-erfolgreichen "Cosmo's Factory" erwartet hatte, sollte überrascht werden. Die Platte enthielt, im Gegensatz zum nur fünf Monate zuvor erschienenem Vorgänger, keine Coverversion und experimentierte statt dessen mit völlig ungewohnten Klängen.
Mit dem Opener Pagan Baby präsentierten sich CREEDENCE von ihrer gewohnten Seite. Auf sechseinhalb Minuten ging es heftig zur Sache und Johns Lead-Gitarre dominierte einen weiteren Klassiker. Damit hatte sich die Herrlichkeit in Sachen "Gitarre" allerdings fast erledigt. Das Thema von Sailor's Lament spielte eine Orgel, während die Gitarren dezent im Hintergrund für den Rhythmus sorgten. Das Solo besorgte das Saxophon und die Backing-Vocals der Band klangen wie ein Frauenchor.
Chameleon sollte Freunde des Bayou-Sounds weiter verschrecken. Eingeleitet durch Bläser, die dem "funky" klingenden Track in seinem weiteren Verlauf die Richtung vorgaben, gab es erneut ein Saxophon-Solo. Johns Gesang passte zwar perfekt zum Song, Fans von Green River oder Travelin' Band jedoch konnten, ob der Veränderungen, ins Schlucken geraten.
Das folgende Have You Ever Seen The Rain? bot endlich wieder "Classic-CCR-Stuff". Vergleichsweise spartanisch aufgenommen, durchzog eine treibende akustische Gitarre einen Fogerty-Track mit allen Trademarks die ihn populär hatten werden lassen. Die Orgel blieb ganz dezent im Hintergrund, und auch wenn es erneut kein Gitarren-Solo zu bestaunen gab, lieferten CREEDENCE hier vielleicht ihren letzten ganz großen Song ab. Es schien, als hätte John das eindringliche Lied bereits in Vorahnung des Auseinanderbrechens der Band geschrieben. Wie so oft zuvor, verstand er es auch hier, mit einer Melodie aufzutauchen, die im Gegensatz zum pessimistischen Text stand. Die Vorahnung des kommenden Unheils ("There's a calm before the storm, I know, and it's comin' for some time") ließ ihn ein Bild zeichnen, in dem es schon lange regnete, obwohl (nach außen) doch (noch) die Sonne schien ("Have you ever seen the rain coming down a sunny day?").
(Wish I Could) Hideaway mochte in der Tradition von Long As I Can See The Light stehen und John eine wirklich hervorragende Gesangsleistung abliefern, Anhänger des rock ('n'rolligen) "Cosmo's Factory"-Album konnten sich an der auch hier dominanten Orgel stoßen.
Der Eindruck, John Fogerty wollte auf dem letzten CREEDENCE-Album mit ihm als Bandleader seine enorme Vielseitigkeit beweisen, hat bis in die heutigen Tage Bestand.
Born To Move bot endlich wieder groovende Gitarren, die Blas- und Tasteninstrumente gaben dem Song eine ganz besondere Note und selbst als man im zweiten Teil den Track mit einer Orgel an einen Jam erinnernd ausklingen ließ, lieferte die Band Großes ab, ohne die Fans der vorherigen Alben zu verschrecken.
Mit Hey Tonight folgte anschließend der neben Have You Ever... und Pagan Baby dritte Klassiker der LP. Ein straighter Rocker, der die Tradition der Drei-Minuten-Songs CCRs noch einmal perfekt fortsetzte.
It's Just A Thought schien wiederum stark auf Johns unbestritten starke Vocals zugeschnitten und konnte die Gitarren-Fraktion langsam verzweifeln lassen. Nichts gegen sein Orgelspiel, aber übte BOOKER T. auf "Pendulum" nicht einen zu großen Einfluß aus?
Molina Der gute alte Rock'n'Roll lebte bei Molina wieder auf. Die Rhythmussektion trieb den "cool" wirkenden Song voran und das Saxophon-Solo Johns ließ einen sogar das vielleicht erwartete Intermezzo auf der Gitarre vergessen. Die Schlusssequenz, als der scheinbar beendete Track noch einmal kurz durchstartete, gab Molina das Tüpfelchen auf dem "i".
Das experimentelle Rude Awakening #2 hätte eventuell zur "Magical Mystery Tour" der BEATLES gepasst. Wie bereits die Promotion-Single 45 Revolutions Per Minute (Part 1 & 2) wirkte die Aufnahme eher überflüssig und nicht von dieser "CREEDENCE-Welt".

"Pendulum" fiel für eingefleischte Fans des "Bayou-Sounds" gewöhnungsbedürftig aus. Hey Tonight, Have You Ever Seen The Rain? oder Pagan Baby schlugen in die alte, heißgeliebte Kerbe und zeigten CCR von ihrer besten Seite, während man mit dem übrigen Songmaterial eventuell zu kämpfen hatte. Zweifelsohne ein ambitioniertes und gelungenes Album, aber sicherlich nicht unbedingt das was viele erwartet hatten.
Die Platte konnte zwar nicht an die hohen Verkaufszahlen von "Cosmo's Factory" anknüpfen, zu einer weiteren, der mittlerweile fünften Auszeichnung mit Platin reichte es allerdings immer noch.

Mit Have You Ever Seen The Rain? / Hey Tonight erschien im Januar 1971 die letzte "große" Single der Band. Wie bereits mehrfach zuvor ließ sich von zwei A-Seiten reden. Die beiden weltweiten Hits entwickelten sich in den USA zu CREEDENCEs achter goldener Single (*).

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Jürgen Ruland, (Artikelliste), 12.08.2005

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