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Diskografie:
Hellhammer - Demon Entrails
Hellhammer: "Demon Entrails", 1983/2008
Morbid Tales
"Morbid Tales", 1984
Emperor's Return
"Emperor's Return" (EP), 1985
To Mega Therion
"To Mega Therion", 1985
Into The Pandemonium
"Into The Pandemonium", 1987
Cold Lake
"Cold Lake", 1988
Vanity/Nemesis
"Vanity/Nemesis", 1990
1984-1992: Parched With Thirst Am I And Dying
"1984-1992: Parched With Thirst Am I And Dying", 1992
Monotheist
"Monotheist", 2006

Ooh! - ich trage Schwarz. Die Band um Thomas Gabriel Fischer, bekannt als Tom G. Warrior, ehedem "Satanic Slaughter", hat sich im April dieses Jahres de facto aufgelöst (de jure nicht, da "Altmitglied" Martin Eric Ain offenbar unter dem vertrauten Namen weitermachen will).

Vorangeschickt: Wer mit den ganz extremen Spielarten des Hard & Heavy-Bereichs nicht per Du ist, muss wissen: Nach den vorbildlichen Flurbereinigungen durch BLACK SABBATH (Doom Metal), DEEP PURPLE (sog. Klassik Rock), LED ZEPPELIN (hochgradig verstärkter Blues Rock mit Folk-Anleihen), aber auch dem unerträglichen Disco- und Computergewummere der späten Siebziger/frühen Achtziger des letzten Jahrhunderts, stand vielen Mitte der Achtziger Jahre der Sinn nach extremeren Hardrock-Kategorien. Neben Geschmacklosigkeiten wie denen von SLAYER, W.A.S.P. oder GWAR und vielen, eher störenden, "Dreschorgien", führte diese Entwicklung zu originellen Thrash-, Speedrock und anderen Stilarten. Wem auch dies noch nicht genug zur Sache ging, der wurde mit Death Metal, einer Mischung aus Speed und Thrash, gekrönt durch extrem brutalen Gesang und Horror- bzw. Todestexte, besser bedient. Eine weitere Steigerung dieser nur von einer kleinen, aber begeisterten Minderheit als Musik akzeptierten Spielweise war der Grindcore, der sich dem Uneingeweihten punkto Instrumentierung und Gesang, so z.B. Matthias Herrs Heavy Metal Lexikon, nur "als Gekotze und Gegrunze" mitteilt.

Trotz einiger Stilwechsel irgendwie zwischen skurrilem Death Metal und Techno Thrash siedelten sich die originellen Schweizer CELTIC FROST an. Celtic Frost 1984 Begonnen hatte alles Anfang der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts - der Keltische Frost (Synonym für "Untergang des Abendlandes") nahm eine etwas merkwürdige Metamorphose: Denn die Karriere der Band um Tom Gabriel "Warrior" begann mit einer Band namens HELLHAMMER, die Anfang der Achtziger zumindest in der Schweiz zur schlechtesten Band der Welt erklärt wurde (da musste auch MOTÖRHEAD passen). Nicht mehr erhältliches, jüngst aber remastertes Dokument (erhältlich unter dem Namen "Demon Entrails") dieser Probephase des sich damals schmuck "Satanic Slaughter" nennenden Tom Gabriel "Warrior" ist die EP "Satanic Rites".
Frustriert über die vernichtende Kritik des Erstlings lernte er einige grundlegende Gitarrenriffs, nannte seine wüste Truppe in CELTIC FROST um und veröffentlichte 1984 und 1985 mit den EPs "Morbid Tales" und "Emperor's Return" seriöseres, straightes und in Richtung Death Metal gehendes Material.

Celtic Frost 1985 "To Mega Therion" aus dem Jahre 1985 erweiterte dann das Spektrum und stieß auf durchweg glückliche Ohren, schon das Cover aus der Feder von H.R. Giger rechtfertigte den Plattenkauf. Statt aller anderen die RockHard-Enzyklopädie: "Ein Meilenstein".
"Into The Pandemonium" zeigte zwei Jahre später Avantgardistisches des nun ohne Kriegsnamen als Thomas Gabriel firmierenden Bandleaders: Schwere und verwirrende Kost (Tristesses De La Lune; One In Their Pride) wechselte mit gnadenlosen Krachern wie I Won't Dance, neben LED ZEPPELINs Immigrant Song m. E. einer der dynamisch-dichtesten Rocksongs. Genial auch hier das Cover von Hieronymus Bosch - in der Summe lagen elektronische Tricks samt Rap(!)-Einlage aber schon hart an der Schmerzgrenze.

Celtic Frost 1988 Der Kritikeranerkennung bei schleppenden Verkaufszahlen überdrüssig, veröffentliche CELTIC FROST 1988 "Cold Lake", das aber ob seiner plumpen Kommerzialität der nun geschminkt und dauergewellt auftretenden Schweizer verkaufstechnisch (zu recht) durchfiel.
"Vanity/Nemesis" aus dem Jahre 1990 verzichtete weitgehend auf Pseudo-Avantgardistisches; überzeugte aber durch straighten Techno-Thrash mit maßvollen Klassik-Anleihen. Dessen ungeachtet schien das Vertrauen potentieller Käufer endgültig zerstört - sie blieben mehrheitlich fern.
Hörenswert auf jeden Fall der 1992 erschiene Sampler "1984-1992: Parched With Thirst Am I And Dying", der acht Jahre originelles schweizerisches Hin- und Herpendeln zwischen Thrash, Death und Klassik-Anleihen dokumentierte und auch (noch) Unbekanntes wie das geniale The Inevitable Factor enthielt. Ab 1993 herrschte dann wieder Funkstille um den eigenwilligen Schweizer - 1994 erfolgte der offizielle Split.
CELTIC FROST standen, Zwischenergebnis, für den begrüßenswerten Versuch, ultrabrutale Thrash-Rhythmen mit originellen Anleihen aus anderen, zum Beispiel Klassik- und Technodisziplinen, zu verbinden.

2006 kam es dann zur lang angekündigten Reformierung, bei der aus alten Tagen noch Bassist Martin Eric Ain mit an Bord war - auf die hiesige Besprechung der Scheibe "Monotheist" sei verwiesen. Zusammengefasst: Respekt vor dem - erfolgreichen - Versuch, nicht 20 Jahre altes Material ein wenig aufzufrischen - wie hinlänglich anderweitig bekannt.

Celtic Frost 2007

Nach einer einigermaßen umfassenden Tournee gab Tom Gabriel Fischer am 09.04.2008 überraschend seinen Ausstieg bei C.F. bekannt. Laut der offiziellen Homepage und seinem Internet-Blog verlässt er die Band "wegen unüberwindbarer ernsthafter Verschleißerscheinungen auf persönlicher Ebene". Die verbliebenen Bandmitglieder sagten daraufhin alle anstehenden Konzerte für 2008 ab - wollen aber offenbar weitermachen (erinnert mich etwas an die STONES ohne Mick Jagger oder SAXON ohne Biff B.).
Fischer selbst will mit seiner neuen Band TRIPTYKON weitermachen - musikalisch soll es in Richtung "Monotheist" weitergehen. Ooh!

Dr. Thomas Schimpff, (Artikelliste), 24.05.2008

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